StVZO: Endlich helles Licht am Fahrrad

Endlich fällt dem Bundesverkehrsministerium mal was ordentliches ein! Seit Jahrzehnten vergammeln die Vorschriften zur Fahrradbeleuchtung in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und kümmern sich um die zulässige elektrische Spannung der Glübirne, während selbst günstigste Baumarkt-Fahrräder schon serienmäßig mit LED-Scheinwerfern daherkommen. Nach einer zaghaften Änderung vor einigen Jahren, die auf den Gebrauch von abnehmbarer Beleuchtung abzielte, gibt’s nun quasi den ganz großen Wurf und eine komplette Neufassung der für den Radverkehr einschlägigen Beleuchtungsvorschriften.

Dass das Fahrrad im deutschen Straßenverkehr eher eine Randerscheinung ist, ließ sich unter anderem in der Platzverteilung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung ablesen. Dort machte sich der Gesetzgeber ausführliche Gedanken zur vorgeschriebenen Ausstattung von Fahrzeugen, wickelte aber beispielsweise die Regelungen für Beleuchtungseinrichtungen an Fahrrädern in einem einzigen Paragraphen ganz hinten in der Ecke ab. Und was war das für ein Drama, als man in den letzten Jahren akkubetriebene Beleuchtung erlauben wollte — die schon seit Ewigkeiten im Straßenverkehr etabliert ist.

Dann gab es einmal in grauer Vorzeit die Idee, alle fahrradrelevanten Vorschriften in einer Fahrrad-Zulassungs-Ordnung zu sammeln — das wurde allerdings vor vielen Jahren vom Bundesrat abgelehnt, weil: Das wäre alles zu kompliziert, das brauche man nicht, das ginge auch so.

Nun dröselt man seit einiger Zeit wieder in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung herum und versucht der lichttechnischen Vorschriften für Fahrräder irgendwie Herr zu werden. Dafür gibt es viele gute Gründe — beispielsweise hat die Beleuchtungstechnik in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, so dass es selbst an billigsten Baumarkt-Drahteseln bereits LED-Beleuchtung mit Nabendynamo verbaut wurde, während sich die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung noch Gedanken um die vorgeschriebene Stromspannung der „Lichtmaschine“ machte.

Andererseits sind auf den Straßen plötzlich Fahrräder unterwegs, die in der Vergangenheit noch eher als Exoten galten: Mehr oder weniger viele Lastenräder gehören fest zum Großstadtverkehr, Christiania-Räder sind nicht nur in Szenevierteln anzutreffen, Lasten- und Kinderanhänger haben sich ebenfalls etabliert — nur an den passenden Beleuchtungsvorschriften mangelte es noch, weswegen man beispielsweise einen Fahrradanhänger nicht im Sinne der Vorschriften mit einer roten Schlussleuchte ausstatten konnte. Dass die Polizei froh ist, wenn am Rad überhaupt etwas leuchtet und eine zusätzliche Beleuchtung am Anhänger in der Regel toleriert hätte, steht natürlich nicht zur Debatte.

Nun hat sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das in der Vergangenheit eher nicht so gut mit Fahrrädern umgehen konnte, seine Vorschläge für eine Überarbeitung der Vorschriften in der Drucksache 771/16 veröffentlicht, die am morgigen Freitag endlich im Bundesrat zur Abstimmung kommen sollen. Monat für Monat zog sich diese Sache bislang hin, aber nun konnte man sich offenbar zu einer Neufassung der einschlägigen Vorschriften durchringen. In der Druckfassung geht’s auf Seite 5 los mit den fahrradrelevanten Absätzen und man muss zugeben: Das ist tatsächlich ziemlich gelungen.

§ 63a StVZO: Beschreibung von Fahrrädern

Damit der kundige Verkehrsteilnehmer künftig bei hitzigen facebook-Debatten überhaupt weiß, worüber er da redet, wird in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung glatte 200 Jahre nach der Erfindung des muskelbetriebenen Zweirades mit § 63a StVZO endlich mal eine Definition eingebaut, was denn überhaupt ein Fahrrad ist. Darüber gab es ja in der Vergangenheit ermüdende Diskussionen — ist ein Fahrrad mit drei Rädern eigentlich noch ein Fahrrad oder schon ein Dreirad? Und was ist überhaupt mit den ganzen elektrisch unterstützten Rädern?

§ 63a Abs. 1 StVZO

Ein Fahrrad ist ein Fahrzeug mit mindestens zwei Rädern, das ausschließlich durch die Muskelkraft auf ihnen befindlicher Personen mit Hilfe von Pedalen oder Handkurbeln angetrieben wird.

Na, bloß gut, dass wir mal drüber geredet haben. Wer jetzt bemängelt, dass elektrisch angetriebene Fahrräder offenbar ja gar kein Fahrrad im Sinne des Verordnungsgebers wären, kann sich schon mal auf Absatz 2 freuen, denn der ist glatt drei Mal so lang, um die Sache mit elektrisch unterstützten oder angetriebenen Rädern irgendwie in Worte zu fassen:

§ 63a Abs. 2 StVZO

Als Fahrrad gilt auch ein Fahrzeug im Sinne des Absatzes 1, das mit einer elektrischen Trethilfe ausgerüstet ist, die mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer größten Nenndauerleistung von 0,25 kW ausgestattet ist, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder wenn der Fahrer mit dem Treten oder Kurbeln einhält, unterbrochen wird. Die Anforderungen des Satzes 1 sind auch dann erfüllt, wenn das Fahrrad über einen Hilfsantrieb im Sinne des Satzes 1 verfügt, der eine Beschleunigung des Fahrzeuges auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h, auch ohne gleichzeitiges Treten oder Kurbeln des Fahrers, ermöglicht (Anfahr- oder Schiebehilfe).

Ich hätte mir gewünscht, dass noch mal jemand klarstellt, ob Kinderfahrräder, beziehungsweise von Kindern benutzte Fahrräder ebenfalls schon ein Fahrzeug im rechtlichen Sinne ist.

§ 67 StVZO Lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern

Komplett neu gefasst wurde § 67 StVZO, der nun mit einigermaßen zeitgemäßen Vorschriften ausgerüstet wurde.

