Warum Radfahren ohne Radwege nicht funktioniert

Unter leidenschaftlichen Fahrradfahrern ist es längst kein Geheimnis, dass die normalen deutschen Fahrradwege allenfalls zum Verunfallen taugen, aber sicherlich nicht zum sicheren, schnellen oder gar bequemen Vorankommen. Leider ist das eine Erkenntnis, die sich nur bei einem Bruchteil der Radfahrer festgesetzt hat — und überhaupt nicht bei Fußgängern oder Autofahrern.

Fährt man auf dem Radweg, muss man eigentlich auf alles achten — nicht nur auf die Fahrzeuge auf der Fahrbahn, die plötzlich ohne Rücksicht abbiegen, und nicht nur auf Fußgänger, die plötzlich auf dem Radweg auftauchen. Hat man dagegen in Ermangelung einer Benutzungspflicht die Möglichkeit der Fahrbahnbenutzung, ist man dort den Sanktionen der Autofahrer ausgesetzt, die das vermeintliche Fehlverhalten des Fahrbahnradelns in einem kurzen Akt von Selbstjustiz mit der Hupe oder gar dem gesamten Fahrzeug als Waffe ahnden.

So freut man sich zunächst darüber, dass die Vernunft in der Behörde gesiegt und die Benutzungspflicht an einem weiteren Radweg aufgehoben hat, sieht sich aber dann mit der Frage konfrontiert, welchen Straßenteil man denn nun benutzen sollte. Die Fahrbahn ist, sofern ein Radweg parallel verläuft, aufgrund des beschriebenen Verhaltens der Kraftfahrzeugführer wenigstens in der Anfangszeit nach Aufhebung der Benutzungspflicht zu gefährlich, doch auf dem Radweg ist man bekanntlich auch nicht sicherer unterwegs: gerade deswegen wurden die blauen Schilder schließlich entfernt. Damals, unter der Benutzungspflicht, hatte man gar nicht erst die Wahl, doch heute muss man sich zwischen dem unsicheren Radweg mit eindrucksvoller miserabler Führung und der gefährlichen Fahrbahn entscheiden.

Vom Fahrrad aus betrachtet lässt sich die Bundesrepublik nach der Art des Radfahrens prima katalogisieren. In Norddeutschland gibt es Städte, die beinahe an jeder Straße, teilweise sogar in Tempo-30-Zonen, einen Radweg eingerichtet haben. Das Alter der Radwege dürfte inzwischen um die 30 bis 40 Jahre betragen, gepflegt wurden sie seitdem eher selten und so ist die asphaltierte Oberfläche inzwischen dem Verfall begriffen, der von Wurzeln und parkenden Autos begünstigt wird. Häufig, sofern kein engagierter Radfahrer sich mit der Straßenverkehrsbehörde messen wollte, sind die Radwege als benutzungspflichtig markiert, obwohl sie längst nicht einmal den Mindestvorgaben entsprechen.

Dem gegenüber stehen Städte, die das Fahrrad als Verkehrsmittel bis zu letzt ignoriert haben und teilweise komplett ohne Radverkehrsanlagen auskommen. Meistens sind das Städte in der südlichen Bundesrepublik oder in den neuen Bundesländern — und paradoxerweise sind das jene Städte, die heute für den Radverkehr ganz besonders attraktiv und sicher sind, weil das Radeln auf der Fahrbahn seit Jahrzehnten normal und gewohnt ist und heute mit entsprechenden Fahrbahnmarkierungen unterstützt werden kann.

Nun gibt es — womöglich: zum Glück — in jeder norddeutschen Stadt auch Straßen ohne Radwege. Mitunter wurden die Radwege dort einfach vergessen, vielleicht auch erst gar nicht angelegt, denn „dort fährt eh nie einer lang“, oder aufgrund der engen Bebauung war schlicht kein Platz für einen Radweg. In einem solchen Fall müssen Radfahrer die Fahrbahn befahren — und nun wird die Sache kompliziert.

