AfD-Anhänger halten Ampelregelung für Fake-News

Weil ich mich als Radfahrer mit den falschen Leuten eingelassen habe, landete ich nicht nur zwei Mal mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus, sondern bin auch im Netz manchmal gewissen Anfeindungen ausgesetzt, die bis hin zu fröhlich gestalteten „Malte hatte Vorfahrt“-Grabsteinen reichen:

Im Internet ist es halt so wie draußen im Straßenverkehr: Wer anderen Menschen auf die Eier geht, muss eben mit Gegenwind rechnen — vom fröhlichen „Fick dich, du kleiner, dreckiger Hurensohn“ bis zum leicht unhöflichen „Ich fahr dich tot“ ist alles dabei.

Ich muss es wohl mit Humor nehmen — und darauf hoffen, dass ich noch alt genug werde, um einigermaßen zivilisierte Umgangsformen im Internet kennenzulernen.

Rote Ampeln als Fake-News

Nun haben einige Anhänger der so genannten Alternative für Deutschland mittlerweile erkannt, dass nicht alles, was mit hetzerischer Wortwahl in den einschlägigen AfD-Gruppen auf facebook herumposaunt wird, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Man ist wohl auch am rechten Rand der Gesellschaft genervt davon, sich mit täglichen „Flüchtling frisst Mädchen“-Schlagzeilen in die Fake-News-Hölle zu stürzen, in deren rot glühenden Echokammern der süße Hall des Lügenpresse-Geheules reflektiert wird.

Und so treffen selbst in den dunkelsten AfD-Gruppen auf facebook zwei Interessengruppen ungebremst aufeinander: Die einen, die gerne Stimmung gegen die Grünen machen wollen, die anderen, die jene verlinkte Beiträge auf Plausibilität hinterfragen. Geeint werden sie von der fehlenden Fähigkeit, von einer Nachricht mehr als nur die Überschrift zu erfassen.

Drum sollte ich mir wohl an die eigene Nase fassen: „Radfahrer dürfen über rote Ampeln fahren“ ist sicherlich ein ungünstiger Titel, um sich an diesem Thema abzuarbeiten — ganz zu schweigen davon, dass sich nur wenige Leser auf diese kilometerlange Text-Wüste durch die Abgründe der deutschen Verkehrsgesetzgebung einlassen werden.

Insofern kann man den Anhängern der AfD womöglich gar keinen Vorwurf machen: Es klingt schon beinahe zu absurd, was die Straßenverkehrs-Ordnung bei genauerer Betrachtung offenbart.

In den Echokammern auf facebook klingt das dann so:

Thread zum Radverkehrspolitik-Beitrag in einer facebook-Gruppe

Glücklicherweise verschwand der Beitrag relativ schnell in der Hölle von offen gelebtem Rassismus, Menschenverachtung und Holocaustleugnung, sonst wären hier im Blog noch mehr unfreundliche Kommentatoren aufgeschlagen. Interessanterweise ging es auf facebook noch relativ zivilisiert zu, von offen lebensverneinenden Kommentaren war dort nichts zu lesen, die Kacke quoll erst hier im Blog aus der Kanalisation.

In guter Gesellschaft

Vielleicht sollte man sich im Bundeswahrheitsministerium Gedanken machen, dass der Bürger die Verkehrsregeln für derart unplausibel hält, dass er Meldungen darüber als Fake-News einsortiert.

Immerhin können sich AfD-Anhänger diesbezüglich wiederum zur bürgerlichen Mitte zählen: Die Ampelregelung für Radfahrer halten auch Polizeibeamte und die Mitarbeiter in den Straßenverkehrsbehörden für eine Lüge.

5 Gedanken zu „AfD-Anhänger halten Ampelregelung für Fake-News“

  1. In welchem Land leben wir eigentlich, wo jeder dahergelaufene Schwachkopf seine Scheiße ins Internet schreiben darf? Manchmal denke ich, nicht in Deutschland zu leben sondern in einem der Ostblockstaaten, in denen tägliche Denunzation das täglich Brot verweichlichter Kleinhirne wie Herrn Hübner ist. Wenn man keine Freude am Leben hat, wird man Radfahrer und schriebt über Radverkehrspolitik — von dem Radfahrer bekanntlich keine Ahnung haben.

    Schuster bleib bei deinen Leisten — und Radfahrer bleib auf dem Radweg.

  2. Lieber Jürgen,
    wir leben in Deutschland. In einem Land in dem auch ein Schwachkopf wie du seine Meinung kundtun darf, auch wenn ich und vermutlich viele andere sie für kompletten Schwachsinn halten.
    Verweichlicht sind hier ausserdem wohl eher die ganzen SUV-Fahrer in ihrem vollbeheizten, rollenden Klimaanlagen und bestimmt nicht wir Radfahrer, die bei jedem Wetter mit dem Rad zur Arbeit fahren…
    Gruss vom Radweg in den Stosszeitstau!

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