Fahrradführerschein: Das kapiert doch eh kein Mensch

Seit Anbeginn meiner Zeit in dieser ganzen verflixten Fahrradwelt kommt alle paar Tage die Forderung nach einem Führerschein für Radfahrer auf. In den einschlägigen Foren und facebook-Gruppen herrscht der Glaube, man müsse nur endlich Fahrradsteuern, Fahrradkennzeichen und einen Fahrradführerschein einführen, dann wäre endlich Schluss mit dem Chaos auf der Straße.

Die Wochenzeitung ZEIT fragte vor ein paar Tagen, was ihre Leser von einem Fahrradführerschein hielten und die Zusendungen in den Kommentaren waren schon wieder so abenteuerlich, dass einem glatt Angst und Bange wird.

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Radfahren kann jedes Kind, dann verkompliziert die Sache doch bitteschön nicht so sehr — und führt stattdessen einen Fahrradführerschein für Straßenverkehrsbehörden ein.

Verkehrsregeln kapiert sowieso kein Mensch

Der Gesetzgeber ist bekanntlich der Meinung, dass Autofahren kompliziert und gefährlich genug ist, um die angehenden Autofahrer zunächst in die Fahrschule zu schicken. Im Theorieunterricht lernt man dann die wichtigsten Regelungen — und schon daran scheitert so mancher angehender Kraftfahrer.

Beispielsweise wird jeder Inhaber einer Fahrerlaubnis wissen, dass man etwa auf einer Autobahn in der Regel auf dem rechten Fahrstreifen fährt; das ist kein großes Geheimnis, das kriegt eigentlich so gut wie jeder geregelt. Am Fahrstreifen direkt daneben scheitern allerdings schon die allermeisten: Dass man den mittleren Fahrstreifen durchgängig befahren darf, „wo – auch nur hin und wieder – rechts davon ein Fahrzeug hält oder fährt“, wissen wiederum nur wenige Kraftfahrer — und manch einer beißt vor lauter Unkenntnis über das vermeintliche Fehlverhalten des Vordermannes lichthupend ins Lenkrad.

Man muss sich an dieser Stelle auch mal klar machen, mit welchem gewaltigen Aufwand eine eigentlich vollkommen simple Sache wie die Bildung der Rettungsgasse zunächst in der Straßenverkehrs-Ordnung zurechtgebogen und anschließend tagelang in den Medien verbreitet wurde, damit endlich mal Klarheit herrsche, wenn’s im Stau vorne brenne und hinten blau blinke. Hat sich die Situation gebessert? Oh ja, bestimmt — und doch wurden zu Beginn der Frühjahrsferien die einschlägigen Foren und facebook-Gruppen mit Fragen geflutet, wie das denn nun mit der Rettungsgasse wäre, woraufhin wieder ganz tolle Erklärungen in Umlauf gebracht wurden von wegen die Rettungsgasse wäre beim Seitenstreifen zu bilden, denn Pannenfahrzeuge stünden ja auch immer auf dem Seitenstreifen und alles andere wäre ja Quatsch und sowieso und überhaupt.

Mein zweites Lieblingsbeispiel sind Verkehrsberuhigte Bereiche. Die hat sich der Gesetzgeber im Jahr 1980 ausgedacht, was zu der lustigen Situation führt, dass knapp ein Drittel der deutschen Fahrerlaubnisinhaber mit den rechteckigen blauen Schildern nichts anzufangen wissen, weil sie ihre Fahrprüfung vor 1980 bestanden haben — eine Pflicht, sich über Veränderungen der Verkehrsregeln einigermaßen auf dem Laufenden zu halten, besteht in der Automobilnation Deutschland leider nicht.

Die übrigen beiden Drittel, die jünger als 55 Jahre sind, sollten zwar eigentlich über die Modalitäten eines Verkehrsberuhigten Bereiches informiert sein, wenden sie aber dennoch nicht an. Schrittgeschwindigkeit? Fahren nur die allerwenigsten. Rücksicht auf Fußgänger? Klappt auch eher nicht. Schon aus Selbstschutz treten Fußgänger unmittelbar zur Seite, sobald sich ein Kraftfahrzeug nähert, und dank der lustigen Ausgestaltung einiger Verkehrsberuhigter Bereiche läuft man als Fußgänger dann nebenan im Blumenbeet.

Das Parken auf den markierten Flächen eines Verkehrsberuhigten Bereiches klappt eigentlich auch nur dort, wo das Ordnungsamt das Falschparken sanktioniert und dass beim Verlassen des Verkehrsberuhigten Bereiches § 10 StVO gilt und nicht rechts vor… ach, lassen wir das, sowas kapiert kein Mensch — und es interessiert auch niemanden.

Mehr noch: Es interessiert niemanden, dass es niemanden interessiert. Es gibt keinen Aufschrei von wegen „Schützt uns vor den Auto-Rowdys“, kein Bundesverkehrsminister ramsauert aus dem Fond des Dienstwagens einen „Kampfkraftfahrern“ beim Verstoß gegen § 10 StVO herbei. Es ist vollkommen normal, dass bei den meisten Kraftfahrern eine mehr oder weniger gefährliche Mischung aus Halbwissen und Stammtischweisheiten mitlenkt.

Dass dieses Halbwissen gesellschaftlich legitimiert ist, zeigte ganz eindrucksvoll der ehemalige Bundesverkehrsminister Dr. Peter Raumsauer vor einigen Jahren bei „Hart aber fair“, als er gleich drei Mal hintereinander an der Interpretation simpelster Verkehrszeichen scheiterte.

Radfahren nur für Akademiker

Obwohl die Einhaltung der Verkehrsregeln bei Kraftfahrern trotz Fahrerlaubnis nur so mäßig klappt, soll nach Vorstellung vieler Verkehrsteilnehmer der Fahrrad-Führerschein endlich das Chaos auf der Straße beseitigen.

Eigentlich möchte man an dieser Stelle ganz erschrocken fragen: Glaubt das eigentlich wirklich jemand?

Fangen wir doch mal mit der einfachsten Tatsache an: Ein wesentlicher Anteil der Verkehrsteilnehmer, die regelmäßig auf dem Rad sitzen, dürfte nicht nur im Besitz einer Fahrerlaubnis, sondern auch noch hin und wieder mit dem Auto unterwegs sein. Die wissen also eigentlich wie das mit den Verkehrsregeln funktioniert.

Trotzdem kann man nicht behaupten, dass denn wenigstens die einfachsten Grundlagen, die in diesem Frühjahr pünktlich zu Beginn der Fahrradsaison Tag für Tag in irgendwelchen Zeitungen und deren Onlineangeboten verbreitet werden, wirklich flächendeckend bekannt wären.

