Verkehrsregeln irritieren Anwohner

Ziemlich viel ist da schiefgelaufen in Egestorf: Doppelter Radweg irritiert Anwohner

Ein Fahrradstreifen auf der Wennigser Straße sorgt bei einigen Anwohnern für anhaltende Irritationen. Das Teilstück in Fahrtrichtung Wennigser Mark war im Anschluss an die Sanierung der Fahrbahndecke im vergangenen Jahr neu markiert worden, obwohl parallel ein kombinierter Fuß- und Radweg verläuft.

Man kann ja einfach mal versuchen, die Ungereimtheiten aufzulisten:

  • Nur weil etwas teuer war, ergibt sich daraus keine Benutzungspflicht. Sonst müssten alle Hamburger täglich die Elbphilharmonie besuchen, sobald sie denn 2023 endlich fertiggebastelt ist, und alle Flüge über deutschem Bundesgebiet starten und enden am Berliner Flughafen. Im Ernst: Der schöne gemeinsame Fuß- und Radweg mag ja teuer gewesen sein, aber dadurch ergibt sich noch immer keine Benutzungspflicht — man kann schließlich auch mit viel Geld viel Unfug anstellen und wenn sich herauskristallisiert, dass dieser kombinierte Sonderweg weder der Hit noch den Vorschriften entspricht oder einen merklichen Sicherheitsgewinn bringt, dann kommt man wohl kaum umhin, die Benutzungspflicht aufzuheben.
  • Ein Schutzstreifen neben einem freigegebenen Gehweg ist tatsächlich eine seltsame Sache. Man könnte jetzt das Philosophieren anfangen, was denn das wohl für Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit einer bestimmten Sicherheitslage auf dem einen oder dem anderen Weg hat.
  • Ein Schutzstreifen soll gemeinhin 1,25 bis 1,6 Meter messen. Der kampfparkende Kleinwagen im Hintergrund misst wahrscheinlich ungefähr 1,6 Meter, daran lässt sich ausrechnen, dass der Schutzstreifen abzüglich des Rinnsteins, der noch knapp beparkt wird, ungefähr auf 70 bis 80 Zentimeter kommt — das hätte man auch gleich bleiben lassen können. Hier passt ja noch nicht einmal das eigentlich von den Verwaltungsvorschriften geforderte Fahrradpiktogramm hinein.
  • Abgesehen davon, dass solche Streifen in dieser Ausführung Unfug sind, dürfte allein schon die Fahrbahnbreite grundsätzlich die Einrichtung solcher Schutzstreifen untersagen — sonst wäre ja auch genügend Platz für eine vernünftige Ausführung geblieben.
  • Wie man da sicher radeln soll? Keine Ahnung. Schon die physikalisch notwendigen Pendelbewegungen werden so manchen Radfahrer aus dem Schutzstreifen schleudern, wenn da noch jemand eng überholt, wie es bei Schutzstreifen beinahe die Regel ist, endet die Radtour plötzlich auf dem Rinnstein.
  • Das Parken auf dem Schutzstreifen ist verboten, das sagt Anlage 3 zur Straßenverkehrs-Ordnung über Zeichen 340:

    Wer ein Fahrzeug führt, darf auf durch Leitlinien markierten Schutzstreifen für den Radverkehr nicht parken.

  • Das Halten und Parken links der Schutzstreifen ist verboten, weil zum Halten und Parken an den rechten Fahrbahnrand gefahren werden muss. § 12 Abs. 4 StVO verlangt:

    Zum Parken ist der rechte Seitenstreifen, dazu gehören auch entlang der Fahrbahn angelegte Parkstreifen, zu benutzen, wenn er dazu ausreichend befestigt ist, sonst ist an den rechten Fahrbahnrand heranzufahren. Das gilt in der Regel auch, wenn man nur halten will; jedenfalls muss man auch dazu auf der rechten Fahrbahnseite rechts bleiben. (…)

  • Es ist auch überhaupt nicht klar, wie man denn mit dem Rad rechts an einem „ordnungsgemäß“ neben dem Schutzstreifen geparkten Kraftfahrzeug entlang fahren sollte, ohne den teuren Lack zu zerkratzen.
  • Es handelt sich entgegen mehrfacher Behauptungen im Artikel um einen Schutzstreifen, nicht um einen Radfahrstreifen.

Immerhin verzichtete die Zeitung auf das ansonsten übliche Kampfradler-Vokabular.