§ 67 Abs. 1 StVZO

Fahrräder dürfen nur dann im öffentlichen Straßenverkehr in Betrieb genommen werden, wenn sie mit den vorgeschriebenen und bauartgenehmigten lichttechnischen Einrichtungen ausgerüstet sind. Für abnehmbare Scheinwerfer und Leuchten gilt Absatz 2 Satz 4. Fahrräder müssen für den Betrieb des Scheinwerfers und der Schlussleuchte mit einer Lichtmaschine, einer Batterie oder einem wieder aufladbaren Energiespeicher oder einer Kombination daraus als Energiequelle ausgerüstet sein. Alle lichttechnischen Einrichtungen, mit Ausnahme von Batterien und wiederaufladbaren Energiespeichern, müssen den Anforderungen des § 22a genügen. Die Nennspannung der Energiequelle muss verträglich mit der Spannung der verwendeten aktiven lichttechnischen Einrichtungen sein.

Interessant, dass man sich auch im Jahre 2017 des Herrn immer noch Gedanken über die notwendige Stromspannung macht, anstatt endlich mal ein vernünftiges Lichtbild oder eine ausreichende Helligkeit vorzuschreiben. Naja, und dass die „Batterie“ und der „wiederaufladbare Energiespeicher“ im Singular daherkommt, wird wohl nicht bedeuten, dass sich akkubetriebene Scheinwerfer und Rückleuchten einen gemeinsamen Energiespeicher teilen müssen.

§ 67 Abs. 2 StVZO

Absatz 2 enthält erstmal eine grobe Beschreibung der lichttechnischen Einrichtungen, die man sich ans Fahrrad basteln darf oder muss:

Als lichttechnische Einrichtungen gelten auch Leuchtstoffe und rückstrahlende Mittel. Die lichttechnischen Einrichtungen müssen vorschriftsmäßig im Sinne dieser Verordnung und während ihres Betriebs fest angebracht, gegen unabsichtliches Verstellen unter normalen Betriebsbedingungen gesichert sowie ständig einsatzbereit sein. Lichttechnische Einrichtungen dürfen nicht verdeckt sein. Scheinwerfer, Leuchten und deren Energiequelle dürfen abnehmbar sein, müssen jedoch während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, angebracht werden.

Aufgemerkt! Die generelle Mitführpflicht für abnehmbare Beleuchtung ist in diesen Vorschriften nicht mehr enthalten. Wer also im Sommer morgens nur schnell zum Bäcker will, kann die Beleuchtung zu Hause lassen. Obwohl: Was passiert, wenn der Weg durch eine schlecht beleuchtete Unterführung führt? Greift dort schon der letzte Satz bezüglich der Sichtverhältnisse?

Lichttechnische Einrichtungen dürfen zusammengebaut, ineinander gebaut oder kombiniert sein, mit Ausnahme von Fahrtrichtungsanzeigern.

Ist ja der Hit: Man darf an sein Fahrrad künftig Fahrtrichtungsanzeiger anbauen. Da tut sich ja ein komplett neuer Markt auf, bislang halten die einschlägigen Internetshops nur lustigen Spielkram bereit.

Unklar ist allerdings die Ausnahme, warum Fahrtrichtungsanzeiger nicht mit anderen Einrichtungen, beispielsweise dem Rücklicht kombiniert werden dürfen. Fürchtet der Verordnungsgeber eine schlechte Erkennbarkeit und entsprechende Irritationen, wenn zwei Fahrtrichtungsanzeiger und ein Rücklicht in eine bauliche Einheit gequetscht werden? Dann hätte er allerdings besser einen Mindestabstand zwischen den Anzeigern angeben sollen, denn solche engen Gruppierungen sind immer noch möglich, sofern der Kram nicht als einheitliches Bauteil angeboten wird.

Lichttechnische Einrichtungen dürfen sich in ihrer Wirkung gegenseitig nicht beeinflussen. Fahrräder mit einer Breite über 1000 mm müssen nach vorne und hinten gerichtete, paarweise horizontal angebrachte Rückstrahler sowie mindestens zwei weiße Scheinwerfer und zwei rote Schlussleuchten aufweisen, die mit einem seitlichen Abstand von maximal 200 mm paarweise zur Außenkante angebracht sein müssen. Abweichend davon müssen Fahrräder, die breiter als 1800 mm sind, den Anbauvorschriften der ECE-Regelung Nr. 48 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Fahrzeuge hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (ABl. L 323/46 vom 6.12.2011) für Pkw entsprechen.

Nun gut: Breite Fahrräder über einem Meter brauchen jeweils einen zweiten Scheinwerfer und ein zweites Rücklicht.

§ 67 Abs. 3 StVZO

In Absatz 3 geht es um Scheinwerfer:

Fahrräder müssen mit einem oder zwei nach vorn wirkenden Scheinwerfern für weißes Abblendlicht ausgerüstet sein.

Hier fällt schon mal der Begriff des Abblendlichts. Der Verordnungsgeber kommt später darauf zurück, denn nun gibt’s endlich auch Tagfahr- und Fernlicht.

Der Scheinwerfer muss so eingestellt sein, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet.

Die bislang gültige Vorschrift, dass der Lichtkegel nach fünf Metern noch halb so hoch wie am Ausgangspunkt scheinen muss, wurde aufgegeben. Man möchte fast sagen: Es ist ganz egal, wie das Licht eingestellt wird, solange andere Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden. Es ist also künftig erlaubt, den Scheinwerfer direkt auf den Vorderreifen zu richten, sofern man ihn während des Betriebs fest anschraubt, sonst verstößt man gegen Absatz 2. Ich glaube, das hätte man besser lösen können.

Blinkende Scheinwerfer sind unzulässig.

Danke für die Klarstellung. Oder: Halt, stop! Ist nur der blinkende Betrieb unzulässig? Oder darf man Scheinwerfer, die in einem bestimmen Betriebsmodus Blinklicht abgeben, gar nicht erst betreiben?

Fahrräder müssen mit mindestens einem nach vorn wirkenden weißen Rückstrahler ausgerüstet sein. Scheinwerfer dürfen zusätzlich mit Tagfahrlicht- und Fernlichtfunktion für weißes Licht mit einer maximalen Lichtstärke und Lichtverteilung der Tagfahrlichtfunktion nach der ECE-Regelung Nr. 87 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Tagfahrleuchten für Kraftfahrzeuge (ABl. L 164/46 vom 30.6.2010) ausgerüstet sein. Die Umschaltung zwischen den Lichtfunktionen muss automatisch erfolgen oder von Hand mit Bedienteilen entsprechend der Lageanordnung nach der ECE-Regelung Nr. 60 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von zweirädrigen Krafträdern und Mopeds hinsichtlich der vom Fahrzeugführer betätigten Bedienteile sowie der Kennzeichnung von Bedienteilen, Kontrollleuchten und Anzeigern (ABl. L 297/23 vom 15.10.2014).