Ich sehe zwei Möglichkeiten, warum es auf dem Rad mit den Verkehrsregeln nicht so klappt: Entweder ist das Fahrrad eine teuflische Erfindung, die jeden liebenswerten Leisetreter in einen fürchterlichen Fahrradrambo verwandelt — oder die Verkehrsregeln für Radfahrer sind derart kompliziert, dass sie kein normaldenkender Mensch kapiert.

Das mit der Teufelsmaschine mag ich nicht so recht glauben, ich halte eher die zweite Möglichkeit für plausibel. Genau wie am Lenkrad gilt auch auf dem Sattel: Die Verkehrsregeln kapiert kein Mensch.

Das geht schon los mit der bangen Frage, wo man denn überhaupt mit dem Rad fahren darf. Mit dem Auto ist das ganz einfach, da fährt man auf der Fahrbahn und dort möglichst weit rechts. Mit dem Fahrrad?

Entweder auf der Fahrbahn. Oder auf dem Radweg mit Benutzungspflicht. Oder auf dem Radweg ohne Benutzungspflicht. Oder auf dem Gehweg mit Benutzungspflicht. Oder auf dem freigegebenen Gehweg. Oder auf einem Radfahrstreifen. Oder auf einem Schutzstreifen (ja, der ist Teil der Fahrbahn, aber das lassen wir jetzt mal so stehen).

Und damit das nicht zu langweilig wird, gibt’s das alles bis auf die Streifen noch mal auf der linken Straßenseite. Das sind also gleich mal lockere elf Straßenteile, auf denen man irgendwie mit dem Rad fahren darf oder muss oder soll. Klar, für den engagierten Radfahrer kein Problem, der löst solche Rätsel im Straßenverkehr spätestens auf den zweiten Blick, aber allein die Wahl des richtigen Straßenteils stellt den normalsterblichen Radfahrer vor Probleme, die man am Lenkrad überhaupt nicht hat. Das stellt auch immer wieder motorisierte Fahrerlaubnisinhaber vor große Probleme, die dann mit der Hupe kommuniziert werden.

Und damit das nicht zu langweilig wird, haben die Straßenverkehrsbehörden auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Innerhalb Hamburgs erkennt man beispielsweise relativ einfach die Zuständigkeitsbereiche der einzelnen Straßenverkehrsbehörden: In der einen Straße darf man neben einem gammeligen Radweg auf der Fahrbahn radeln, eine Kreuzung weiter muss man plötzlich auf einem buckeligen Gehweg zwischen Fußgängern und parkenden Kraftfahrzeugen rollen. In der einen Straße erkennt man Bemühungen, den Rad- und Fußverkehr sicher durch eine Arbeitsstelle zu leiten, eine Kreuzung weiter pflanzt man einfach „Radfahrer absteigen“ mitten auf den Radweg und schaut zu, wie sich Radfahrer und Fußgänger zu Klump fahren.

In meiner Heimatstadt Rendsburg fährt man außerhalb von Tempo-30-Zonen auf Teufel komm raus nicht auf der Fahrbahn, da wird man sowohl von der Polizei als auch von anderen Kraftfahrern sofort zur Ordnung gerufen, Pardon, gehupt und kurbelt stattdessen ordnungswidrig, aber geduldet auf dem Gehweg herum. Dafür darf man beinahe jeden Radweg auch in der Gegenrichtung befahren — und sei er noch so schmal.

In meinem Studienort Wedel hatte man überhaupt keinen Überblick mehr, auf welchem Straßenteil man überhaupt fahren darf, dort gibt es nach wie vor ein lustiges Durcheinander aus Gehwegen mit Fahrradpiktogrammen, Gehwegen, die an Kreuzungen mit rot markierten Fahrradfurten verbunden wurden und Gehwegen mit separaten Fahrradampeln. Dann war plötzlich der Radweg auf der linken Straßenseite benutzungspflichtig, eine Kreuzung weiter nicht, eine Kreuzung weiter wieder, dann aber wieder der Radweg auf der rechten Straßenseite. Nicht mal die Polizei wusste genau zu erklären, wie man dort durch die Stadt radeln solle. Und abgesehen von der örtlichen Lokalzeitung, die sich jedes Frühjahr über Kampfradler empörte, hat das auch niemanden interessiert.

Bei meiner Freundin in Kiel gibt’s sogar ein relativ umfangreiches Netz aus Fahrradstraßen, auf denen man jedenfalls so ganz einigermaßen seine Ruhe vor dem Kraftverkehr hat, während der Kraftfahrer wiederum in anderen Städten gar nicht weiß, was dieses Schild mit dem Fahrrad überhaupt bedeuten soll.

Wer soll da eigentlich noch durchblicken, auf welchem Straßenteil man fahren darf, wenn nicht nur jede Stadt, sondern gar jede einzelne Straßenverkehrsbehörde ihre eigenen Späßchen in die Landschaft baut?

Vielleicht muss man an dieser Stelle mal fragen: Sollen nur noch Akademiker mit spezieller Fahrrad-Ausbildung auf den Sattel steigen dürfen oder soll das Fahrrad ein Verkehrsmittel für Jedermann bleiben? Wohlgemerkt: Bislang ging es nur um die Wahl des richtigen Straßenteils — das ist ein Bruchteil der Regelungen, mit denen sich der regelkundige Radfahrer jeden Tag herumschlagen muss.

Es ist auf nichts mehr Verlass

Ein identitätsstiftendes Merkmal der deutschen Automobilnation ist die Erkenntnis, dass Radfahrer immer über rote Ampeln fahren, obwohl man doch eigentlich schon im Kindergarten lernt bei rotem Licht stehenzubleiben. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto: Ganz klare Sache.

Ha, von wegen! April, April! Für Fahrräder gibt’s natürlich eine Sonderregelung! Als Radfahrer darf man sich an je-der ein-zel-nen Kreuzung auf die Suche nach dem richtigen Signalgeber machen: Mal gilt die Fahrbahnampel, mal gilt der kombinierte Signalgeber für Fußgänger und Radfahrer, mal gibt’s einen separaten Signalgeber für Radfahrer.

Dann gilt aber manchmal nicht der Signalgeber für Radfahrer, weil man nicht auf dem Radweg, sondern auf der Fahrbahn fährt, andersherum gilt an der nächsten Kreuzung eigentlich der Signalgeber für den Fahrbahnverkehr, obwohl man den vom Radweg aus überhaupt nicht einsehen kann, dann gilt manchmal auch irgendwie überhaupt gar nichts, weil man über komische Umwege an eine Kreuzung herangeführt wird und partout nicht weiter kommt.

Und damit’s auch hier nicht zu langweilig wird, wechselt die Gültigkeit der Signalgeber auch von Jahr zu Jahr lustig hin und her, wenn in der Straßenverkehrs-Ordnung irgendwelche Fristen gerade abgelaufen sind.

Auch da gilt: Das kapiert wieder kein Mensch.

