Verkehrsunterricht in der Schule: „Ich fahre morgen nicht mehr mit dem Fahrrad.“

Mit dem Verkehrsunterricht an Schulen ist das so eine Sache: Wenn man den Erzählungen von Kindern, Eltern und Lehrern glauben mag, kommt so richtig sinnvolles dabei nicht herum. Prinzipiell lassen sich die Erkenntnisse häufig auf drei Punkte reduzieren:

  1. Radfahren ist gefährlich.
  2. Immer mit Helm fahren, sonst kommt ihr nicht lebend zu Hause an.
  3. Aus Sicherheitsgründen immer auf Radwegen fahren, wenn es keine Radwege gibt, radelt ihr auf dem Gehweg weiter.

Sicherlich ist es nicht so ganz einfach, Kinder und Jugendliche zu einem vernünftigen Verhalten im Straßenverkehr anzuhalten. Das Gymnasium Kronshagen hat sich allerdings etwas ganz besonderes überlegt, damit auch wirklich niemand vergisst, wie gefährlich das Radfahren angeblich ist: Ein Stuntman fährt mit einem Rad immer und immer wieder gegen ein Auto. Das klingt in der Zeitung eigentlich ganz vergnüglich: Filmreifer Fahrradunterricht für Schüler

Fahrradunterricht einmal anders: Ein Stuntman hat am Gymnasium in Kronshagen Kindern realitätsnah die Folgen einer Kollision mit einem Auto demonstriert. Dabei flog er mehrfach in hohen Bogen durch die Luft.

Der Erfolg stellte sich umgehend ein: Eine Schülerin gab gegenüber den Kieler Nachrichten an, künftig nicht mehr mit dem Rad zu fahren, per Mail wurde von einem Leser dieses Weblogs berichtet, dass wohl über ein Dutzend Kinder künftig mit dem Auto zur Schule gebracht werden, nachdem ihre Eltern von der Gefährlichkeit des Radfahrens erfahren hatten.

Herzlichen Glückwunsch!

Man muss Kindern und Jugendliche ja nicht gleich zum hartnäckigen Fahrbahnradeln anhalten, aber es wäre sicherlich nicht verkehrt, den Verkehrsunterricht etwas unspektakulärer, dafür aber sachlicher zu gestalten. Lernen die Kinder eigentlich auch, wie total gefährlich das Autofahren ist, wenn Papi auf der Autobahn bei Tempo 170 einen kaum merklichen Sicherheitsabstand nach vorne hält?

Siehe auch:

22 Gedanken zu „Verkehrsunterricht in der Schule: „Ich fahre morgen nicht mehr mit dem Fahrrad.““

  1. Ich gebe zu, das mit dem Stuntman ist eine Spur cooler. Aber folgende Geschichte habe ich zum Thema Verkehrserziehung in der Schule beizusteuern:
    Donnerstag, 7.11.2013, gegen 9:15 in der Cosimastr. in München.
    Vor mir auf dem Radweg eine Gruppe von etwa sechs Kindern auf dem Rad, angeführt von einer Polizistin in Uniform, ebenfalls auf dem Rad. Sie erklärt die Ampelregeln: „Wenn der Ampelpfosten der Fahrbahnampel links vom Radweg steht, dann gilt die Ampel nicht für Euch. Wenn der Ampelmast aber rechts vom Radweg steht, dann gilt die Ampel schon für Radfahrer.“
    Das ist nach aktueller Regelung in der Straßenverkehrsordnung ausgemachter Quatsch.
    Da die Gruppe danach in dieselbe Seitenstraße einbiegt wie ich, spreche ich sie auf ihren Fehler an. Sie meinte, das sei eben in München allgemein so geregelt.
    Na dann gute Nacht Verkehrserziehung.

    1. Kenne ich aber auch so: Ampeln links vom Radweg haben keine Haltelinie auf dem Radweg und gelten daher nicht für Radfahrer, Ampel rechts vom Radweg und Haltelinie heißt Ampel für den Radweg. Entscheidend ist wohl aber die Haltelinie.

