Vor Kreuzungen immer bremsbereit fahren

Die Sache mit den Ampeln für Radfahrer ist immer eine komplizierte: Einige Radlinge haben ohnehin Probleme mit der Farbe der Ampeln, andere tun sich mit der Wahl des richtigen Signalgebers schwer. Ein Problem findet eigentlich viel zu selten Erwähnung: Wenn für den Radverkehr nicht ausgerechnet eine kleine Baby-Ampel aufgestellt wurde, kommen die Signalgeber meistens ohne gelbes Licht aus. In der Praxis schaltet der Signalgeber irgendwann auf Rot, als Radfahrer kommt man dann entweder rechtzeitig zum Stehen oder begeht einen Rotlichtverstoß, der unterhalb einer Sekunde glücklicherweise relativ günstig bleibt und in der Regel vom Augenmaß der Staatsmacht überhaupt nicht weiter geahndet wird.

Manchmal ist es mit dem Augenmaß allerdings nicht so weit her, dann geht’s bis vors Gericht: Radler bei Rot über die Straße: Freigesprochen!

Eigentlich hätte der Mann 45 Euro zahlen und einen Punkt in Flensburg bekommen sollen. Hier lesen Sie, warum er straffrei ausgeht – und wieso der Fall den Fahrradclub ADFC beschäftigt.

Das Gericht sah wohl binnen Minuten ein, dass der Radfahrer in der Situation nicht mehr rechtzeitig vor der Kreuzung zum Stehen gekommen wäre. Beinahe interessanter ist das, was noch so alles zusätzlich im Artikel steht:

Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich auf Anfrage des ADFC dahingehend, dass Radlfahrer jederzeit bremsbereit in eine Kreuzung einzufahren hätten, gerade weil Kombi-Ampeln keine Gelbphase haben.

Das Bundesverkehrsministerium tut sich mit solchen Aussagen leider mitunter ganz schön schwer, man denke da an das so genannte Schildergate oder die lustigen Antworten zu Radwegbenutzungspflichten, die zu recht wie wie eine Trophäe im Netz herumgeschickt werden. Prinzipiell ist es ohnehin keine schlechte Idee, während der Anfahrt auf eine Kreuzung die Hände an den Bremshebeln zu lassen, wer weiß, wer denn gleich ohne Schulterblick rechts abbiegen möchte.

Es ist allerdings ebenso typisch für das Bundesverkehrsministerium, sich der grundsätzlichen Problematik hinter dem fehlenden Gelblicht an den meisten Ampeln gar nicht zu stellen und stattdessen die Verantwortung auf den Radverkehr zu übertragen: Der soll halt bremsbereit sein, der muss ja schließlich auch das Bußgeld bezahlen. Man hätte ja auch anregen können, eine auch in der Praxis brauchbare Regelung zu schaffen oder wenigstens anweisen können, bei der Sanierung von Kreuzungen zusätzliche Fahrrad-Ampeln an den Radwegen aufzustellen.

Bleibt die Frage, inwieweit denn ein Rotlichtverstoß auch im bremsbereiten Zustand noch zu tolerieren ist. Auch mit angezogenen Bremsen, ja, sogar artig zu Fuß schiebend lässt sich nicht vermeiden, plötzlich bei unvermittelt aufleuchtendem roten Licht auf die Fahrbahn zu treten. Prinzipiell wäre hier an das Augenmaß der Ordnungsmacht zu appellieren, aber dass es darum nicht besonders gut bestellt ist, zeigt ja schon das für den Zeitungsbericht ursächliche Verfahren.

Diese Ampel-Regeln gelten laut Polizei:

Aufgemerkt! Man hätte auch einfach in die Straßenverkehrs-Ordnung gucken können. Na gut, „einfach“ ist ein bisschen übertrieben, die daraus resultierende und mittlerweile schon recht legendäre Tabelle ist schließlich gar nicht mal so übersichtlich. Aber gucken wir mal, was die Polizei zu sagen hat und wie detailliert das in dem Artikel wiedergegeben wird:

  • Keine Radl-Ampel: Für Radfahrer gilt, was die Ampel für Autos anzeigt.