Es gibt tatsächlich Stellen, an denen es üblich ist, dass ein Radfahrer den Gehweg befährt, so schmal und holprig er auch sein mag. Meistens wird dort gefahren, weil man als Radfahrer den Kraftfahrzeugverkehr nicht behindern möchte oder weil alle anderen Radfahrer auch dort fahren oder weil es angeblich verboten sei, auf der Fahrbahn zu radeln. Ja, ein nennenswerter Anteil der Radfahrer scheint tatsächlich zu glauben, dass das Radfahren „auf der Straße“ strengstens untersagt sei — das endet dann eben in der Regel auf dem Gehweg oder in der Wahl einer anderen Strecke mit radwegfreundlichen Straßen.

Ein Radfahrer auf dem Gehweg ist zunächst einmal für Fußgänger lästig, weil stellenweise tatsächlich so viel Verkehr auf jenem Gehweg unterwegs ist, dass man sich kaum bewegen kann, ohne ständig Ausschau nach verkehrswidrig radelnden Verkehrsteilnehmern zu halten. Und trotzdem sind Radfahrer auf dem Gehweg auch für den regelkonformen Radfahrer auf der Fahrbahn lästig, weil sich in den Köpfen der motorisierten Verkehrsteilnehmer der Glaube eingebrannt hat, ausgerechnet an dieser Straße müssten alle Radfahrer den Gehweg benutzen, weil es ja alle so machen. Mit Glück wird ein Radfahrer auf der Fahrbahn dort nur etwas enger überholt, mit etwas mehr Pech wird er angehupt, geschnitten oder ausgebremst, den obligatorischen Zeigefinger in Richtung des Gehweges inklusive.

Paradoxerweise lässt es sich an anderen radweglosen Straßen relativ entspannt auf der Fahrbahn fahren — meistens hat sich dort das Radeln auf dem Gehweg aus irgendwelchen Gründen nicht gewohnheitsmäßig eingebürgert, so dass ängstliche Radfahrer eine andere Route wählen, weil es „auf der Straße“ ja so gefährlich sei, und Kraftfahrzeugführer nicht die Benutzung des Gehweges einfordern. Schon hier fällt auf, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nicht einmal in der Lage sind, die einzigen Straßenteile korrekt zu benennen, geschweigedenn die Regeln über deren Benutzung kennen, aber andererseits hinter dem Steuer eines Autos über das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer urteilen wollen.

So verwundert es dann nur anfangs, dass bei Gesprächen mit „normalen“ Verkehrsteilnehmern ohne ausgeprägte Kenntnis der Straßenverkehrsordnung immer wieder großes Erstaunen auftritt, dass Radfahrer in der Regel, sofern denn nicht anders beschildert, überall auf der Fahrbahn radeln dürfen und Straßen ohne Radweg keineswegs tabu sind. Meistens folgt dann die Frage nach der Sicherheit des Fahrbahnradelns, wiederum sofort gefolgt von der Feststellung, dass man wider der eindeutigen Faktenlage doch lieber den Radweg oder gar den Gehweg wählt: „Ich fühle mich dort eben sicherer.“

Und gerade dieses Gefühl ist so trügerisch und gefährlich, denn Radwege sind nicht sicher. Wirklich nicht. Auch wenn Polizei und Presse und Behörden gerne das Gegenteil behaupten: Radwege sind nicht sicher.

Was Radwege angeht, so muss dort zwischen innerörtlichen und außerörtlichen Radwegen unterschieden werden. Außerörtliche Radwege verlaufen etwa neben einer Straße und sind meistens aufgrund der geringen Frequentierung nicht besonders gut gepflegt. Wurzelaufbrüche sind die Regel, hineinwachsende Pflanzen stellenweise so penetrant, dass vom gesamten Radweg nur noch ein schmaler Spalt von zwanzig oder dreißig Zentimetern verbleibt. Weil Kreuzungen mit der Fahrbahn relativ selten sind, lässt es sich zumindest bezüglich des Kraftfahrzeugverkehres sicher und unfallfrei radeln. Sofern dann doch Kreuzungen auftreten, wird Radfahrern dort gerne die Vorfahrt mit einer entsprechenden Beschilderung genommen, die im Grunde genommen unzulässig ist. Aus der geringen Frequentierung der Wege resultiert leider auch, dass es häufig nur einen einzigen Radweg an einer Seite der Fahrbahn gibt, so dass spätestens auf dem Rückweg auf der linken Straßenseite geradelt wird — das ist aufgrund der seltenen Einfahrten relativ egal, aber leider umso lästiger, wenn der Lichtkegel des Kraftfahrzeugverkehrs ständig blendet. Trotzdem lässt es sich außerorts relativ gut radeln — aber toll ist es nicht.