      Ich zitiere mal den ADFC:
      „Weiterhin müssen Radfahrer an lichtsignalgeregelten Knotenpunkten die Halteli-nien beachten. Fehlt die Haltelinie an einem Lichtsignal, dessen Mast rechts des Radweges steht, muss der Radfahrer gleichwohl vor dem roten Signal anhalten, steht der Mast links des Radwegs muss der Radfahrer ohne Haltelinie dieses Sig-nal nicht beachten.“

      1. Ich bin kein Jurist, aber in der StVO §37 Abs. 2 Punkt 6 ist die Rede von „Lichtzeichen für den Fahrverkehr“ und im Gegensatz dazu von „besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr“.
        Keine Rede ist von Lichtzeichen für den Fahrverkehr mit Haltelinien auf dem Radweg. Ob ein „Lichtzeichen für den Fahrverkehr“ wohl durch eine Haltelinie auf dem Radweg zu einem „besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr“ wird? In jedem Fall ist von der Position, an welcher der Ampelmast im Verhältnis zum Radweg steht, in der StVO nix zu lesen. Würde mich mal interessieren, woher der ADFC das hat.

        1. Na da, wo viele andere auch ihre fundierten Kenntnisse der StVO herhaben: selber gemacht!
          Mir schrieb vor ca. vor 5 Jahren ein verantwortlicher Mitarbeiter einer Verkehrsbehörde, dass die B-Pflicht auf dem linken Radweg bestehen bleiben müsse, da es auf dem rechten ja auch eine gibt. Es wäre sonst ungerecht gegenüber den Leuten, die links wohnen.

          Noch Fragen?!

          1. Sind beidseitige Benutzungspflichten nicht sowieso nichtig und damit unwirksam? Sie gelten m. E. als „aus tatsächlichen Gründen nicht ausführbare“ Verwaltungsakte gemäß §44 (2) des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG). Zumindest habe ich in der Google Group de.rec.fahrrad mal einen entsprechenden Beitrag von Bernd Sluka gelesen.

            1. Ich glaub gelesen zu haben dass dann der Radfahrer die Wahlfreiheit hätte, links oder rechts den Radweg zu benutzen. In sehr seltenen Fällen ist das meiner Meinung nach sogar sinnvoll (innerorts). Nicht immer kann man die Monster von Strassen bzw Kreuzungen günstig überqueren, d.h. man spart sich (legal) Umwege.

          2. Noch mehr Ampelspaß mit Polizei gibts bei der Münchner Abendzeitung. Oh weh. Falls die den Artikel ändern, folgendes steht jetzt gerade dort. Alles entweder falsch oder unvollständig:

            Diese Ampel-Regeln gelten laut Polizei:

            – Keine Radl-Ampel: Für Radfahrer gilt, was die Ampel für Autos anzeigt.

            – Kombi-Ampel (Fußgänger und Radfahrer): Dieses Signal gilt verbindlich, egal was die Ampel für Autos anzeigt.

            – Fahrrad-Ampel: Gibt’s eine, müssen Radlfahrer sich ans separate Signal halten. Da diese Ampel auch Gelbphasen hat, gilt hier die selbe Regel wie für Autos: Wer bei Gelb gefahrenlos stehen bleiben könnte und trotzdem noch rüberfährt, begeht einen „Gelblichtverstoß“ – und zahlt, wird er erwischt, 10 Euro.

            – Fußgänger-Übergang: Gibt’s nur eine Fußgänger-Ampel (wie etwa vom Stachus wegführend in Richtung Hauptbahnhof), gilt diese auch für Radl.

