Verkehrswacht und Polizei wollen jugendliche Radfahrer vergrämen

So mancher unfreiwilliger Schreibfehler offenbarte schon die wahre Absicht. Die NWZonline schreibt: Polizei bittet Schüler zur Alkoholkontrolle

Schon der erste Absatz ist ganz erstaunlich:

Das Thema Sicherheit im Straßenverkehr stand am Mittwoch auf dem Stundenplan von Schülern der Klassen sieben bis zehn des Schulzentrums Saterland. Im Rahmen des Comenius-Regio-Projektes fand dort erstmals eine praktische Verkehrspräventionsübung statt, an der auch die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta und die Kreisverkehrswacht mitbeteiligt waren.

Gemeint ist sicherlich eine Verkehrsunfallpräventionsübung, aber der Platz auf der Seite reichte wohl nur für eine Verkehrspräventionsübung — als eine Übung, die eine Teilnahme der Jugendlichen am Straßenverkehr aktiv verhindern soll. Das ist zwar nur ein Schreibfehler, aber der trifft ganz gut, was da auf dem Pausenhof abgelaufen ist.

Denn zu den Stationen, aus denen der Übungsparcous bestand, gehörte auch ein Unfall, bei dem ein Radfahrer-Dummy von einem fünfzig Kilometern pro Stunde schnellen Auto angefahren wurde — und offenbar wurde an diesem Beispiel erläutert, warum denn ein Fahrradhelm so unerlässlich sei. Über die Wirksamkeit von Fahrradhelmen kann man sicher trefflich streiten, wobei einige Radfahrer aufgrund der physikalischen Regeln davon ausgehen, dass die Schutzwirkung schon bei einer Geschwindigkeit von fünfzehn Kilometern pro Stunde kaum noch messbar ist. Es dürfte aber klar sein, dass ein Radfahrer, der von einem so schnellen Kraftfahrzeug erfasst wird, ganz sicher andere Sorgen hat als sich über die Styroporschale auf dem Kopf zu freuen. Hoffentlich handelt es sich bei diesem Satz lediglich um eine kleine Ungenauigkeit im so genannten Qualitätsjournalismus, denn so eine Vorführung wäre schon deutlich realitätsferner als die üblichen sturzhelmbewehrten Wassermelonen. Damit wird nicht das Sicherheitsbewusstsein der Kinder geschärft, mit diesen irrationalen Beispielen werden sie vom Radfahren abgehalten.

Das Prinzip wurde an weiteren Stationen fortgeführt, an denen sich Schockbilder von verunfallten Verkehrsteilnehmern in die jugendlichen Gehirne brennen sollten. So läuft Unfallprävention in Deutschland: man gibt sch erst gar keine Mühe, sicheres Verhalten im Straßenverkehr zu trainieren sondern sorgt mit einer Schocktherapie dafür, dass sich die Jugendlichen nach Möglichkeit wenigstens auf dem Fahrrad vom Straßenverkehr fernhalten.

Solche Schockvideos gehören zwar auch in anderen Ländern zur Verkehrsausbildung, werden da aber vornehmlich den Führerscheinanwärtern gezeigt. In Deutschland wiederum lässt man diese Zielgruppe, die statistisch viel häufiger in relativ schwererere Unfälle verwickelt sein wird, mit solchen Eindrücken unbehelligt — stattdessen wird weiterhin die Gleichung propagiert, nach der das Radfahren ganz gefährlich und das Autofahren auch bei aller Unaufmerksamkeit allenfalls im Blechschaden endet.

Immerhin gibt es am Ende des Artikels noch etwas zu lachen, wenn es heißt:

Auch das Thema Alkohol und Rauschmittel wurde thematisch aufgegriffen. Die Schüler konnten an einer Station „austesten“, wie es ist, mit einem Alkoholgehalt von 0,8 Promille im Straßenverkehr teilzunehmen.

Man könnte ja glatt mutmaßen, dort sei hochprozentiger Schnaps ausgeschenkt worden. Tatsächlich dürfte der Versuch allerdings mit einer speziellen Brille realisiert worden sein, die für den beschwummerten Eindruck sorgt.

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