Innerörtliche Radwege sind dagegen sie Hölle. Meistens wurden sie irgendwie so dazwischengequetscht zwischen eine Fahrbahn, die schon da war, und einen Gehweg, der schon da war, und womöglich auch zwischen Parkplätze und Begrünungen, die schon da waren. Es gibt eigentlich kaum einen Radweg, der wenigstens den Mindestvorgaben eines Radweges entspricht. Man kann nicht besonders schnell darauf radeln, weil einerseits die Oberfläche uneben ist, andererseits ab einer gewissen Geschwindigkeit gar keine Möglichkeit mehr besteht, dem Fußgänger auszuweichen, der plötzlich auf den Radweg tritt, oder vor dem Auto anzuhalten, dass plötzlich aus einer Einfahrt stößt. Neben parkenden Autos entlangzufahren ist immer ein ganz besonderer Nervenkitzel, weil gerade Beifahrer nicht häufig kontrollieren, ob sich von hinten etwas nähert, das möglicherweise mit einer geöffneten Tür kollidieren könnte. Wird nicht neben dem Radweg geparkt, so dann gerne direkt darauf, um den übrigen Kraftfahrzeugverkehr nicht zu behindern — sobald der erste Wagen den Radweg versperrt, beginnen auch die übrigen Verkehrsteilnehmer, ihre Fahrzeuge ähnlich aufzustellen. Natürlich gibt es noch eine Reihe weiterer Hindernisse, etwa die berühmten Mülltonnen auf dem Radweg oder ungesicherte Baugruben, in die man angeblich nicht reinfallen kann, weil es ja das Sichtfahrgebot gibt.

Wenn schon nicht für Sicherheit, so hat diese Separation der Verkehrsarten dazu geführt, dass die Kraftfahrzeugführer auf der Fahrbahn tatsächlich nur noch wahrnehmen, was sich auch auf der Fahrbahn abspielt. So ist dann ein Radfahrer auf dem Radweg nebenan so lange uninteressant, bis er plötzlich beim Rechtsabbiegen auf der Motorhaube liegt. Wird dagegen auf der Fahrbahn geradelt, bleiben Radfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer ständig im Aufmerksamkeitsbereich der Autofahrer. Und das ist auch das wesentliche Problem der Radwege: man glaubt, sie seien sicher, verhält sich unbesorgt und achtet plötzlich gar nicht mehr darauf, dass jener Fußgänger sich gerade direkt auf den Radweg zubewegt oder der Rechtsabbieger von der Fahrbahn ohne Schulterblick am Steuer dreht. Das ist in etwa wie mit dem Fahrradhelm, der aufgrund der Risikokompensation unbesorgter unterwegs ist — und dennoch muss man, egal ob auf dem Rad oder im Auto, ständig aufmerksam unterwegs sein, denn Routine kann im schlimmsten Falle tödlich enden. Aufmerksames Fahren ist auf der Fahrbahn relativ einfach möglich, auf dem Radweg umso schwieriger und beinahe unmöglich, wenn das Fußgängeraufkommen steigt oder Außengastronomie dazukommt. Ein solcher Radweg kann einfach nicht gefahrlos befahren werden.

Und so irren die meisten Verkehrsteilnehmer, wenn sie den Radweg für sicher halten. Man mag es ihnen nicht verdenken, denn im Prinzip sollte ein Radweg ja gerade aus Sicherheitsgründen angelegt worden sein und schließlich wird überall propagiert, wie gefährlich das Radeln auf der Fahrbahn doch sei. Man muss sich allerdings tatsächlich fragen, welchem Zweck einige Radwege und die dazugehörigen Beschilderungen denn überhaupt dienen: mitunter kann es gar keinen anderen Zweck gegeben haben, als die lästigen Radfahrer endlich von der Fahrbahn zu verbannen. Sicherheitsbedenken waren da zu keinem Zeitpunkt im Spiel.