        2. Ich würde das hieraus ableiten:

          StVO §37 Abs 2.4:

          „Für jeden von mehreren markierten Fahrstreifen (Zeichen 295, 296 oder 340) kann ein eigenes Lichtzeichen gegeben werden. Für Schienenbahnen können besondere Zeichen, auch in abweichenden Phasen, gegeben werden; das gilt auch für Omnibusse des Linienverkehrs und nach dem Personenbeförderungsrecht mit dem Schulbus-Zeichen zu kennzeichnende Fahrzeuge des Schüler- und Behindertenverkehrs, wenn diese einen vom übrigen Verkehr freigehaltenen Verkehrsraum benutzen; dies gilt zudem für Krankenfahrzeuge, Fahrräder, Taxen und Busse im Gelegenheitsverkehr, soweit diese durch Zusatzzeichen dort ebenfalls zugelassen sind.“

          Ein Radweg ist ja wohl ein „vom übrigen Verkehr freigehaltener Verkehrsraum“ und „keine Ampel“ wäre in meinen Augen eine „abweichende Phase“ nämlich Dauergrün…

          1. Oder hiernach:

            StVO §37 Abs. 2.6

            „Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten. Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten. An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.“

            Danach wäre die Position der Ampel egal, ich muss mich als Radfahrer dran halten, kann bis 2017 Ampeln ohne Lichtzeichen für „zu Fuß Gehende“ (was `ne Wortkonstruktion) ignorieren, oder nicht…

          2. „kann ein eigenes Lichtzeichen gegeben werden“

            KANN gegeben werden, das ist aber für jede klar gegebene Fahrspur gedacht. Ein Radweg ist zwar eine eigene Fahrspur, eine Sonderfahrspur der Straße, aber die Nichtexistenz einer Ampel direkt für den Radweg, bedeutet eben nicht automatisch, dass dort eine existierende Ampel für die übrige Fahrbahn keine Aussage hätte.

    2. Das war auch vorher schon ausgemachter Quatsch. Ich hab mir selber aber auch ne Zeitlang mit genau derselben Begründung die Welt schön geredet. Nur das es dann jemand in Uniform genauso tut, das tut schon weh.
      Noch weher tut, wenn Heranwachsende erklärt bekommen, es gäbe in München spezielle Verkehrsregeln. Vielleicht hättest Du sie noch fragen können/sollen wie denn die Verkehrsregeln z.B. in Nürnberg so ausgelegt werden? Und ob es da ein Buch zu gibt, wo man die ganzen Spezialstädteregeln nachlesen kann, damit man sich bundesweit auch ja richtig verhalten kann.

      Ey echt, so jemand gehört in den Innendienst versetzt.

  2. Wenn selbst Polizisten die Verkehrsregeln nicht kennen … dann sollte man echt Angst bekommen.

    Den Stunt mit dem Auto hätte der Stuntman nicht überlebt … das hätte man den Kindern sagen müssen.

    1. @Norbert „Wenn selbst Polizisten die Verkehrsregeln nicht kennen…“

      Ist natürlich manchmal schwer zu entscheiden, ob sie sie tatsächlich nicht kennen oder „nur“ mutwillig ignorieren.
      Aber mir sind jedenfalls schon Polizeifahrzeuge in der Fahrradstraße entgegengekommen, die es offensichtlich nicht besonders eilig hatten, einen Notfalleinsatz zu erreichen. Und das Parken im absoluten Haltverbot gehört für die Nürnberger Polizei absolut zum guten Ton. Pikanterweise auch zu dem Zweck, auf der anderen Straßenseite Knöllchen zu verteilen für Autos, die im zeitlich beschränkten einfachen Haltverbot in einer Parkbucht stehen.
      Und versuche niemals, Polizisten zu erklären, warum eine Engstelle nicht auf beiden Seiten mit dem Schild „Vorrang vor dem Gegenverkehr“ (weißt schon, das blaue mit dem weißen und dem roten Pfeil) beschildert sein könne. Sie werden dich vom Gegenteil überzeugen wollen…

      Insofern muss ich Dir Recht geben: „… sollte man wohl echt Angst bekommen“.

      Gruß

  3. Sind bei der Veranstaltung alle so paralysiert gewesen nicht einfach das zum Himmel schreiend offensichtliche zu fordern?
    … Diese Mordsmaschinen in die Schranken zu weisen?! Das Kraftfahrzeug tötet und das macht es auch mit Helm, Warnweste und Rundumleuchte auf dem Kopf …
    Des Kaisers neue Kleider?