Man darf also endlich mit Tagfahr- und Fernlicht arbeiten. Puh, dann entspricht meine Fahrradbeleuchtung nach drei Jahren endlich wieder den Vorschriften, denn ein Fernlicht, beziehungsweise einen helleren Modus gibt’s dort schon lange.

§ 67 Abs. 4 StVZO

Nun zur Rückseite des Fahrraded. Die Vorschriften für die Schlussleuchten und Rückstrahler wurden an dieser Stelle etwas knapper gefasst:

Fahrräder müssen an der Rückseite mit mindestens
1. einer Schlussleuchte für rotes Licht,
2. einem roten nicht dreieckigen Rückstrahler der Kategorie „Z“ ausgerüstet sein.

Der berühmt-berüchtigte Rückstrahler mit dem überaus wichtigen „Z“ bleibt dem Fahrrad also erhalten. In der bisherigen Fassung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung hieß das Ding noch „Großflächen-Rückstrahler“, jetzt darf es nur nicht dreieckig sein.

Übrigens: Der zusätzliche zweite Rückstrahler entfällt. Damit haben alle Räder ohne Schutzbleche endlich eine Chance, überhaupt in die Nähe einer StVZO-Zulassung zu rücken.

Schlussleuchte und Rückstrahler dürfen in einem Gerät verbaut sein. Schlussleuchten dürfen zusätzlich mit einer Bremslichtfunktion für rotes Licht mit einer Lichtstärke und Lichtverteilung der Bremslichtfunktion entsprechend der ECE-Regelung Nr. 50 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Begrenzungsleuchten, Schlussleuchten, Bremsleuchten, Fahrtrichtungsanzeigern und Beleuchtungseinrichtungen für das hintere Kennzeichen für Fahrzeuge der Klasse L (ABl. L 97/1 vom 29.3.2014) ausgerüstet sein.

Man kann dem Bundesverkehrsministerium echt nichts vorwerfen: Man hat sogar gemerkt, dass es mittlerweile einige Schlussleuchten mit Bremslichtfunktion gibt und hat die Dinger im Verordnungstext berücksichtigt.

Blinkende Schlussleuchten sind unzulässig.

Auch hier mangelt es an einer Klarstellung, ob nur der Blinkbetrieb oder generell Rücklichter mit Blinkmodus untersagt sind. Die meisten handelsüblichen Scheinwerfer lassen sich in verschiedenen Modi betreiben und wenigstens einer davon blinkt in der Regel ganz grässlich — ist dann nur dieser Blinkbetrieb unzulässig oder gleich das ganze Rücklicht?

§ 67 Abs. 5 StVO

Zu dem ganzen reflektierenden Kram am Fahrrad schlägt man folgendes vor:

Fahrradpedale müssen mit nach vorn und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern ausgerüstet sein. Die Längsseiten eines Fahrrades müssen nach jeder Seite mit
1. ringförmig zusammenhängenden retroreflektierenden weißen Streifen an den Reifen oder Felgen oder in den Speichen des Vorderrades und des Hinterrades oder
2. Speichen an jedem Rad, alle Speichen entweder vollständig weiß retroreflektierend oder mit Speichenhülsen an jeder Speiche, oder
3. mindestens zwei um 180 Grad versetzt angebrachten, nach der Seite wirkenden gelben Speichenrückstrahlern an den Speichen des Vorderrades und des Hinterrades kenntlich gemacht sein.

Hier endlich klargestellt, was im Text der bisherigen Verordnung nicht so ganz eindeutig war: Bei der Verwendung von so genannten „Speichen-Sticks“ muss jede Speiche mit einer solchen Hülse ausgestattet sein. Dekorationen wie eine Hülse an jeder zweiten Speiche oder nur vier Stück pro Felge sind unzulässig.

Zusätzlich zu der Mindestausrüstung mit einer der Absicherungsarten dürfen Sicherungsmittel aus den anderen Absicherungsarten angebracht sein. Werden mehr als zwei Speichenrückstrahler an einem Rad angebracht, so sind sie am Radumfang gleichmäßig zu verteilen. Zusätzliche nach der Seite wirkende bauartgenehmigte gelbe rückstrahlende Mittel sind zulässig.

Soweit, so gut, jetzt aber noch mal Luft holen, denn nun geht’s um die oben bereits erwähnten Fahrtrichtungsanzeiger:

Nach vorne und nach hinten wirkende Fahrtrichtungsanzeiger, genehmigt nach der ECE-Regelung Nr. 50 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Begrenzungsleuchten, Schlussleuchten, Bremsleuchten, Fahrtrichtungsanzeigern und Beleuchtungseinrichtungen für das hintere Kennzeichen für Fahrzeuge der Klasse L (ABl. L 97/1 vom 29.3.2014) und angebaut nach der ECE-Regelung Nr. 74 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von L1-Fahrzeugen (Mopeds) hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (ABl. L 166/88 vom 18.6.2013) sowie Anordnung der Bedienteile nach ECE-Regelung Nr. 60 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von zweirädrigen Krafträdern und Mopeds hinsichtlich der vom Fahrzeugführer betätigten Bedienteile sowie der Kennzeichnung von Bedienteilen, Kontrollleuchten und Anzeigern (ABl. L 297/23 vom 15.10.2014), sind nur bei mehrspurigen Fahrrädern oder solchen mit einem Aufbau, der Handzeichen des Fahrers ganz oder teilweise verdeckt, zulässig.

Das wichtigste steht am Schluss: Fahrtrichtungsanzeiger sind nur an mehrspurigen Fahrrädern zulässig oder wenn ein wie auch immer gearteter Aufbau die Handzeichen verdecken könnte. Ob dazu wohl schon ein größerer Rucksack genügt?

§ 67 Abs. 6 StVZO

Noch mal etwas zum Grübeln:

Schlussleuchte und Scheinwerfer dürfen nur gemeinsam einzuschalten sein, wenn sie mit Hilfe einer Lichtmaschine betrieben werden.