11 Gedanken zu „Verkehrsregeln irritieren Anwohner“

  1. Es ist ein Fussweg, es ist ein Fussweg es ist ein Fussweg!!! Und das bepinseln der Gosse macht aus dem Fitzl kein Radweg. Wie der Ueberholabstand an derartigen „Schutzstreifen“ von Blechlenkern gehandhabt wird kann sich ja jeder hier selbst zusammenreimen…

  2. „Schutzstreifen“ sind ja eh schon Mist.
    Aber die Breite ist ja ne Frechheit. Da ist mir bei Öffnen des Links wirklich die Kinnlade runtergefallen.

    Und der namenlose Anlieger ist echt der Hit. In nur 2 Sätzen 2x zum Horst gemacht:
    „Wozu der teure Geh- und Radweg?“ Na, weil der eh schon da war und Verschmälern erneut ganz teuer kommt. Außerdem isser ja jetzt Gehweg und wieso sollte man den Fußgängern was wegnehmen? Diente ja nur dem Vorteil des Kfz und die Stadt will ja das Gegenteil, ihn einbremsen.
    Dann noch der feste Glaube, links vom Streifchen parken so dürfen/sollen. Nein, das ist erst recht lich gestattet, werter Anwohner.

    Und dann war da noch der Eggsberde vonner Straßenmeisterei. Der das Konstrukt tatsächlich als Radfahrstreifen tituliert. Ich hatte eigentlich gedacht solchereiner berherrsche die entsprechende Nomenklatur, damit er das Richtige hinpinselt, wenn die Stadt sagt „Mal mal Radfahrstreifen“. Welchen Grund sollte er haben,der Zeitung bewusst falsche Bezeichnungen zu nennen?

  3. „Dem Radfahrer steht es aber frei, den Radfahrstreifen oder den kombinierten Rad- und Fußweg zu nutzen“ sagt der für die Markierungen zuständige Leiter der Straßenmeisterei und macht dadurch deutlich, dass er keine Ahnung hat, was er da markieren lassen hat. Da ist kein „kombinierter Geh-und Radweg“, und ich frage mich, ob es irgendeine stichhaltige Begründung dafür gibt, dass der Gehweg da freigegeben wurde.

    1. Gegen die Freigabe dieses (doch breiten) Gehwegs spricht meiner Meinung nach nichts. Ich glaube nicht, dass es hier groß zu Konflikten zwischen Rad- und Fußverkehr geben wird – wer bequem und schnell unterwegs sein möchte nutzt die Fahrbahn. Eltern können aber zum Beispiel ihre 8-jährigen Kinder begleiten.

      1. Dass der Weg von den Einheimischen wie selbstverständlich als (Geh- und) Radweg benannt wird, spricht für mich dazu, dass die Fahrradnutzungs dessen sich keinen Deut ändern würde, wenn es keine Radfreigabe gäbe.
        Ich gehe davon aus, dass der seit Anbeginn der Zeit VZ 240 trug, damit benutzungspflichtig war, und erst jetzt – in Zuge der Fahrbahnsanierung und -malerei umbeschildert wurde. Aber wem fällt schon eine Änderung in der Sonderwegbeschilderung auf?

  4. Grundsätzlich finde ich die Kombination aus Gehweg mit „Fahrrad frei“ und Schutzstreifen gar nicht so schlecht. So lernt vielleicht auch der eine oder andere „die Fahrbahn gehört mir“-Autofahrer eines Tages, dass „Fahrrad frei“ aus einem Gehweg noch lange keine Radverkehrsanlage macht – jegliche Zurechtweisungen also völlig fehl am Platz sind (auch an Stellen, wo kein Schutzstreifen existiert).

    Aufgrund der zu geringen Breite, hätte man hier aber wahrscheinlich besser auf den Schutzstreifen verzichten und Radfahrer auf der Fahrbahn fahren lassen sollen. Lt. Artikel ging es darum, den KFZ-Verkehr langsamer zu machen. Das kann man auch mit Tempo 30 (und ggf. Blitzer) erreichen. Damit erübrigt sich das Problem „Radweg“ von ganz alleine – da nicht zulässig.

    1. Wenn man tatsächlich nur den Verkehr einbremsen will, muss man dazu keine Radführungen „missbrauchen“. Man könnte doch auch einfach mit ner durchgezogenen Linie einen Randbereich markieren, der aufgrund der Schmäle gar keine Funktion hat. Oder diesen Randbereich als Sperrfläche.
      Aber nein, „man“ muss ja reflexmäiß“ immer auch was „für die Radfahrer tun“.

    1. Dabei wären derartige Probleme so leicht zu lösen:
      per Weiterbildungsverordnung 3000 Pflichtkilometer pro Jahr mit dem Rad für jeden festschreiben, der auch nur entfernt mit Verkehrsplanung oder Verkehrinfrastrukturförderung zu tun hat.

      Gruß
      Christoph

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