Vor zwei Monaten wurde die Radwegbenutzungspflicht in der Krefelder Straße in Köln aufgehoben — eigentlich eine tolle Sache, sollte man denken, das finden aber leider längst nicht alle Radfahrer. Arne Vogel hat sich bei den Radfahrern auf der Krefelder Straße umgehört:

(…) Das Ergebnis war niederschmetternd. Wie eine junge Dame feststellte: Ihr Leben lang hätte man ihr eingetrichtert, den Radweg zu benutzen, weil es sicherer sei, warum solle sie jetzt auf der Fahrbahn fahren? Die Menschen haben Angst auf der Straße zwischen den Autos und LKW. Das kriegt man aus ihren Köpfen so ohne weiteres nicht heraus. Deswegen ist eine gute Aufklärung der Bürger durch alle Beteiligten viel viel wichtiger als das einfache Konfrontieren mit — für die meisten — unverständlichen Tatsachen und da muss auch ich meinen bisherigen Ansatz überdenken. Velo 2010, die Stadt Köln und die Polizei wären hier gefordert. Anstatt unsinnige Lichtaktionen zu zelebrieren — mangelnde technische Ausrüstung der Räder ist nur ein gefühltes Problem und in den wenigsten Fällen unfallträchtig — sollten sie ihren Infostand in die Krefelder Straße stellen und den Betroffenen erklären, warum sie jetzt die Fahrbahn benutzen dürfen und vor allem, dass Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer unterwegs seien. Eine Maßnahme, die ich begrüßen und sogar tatkräftig unterstützen würde. (…)

Das verlinkte Interview mit Dutzenden Radfahrern ist die fünf Minuten wirklich wert, denn bei den vielen falschen Argumenten, die die Kölner Radfahrer dort hervorbringen, mag man nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Eine Dame äußert, dass Radwege sicherer seien, weil es dort ja keine Autos gäbe, vergisst aber offenbar, dass gerade die Konfrontation mit dem Autoverkehr an Kreuzungen, Grundstückszufahrten und Parkvorgängen zu den häufigsten Unfallursachen zählen. Ein anderer möchte nicht zwischen den ganzen Autos und Lastkraftwagen radeln, weil er sich nicht überfahren lassen möchte und ein dritter fährt bei Straßen ohne Radweg grundsätzlich auf dem Gehweg weiter. Beinahe möchte man resümieren: Radfahrer verfahren aus Sicherheisgefühl gerade so, wie es eigentlich am unsichersten ist.

Engagierte Radfahrer und ADFC-Mitglieder freuen sich natürlich über jeden Radweg, der nicht mehr mit Zeichen 237 oder Zeichen 241 als benutzungspflichtig beschildert ist, weil dann auf der Fahrbahn angenehmes und sicheres Radfahren möglich wird. Mutmaßlich ist die größte Gefahr auf der Fahrbahn tatsächlich das vorsätzliche Fehlverhalten der Kraftfahrzeugführer, die sich außerstande sehen, nicht mit Hupen, Schneiden oder Ausbremsen auf den nicht mehr benutzungspflichtigen Radweg hinzuweisen. Alle anderen Radfahrer werden aus den besagten Sicherheitsgründen weiterhin den Radweg benutzen und sich kopfschüttelnd über die vermeintlich lebensmüden Radfahrer auf der Fahrbahn aufregen. Man möchte beinahe hoffen, dass sie dabei nicht aus Unaufmerksamkeit mit einem Fußgänger kollidieren.