Das kapiert doch alles wieder kein Mensch. Diesen Satz kann man wieder prima drehen und wenden und es kommt einfach nichts sinnvolles dabei herum. Muss man an einem elektrisch unterstützten Rad, bei dem die Beleuchtung aus dem Akku gespeist wird, die Beleuchtung nacheinander einschalten, weil sie nicht direkt mit einer Lichtmaschine betrieben wird? Ist eine Beleuchtungslösung, bei der Scheinwerfer und Rücklicht aus einem gemeinsamen Akku gespeist werden, nur dann möglich, wenn beide Geräte nicht gleichzeitig einschaltbar sind?

Vermutlich möchte das Bundesverkehrsministerium ausdrücken, dass bei der Verwendung einer Lichtmaschine beide Einheiten, also Scheinwerfer und Schlussleuchte, gemeinsam einschaltbar sein müssen. Solche Konstruktionen wie die Speisung des Scheinwerfers aus dem Nabendynamo beim Einsatz von einem Akku-Rücklicht, wie es bei einigen Falträdern der Mittelklasse praktiziert wird, wäre damit wohl unzulässig.

Bei eingeschalteter Standlichtfunktion darf auch die Schlussleuchte allein leuchten. In den Scheinwerfern und Leuchten dürfen nur die nach ihrer Bauart dafür bestimmten Leuchtmittel verwendet werden.

Immerhin keine Vorschrift über den Einsatz von Glühbirnen. Das Bundesverkehrsministerium ist echt modern geworden.

§ 67 Abs. 7 StVZO

Jetzt folgen die ganzen Vorschriften über „Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung“:

Bei Fahrrädern mit elektrischer Tretunterstützung kann die Versorgung der Beleuchtungsanlage über eine Kopplung an den Energiespeicher für den Antrieb erfolgen, wenn
1. nach entladungsbedingter Abschaltung des Unterstützungsantriebs noch eine ununter-
brochene Stromversorgung der Beleuchtungsanlage über mindestens zwei Stunden
gewährleistet ist oder
2. der Antriebsmotor als Lichtmaschine übergangsweise benutzt werden kann, um auch
weiterhin die Lichtanlage mit Strom zu versorgen.
Satz 1 gilt nicht für Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung, die vor dem 1. Januar 2019 in Verkehr gebracht werden.

Okay, klingt ganz sinnvoll.

§ 67 Abs. 8 StVZO

Die Mindest- und Maximalhöhen für den Anbau von lichttechnischen Einrichtungen wurden hierher ausgelagert:

Für lichttechnische Einrichtungen am Fahrrad gelten folgende Anbauhöhen

Lichttechnische Einrichtung Minimale Höhe [mm] Maximale Höhe [mm]
Scheinwerfer für Abblendlicht 400 1200
Rückstrahler vorne 400 1200
Hinten: Schlussleuchte, Rückstrahler 250 1200

§ 67a StVZO: Lichttechnische Einrichtungen an Fahrradanhängern

Das Bundesverkehrsministerium schlägt außerdem einen § 67a StVZO vor, der die Beleuchtung an Fahrradanhängern regelt.

§ 67a Abs. 1 StVZO

An Fahrradanhängern dürfen nur die vorgeschriebenen und bauartgenehmigten lichttechnischen Einrichtungen angebracht sein. Lichttechnische Einrichtungen dürfen nicht verdeckt sein.

Mal was ganz neues. Bislang war man sich ja nicht so hundertprozentig sicher, ob man an einem Anhänger überhaupt ein rotes Rücklicht anbringen dürfte.

§ 67a Abs. 2 StVZO

Fahrradanhänger müssen mindestens mit folgenden lichttechnischen Einrichtungen ausgerüstet sein:
1. nach vorn wirkend:
a) bei einer Breite des Anhängers von mehr als 600 mm mit zwei paarweise angebauten weißen Rückstrahlern mit einem maximalen Abstand von 200 mm zur Außenkante,
b) bei einer Breite des Anhängers von mehr als 1000 mm zusätzlich mit einer Leuchte für weißes Licht auf der linken Seite,

Okay, Anhänger, die nicht breiter als 60 Zentimeter sind, brauchen keine nach vorn wirkenden Einichtungen.

2. nach hinten wirkend:
a) mit einer Schlussleuchte für rotes Licht auf der linken Seite, falls mehr als 50 Prozent der sichtbaren leuchtenden Fläche der Schlussleuchte des Fahrrads durch den Anhänger verdeckt wird und
b) mit zwei roten Rückstrahlern der Kategorie „Z“ mit einem maximalen Abstand von 200 mm zur Außenkante,

Puh — wie soll man denn die Sache mit dem Verdecken der sichtbaren leuchtenden Fläche der Schlussleuchte berechnen? Geht es darum, dass ein anderer Verkehrsteilnehmer, der hinter dem Gespann fährt, noch mindestens fünfzig Prozent des Rücklichtes erkennen kann? Aus welcher Perspektive soll der Betrachter denn auf die Rückleuchte gucken? Der liebe Gott wird sicherlich mehr von der Rückleuchte erkennen können als der Fahrzeugführer eines tiefergelegten Sportwagens, der noch nicht mal den Kopf des Radfahrers hinter dem Anhänger sehen kann.

Wie läuft das dann mit solchen kastenförmigen, nach oben offenen Anhängern, in die man einfach seine Einkäufe hineinfallen lassen kann? Auf dem Weg zum Einkaufen braucht man noch kein zusätzliches Rücklicht, auf dem Rückweg aber schon, weil dann die Bierkiste das Rücklicht verdeckt?

Und dann bleibt immer noch die Frage, wie man denn die Verdeckung des Rücklichtes berechnen soll, falls es sich um eine punktförmige LED handelt. Das wird lustig — vor allem, weil eine zusätzliche Leuchte nach vorne bei relativ breiten Anhängern vorgeschrieben ist, nach hinten aber erst, wenn das Rücklicht zur Hälfte verdeckt ist. Der Gegenverkehr wird also gewarnt, der auflaufende Verkehr in gleicher Fahrtrichtung aber nicht?