Man darf wohl froh sein, dass die meisten Radfahrer auch überhaupt gar keine Ambitionen haben, diese ganzen Straßenteil- und Ampelrätsel zu entschlüsseln und stattdessen einfach anhalten, wenn die Fußgängerampel rot leuchtet. Die Radfahrer, die dann regelkundig bei roter Fußgängerampel, aber grüner Fahrbahnampel weiterfahren, sind dann jene Kampfradler, von denen man im Internet immer wieder lesen kann.

Immer gegen den Strom

Einer muss noch raus: Radfahrer düsen bekanntlich immer gegen die Einbahnstraße! Immer! Und sie sind dabei immer rücksichtslos unterwegs und halten sich nie an die Regeln!

Das Blöde ist halt: Je nachdem, in welcher Region man unterwegs ist, sind einige, viele oder gar so gut wie alle Einbahnstraßen für Radfahrer auch in der Gegenrichtung befahrbar. In Hamburg beispielsweise darf man einen Großteil der Einbahnstraßen als Radfahrer in der Gegenrichtung befahren.

Und das Blöde ist halt: Das weiß halt kaum jemand. Sowohl Kraft- als auch Radfahrer haben mit dieser Regelung so ihre Probleme. Ganz schön hartnäckig halten sich gewisse „Ich habe mal gehört, dass…“- und „Als ich Autofahren gelernt habe…“-Mythen. Das geht los mit der Idee, dass man als Radfahrer grundsätzlich entgegen aller Einbahnstraßen fahren dürfe und endet auf der anderen Argumentationsseite mit der Feststellung, dass man auch mit dem Rad „natürlich“ nur in eine Richtung fahren dürfe.

Dazwischen: Unzählige Glaubensfragen. Der eine bekennt sich zur Ansicht, man müsse mit dem Rad entgegen der Fahrtrichtung auf dem Gehweg fahren, dürfe nicht die Fahrbahn benutzen. Der nächste glaubt, man müsse mit dem Rad dem in „richtiger Richtung“ fahrenden Kraftverkehr sofort und unmittelbar Platz machen. Der nächste ist ein Anhänger der Theorie, das Zusatzschild „Radfahrer frei“ bedeute, man dürfe entgegen der Einbahnstraße schieben — und so weiter und so fort.

Wenn man dann gar von einem Streifenwagen mit Blaulicht in der Einbahnstraße angehalten und von der Rennleitung aufgeklärt wird, man dürfe selbstverständlich nur auf dem Gehweg entgegen der Einbahnstraße fahren, dann denke ich mir inzwischen auch wieder: Ja, so ein Fahrrad-Führerschein wäre sicherlich toll, aber was nützt es, wenn der entgegenkommende Kraftfahrer von der Regelung keine Ahnung hat und selbst die Polizeiuniform nicht dazu führt, die beiden eigentlich nicht allzu schwer verständlichen Zusatzzeichen im Bezug auf die Einbahnstraße richtig zu interpretieren?

Und schon wieder sind wir bei dem Punkt, den ich seit Urzeiten bemängle: Die meisten Verkehrsteilnehmer haben eine Fahrerlaubnis, haben eine Fahrschule besucht, aber offenbar fast gar nichts gelernt oder zumindest nur wenig verstanden. Und letzteres kann ich angesichts der ultramegakomplizierten Regelungen auch gar nicht verdenken.

Knobelaufgaben

Sorry, aber einer muss noch sein. Ich fahre also mit meinem Rad auf dem bestens ausgebauten und breiten Radweg entlang einer Vorfahrtstraße. An der nächsten Kreuzung möchte ich gerne nach rechts abbiegen und in der Querstraße auf der Fahrbahn weiterfahren. Neben mir fährt ein Kraftfahrzeug und möchte ebenfalls nach rechts abbiegen. Wir treffen uns an der Kreuzung und tauschen die obligatorischen Missverständnisse aus, wer denn nun zuerst fährt.

Er oder ich?

Für ihn gilt § 9 Abs. 3 StVO, wer abbiegt, muss parallel verkehrende Verkehrsteilnehmer durchlassen. Für mich gilt eventuell aber § 10 StVO, schließlich fahre ich von einem „anderen Straßenteil“, nämlich dem Radweg, auf die Fahrbahn ein. Und § 10 StVO schlägt bekanntlich alles, denn wer § 10 StVO beachten muss, fährt ganz zu allerletzt.

Ich weiß nicht, ob meine Interpretation richtig ist. Im Verkehrsportal gibt’s dazu seitenlange Diskussionen, die Polizei weiß davon ohnehin nichts, beim Bundesverkehrsministerium warte ich seit über drei Jahren auf eine Antwort. Ich bin mir sicher, ich werde keine bekommen — nicht zuletzt wegen der Komplexität dieser Problematik.

Denn falls in solchen Fällen tatsächlich § 10 StVO gilt, hielten sich jeden Tag, nein, jede Stunde mehrere Hundertausend Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln. Will man so etwas eigentlich auch in der Fahrradfahrschule vermitteln?

Was soll der Fahrradführerschein prüfen?

Bevor diskutiert wird, ob ein Fahrradführerschein sinnvoll ist oder nicht, sollte zunächst einmal der verkehrsrechtliche Rahmen abgesteckt werden, den der Fahrradführerschein überprüfen soll.

Soll das so ablaufen wie bei Kraftfahrern, also geteilt in einen theoretischen Teil über die Verkehrsregeln und einen praktischen Nachweis?

Argh, schon da geht’s ja los: Soll zum Bestehen der praktischen Prüfung genügen, zehn Meter ohne Umkippen geradeaus fahren zu können? Oder wie in der Grundschule eine Runde um den Block mit Handzeichen und Stoppschild? Oder gibt’s womöglich sogar eine durchaus sinnvolle Bremsprüfung, bei der Radfahrer nachweisen müssen, unter anderem vernünftig mit der Vorderradbremse umgehen zu können, die normalerweise aus Angst vor Stürzen nicht dem Verschleiß unterliegt?

Nur: Was will man denn im theoretischen Teil für Verkehrsregeln unterrichten?

Dass man in Deutschland mit dem Rad auf der rechten Straßenseite fährt? Außer wenn links irgendwelche blauen Schilder stehen? Äh, und was ist, wenn wie in Wedel die blauen Schilder links und rechts mit der Gießkanne verteilt wurden und plötzlich an einer Kreuzung… kein blaues Schild steht?

Und was ist mit den Ampel? Es gilt der Signalgeber mit dem Fahrrad drauf… ne, stimmt ja gar nicht, manchmal gilt ja auch die Fahrbahnampel. Öhm, puh, außer… äh, ja.

Keine Ahnung. Ich bilde mir ein, mich einigermaßen gut in der Straßenverkehrs-Ordnung auszukennen, aber ich sehe mich komplett außerstande, einem anderen Verkehrsteilnehmer die Regeln für Radfahrer in verständlicher Form zu erklären. Das geht einfach nicht.