Wird hingegen ein Zeichen 240 entfernt, stellt sich ein ganz besonderer Effekt ein: zuvor musste der gemeinsame Geh- und Radweg von Radfahrern benutzt werden, danach ist die Benutzung hingegen strengstens untersagt, sofern denn keine dieser unsäglichen Freigaben für Radfahrer erfolgt. Allerdings nehmen auch hier weder Autofahrer noch Radfahrer die veränderte Beschilderung war, so dass Autofahrer weiterhin die Fahrbahnradler anhupen und Radfahrer weiterhin auf dem inzwischen reinen Gehweg verkehren. Nebenbei sei erwähnt, dass es keinen, aber auch wirklich gar keinen vernünftigen Grund für Radfahrer gibt, einen freigegebenen Gehweg zu nutzen. Zunächst ist dort nur langsames, angemessenes Tempo erlaubt, etwa um den Bereich der Schrittgeschwindigkeit angesiedelt, und außerdem steckt man bis zum Scheitel in Problemen, sobald man mit einem Fußgänger verunfallt. Als Radfahrer hat man dort, nicht zuletzt in Bezug auf die Sicherheit, ausschließlich Nachteile.

Am problematischsten ist es jedoch, wenn etwa während Sanierungsarbeiten der Radweg komplett entfernt wird. Meistens werden dann Radfahr- oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn eingerichtet, mitunter wird der Radverkehr aber auch komplett auf die Fahrbahn geschickt — dort will er aber gar nicht hin. Es lässt sich dann wenigstens in den ersten Monaten beobachten, dass die Radfahrer auf den Gehweg ausweichen und sogar Schutzstreifen misstrauen. Fragt man die gehwegradelnden Radfahrer dazu, bekommt man mitunter die abenteuerlichsten Theorien zu hören, etwa davon, dass die Behörde vollkommen verantwortungslos wäre, die Radfahrer jetzt auf den Schutzstreifen zu schicken, weil sie dort von den Autos überfahren würden.

Und so bleibt festzustellen, dass diese angestrengten Bemühungen, komplette Radwege oder wenigstens die blauen Beschilderungen loszuwerden, sicherlich nicht zu einem gesteigerten Radverkehrsanteil führen werden. Die meisten Radfahrer glauben offenbar, nicht auf der Fahrbahn fahren zu dürfen oder fühlen sich dort so unsicher, dass das Rad fortan im Keller verbleibt. Abgesehen davon tragen die Autofahrer ihren eigenen Anteil dazu bei, indem sie das Fahren auf der Fahrbahn mit Maßregelungen vorsätzlich verkomplizieren und gefährden.

Radfahrer lieben nunmal Radwege, auch die schlechten, buckeligen und engen. Auf der Fahrbahn will kaum jemand fahren — schließlich können die Radwege, die man extra für den Radverkehr gebaut hat, nicht plötzlich schlecht sein, nachdem sie jahrelang funktionierten?

9 Gedanken zu „Warum Radfahren ohne Radwege nicht funktioniert“

  1. Hallo Malte,
    ein sehr schöner Artikel, auch wenn er die Traurigkeit der Realität gut wiedergibt. Seit kurzem begehre ich auch gegen die Radwegbenutzungspflicht auf und kann nahezu alle hervorgebrachten Argumente von dir bestätigen.
    Hier in Hamburg ist da ein langer Weg zu beschreiten, den andere bereits begonnen haben. Es ist an uns ihn fortzuführen.

    Auf ein unfallfreies neues Jahr
    Gerrit

    1. Hier nebenan in Wedel werden wir die Radwegbenutzungspflicht auch nur sehr langsam los. Mal sehen, ob sich im neuen Jahr noch ein paar blaue Schilder verabschieden, eigentlich wurde vor knapp einem Jahr beschlossen, beinahe alles abzuschrauben, passiert ist seitdem leider nur sehr wenig.

  2. Hi,
    einen kleinen Widerspruch gibt es von mir zur Aussage „Nebenbei sei erwähnt, dass es keinen, aber auch wirklich gar keinen vernünftigen Grund für Radfahrer gibt, einen freigegebenen Gehweg zu nutzen. “
    Es gibt hier in Oldenburg eine (für Radfahrer in beide Richtungen freigegebene) Einbahnstraße (die Elisabethstraße am Schloßpark) mit einem dermaßen miesen Kopfsteinpflaster, so dass ich dort lieber auf dem freigegebenen Fußweg fahre.

    1. Es gibt hier in Oldenburg eine (für Radfahrer in beide Richtungen freigegebene) Einbahnstraße (die Elisabethstraße am Schloßpark) mit einem dermaßen miesen Kopfsteinpflaster, so dass ich dort lieber auf dem freigegebenen Fußweg fahre.