3. nach beiden Seiten wirkend mit
a) ringförmig zusammenhängenden retroreflektierenden weißen Streifen an Reifen oder Felgen oder Rädern oder
b) weiß retroreflektierenden Speichen (jede Speiche) oder Speichenhülsen (an jeder Speiche) an jedem Rad oder
c) mindestens zwei um 180 Grad versetzt angebrachten, nach der Seite wirkenden gelben Speichenrückstrahlern an den Speichen jedes Rades.

Na gut, das sind ähnliche Vorschriten wie beim Fahrrad.

§ 67a Abs. 3 StVZO

Bei schmalen Anhängern darf man eine weiße Leuchte in Fahrtrichtung anbringen:

Anhänger, die nicht breiter als 1000 mm sind, dürfen mit einer Leuchte für weißes Licht nach vorne ausgerüstet werden.

§ 67a Abs. 4 StVZO

Okay, was darf man sonst noch so an den Anhänger bauen?

Unabhängig von der Breite dürfen Anhänger mit
1. einer weiteren Leuchte für rotes Licht nach hinten auf der rechten Seite oder
2. Fahrtrichtungsanzeigern, genehmigt nach der ECE-Regelung Nr. 50 über einheitliche
Bedingungen für die Genehmigung von Begrenzungsleuchten, Schlussleuchten, Bremsleuchten, Fahrtrichtungsanzeigern und Beleuchtungseinrichtungen für das hintere Kennzeichen für Fahrzeuge der Klasse L (ABl. L 97/1 vom 29.3.2014) und angebaut nach der E-CE-Regelung Nr. 74 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von L1- Fahrzeugen (Mopeds) hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (ABl. L 166/88 vom 18.6.2013), oder
3. zwei weiteren zusätzlichen roten nicht dreieckigen Rückstrahlern nach hinten wirkend mit einem maximalen Abstand von 200 mm zur Außenkante ausgerüstet werden.

§ 67a Abs. 5 StVZO

Lichttechnische Einrichtungen dürfen zusammengebaut, ineinander gebaut oder kombiniert sein, mit Ausnahme von Fahrtrichtungsanzeigern.

Aha, auch am Anhänger dürfen Fahrtrichtungsanzeiger angebracht werden. Interessanterweise schweigt sich die Verordnung darüber aus, wie die dann mit dem eigentlichen Fahrrad verbunden werden sollen oder dürfen. Lösungen über Funk sind doffenbar möglich.

§ 67a Abs. 6 StVZO

Und bevor nun alle ganz hektisch werden, ob sie ihre Anhänger umbauen oder umrüsten müssen:

Absatz 2 gilt nicht für Fahrradanhänger, die vor dem 1. Januar 2018 in Verkehr gebracht werden.

Was kostet der Spaß?

Außerdem gibt’s noch ein neues Bußgeld:

Fahrrad oder Fahrradanhänger oder Fahrrad mit Beiwagen unter Verstoß gegen eine Vor- schrift über lichttechnische Einrichtungen im öffentlichen Straßenverkehr in Betrieb genommen

Kostet zwanzig Euro. Naja. Hier taucht sogar noch das Fahrrad mit Beiwagen auf — die Formulierung gibt’s noch in der bislang gültigen Fassung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und wurde eigentlich im Zuge der neuen Formulierung getilgt, nur beim Bußgeld hat der Beiwagen noch überlebt. Allzu modern will man im Bundesverkehrsministerium wohl dann doch nicht sein.

Noch ein paar Worte zur Sicherheit

Der Verkehrsauschuss des Bundesrates hat sich mit dem Thema natürlich auch befasst und zu der Beleuchtung an Kinderanhängern, über die ich mich weiter oben schon ausführlich gewundert haben, noch einen Vorschlag in Drucksache 771/1/16 eingebracht.

Er schlägt für die erwähnte Regelung in § 67a Abs. 2 Nr. 2 StVZO folgende Formulierung vor:

nach hinten wirkend:
a) mit einer Schlussleuchte für rotes Licht auf der linken Seite, falls mehr als 50 Prozent der sichtbaren leuchtenden Fläche der Schlussleuchte des Fahrrads durch den Anhänger verdeckt wird oder falls der Anhänger mehr als 600 mm breit ist

Die durchaus nachvollziehbare Begründung deckt sich mit meinen eigenen Bedenken und lautet:

Die künftig zumindest für neue Fahrradanhänger vorgeschriebene rückwärtige Absicherung nur mit Rückstrahlern ist angesichts des Gefährdungspotentials von Fahrrad-Anhänger-Gespannen beim heutigen hohen Verkehrsaufkommen und den sehr einfachen Absicherungsmöglichkeiten mit modernen Rückleuchten (z. B. batteriebetriebenen LED-Leuchten langer Leuchtdauer) absolut unzureichend. Es wäre fahrlässig, dem Radfahrer die Sichtbarkeitsbeurteilung seiner am Fahrrad befindlichen Schlussleuchte bei jeder Fahrt mit Anhänger (z. B. beladen, leer, Kinderanhänger) selbst zu überlassen. Dies insbesondere, weil gerade der auflaufende Verkehr vor dem meist langsameren Fahrrad-Anhänger-Gespann gewarnt werden muss. Ferner wäre schwer verständlich, wenn nach vorne eine Absicherung mit Leuchten bei Anhängerbreiten über 1 000 mm gefordert ist, wobei dort nur der Gegenverkehr zu warnen ist und der Fahrradscheinwerfer nicht durch den Anhänger verdeckt werden kann, während nach hinten die durch den Anhänger verdeckbare Schlussleuchte des Fahrrads als gegebenenfalls ausreichend für den weit kritischeren auflaufenden Verkehr erachtet wird.

Die mit der Änderung verwirklichte maßgebliche Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer, gegebenenfalls Kinder im Anhänger und die übrigen Verkehrsteilnehmer erscheint dringend geboten.

Wie geht es weiter?

Der Bundesrat stimmt morgen über diese Änderungen ab. Das dürfte eigentlich ziemlich glatt durchgewinkt werden, begründete Gegenmeinungen zu diesem Vorhaben sind momentan nicht zu finden.

Das Land Niedersachsen gemängelt in Drucksache 771/2/16, dass diese neuen Regelungen bereits am 1. April in Kraft treten könnten, wo aber noch mit winterlichen Verhältnissen und Glatteis zu rechnen sein könnte, was aufgrund der neu gefassten Regelungen bezüglich Winterreifen tatsächlich unglücklich werden könnte. Man möchte darum das Inkraftreten um sechs Monate verschieben — Rennradler müssen also auch im Sommer noch ihre Beleuchtung mitführen.

