Und der Hamburger Senat fährt elektrisch

Der Hamburger Verkehrssenator Frank Horch spricht mit der Hamburger Morgenpost über den Verkehr in der Hansestadt: Der Hamburger Senat fährt bald E-Mobil

Im MOPO-Verkehrs-Spezial spricht Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) im Interview über genervte Bürger, steigende HVV-Preise und den Umstieg des Senats auf Elektro-Autos.

Man braucht diesem Interview allerdings keine große Aufmerksamkeit, geschweige denn eine aufwändige Analyse zu schenken, denn so richtig viel sagt der Verkehrssenator überhaupt nicht. Auffallend sind allerdings diese beiden Fragen inklusive ihrer knappen Antworten:

Ihr Wunsch war am Anfang Ihrer Amtszeit, unbürokratisch Radstreifen zu schaffen. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Bilanz?
Absolut. Die Zahlen sprechen für sich. Noch nie wurden wohl so viele Maßnahmen durchgesetzt.

Hamburg hat etwa 1700 Kilometer Radwege, die meisten davon sind in schlechtem Zustand. Wie viele Kilometer wurden saniert?
Im letzten Jahr 22. Das klingt wenig, aber vorher waren es gerade mal drei. Wir wollen das auf 28 steigern.

Schön, dass 22 Kilometer pro Jahr saniert wurden und das Pensum sogar um sechs Kilometer pro Jahr auf 28 Kilometer pro Jahr steigen soll. Dann dauert es ja nur ungefähr 60 Jahre, bis Hamburg endlich komplett in einem fahrradtauglichen Zustand angekommen ist. Nun ließe sich dieser Zustand auch mit einer vernünftigen Fahrradinfrastruktur früher erreichen: Allzu gefährliche Radwege müssten gesperrt oder zurückgebaut und brauchbare Alternativen angebaut werden. Die unbürokratisch angelegten Fahrradstreifen taugen leider in der Regel überhaupt gar nichts: Inmitten der so genannten Door-Zone bewegen sich die Radfahrer im direkten Gefahrbereich plötzlich geöffneter Autotüren, während von der anderen Seite Kraftfahrzeuge ohne nennenswerten Sicherheitsabstand vorbeidüsen.

Eine sichere und attraktive Radverkehrsinfrastruktur sieht sicherlich anders aus. So bleibt der Zustand vermutlich wie er heute ist: Die so genannten Alltagsradler verkehren weiterhin mehr oder weniger problemlos auf der Fahrbahn, während sich ängstlichere Gelegenheitsradler auf den buckeligsten Radwegen in Gefahr bringen.

Entweder wird Hamburg ganz einfach niemals eine Fahrradstadt werden — oder man sollte einem derart kurzem Interview nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Aber immerhin weiß man ja nun, dass der Hamburger Senat bald elektrisch angetrieben unterwegs ist. Aufs Fahrrad mag man offenbar nicht steigen.

5 Gedanken zu „Und der Hamburger Senat fährt elektrisch“

  1. „Eine sichere und attraktive Radverkehrsinfrastruktur sieht sicherlich anders aus. So bleibt der Zustand vermutlich wie er heute ist: Die so genannten Alltagsradler verkehren weiterhin mehr oder weniger problemlos auf der Fahrbahn, während sich ängstlichere Gelegenheitsradler auf den buckeligsten Radwegen in Gefahr bringen.“

    -> Die Ängstlichen, aber nicht nur die, fahren neben den „Radwegen“ auf den Gehwegen, um die Buckel zu vermeiden, sowie auch die Dooringzone. Übrigens fällt es vielen Alltagsradlern leichter das Rotlicht beim Befahren des Gehweges oder des „Radwegs“ zu missachten als auf der Fahrbahn – auch ein Grund, warum sich viele Alltagsradler bewusst gegen das Fahrbahnradeln entscheiden. Natürlich lässt es sich auch gut Geisterradeln, wenn die nächste Ampel gerade nicht Grün zeigt, wie zahlreiche Hamburger Alltagsradler es täglich beweisen.

  2. „Dann dauert es ja nur ungefähr 60 Jahre, bis Hamburg endlich komplett in einem fahrradtauglichen Zustand angekommen ist.“
    -> Glaubst Du, dass unsere „Radwege“ oder was auch immer da gebaut wird, eine Haltbarkeitszeit von 60 Jahren hat?

  3. Wie breit sind denn die Fahrradstreifen in Hamburg üblicherweise?

    Ich ziehe die Radspuren den Radwegen eindeutig vor, weil es dort keine Geisterradler gibt. In München sind sie meist breit genug (und in einigen Dezimetern Abstand zum Parkstreifen angelegt), um über einen Meter Abstand zu den Autotüren zu halten.

    Hat es tatsächlich einen Einfluss auf den Überhol-Abstand der Autos, ob ich in der Mitte oder in der linken Hälfte der Radspur fahre (vorausgesetzt, die Fahrbahn hat die übliche Großstadt-Breite)?

    Aber so weit denkt ja nicht jeder. Wenn ich in der linken Hälfte fahren muss, um vor den Türen sicher zu sein, sehe ich das auch so, dass der Radstreifen zu weit rechts liegt.

    1. die in jüngerer Zeit in Hamburg angelegten „Radfahrstreifen“ weisen die Mindestbreite von 1,60m auf. Manchmal wird sogar 20cm „Puffer“ zu ausgewiesenen Parkflächen abmarkiert.
      Der Puffer bringt aber nichts, da
      1. viele Autofahrer dennoch hart rechts des Radfahrstreifens parken
      2. die Tür eines stinknormalen 2-Türers auch bei 20cm Abstand zum Radfahrstreifen so aufschwingt, dass dem Radfahrer noch 40cm Platz auf dem Radfahrstreifen verbleiben…

      Auf einem Radfahrstreifen wirst du nicht überholt. An dir wird „vorbeigefahren“. Denn der Radfahrstreifen ist nicht Teil der Fahrbahn. 🙂
      Ob es einen Unterschied macht, ob du nun mittig, links, rechts auf dem Radfahrstreifen fährst – keine Ahnung. Die Beste Entscheidung ist in den allermeisten Fällen: Radfahrstreifen meiden.

      Radfahrspuren dürfen übrigens nur abmarkiert werden, wenn dadurch die für den Kfz-Verkehr verfügbare Restbreite der Fahrbahn von … 2,80m(?) nicht unterschritten wird.

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