Wie soll man einem normaldenkenden Menschen, der einfach nur mit dem Rad zum Einkaufen oder zur Arbeit fahren will erklären, dass er sich auf seinem Weg von vielleicht fünf Kilometern ganze siebzehn Mal zwischen elf verschiedenen Straßenteilen entscheiden muss, je nachdem welche Schilder die Straßenverkehrsbehörde gerade angeordnet hat? Wie soll man einem verständigen Verkehrsteilnehmer ohne akademischen Abschluss die Gültigkeit von roten Ampeln für Radfahrer erklären? Warum gelten an dieser einen Kreuzung jene Vorfahrtsregeln, an einer anderen aber ganz andere, obwohl man doch eigentlich nur geradeaus über eine Kreuzung fahren möchte?

Allein diese drei Aspekte, also das Befahren des richtigen Straßenteils, die Wahl des richtigen Signalgebers und das Erkennen der Vorfahrtssituation sind derart kompliziert, dass sie die ganze Fahrradführerschein-Diskussion in eine ganz andere Richtung lenken:

Die Verkehrsregeln für Radfahrer sind in Kombination mit der Infrastruktur für Radfahrer für den normalen Verkehrsteilnehmer überhaupt nicht zu begreifen. Der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer ist, und das soll überhaupt nicht anklagend oder hochtrabend klingen, gar nicht in der Lage, sich auf diesem theoretischen Niveau den Kopf über derart akademische Fragen zu zerbrechen. Der fährt auf eine Kreuzung zu und braucht eine Regelung, die er — Zack! — mit einem Blick erfassen und anwenden kann. Der will, nein, der darf gar nicht erst mühsam nach einer Beobachtung der Umgebung und Abwägung der richtigen Absätze aus der Straßenverkehrs-Ordnung zum Schluss kommen, dass hier diese oder aber jene Regelung gelte; bis er sich das überlegt hat, wurde er ja schon drei Mal totgefahren.

Rechne immer mit dem Fehlverhalten der Straßenverkehrsbehörde

Statt der obersten Prämisse, die man als Fahranfänger vor der ersten praktischen Fahrstunde lernt, „Rechne immer mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer“, müsste es in der Fahrrad-Fahrschule lauten „Rechne immer mit dem Fehlverhalten der Straßenverkehrsbehörde“.

Was hilft mir das umfangreiche Wissen über die Straßenverkehrs-Ordnung, das ich in den letzten Jahren angesammelt habe, wenn ich draußen in der Wirklichkeit gar keine Chance habe, mich verkehrsgerecht zu verhalten?

Hier hat sich beispielsweise das berühmte Hamburger Polizeikommissariat 14 ausgetobt. Die lustigen beiden Zeichen 240 sind vollkommen deplaziert, da in dem engen Tunnel überhaupt keine Möglichkeit des Zusammenlebens von Radfahrern und Fußgängern besteht. Das Ding hätte man ganz klar als reinen Gehweg ausschildern sollen.

Der Witz ist, dass der eigentliche Radweg dreißig Meter später einfach endet und eigentlich nur die Fahrbahn bleibt, möchte man diese Baustelle als Radfahrer einigermaßen vernünftig hinter sich bringen. Nur wird man als Radfahrer auf der Fahrbahn der Stresemannstraße gleich wieder von renitenten Kraftfahrern massakriert, so dass die meisten Radfahrer doch wieder durch den Tunnel fahren — und dort wiederum Fußgänger zur Seite klingeln.

Oder dieses Späßchen beim Alstervergnügen: Erst lockt man Radfahrer auf die Nebenfläche, dann präsentiert man ihnen ein Fahrverbot für Fahrräder. Es kann niemand wirklich geglaubt haben, dass alle Radfahrer nun abstiegen und schöben.

Und als wäre das nicht schon witzig genug, lässt man diese Schilderkombination auch noch lockere zwei Wochen nach Ende der eigentlichen Veranstaltung stehen: Was soll man in der Fahrrad-Fahrschule zu solchen Späßchen lernen? Dass das Schild nur gilt, wenn nebenan ’ne Fete steigt?

Nein.

Nein, du darfst vermutlich mit dem Rad geradeaus fahren, da hat einfach niemand an das passende Zusatzzeichen gedacht:

Nein, PK 14, einfach nur nein:

Nein, du darfst bestimmt auch auf dem Radfahrstreifen fahren, da hat sich nur jemand einen Scherz erlaubt und hinten rechts ein Zeichen 240 versteckt:

Nein, wirklich nicht. Nein, nein, einfach: Nein!

Nein?!?!?!?!?!?

Ha, witzig, jaja, die nächsten zehn Kilometer entweder mit Schrittgeschwindigkeit auf dem linksseitigen Gehweg fahren oder auf der Fahrbahn kaputthupen lassen. Super!

Oder hier am Hamburger Ballindamm: Radfahrer sollen sich mit Fußgängern diesen schmalen Notweg teilen. Wer sich jetzt wundert, warum es denn da mit der Rücksicht nicht so gut klappt und mir auch während dieses Fotos schon jemand böse klingelnd seinen Fahrradlenker in die Seite rammte, kann sich ja gerne mal in Erinnerung rufen, wie gut das Zusammenleben zwischen Kraftfahrern und nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern in den oben erwähnten Verkehrsberuhigten Bereichen klappt.

Jedenfalls ist das supertoll, weil sich Radfahrer danach irgendwie… in Luft auflösen sollen. Man kann nun entweder — Überraschung! — halb von den Absperrgittern verdeckt geradeaus fahren und einen Unfall riskieren — oder man verstößt gegen die Verkehrsregeln und buckelt die Rampe für Rollstuhlfahrer hoch auf den Gehweg, um dort weiter sein Unwesen zu treiben.

Die wichtigste Erkenntnis in der Fahrrad-Fahrschule lautete wohl: Als Radfahrer bist du einfach allen egal.

Es interessiert die zuständigen Behörden überhaupt nicht, wie du durch die Stadt kommst. „Such dir doch deinen eigenen Weg“, denkt man sich vermutlich bei der Planung der nächsten Arbeitsstelle, um sich gleich ein paar Tage später zu echauffieren, warum sich denn die blöden Radfahrer nie an die Verkehrsregeln hielten.

Ja, weil’s halt nicht geht! Klar, absteigen und schieben ist immer eine Option, um diesen ganzen Konflikten auf der obigen Fotostrecke aus dem Weg zu gehen, absteigen und schieben geht beinahe immer. Nur ist eben die Frage, wie lange man sich als Radfahrer verschaukeln lassen will. Es gibt Wochen, an denen mein Weg zur Arbeit so sehr mit blauen Bullshit-Anordnungen zugeklebt ist, dass ich tatsächlich nur die Wahl habe, entweder auf dem schmalen Gehweg freiwillig zu schieben, um weder Fußgänger noch mich zu gefährden, oder ordnungswidrig nebenan auf der Fahrbahn zu fahren und dem Kraftverkehr auf die Eier zu gehen.

