„Verkehrswacht fordert Tempo 10 für Radfahrer!“

Nein, so schlimm, wie es die ausrufezeichenbewehrte Überschrift suggeriert ist es zum Glück nicht: Verkehrswacht fordert Tempo 10 für Radfahrer!

Hannovers Rad-Rambos fahren harten Zeiten entgegen! Jetzt fordert die erste Verkehrsexpertin ein Tempolimit für Fahrräder in der City!

Cornelia Zieseniß fordert gar kein generelles Tempolimit für Radfahrer, sondern immerhin nur eines in bestimmten Situationen. In Bereichen mit starkem Fußgängeraufkommen soll nach ihrem Willen ein Tempolimit zwischen 30 und zehn Kilometern pro Stunde angeordnet werden. Ob das rechtlich möglich ist, scheint wenigstens fraglich, allerdings ist der Vorschlag gar nicht so abwägig wie er auf dem ersten Blick scheint: in Bereichen, in denen Radfahrer und Fußgänger aufeinander losgelassen werden, ist in Ermangelung von Platz eine hohe Geschwindigkeit tatsächlich halsbrecherisch.

Die Lösung sollte allerdings nicht ein Tempolimit sein, dass einerseits nicht eingehalten wird, weil man mit zehn Kilometern pro Stunde schon fast vom Rad fällt, und andererseits schlecht kontrolliert werden kann. Viel mehr sollten Fußgänger und Fahrradfahrer voneinander getrennt werden: vom Bewegungscharakter her passen die Fahrräder eher auf die Fahrbahn als auf gemeinsame Fuß- und Radwege. Allenfalls in gemeinsamen Flächen, die gar nicht in der Nähe von Fahrbahnen verlaufen, wären Tempolimitierungen notwendig: allerdings handelt es sich dabei meistens um Fußgängerzonen, in denen je nach gültiger Straßenverkehrs-Ordnung etwas zwischen Schritt- und angepasster Geschwindigkeit gilt.

Für die Einführung eines solchen Tempolimits wird mit den Unfallzahlen des Radverkehres argumentiert — obschon die dortigen Zahlen eher von Unfällen mit Kraftfahrzeugen stammen, denn es scheint unwahrscheinlich, dass im letzten Jahr sieben Radfahrer nach Unfällen mit Fußgängern starben. Das ist so sinnvoll, als würde mit der Unfallwahrscheinlichkeit auf Landstraßen für ein Tempolimit vor dem örtlichen Kindergarten argumentiert.

Zieseniß fordert außerdem ein Überholverbot auf schmalen Wegen, obwohl das bislang noch gar nicht als besonders gefährlich genannt wurde und sicherlich eine interessante rechtliche Umsetzung mit sich brächte — insbesondere weil auf schmalen Fahrbahnen sicherlich kein Überholverbot für Kraftfahrzeuge gelten würde, bliebe von der Fahrbahn abzüglich des Fahrrades und seiner Sicherheitsabstände nicht genügend Platz. Und natürlich fordert Zieseniß auch Fahrradkennzeichen, die gemeinhin als kompletter Unsinn gelten.

Es ist schon überraschend, dass die Deutsche Verkehrswacht mit Händen und Füßen gegen vernünftige Radverkehrsbedingungen wehrt. Vermutlich möchte man unbedingt Peter Ramsauer seine Medienpräsenz streitig machen und verzichtet noch nicht einmal auf die stumpfsten Forderungen.

Und abgesehen davon ist bei BILD das Kampfradler inzwischen schon synonym für jeden beliebigen Radfahrer geworden. Aber ein solches Verhalten wundert bei der BILD immerhin nicht mehr.

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