Warum hat die Radfahrerin nicht angehalten?

In Berlin gab es erneut einen Konflikt zwischen einer Radfahrerin und einem abbiegenden Lastkraftwagen, der in schweren Verletzungen endete: Lkw überrollt Radfahrerin

Schwerer Unfall auf der Stralauer Allee: Eine Radfahrerin wurde von einem Laster angefahren und überrollt. Der Lkw-Fahrer hat die Frau beim Abbiegen offenbar nicht gesehen.

Aus dem üblichen „Übersehen“ wurde im Laufe des Artikels etwas anderes:

Die Frau bemerkte nicht, dass der Laster-Fahrer den Blinker einschaltete, um anzuzeigen, dass er nach rechts in die Warschauer Straße einbiegen wollte. (…) Unklar sei, weshalb die Frau, die unmittelbar neben dem Lastwagen fuhr, nicht auf das Fahrzeug reagierte und weiter geradeaus gefahren sei, sagte ein Verkehrspolizist.

Vielleicht hatte die verletzte Radfahrerin die ganz abwegige Idee, der Lastkraftwagen könnte ihr ihre Vorfahrt lassen.

3 Gedanken zu „Warum hat die Radfahrerin nicht angehalten?“

  1. Die Ecke ist prädestiniert für Abbiegeunfälle, weil die Radfahrer durch eine separate Unterführung unter der U-Bahn geführt werden und direkt danach die Kreuzung ist.
    Ein KFZ-Fahrer kann dort beim besten Willen nicht den benutzungspflichtigen (!) Radweg einsehen.

  2. Ich zitiere mal aus Peter de Leuws Sammlung zu Radverkehrsurteilen (www.pdeleuw.de):

    „Der Fahrer eines Lkw muss sich keine Ausrüstung verschaffen, die tote Winkel bei der Beobachtung des rechten rückwärtigen Verkehrs vermeidet. Er muss sich jedoch so verhalten, wie ein Wartepflichtiger, der in eine bevorrechtigte Straße einfahren muss, ohne ausreichende Sicht auf den bevorrechtigten Verkehr zu haben. Hier ist allgemein anerkannt, dass sich der Wartepflichtige „eintasten“ muss, also sehr langsam („zentimeterweise“, „unter Schrittgeschwindigkeit“), stets bremsbereit einzufahren hat und bei gegebenem Anlass sofort bremsen muss.
    Einem Radfahrer kann nicht zum Vorwurf gemacht werden, mit unverminderter Geschwindigkeit auf einer Radwegfurt in eine Kreuzung eingefahren zu sein, wenn die für ihn geltende Ampel Grünlicht zeigt und er Vorfahrt hat. Allein die Tatsache, dass ein auf der Fahrbahn fahrendes Fahrzeug Blinker gesetzt hatte, braucht ihn nicht zum Herabsetzen der Geschwindigkeit oder gar zum Halten veranlassen (OLG München, Urteil vom 05.08.1988, Az. 10 U 5242/86 = NZV 1989, 394).“

    Auch wenn man den Radweg nicht einsehen kann, darf man nicht einfach Radfahrer umfahren!

  3. Eine wesentlich sachgerechtere Darstellung (abgesehen von dem immer wieder unsäglichen „übersehen“) findet sich beim „Tagesspiegel“. Die „Berliner Zeitung“ zeichnet sich nicht sonderlich durch Kompetenz bei der Berichterstattung zum Radverkehr aus (…schlägt aber sicher die sonstigen Berliner Medien noch um Längen).

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-friedrichshain-rechtsabbieger-erfasst-radfahrerin/9496844.html

    Interessant dürfte auch die Einschätzung der Radfahrer selbst zu dieser Kreuzung sein, nachzulesen auf der eigens für solche Einschätzungen Ende lezten Jahres zeitweilig eingerichteten und noch immer online geschalteten Seite https://radsicherheit.berlin.de/ (Nach Straßenname Stralauer Allee suchen). Die Titel der Einträge an dieser Stelle sprechen Bände.

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