Das sind Probleme, die man als Kraftfahrer überhaupt gar nicht in diesem Maße hat. Klar, da geht auch mal eine Beschilderung schief, da gibt’s dann sowas hier:

Aber ich habe es noch nie erlebt, dass man beispielsweise auf einer Autobahn plötzlich in den Gegenverkehr gelenkt wird und die zuständige Behörde meint, das ginge schon in Ordnung, § 1 StVO und so, man müsse sich eben miteinander arrangieren. Nein, sowas passiert nicht — außer man sitzt auf dem Rad, dort darf man sich mit solchen Unzulänglichkeiten alle paar hundert Meter herumschlagen, da wird man plötzlich in den Gegenverkehr geschmissen und darf gucken, wie man unfallfrei zum Ziel kommt und sich noch nebenbei das Brandzeichen des Kampfradlers in den Hintern löten.

Aufs Kampfradeln trainiert

Und genau das ist nämlich der Punkt: Man kann sich als Radfahrer gar nicht an alle Verkehrsregeln halten.

Wenn ich zur Arbeit fahre, ruft mir die Straßenverkehrsbehörde aus jeder Arbeitsstelle zu: „Haha, sieh selbst zu, wie du hier durch kommst, du bist uns egal!“ Mal sollen „Radfahrer absteigen“, mal in Luft auflösen, mal auf der Fahrbahn fahren.

Mittlerweile bin ich wieder so weit, innerhalb von Arbeitsstellen konsequent auf der Fahrbahn zu bleiben, ganz egal welche Regelungen sich die Straßenverkehrsbehörde ausgedacht hat. Ich sehe es weder ein, mich mit meinem Fahrrad in einen engen Fußgänger-Notweg zwängen zu lassen und schwächeren Verkehrsteilnehmern auf die Nerven zu gehen noch sehe ich es ein, mein Rad bei 30 Minuten Arbeitsweg zusätzliche 15 Minuten lang zu schieben.

Allein um die Brücke über die Autobahn-Baustelle an der Autobahn 7 an zwei Bettelampeln zu überqueren warte ich artig jeden Morgen knapp drei Minuten. Neben mir sausen Radfahrern vorbei, die sich nicht tagtäglich vereimern lassen — und Arbeiter, die Baumaterialien von der einen auf die andere Straßenseite schleppen und es sich schlichtweg zeitlich nicht leisten können, die von ihnen selbst aufgestellte Ampel zu beachten.

Fahre ich von Hamburg nach Kiel mit dem Rad, hält man für mich in jedem Dorf eine neue Überraschung bereit: Mal fahre ich links auf einem engen Gehweg, mal rechts auf einem engen Gehweg, mal wieder links, dann doch auf der Fahrbahn, dann wieder rechts. Jedes Mal scheint mich die Behörde zu verhöhnen. Das lässt nicht jeder mit sich machen: Andere Radfahrer hüpfen nicht über jeden Stock, den ihnen die Behörde hinhält und bleiben einfach die ganze Zeit konsequent auf der linken Straßenseite.

Mir wird es nach spätestens 50 oder 60 Kilometern auch zu dumm mit Schrittgeschwindigkeit auf einem linksseitigen Gehweg an kaum einsehbaren Grundstückszufahrten vorbeizufahren, also bleibe ich ordnungswidrig auf der Fahrbahn. Selbst wenn ich auf dem Gehweg rechtzeitig bremse, sobald ein Kraftfahrer rückwärts das Grundstück verlassen möchte, ist der ganze Stress mit Lamentierei und Missverständnissen programmiert. Natürlich könnte ich auch absteigen und schieben, aber dann käme ich nicht mehr innerhalb eines Tages in Kiel an.

Seit mit dem Jahreswechsel plötzlich keine Fußgängerampeln mehr für den Radverkehr gelten, stehe ich mehrmals täglich an Kreuzungen herum und beachte zu meiner eigenen Sicherheit doch lieber den Signalgeber für Fußgänger, als noch bei grüner Fahrbahnampel die Kreuzung zu überqueren: Es ist mir einfach zu gefährlich, mich mit dem Rad in den Strom rechtsabbiegender Kraftfahrzeuge zu werfen.

Und das ist unglaublich frustrierend: Man steht da und weiß, dass man eigentlich noch fahren dürfte und man weiß, dass man eigentlich die zuständige Behörde über diesen Missstand informiert hat und man weiß, dass es der Behörde einfach ganz egal ist.

Es interessiert sie einfach nicht. Halt, stop! Es interessiert sie nicht nur überhaupt nicht, sie kann sich auch gar nicht vorstellen, dass es eine solche absurde, weltfremde und für den Laien brandgefährliche Regelung überhaupt gibt.

Wenn man aber Radfahrern konsequent kommuniziert, dass man sie nicht ernst nimmt, dass sie egal sind, dass sie Narrenfreiheit genießen, und zwar von der Polizei über die Straßenverkehrsbehörden bis hoch zum Gesetzgeber, dann darf man sich eben auch nicht wundern, wenn sich Radfahrer entsprechend verhalten und ebenjene Narrenfreiheit wahrnehmen.

Doch damit nicht genug: Wenn dann immer wieder in den Medien bemängelt wird, Radfahrer hielten sich ja eh nie an die Regeln, braucht man sich auch über das Echo nicht zu wundern: Ein Klima der Rücksichtslosigkeit schaukelt sich auf, Kraftfahrer schimpfen auf Radfahrer, Fußgänger schimpfen auf Radfahrer und Radfahrer schimpfen sowieso auf alles und jeden. Und wieder gilt: Je öfter man den radfahrenden Verkehrsteilnehmern erklärt, sie wären renitente Outlaws und rüpelhafte Regelbrecher, desto mehr verhalten sie sich auch so.

Ich bin in Hamburg eigentlich nicht gerade als Kampfradler bekannt, aber ich denke mir auch manchmal: Es ist ganz egal, ob ich jetzt an dieser Stelle über eine rote Ampel sause oder noch weitere 90 Sekunden brav am Bettelknopf warte, meine verbale Tracht Prügel bekomme ich ohnehin, sei es in irgendwelchen facebook-Kommentaren, beim nächsten Verwandschaftstermin oder als Generalabrechnung gegen Radfahrer in den Medien. Da gibt’s dann auch meinen ganz persönlichen Klassiker: Morgens schleppe ich mein Fahrrad im Aufzug mit ins Bureau, was einige andere Aufzugnutzer offenbar als derart grob rücksichtslos empfinden, dass ihr Sendungsbewusstsein umgehend mit Kampfradler-Anekdoten aus dem morgendlichen Stadtverkehr Amok läuft.

