Vision Zero kommt nicht besonders gut an

DER SPIEGEL berichtet: Null Verkehrstote sind möglich

Das Ziel von null Verkehrstoten lässt sich erreichen: Laut einer Dekra-Untersuchung hatten mehrere Großstädte innerhalb eines Jahres kein einziges Unfallopfer zu beklagen. Wie geht das?

Eine Dekra-Untersuchung stellte offenbar fest, dass in vielen deutschen bereits heute die so genannte Vision Zero Wirklichkeit geworden ist und innerhalb des Untersuchungszeitraumes kein Verkehrsteilnehmer bei einem Unfall starb. Zurückzuführen sei dieses einerseits auf eine verbesserte Infrastruktur, insbesondere Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkte würden immer häufiger mit entsprechenden Maßnahmen entschärft, sowie dem technischen Fortschritt in Gestalt von mitdenkenden Kraftfahrzeugen, die mittlerweile bei Gefahr selbstständig bremsen. Wie häufig solche technisch hochgerüsteten Kraftfahrzeuge im Straßenverkehr anzutreffen sind, wird leider nicht erwähnt; mutmaßlich dürfen viele Kraftfahrzeugführer die Zusatzkosten für derartige Sicherheitsmaßnahmen scheuen.

Obwohl es schwerfiele, lautet der banalste Vorschlag zur Vermeidung tödlicher Unfälle:

„Bei Autofahrten wird in den meisten Fällen eine Strecke von unter fünf Kilometern zurückgelegt – einfach mal das Fahrrad zu nehmen oder zu Fuß zu gehen.“

An diesem Satz hängen sich natürlich sofort wieder viele Teilnehmer des Diskussionsforums auf, die darin eine Bevormundung des deutschen Kraftfahrers sehen. Man mag über den Sinn von solchen Aufforderungen streiten, über den Sinn derart kurzer Autofahrten noch viel mehr, aber wenn man aus einigen Diskussionsbeiträgen herausliest, dass Risiko tödlicher Unfälle sei ein Grundrecht deutscher Kraftfahrer, dann schwurbelt’s aber schon ganz arg im Schädel. Puh.

Andererseits lässt sich nicht in Abrede stellen, dass die Diskussionsteilnehmer teilweise Recht haben mit der Argumentation, der einseitige Fokus auf den Straßenverkehr wäre übertrieben. Aufgrund verschiedener Maßnahmen wurde die Zahl getöteter Verkehrsteilnehmer in den letzten vierzig Jahren auf knapp ein Sechstel reduziert, während bei andersartigen Unfällen im Alltag nach wie vor abertausende Menschen ums Leben kommen.