Die Länder Schleswig-Holstein und Niedersachen haben in Drucksache 771/3/16 auch noch einige Anmerkungen, die aber ebenfalls nur die Sache mit den Winterreifen betreffen.

31 Gedanken zu „StVZO: Endlich helles Licht am Fahrrad“

  1. Die Forderung nach Speichenhülsen an jeder Speiche ist nun wahrlich nicht sonderlich weit gedacht, weil vollkommen außer acht gelassen wird, wie viele Speichen das jeweilige Rad hat. Ob nun 16, 32 oder 40 Speichensticks gleichmäßig verteilt werden, macht in der Praxis kaum einen Unterschied. Im Scheinwerferlicht fällt man so oder so prima auf. Für ein Rad mit den weiterhin erlaubten herkömmlichen „Katzenaugen“ gilt das nicht so ohne weiteres…
    Aber was will man auch erwarten, wenn nicht mal die Definition sprachlich unfallfrei ist (Ein Fahrrad … auf ihnen …) und Kettcars demnächst Fahrräder sind… 😉 Unter’m Strich ist’s sowieso egal, weil die Details in freier Wildbahn erfahrungsgemäß niemanden interessieren, wenn man denn taugliche Reflektoren und Beleuchtung am Rad hat. Auch die fehlenden Reflektoren an meinen Klickpedalen hat in all den Jahren noch niemand bemängelt 😉

    Peinlich finde ich nebenbei bemerkt, dass die Drucksache falsch adressiert ist (an Tillich statt Dreyer). Immerhin passt die Anrede.

  2. Erfreulich, das sind schon mal große Verbesserungen für alle Velomobilfahrer. Da sind Blinker schon lange üblich, aber eigentlich nicht zulässig.

    Auch wenn neue Haken und Ösen eingebaut wurden, mehr Gutes als Schlechtes. Ist ja mal was neues in punkto Radverkehr.

  3. Toller Artikel 🙂 Die Frage, ob Blinkis jetzt angebaut werden und nur nicht benutzt werden dürfen, klärt sich meines Erachtens nach doch durch diesen Satz: „…mit den vorgeschriebenen und bauartgenehmigten lichttechnischen Einrichtungen…“ Leuchtne, die blinken können, bekommen bislang keine Bauartgenehmigung fürs Fahrrad und werden es auch in Zukunft nicht, demnach ist klar: Blinkis dürfen am Fahrrad nicht betrieben werden, auch nicht in der Dauerlichtfunktion. Oder verstehe ich da etwas falsch?

  4. Irre ich mich, oder durften Fahrräder bisher nur 1m breit sein?

    Das hier:
    „Schlussleuchte und Scheinwerfer dürfen nur gemeinsam einzuschalten sein, wenn sie mit Hilfe einer Lichtmaschine betrieben werden.“
    verstehe ich so, dass nur bei Vorhandensein einer Lichtmaschine beide Leuchten gemeinsam einschaltbar sein dürfen. Man könnte ja auch beide Leuchten an einen Akku klemmen, dann muss man sie aber einzeln einschalten. Smart Bikes, die die Beleuchtung gemeinsam steuern, ohne Lichtmaschine sind so also unmöglich.

    1. Du irrst. Fahrräder durften ziemlich bizarre Maße annehmen. Breite war irgendwo über 2 Meter. Quelle habe ich gerade leider nicht zur Hand.

  5. Ich frage mich seit Jahren, warum denn bitteschön Blinker am Fahrrad verboten sind. Gerade bei stark befahrenen Pflasterstraßen würde ich mir wünschen, nicht einhändig auf eine Kreuzung zuzufahren zu müssen. Jetzt denkt man mal, dass es endlich erlaubt wird und im letzten Absatz werden normale Räder ausgeschlossen? Kann mir bitte jemand erklären, wie Blinker eine Gefahr für dem Straßenverkehr darstellen können?

  6. Der bisherige Passus verbietet bereits die Anbringung lichttechnischer Einrichtungen ohne Bauartgenehmigung.

    […] §67 (2) An Fahrrädern dürfen nur die vorgeschriebenen und die für zulässig erklärten lichttechnischen Einrichtungen angebracht sein. […]

    Unabhängig ist und war der Betrieb von lichttechnischen Einrichtungen ohne Bauartgenehmigung unzulässig.
    Somit ist – wie René bereits geschrieben hat – die Nutzung von ‚Blinkies‘ unzulässig.
    Dumm nur, dass man an jeder Ecke und auch in Fahrradgeschäften irgendwelches Lichtgeblimsel erstehen kann und es dem weitläufigen Radfahrenden herzlich egal ist ob zulässig oder nicht, ob es was taugt oder nicht. Im Zweifelsfalle: „Hauptsache billig“. Aktuell ist die Situation so schlimm, dass die Polizei froh ist, wenn überhaupt irgendwelche lichttechnische Einrichtung an den Rädern vorhanden ist und bei Dunkelheit verwendet wird.

    Dieses ist die eine Seite der Wahrheit. Auf der anderen Seite sind die seitens der Hersteller angebotenen batterie/akkubetriebenen Lichter mit KBA-Prüfzeichen noch recht dürftig. Frontlampen sitzen nahezu alle wie ein Pickel oben auf dem Lenker, nehmen Platz weg den man anderweitig besser nutzen könnte. Darüber hinaus sind die Halterungen zumeist so schwabbelig, dass eine zuverlässige Montage und Ausrichtung der Lampen eine große Herausforderung darstellt.
    Bei den Rückleuchten schaut es nicht besser aus. Die zugelassene Rückleuchte eines bekannter Herstellers schwingt im Fahrbetrieb übermäßig, dass sich das rote Glas löst und samt der Akkus alles auf die Fahrbahn fällt. Eine echte Fehlkonstruktion. Das Produkt wird seit Jahren noch immer angeboten. Ein anderer, ebenfalls bekannter Hersteller, konstruiert sein Rücklicht für die Verwendung von LR1-Batterien. Die sogenannte „Lady-Zelle“. In etwa so dick wie eine Mignon, aber etwas kürzer. Kosten als Batterie ein Heidengeld und als Akku nahezu nicht vorhanden. Ein weiterer, ebenfalls bekannter Hersteller, fixiert sein geprüftes Rücklicht lediglich mit einem Gummiband an der Sattelstütze. Muss also bei jeder Montage neu ausgerichtet werden. So wird das nix.