Eigentlich hat sich an dieser Stelle jegliche Idee des Fahrradführerscheins schon selbst zerlegt. Man kann in keiner Fahrrad-Fahrschule irgendwelche Fahrrad-Verkehrsregeln unterrichten, die dann drei Viertel der Teilnehmer nicht kapieren und die draußen in der Wirklichkeit überhaupt nicht gelten, weil die Infrastruktur überhaupt nicht zu den Verkehrsregeln passt.

Fahrradführerschein für Straßenverkehrsbehörden

Angeblich ist Radfahren so einfach, das könne im Grunde genommen jedes Kind.

Klar, Radfahren ist einfach, sobald man sein Fahrrad einigermaßen im Griff hat, verlernt man es bekanntlich nie wieder. Nur wie man dann regelgerecht durch den Straßenverkehr rollt, das weiß eigentlich niemand.

Statt eines Führerscheins für Fahrradfahrer wäre vielleicht mal ein Führerschein für Straßenverkehrsbehörden und -planer sinnvoll. Da kann man dann in der theoretischen Prüfung ganz tolle Fragen stellen, beispielsweise „Wie baut man eine Infrastruktur, die nicht alle zwei Kreuzungen die Straßenseite wechselt“ oder „Wie lang darf man einen Radfahrer an der Bettelampel schmoren lassen, bevor er entnervt bei rotem Licht quert?“ oder „Wie sieht der Beschilderungsplan für eine Arbeitsstelle aus, in der sich alle Verkehrsteilnehmer hinreichend berücksichtigt finden?“

Ooooh, und die praktische Prüfung wird super! 15 Kilometer, achwas, 20 Kilometer mit einem ungefederten Hollandrad durch den eigenen Zuständigkeitsbereich, damit man gleich mal merkt, was die eigenen Vorgänger infrastrukturmäßig verbrochen haben. Dann hätten die Herrschaften auch gleich mal ein bisschen Erfahrung gesammelt, wie es sich mit dem Rad so anfühlt auf handtuchschmalen Radwegen direkt in der Door-Zone und womöglich merkt auch der ein oder andere, dass man mit dem Fahrrad auch ohne elektrische Unterstützung locker 30 Kilometer pro Stunde schafft, die normalen Hochbordradwege aufgrund von Sicherheitsaspekten allerdings nicht einmal die Hälfte zulassen.

Genau das wäre es doch: Wir wollen einen Mobilitätswandel, wir wollen die Städte künftig auf den Menschen anstatt aufs Auto ausrichten? Prima! Dann senken wir doch bitteschön die Einstiegshürden für das Radfahren soweit, dass man einfach aufsteigen und losradeln kann, ohne sich lange Gedanken über den richtigen Straßenteil zu machen, ohne an jeder Kreuzung wieder mit dem Fernglas nach dem richtigen Signalgeber zu suchen.

Wenn Radfahren doch so kinderleicht ist, sollten wir es nicht unnötig verkomplizieren.

40 Gedanken zu „Fahrradführerschein: Das kapiert doch eh kein Mensch“

  1. Malte! Ich möchte abwechselnd kotzen, lachen, meinen Kopf irgendwo gegenhauen, Harre raufend im Kreis laufen, schreien, und dann wieder nur den Kopf schütteln. Ich danke Dir für diesen Text. Bitte heirate mich.

  2. zwischen Sternbrücke und Bahnunterführung der Strese hinter der Plöner Str. ist die berühmt-berüchtigte StVB des PK21 zuständig, nicht wie im Text angegeben PK14.

    1. Echt? Ich dachte, das wäre PK 14? :O Aber danke für den Hinweis, dann habe ich das aus meiner Karte falsch herausgesucht.

  3. Falls man sich auf dem Fahrrad nicht die Einstellung „legal – illegal – scheißegal“ zulegen möchte – hat man ein Problem. Jedes Ordnungssystem funktioniert nur für die jenigen, deren Bedürfnisse berücksichtigt sind. Wenn schon das ganz gewöhnliche links abbiegen in der Stadt für Fahrradfahrer mit mindestens einem Regelverstoß einhergehen muss, da es überwiegend nicht berücksichtigt wurde, wundert es mich eher, dass überhaupt noch ein Radfahrer meint, sich an Regeln halten zu müssen.

  4. Fantastischer Tekst ! Nach sechs Hamburger Jahren und ca. 18.000 km bei Wind und Wetter mit extrem kostbarem Gepäck (Instrument) als Rücksack kann ich jeden einzelnen Satz bestätigen. Und ich füge hinzu: ich habe gelernt, auf jedem Straßenteil und bei jeder Farbe zu fahren oder stehen zu bleiben: Hauptsache: ich wurde gesehen und nicht umgenietet. Ich bin froh, dass das jetzt vorbei ist: ich wohne in Dithmarschen… Das ist Erholung pur !

  5. Endlich eine umfassende, objektive Beschreibung und dazu noch fantastisch formuliert, der Alltag des Radfahrers, Heute Show oder Nuhr geeignet ?

  6. Super Text – Danke dafür. Was ich auch toll finde: Bettelampeln, bei denen der Bettelknopf nicht am Radweg auf einem separaten Pfosten montiert ist, sondern an der Autofahrerampel, die ca. zwei Autolängen weg vom Radweg steht.

  7. Fantastischer Text, sollte eigentlich jeder Verkehrsteilnehmer lesen. Aber lesen ist ja für einige schon eine zu große Herausforderung, man könnte halt auch hupen.

    Jedenfalls: Dankeschön für Deine präzise Zusammenfassung des Radleralltags in Deutschland.

  8. Ziemlich viel ziemlich treffend beschrieben.

    Aus diesem Grund wünsche ich mir manchmal einfach die konsequent gleiche Behandlung von Radfahrern. Das heißt gleiche Rechte, gleiche Pflichten.

    Steuern? Kennzeichen? Führerschein? Ja, her damit. Alles.

    Dafür will ich dann vernünftige Infrastruktur, durchgängige, einheitliche Führung und ein deutschlandweites, kreuzungsfreies Netz von Radschnellwegen.

    Her damit, jetz sofort!

    1. Ich glaube, wenn es gescheite Infrastruktur für Radfahrer gäbe, wären „Steuern? Kennzeichen? Führerschein?“ eine sinnfreie Bürokratie-ABM, weil Kampfradler dann kein Problem mehr sind braucht es keine Kennzeichen mehr und damit auch keine Behörde mehr, die sie für viel Steuergeld verwaltet. Der Führerschein ist eh Quatsch, aber da Du den Text gelesen hast weißt Du das eigentlich selbst und Steuern für etwas zu erheben, das der Gesellschaft Kosten erspart entbehrt jeder Logik einer sinnvollen Steuerung durch Besteuerung.

  9. Ein großartiger Text, der mir gerade einige vergnügliche Minuten verschaffte.

    Du schreibst echt sehr unterhaltsam und zeigst gut verständlich die Nachteile des Fahrradführerscheins auf – oder sollte ich das eher als die Beklopptheit der Idee benennen?