    Für ein Bänderriss im Fuss gibts grad mal knapp 1200Euro Schmerzensgeld – da kann man froh sein „nur“ vier Wochen nicht laufen (auch nich Fahrrad fahren) zu können. Sowas ist ein bleibender Schaden, sehr schmerzlich und man ist vier Wochen im Prinzip Pflegefall. So geschehen einer mir bekannten. Der Unfallgegener hat offensichtlich rot missachtet – da es mehrere Zeugen gab die ihr grün bestätigten. Der Polizei war wichtig ob sie ein Helm aufhatte. Der Staatsanwalt stellt das Verfahren ein! Tolle Welt ist das. Das an einer Kreuzung/Strasse in DD die schon seit Jahren wegen eine extrem stark frequentierten ÖPNV Haltestelle verkehrberuhigt (keine Kfz) werden soll. Die CDU-FDP Herrscher halten es aber nicht für nötig. Genau auf dieser Strasse wurden die Radfahrer auf einen unzumutbaren Radweg (<<1,5m) gescheucht – und das mitten durch die Massen wartenden bzw stark frequentierte Fusswege. Weil die Strasse ja so gefährlich ist! Zum Glück fand sich einer der Klagte und die Pflicht wurde abgeschafft.

    1. Aber das ist doch genau die Schlußfolgerung, die die Eltern getroffen haben: Autos sind gefährlich, also müssen wir uns schützen, indem wir Auto fahren. Mit diesem Argument werden doch die meisten SUV verkauft: Die Insassen haben ein geringeres Verletzungsrisiko im Falle eines Unfalls. Das damit das Risiko des Unfallgegners immens steigt, ist dem Käufer egal. Ich erinner mich mit Schaudern an die üblichen Crashtests SUV gegen Kleinwagen…

  4. Ich war ein bisschen nörgelig, dass ich am Tag der Fahrradprüfung meines Filius in der vierten Klasse keine Zeit hatte. Ich musste ganz schön reden, damit er dass, was ich ihm in den 3 Jahren vorher beigebracht habe, auch weiterhin beherzigt. Habe ihm geraten, in der Prüufung das zu machen, was Polizei und Lehrerin sagt und danach tunlichst so zu fahren, wie wir das schon immer praktizieren! Sicherer ist das!

    1. Weshalb soll sich das Kind verstellen? Damit Du nicht zu ner Fahrradführerschein-Nachprüfung auf den Schulhof herbei zitierst wirst? 😀 😀
      Ja, schon klar, damit das Kind sein Erfolgserlebnnis bekommt und v.a. nicht auffällt und dann womöglich als Sonderling dumm hingestellt wird.

      Ich hab ja damals, nach bestandener „Fahrradprüfung“ dann irgendwann gar nicht so lange danach, nen Unfall gehabt. Autorüpelrambo Standardsituation auf die uns damals keine Schule und kein Polyp und erst recht keine Fahrradprüfung drauf vorbereitet hat, also auf das (krasse) Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer (mit echter amtl. Fahrerlaubtnis) und wie man es vorherahnen kann und v.a. dann noch evtl. reagieren kann!
      Ich und das dem Vorfahrtsmissachter ausgewichene Fahrzeug von vorn, wir trafen uns also abrupt an der Kühlerhaube und ich bekam, obwohl doch weder Turnunterricht, noch Kirmes war!, einen Überflug samt Salto über das Auto geschenkt. Mein Hinterkopf (Radfahrhelme gabs zum Glück noch nicht) dellte das Autofach gut ein, ich selber landete geschockt aber unverletzt – gut, da war nachher ne Beule am Kopf, aber sonst NIX – irgendwie auf der Straße, stand auf und versuchte das komplett verachtete Rad wegzuschieben, was aber nunmal nicht ging, weil da drehte sich nichts mehr.

      Gar nicht so lange danach hörte die Amnesie auf und ich wusste wieder das es der organene Capri vom Pollack seinem großem Bruder war, der sich einen Dreck um die Vorfahrt geschert hatte. Interessierte aber niemanden mehr.

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