    Daher besteht mein Setup aus Lampen ohne Bauartgenehmigung. Bis vor wenigen Monaten war mein Frontlicht noch ein Model mit Bauartgenehmigung. Aber ich brauche den Platz. Die jetzige Lampe erfüllt vom Lichtbild und der Sache mit der Ladestandanzeige die Bedingungen des KBA. Hat aber auch Blinkmodi. Wobei der Hersteller die kleine Schwester dieser Lampe nun für den deutschen Markt modifiziert hat und sich diese grade im Zulassungsverfahren befindet.
    Das Rücklicht hat eine bewährte Halterung die an der Sattelstütze verschraubt wird, ist rubust und witterungsbeständig und die Lampe ein gut sichtbares Lichtbild. Sie wird mit zwei AAA-Akkus betrieben. Aber, keine Bauartgenehmigung da auch ein Blinkmodus vorhanden ist.

    Somit betreibe ich meine Fahrzeugbeleuchtung auch ohne Bauartgenehmigung. Verwende diese nicht im Blinkmodus was es aber nur bedingt besser macht. Ein Kompromiss zwischen den lichttechnischen Anforderungen und meinen Anforderungen an der Ausgestaltungen der Lampen.

    Ich kann nur hoffen dass sich die Hersteller als auch die Nutzer in Zukunft mehr Gedanken über ihre Lampen machen.

  7. Besonders lustig finde ich die seid Adolfs Zeiten vorgeschriebenen Pedalreflektoren. Im Velomobil sind die Dinger völlig sinnfrei, während am Liegerad wenigstens noch die Maulwürfe und Fledermäuse etwas davon haben, vorausgesetzt das diese Tierchen über eine nach oben bzw. nach unten gerichtete eigene Beleuchtung verfügen.

    1. Von allen vorgeschriebenen Reflektoren halte ich die Pedalreflektoren eigentlich noch für die sinnvollsten. Da kann man jedenfalls auf den ersten Blick erkennen, dass da hinten am Horizont ein Radfahrer unterwegs ist und das rote Rücklicht nicht etwa von einem parkenden Kraftfahrzeug stammt. Dass so etwas am Liegerad und bei Gepäcktaschen am Hinterrad wenig sinnvoll ist, sei mal dahingestellt.

    2. vor einiger Zeit bin ich abends mal über einen Feldweg gefahren, irgendwo in der Ferne sah ich was blinken (durch mein Scheinwerferlicht angestrahlt) wie sich ein bis zwei Minuten später heraus stellte war es ein Radfahrer, der außer diesen Pedalreflektoren keine funktionsfähige Beleuchtung hatte. Und selbst als er 20m vor mir war sah ich sonst nichts weiter von dem in der Dunkelheit.

  8. Schöne Kommentierung! Aber heißt das jetzt, dass der bislang nötige 2. rote Reflektor hinten nicht mehr gebraucht wird? Reicht nun nur noch ein großer Z-Reflektor?

  9. Uber die Helligkeit hst man sich Gedanken gemacht. Die wird über die Bauartgenehmigung nach §22a und den damit verbundenen technischen Anforderungen geregelt.

    Kann mal einer dem Elektoingenieur erklären was ne Stromspannung ist?

    1. Uber die Helligkeit hst man sich Gedanken gemacht. Die wird über die Bauartgenehmigung nach §22a und den damit verbundenen technischen Anforderungen geregelt.

      Das ist richtig. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass man meines Erachtens gerne diese ganzen „Positionslampen“ aussortieren dürfe. Zwar mag manches Baumarkt-Fahrrad schon mit LED-Beleuchtung daherkommen, das ändert aber nicht daran, dass es regelmäßig noch Räder mit uralten Glühlampen im Straßenverkehr gibt, die teilweise sehr schwer zu erkennen sind.

      Kann mal einer dem Elektoingenieur erklären was ne Stromspannung ist?

      Ich wusste, es würde sich jemand beschweren 😉 Ich wollte den Satz möglichst antiquitiert klingen lassen und da passte „Stromspannung“ besser hinein als „Spannung“. Ich habe es mal in „elektrische Spannung“ geändert, sonst kommt nämlich gleich der nächste und wundert sich, ob ich die Kettenspannung meine 😉

      1. Ja ok, das stimmt. Man wundert sich als Sachverständiger manchmal schon was so alles eine Bauartgenehmigung erhält.

        Auch vor 100 Jahren gab es keine Stromspannung ? genau so wie es zwar Tomatenmesser gibt aber kein Strommesser (hat jedenfalls mein Berufsschullehrer immer behauptet)

      2. Ja ok, das stimmt. Man wundert sich als Sachverständiger manchmal schon was so alles eine Bauartgenehmigung erhält.

        Auch vor 100 Jahren gab es keine Stromspannung ? genau so wie es zwar aussieht Tomatenmesser gibt aber kein Strommesser (hat jedenfalls mein Berufsschullehrer immer behauptet)

        Boaaah, also ehrlich mehr als 4 Speichensticks kommen mir nicht an ein Rad. Brrrr

      3. Ach Quatsch. Da der Mensch – und ins besonders der am Straßenverkehr teilnehmende Mensch – über den so viel gepriesenen gesunden Menschenverstand™ verfügt, wird ein jeder Radfahrende die Glühfadenfunzel von alleine in Frage stellen und gegen etwas zweckdienlicheres austauschen.

        Voll wirklich 🙂

        […]Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass man meines Erachtens gerne diese ganzen „Positionslampen“ aussortieren dürfe.[…]das ändert aber nicht daran, dass es regelmäßig noch Räder mit uralten Glühlampen im Straßenverkehr gibt, die teilweise sehr schwer zu erkennen sind.[…]

  10. jetzt mal schnell einen Nachrüstlenker mit in die abstehenden Spiegel integrierten Linker auf den Markt werfen. Hauptsache über 1m breit 🙂

    1. Der Lenker an meinem Mountainbike hat auch so schon 850mm Breite.

      Übrigens halten an Mountainbikes Speichenreflektoren ca. 1 Fahrt im Wald (oder vielmehr die Hinfahrt zum Wald) danach sind sie im Grünen verteilt.