    Ich mutiere aufgrund der Hamburger Radverkehrsinfrastruktur immer mehr zur Ramboradlerin. Es gibt so bekloppte Ampelschaltungen und so bekloppte Wegführungen… es ist unglaublich.

  10. Ziemlich viel ziemlich treffend beschrieben.

    Aus diesem Grund wünsche ich mir manchmal einfach die konsequent gleiche Behandlung von Radfahrern. Das heißt gleiche Rechte, gleiche Pflichten.

    Steuern? Kennzeichen? Führerschein? Ja, her damit. Alles.

    Dafür will ich dann vernünftige Infrastruktur, durchgängige, einheitliche Führung und ein deutschlandweites, kreuzungsfreies Netz von Radschnellwegen.

    Her damit, jetzt sofort!

    1. Ich glaube, wenn es gescheite Infrastruktur für Radfahrer gäbe, wären „Steuern? Kennzeichen? Führerschein?“ eine sinnfreie Bürokratie-ABM, weil Kampfradler dann kein Problem mehr sind braucht es keine Kennzeichen mehr und damit auch keine Behörde mehr, die sie für viel Steuergeld verwaltet. Der Führerschein ist eh Quatsch, aber da Du den Text gelesen hast weißt Du das eigentlich selbst und Steuern für etwas zu erheben, das der Gesellschaft Kosten erspart entbehrt jeder Logik einer sinnvollen Steuerung durch Besteuerung.

  11. Tja. Ich denke, das Grundmissverständnis kommt erst am Ende:

    „Wir wollen einen Mobilitätswandel, wir wollen die Städte künftig auf den Menschen anstatt aufs Auto ausrichten? “

    Nein, wollen wir nicht. Das heißt, wir hier wollen das vielleicht schon, aber wenn du dir die überdeutlichen Zeichen von der Entscheiderebene anschaust, wird der Autowahn solange getrieben, bis auch die letzte deutsche Automarke pleite ist und keine Posten mehr winken.

  12. Oh mein Gott. Jetzt hast du Wort für Wort, Gefühl für Gefühl beschrieben, wieso ich einst anfing, über irrige Situationen im Radalltag zu schreiben – nur besser, als ich das je hinbekommen hätte. Danke.

  13. Ich finde, ein gutes Beispiel für Regelunkenntnis bzw. für notorisch ignorierte Verkehrsregeln fehlt noch, weil es die besondere Mischung aus Ignoranz und Zumutung gegenüber dem Radverkehr seitens der Behörden bestens illustriert:

    Auf Radwegen wird regelmäßig verkehrswidrig rechts überholt. Mag sein, dass man als Radfahrer einerseits keine Lust hat, endlos hinter einem langsameren Radler herzuzockeln, und dass andererseits der Radweg viel zu schmal ist, um sich sicher ohne Kontakt mit dem Vordermann und drohendem Absturz an der Borsteinkante links durchzuschlängeln. Gleichwohl ist das Linksüberhol-Gebot des § 5 StVO auch auf Sonderwegen zu beachten. Abgesehen davon ist das beim Rechts-Überholen quasi obligatorische Mitbenutzen des Gehwegs beim Überholvorgang ebenfalls schwer ordnungswidrig.

    Diese in Tateinheit begangenen Verstöße sind einerseits so alltäglich und finden andererseits so wenig allgemeine Aufmerksamkeit, dass man davon ausgehen kann, dass sie von den Behörden stillschweigend und augenzwinkernd eingeplant sind. Das ist insbesondere deswegen zynisch, weil natürlich die Verantwortung für Unfälle von den Behörden unter Verweis auf die Verkehrsregeln strikt abgelehnt wird.

  14. Hab ich da als Autofahrer irgendwas verpasst?
    Hier die Rechtslage zum Rechtsfahrgebot auf der Autobahn unter http://www.bussgeld-info.de/rechtsfahrgebot/: „Hier werden keine Ausnahmen gemacht. Auch auf völlig freier Bahn ist rechts zu fahren. Schon wer ohne Grund auf dem Mittelstreifen fährt, riskiert ein Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Bei stockendem Verkehr kann zwischen den Spuren gewechselt werden. Bei Stau ist möglichst dicht an die Fahrbahnseite zu fahren. Stehende Fahrzeuge auf der linken Spur müssen also ganz links zum Halten kommen. So soll eine Notfallschneise entstehen für nachkommende Rettungsfahrzeuge.
    Rechtsfahrgebot in der Stadt: Für Fahrzeuge mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse gilt auf mehrspurigen Straßen in eine Richtung das Rechtsfahrgebot nicht. Sie können die Spur frei wählen. Innerorts darf deshalb auch auf der rechten Spur schneller gefahren werden als links.“
    Ich fürchte, dass Ihre Darstellung im Text schlicht falach ist. Was mich bei Mittefahrern auf der Autofahrern stört ist nicht die Frage, wer Recht hat oder nicht, sondern ob der Verkehrsfluss gestört wird. Mittefahrer produzieren häufig genug leider Stauungen. Das muss nicht sein.

    1. Das ist, mit Verlaub, doch wieder das beste Beispiel dafür, dass niemand die Verkehrsregeln versteht 😉

      Als Grundlage für das Verhalten im Straßenverkehr gilt nunmal nicht, was auf diversen Internetseiten steht, sondern das, was die Straßenverkehrs-Ordnung sagt. Du wirfst auch Abertausende Webseiten finden, auf denen steht, man müsse selbstverständlich jeden Radweg mit dem Rad befahren, was seit 1997 nicht mehr gilt.

      Die Straßenverkehrs-Ordnung nennt in § 7 StVO die Bedingungen, welches Fahrzeug welchen Fahrstreifen benutzen darf und dort heißt es in Absatz 3c:

       Sind außerhalb geschlossener Ortschaften für eine Richtung drei Fahrstreifen mit Zeichen 340 gekennzeichnet, dürfen Kraftfahrzeuge, abweichend von dem Gebot möglichst weit rechts zu fahren, den mittleren Fahrstreifen dort durchgängig befahren, wo – auch nur hin und wieder – rechts davon ein Fahrzeug hält oder fährt.

      Das widerspricht auch nicht unbedingt dem, was du bei Bußgeld-Info aufgetan hast. „Ohne Grund“ darf man nicht auf dem mittleren Fahrstreifen fahren, ein hinreichender Grund im Sinne der Straßenverkehrs-Ordnung ist aber, dass rechts „auch nur hin und wieder“ schon jemand anderes fährt.

      Das kommt bei richtiger Anwendung auch der Leistungsfähigkeit der Autobahn zu gute, weil das ständige Wechseln zwischen rechten und mittlerem Fahrstreifen den Verkehrsfluss deutlich mehr irritiert als einige Fahrzeuge, die auch bei größeren Lücken auf dem rechten Fahrstreifen noch weiter in der Mitte bleiben.