      Ja, okay, solche Stellen sind tatsächlich nicht per Definition schlecht. Ich kenne auch ein paar Straßen, wo man nicht auf dem Kopfsteinpflaster rütteln muss, sondern auch den Gehweg daneben benutzen darf. Das sind aber leider alles recht alte Straßen, die schlecht einsehbare oder enge Gehwege aufweisen, so dass man dort bei einem Unfall auch gleich wieder der Dumme ist. Insofern ist das im Endeffekt ein Gehweg, den ich dann tatsächlich lieber schiebend benutze.

  3. „…dass bei Gesprächen mit „normalen“ Verkehrsteilnehmern ohne ausgeprägte Kenntnis der Straßenverkehrsordnung immer wieder großes Erstaunen auftritt, dass Radfahrer in der Regel, sofern denn nicht anders beschildert, überall auf der Fahrbahn radeln dürfen und Straßen ohne Radweg keineswegs tabu sind.“

    Dieses „Phänomen“ kennt wohl jeder Fahrbahn-Radler.
    Schlimm finde ich aber, daß selbst Menschen, die gerade den Führerschein machen und sich intensiv mit Verkehrsregeln befassen (bzw. befassen sollten), die geltenden Regeln nicht kennen.

    So wird in den Fahrschulunterlagen zwar erklärt, daß das Zeichen 237 einen benutzungspflichtigen Radweg kennzeichnet, der Umkehrschluss, daß Radwege ohne dieses Zeichen nicht benutzungspflichtig sind, wird nicht vermittelt.
    Die im Text beschriebene Sozialisation verhindert wohl diese Transferleistung.

    Wäre es nicht ein schöner erster Ansatz, die „Neu-Autofahrer“ überdie Fahrschulen mit den geltenden Regeln vertraut zu machen. Eine Theoriefrage mehr könnte für einige Aha-Effekte sorgen…

    1. Ich bin ja eher der Meinung, dass die meisten Verkehrsteilnehmer sowieso kaum Ahnung von der Straßenverkehrs-Ordnung haben. Die fahren so, wie sie es damals in der Fahrschule gelernt haben, halten sich dann an das, was die anderen Verkehrsteilnehmer so machen und das war es dann auch schon. Wenn ein Fahrzeug in eine gesperrte Straße einfährt, fahren zehn hinterher, sobald einer halb auf dem Gehweg parkt, parken dreißig andere auch so. Und solche Feinheiten wie die Schrittgeschwindigkeit auf Parkplätzen, die dort in Ermangelung einer Fahrbahn aus dem gleichen Grunde wie in einem Verkehrsberuhigten Bereich gilt, kapiert ja kein Mensch, genau wie die komplizierten Vorrangsbeziehungen zu Fußgängern an abknickenden Vorfahrtsstraßen und Kreisverkehren.

      Und weil man nirgendwo vernünftig lernt, wie man denn ordentlich Fahrrad fährt, gibt’s da eben dieses Durcheinander. Vermutlich glauben die Verantwortlichen, dass sich Schulkinder selber die Straßenverkehrs-Ordnung zu Gemüte führen, obwohl sich auch Abermillionen Autofahrer weigern, das Ding nach einer Änderungsverordnung oder Neufassung noch einmal zu studieren.

      Aber wenigstens kann man jedem Radfahrer, der auf der Fahrbahn, noch durchs Beifahrerfenster zurufen, dass man laut Straßenverkehrs-Ordnung ja alle Radwege benutzen müsse.

  4. Autofahrerischen Erziehungsmaßnahmen sind keine Frage der Kenntnis der StVO, sondern des Selbstverständnisses, das nämlich Autofahrer Radfahrern übergeordnet sind. Das wird ihnen ja ständig vermittelt, sobald ein Politiker oder Behördensprecher den Mund aufmacht, und natürlich durch die Wegelchen selbst.

  5. Das Radfahrer Radwege wollen, ist einzig und allein der eben genannten Normung zu verdanken. Huxley hätte ebensogut über den Straßenverkehr schreiben können.

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