      Zu Helmlampen und deren Verwendung sehe ich weiterhin nichts. Dann werde ich wohl bei meinen Abblendlich LED Anstecklichtern bleiben und wenn ich was sehen will schalte ich die richtige Lampe an. Ein Licht, dass in Kurven nur geradeaus leuchtet statt dort, wo ich’s brauche (nämlich da wo ich hinschaue) ist für mich relativ sinnlos. An Kfz gibt’s ja auch schon seit Jahren mitschwenkende Kurvenlichter.

      1. Ein Helm gehört ja nicht zum Fahrrad und dementsprechend erst einmal nicht zum Geltungsbereich der hier diskutierten Vorschriften. Du kannst dir auch eine batteriebetriebene Weihnachtsbeleuchtung umhängen und damit durch die Gegend fahren: Ist nichts, was am Fahrrad angebaut ist, interessiert also niemanden 😉

      2. Dann entwickle ein entsprechendes Licht, hol‘ dir dafür eine Zulassung und werde reich. Jammern kann jeder!

        Für den Onroadbetrieb – was den weitläufigen Wirkungsbereich der StVO sowie StVZO ausmacht – gibt es Lampen die auch den Seitenbereich hervorragend ausleuchten.

        Und wenn du im Wald deine Speichenreflektoren verlierst, dann solltest du dir mal Gedanken über das von dir eingesetzte Material machen. Das kann aber nicht der Grund gegen die vorgeschriebenen Reflektoren gem. StVZO sein.

        […] Ein Licht, dass in Kurven nur geradeaus leuchtet statt dort, wo ich’s brauche (nämlich da wo ich hinschaue) ist für mich relativ sinnlos. An Kfz gibt’s ja auch schon seit Jahren mitschwenkende Kurvenlichter.[…]

  11. Sind denn blinkende Lichter als Zusatzbeleuchtung zu einer konformen Lichtanlage erlaubt?und kann ich die ans Rad schrauben? Oder nur an der Person tragen?

    1. Ehrlich gesagt: Ich halte blinkende Beleuchtungen für die Pest. Schon auf dem Fahrrad habe ich da meine Probleme zu erkennen, ob da jetzt ein oder zwei Radfahrer entgegenkommen, da mag ich mir gar nicht ausmalen, wie wenig man durch die Windschutzscheibe mitbekommt.

      Andererseits: Ich halte es nach wie vor für rechtlich unproblematisch, wenn du dir blinkende Lampen an Kleidung oder Rucksack befestigst. Ein Ersatz für die am Fahrrad vorgeschriebene Beleuchtung ist das allerdings nicht.

      1. Blinkende Lampen haben keine Betriebszulassung für das Fahrzeug also dürfen sie am Fahrzeug auch nicht betrieben werden. Egal ob alleine oder zu einer regulären Beleuchtung zusätzlich.

  12. Vorsicht, durch das Gesetz werden nicht wie dargestellt* bestehende Scheinwerfer plötzlich legal. Nur Scheinwerfer mit K-Nummer sind zulässig und eine Zulassung nach neuem Gesetz ist erst möglich, wenn die technischen Anforderungen für eine Prüfung formuliert sind, was noch mehrere Monate dauern wird.

    *“Puh, dann entspricht meine Fahrradbeleuchtung nach drei Jahren endlich wieder den Vorschriften, denn ein Fernlicht, beziehungsweise einen helleren Modus gibt’s dort schon lange.“

    1. Interessante Sache. Laut Busch & Müller hat mein LUXOS U eine Zulassung im Sinne der StVZO: http://sqi.be/3nsbq

      Die zusätzliche Fernlicht-Funktionaltität war damals offenbar bereits zulässig und wurde erst jetzt in den Vorschriften verankert?

      1. Hallo Malte, B&M hat das auch nicht Fernlicht sondern „Panorama- Nahlicht genannt“. Es leuchtet nur unterhalb des Blendhorizontes und ist damit keineswegs ein echtes Fernlicht, das weiter reicht. Das neue Gesetz mach nun echtes Fernlicht möglich, das ist eine andere Liga. Wir können gerne dazu telefonieren schick mir einfach eine Kontaktmail. Grüße, Gregor

  13. Schön. Da hat der Gesetzgeber mal geschaut, was in der Praxis üblich und was mehr oder weniger sinnvoll ist. Blinklicht nein – einverstanden. Nur einen roten Rückstrahler hinten – einverstanden. Fernlicht? Super. Warum man aber an den Pedalreflektoren festhält, wohl wissend, dass 99,99% aller Räder, die den Gattungen MTB oder Rennrad zuzuordnen sind, damit ausgeschlossen sind? Ein Relikt aus der Steinzeit der StVZO, wo jeder Mini-Reflektor die Sichtbarkeit eines Fahrrades um gefühlt 100% erhöht hat. Davon abgesehen gibt es auf dem Markt praktisch keine Klickpedale mit Reflektor. Ok, irgendwo habe ich mal so ein Modell für Tourenräder gesehen – ein absolutes Nischenprodukt.
    An meinen Rädern ist – im Straßenverkehr – alles dran, was jetzt vorgeschrieben und zulässig ist – außer diesen vier gelben Alibiteilchen.

    Dennoch ist die neue Regelung unfassbar modern, daher ein Fortschritt.

  14. Natürlich muss man weiterhin die Beleuchtung immer mitführen, wie es in dem Normtext heißt:

    Die lichttechnischen Einrichtungen müssen […] ständig einsatzbereit sein.

    1. Nein, muss es nicht. Die Einsatzbereitschaft bezieht sich auf jene Einrichtungen, die im Sinne der Norm auch angebaut sein müssen:

      Die lichttechnischen Einrichtungen müssen vorschriftsmäßig im Sinne dieser Verordnung und während ihres Betriebs fest angebracht, gegen unabsichtliches Verstellen unter normalen Betriebsbedingungen gesichert sowie ständig einsatzbereit sein.

      In der Drucksache wird in der anschließenden Begründung mehrmals erwähnt, dass man sich tatsächlich gegen eine generelle Mitführpflicht entschieden hat, beispielsweise:

      Durch die Aufhebung der generellen Mitführpflicht von Fahrradscheinwerfern und -schlussleuchten muss die Auflistung in § 31b (Überprüfung mitzuführender Gegenstände) angepasst werden.

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