  15. Gut gebrüllt, aber leider völlig fehl am Platz. Seltsamerweise wird immer auf den Autofahrern rumgehackt, wenn die Fehler machen. Radfahrer machen in der Summe wahrscheinlich mehr Fehler, als alle anderen, aber das interessiert keinen. Wer ohne Handzeichen zu geben, links oder rechts abbiegt, wer immer wieder bei Rot über die Kreuzung fährt, wer immer wieder zu zweit nebeneinander fährt, obwohl erst ab 16 Fahrradfahrer eine Gruppe gebildet ist, wer immer wieder entgegengesetzt der Einbahnstraße fährt (ja es gibt welche, wo es per Schild oder per Straßenmarkierung erlaubt ist, aber das sind längst nicht alle!) wer immer wieder auf der falschen Seite fährt und wer immer wieder keine angepasste Geschwindigkeit hat, sondern in der Stadt auch rast, der hat auf der Straße nichts zu suchen, der sollte sein Fahrrad irgendwo abstellen und nicht mehr benutzen und der sollte ordentlich zur Kasse gebeten werden, aber leider gibt es viel zu wenige Kontrollen von Radfahrern, um diese in die Schranken zu weisen.
    Und ja, ich fahre auch ab und zu mal Fahrrad, aber immer vernünftig und umsichtig, was viele andere vergessen, wenn sie zwei Räder unterm Hintern haben.
    Gerade eben habe ich einen Fahrradfahrer vom Rad geholt, weil der meinte, er könne gleichzeitig telefonieren und freihändig radfahren, zum Glück hat die Polizei ganz klar festgestellt, dass er Schuld ist. Mal sehen, ob er die Reparaturrechnung auch wirklich bezahlt.

    1. Naja, eigentlich habe ich doch oben beschrieben, warum ich glaube, dass solche Sachen wie „bei rot über die Kreuzung“ oder „auf der falschen Seite“ passieren. Dann stolz noch Anekdoten darüber anzubringen finde ich ein bisschen komisch.

    2. Die Frage die eine Stadt sich stellen muss ist: WARUM verhalten sich an gewissen Stellen Radfahrer falsch? Und dann Ursachen beheben anstatt Symptome zu bestrafen. Fehlverhalten ist immer scheiße, aber wenn mich die Infrastruktur zwingt mich regelwidrig zu verhalten: Was soll man dann machen? Autofahrer kennen diese Probleme nicht, für die sind die Straßen gebaut, da wird einfach gefahren. Wenn sich da einer nicht an die Regeln hält ist es direkt Abzocke (Blitzer) oder „nur Mal eben kurz“ (Falschparken).

  16. Sorry, aber was schreibst du bitte für eine gequirlte Scheiße? Radfahrer sind absolut rücksichtslos im Straßenverkehr, kennen keine Regeln, fahren ständig auf der falschen Seite und jammern, wenn sie auf die Fresse kriegen. Von mir aus könnt ihr Radfahren wo der Pfeffer wächst aber haltet euch fern von der Stadt. Gerade solche Hackfressen können mir wirklich gestohlen bleiben.

    1. Dein Kommentar ist so dumm, Du wärst nicht mal mit nem hübschen Gesicht attraktiv. Solche Hackfressen braucht echt kein Mensch.

      Das Großteil der im Straßenverkehr Verletzen und Getöteten geht auf das Konto von Autofahrern. Dafür braucht man nicht mal die Bauchipedia von irgendeinem der sich Daniel nennt, sondern kann einfach beim statistischen Bundesamt nach schauen.

    2. Sorry … äh… neh, gar nicht Sorry, du scheinst ja ein ausgewiesener Spezialist für gequirlte Scheiße und Beleidigungen zu sein. Das nötigt mir doch gleich ungemein Respekt ab.

  17. „Entweder auf der Fahrbahn. Oder auf dem Radweg mit Benutzungspflicht. Oder auf dem Radweg ohne Benutzungspflicht. Oder auf dem Gehweg mit Benutzungspflicht. Oder auf dem freigegebenen Gehweg. Oder auf einem Radfahrstreifen. Oder auf einem Schutzstreifen (ja, der ist Teil der Fahrbahn, aber das lassen wir jetzt mal so stehen).

    Und damit das nicht zu langweilig wird, gibt’s das alles bis auf die Streifen noch mal auf der linken Straßenseite. Das sind also gleich mal lockere elf Straßenteile, auf denen man irgendwie mit dem Rad fahren darf oder muss oder soll.“

    Du hast in der Aufzählung noch die „Kombinationsflächen“ vergessen, die zwar nirgendwo in der StVO auftauchen, aber dafür in der Realität des Straßenverkehrs.
    Und wie Du auf die Idee kommst das es die Streifen links nicht gibt weiß ich auch nicht. Zumindest hierzustadt habe ich die Schutzstreifen auch schon mit Benutzungspflicht links gesehen.

    1. In Braunschweig gibt es in mehreren Einbahnstraßen Schutz- bzw. Radfahrstreifen in Gegenrichtung, also von der KFZ-Fahrtrichtung links. Eigentlich ganz toll, wenn da nicht gefühlt 50 Prozent der Radfahrer trotz eindeutiger Richtungspfeile und Symbole nun links in Einbahnstraßenrichtung fahren würden und somit auf Kollisionskurs mit den Radfahrern sind, die legal am rechten Rand in Gegenrichtung der Einbahnstraße fahren.
      Auch die Autofahrer haben immer noch ein Problem damit, wenn solche Freigaben in Gegenrichtung angeordnet werden, die achten nicht auf den Verkehr von links, der hier sogar noch Vorfahrt hat.
      Und an anderen Stellen, wo Radfahrstreifen angelegt wurden, radeln unsere tollen Radfahrer auch mal linksseitig,
      Ich hab das Gefühl, dass sich manche Verkehrsteilnehmer sehr schwer tun, wenn sich etwas ändert. so wurde ich an einer Radwegfurt, die seit etwa 8 Monaten nach Umbau verbreitert und mit Ampeln in Gegenrichtung versehen wurde als Falschfahrer angemotzt. Ich fuhr schon rechts, die Person kam auf meiner Seite entgegen, und ein unbeteiligter Fußgänger, der nun meine Ampeln nicht sehen konnte maulte auch noch rum. Hier hat es die Verkehrsbehörde einfach unterlassen Richtungspfeile für beide Richtungen in der Furt zu markieren, damit es auch der dümmste Radler merkt.
      Eigentlich muss man schon sagen, dass je mehr Regeln und Ausnahmeregeln es gibt umso mehr Verwirrung entsteht. eigentlich hält sich kaum noch jemand an die Verkehrsregeln, sie sog. Fahrradstraßen hier sind ebenfalls ein Witz, überall für PKW freigegeben, die hier nicht 30 sondern 50 fahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.