Von Radfahrern und Kampfradlern

Kein journalistisches Erzeugnis kommt ohne die Assoziation vom Radfahrer zum Kampfradler aus. „Kampfradler“ und „Krieg auf der Straße“ scheinen das Grundvokabular eines heutigen Journalisten zu bilden. Beim Bayerishen Fernsehen heißt es zum Beispiel: Radl-Boom stellt Städte vor Probleme

München soll Radl-Hauptstadt werden. In Zahlen kann der zuständige Bürgermeister Hep Monatzeder das glaubhaft machen: In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Radler um 70% gestiegen. Doch an der Realität droht das ehrgeizige Projekt zu scheitern.

Unter so einer Überschrift kann man sich zweifelsohne viel vorstellen. Damit man nicht auf dumme Gedanken kommt, wird die ganze Sache überschrieben mit dem Begriff „Straßenkampf“.

Es geht ganz kurz um wirkliche Probleme des Radfahrens, die in Form von schmalen Radwegen präsentiert werden, aber dafür ist nur wenig Zeit, denn — hurtig, hurtig — geht es weiter zu den üblichen Kampfradlereien im Straßenverkehr. Und natürlich dürfen auch die empörten Autofahrer nicht fehlen, die sich angesichts des wachsenden Radverkehrs in ihrem mit hart erarbeiteten Steuergeldern markierten Revier als die Dummen fühlen, wenn sie einen Radfahrer über den Haufen fahren.

Ja, solche Dinge ließen sich sicherlich genauer ausarbeiten. Aber dafür ist ja leider keine Zeit.

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