Prima, denkt man sich da doch als Radfahrer, mindestens die Hälfte aller Signalgeber für Fußgänger und Radfahrer an den Kreuzungen kommt ohne Fahrrad-Piktogramm aus, weil noch niemand die nötige Lust für einen Austausch aufbringen konnte — und selbstverständlich gilt in dem Falle nicht automatisch der Signalgeber für den Fahrbahnverkehr. Eine solch lustige Falschinformation ist ja insbesondere im Gesamtzusammenhang mit dem eigentlichen Urteil gar nicht mal so witzig.

  • Kombi-Ampel (Fußgänger und Radfahrer): Dieses Signal gilt verbindlich, egal was die Ampel für Autos anzeigt.

Na gut, das ist zwar etwas oberflächlich umrissen, aber wenigstens nicht komplett verkehrt.

  • Fahrrad-Ampel: Gibt’s eine, müssen Radlfahrer sich ans separate Signal halten. Da diese Ampel auch Gelbphasen hat, gilt hier die selbe Regel wie für Autos: Wer bei Gelb gefahrenlos stehen bleiben könnte und trotzdem noch rüberfährt, begeht einen „Gelblichtverstoß“ – und zahlt, wird er erwischt, 10 Euro.

Das ist so witzig wie der erste Punkt, denn tatsächlich fehlt einen nennenswerten Anteil von Signalgebern für den Radverkehr das versprochene gelbe Licht, stattdessen kommen die beispielsweise mit einer grünen und zwei roten Optiken daher. Tatsächlich gibt es da den Tatbestand 137006: „Sie missachteten das Gelblicht der Lichtzeichenanlage, obwohl Sie gefahrlos hätten anhalten können.“ Kostet zehn Euro, wenn der Täter erwischt wird und die Polizei meint, dass dieses ordnungswidrige Verhalten unbedingt zu ahnden wäre — schließlich gehört das Gasgeben bei gelber Ampel bei Kraftfahrern zum guten Ton, ohne dass es jemanden störte.

  • Fußgänger-Übergang: Gibt’s nur eine Fußgänger-Ampel (wie etwa vom Stachus wegführend in Richtung Hauptbahnhof), gilt diese auch für Radl.

Hier stimmt vor allem das Vokabular nicht: Der „Fußgänger-Übergang“ könnte schließlich leicht mit dem Fußgängerüberweg, umgangssprachlich Zebrastreifen, verwechselt werden. In diesem Fall sollten schon die eindeutigen Fachbegriffe gewählt werden, um Verwechselungen, wie sie in diesen Tagen vom ACE angeregt werden, zu vermeiden; Fußgängerüberwege dürfen nämlich per Definition nicht Bestandteil von lichtzeichengeregelten Kreuzungen sein. Überhaupt muss man hier erst wissen, was eigentlich gemeint ist, um zu wissen, wie das zu verstehen ist: Offenbar ist mit „Fußgänger-Übergang“ eine einsame Ampel irgendwo an einer Straße gemeint, die den Fußgängern das Überqueren der Fahrbahn erleichtern soll.

Keine Kleiderordnung für Fußgänger: Urteil verzweifelt gesucht

Wenn’s zwischen einem Kraftfahrzeug und einem ummotorisierten Verkehrsteilnehmer kracht, dann wird reflexartig versucht, dem schwächeren Verkehrsteilnehmer selbst dann noch eine Mitschuld anzuheften, wenn er eigentlich gar nichts falschgemacht hat. In der Polizeipresse heißt es dann, man wisse noch nicht, ob der Radfahrer wirklich mit Licht fuhr oder es wird auffällig deutlich erwähnt, dass der Fußgänger dunkle Kleidung trug. Manchmal wird auch direkt auf die fehlenden, obwohl gar nicht vorgeschrieben Warnwesten hingewiesen, schließlich steht eine Warnwestenpflicht für Radfahrer und Fußgänger bei einigen Polizisten offenbar recht weit oben auf der Wunschliste.

Diese Meldung zu einer Kontrolle der Fahrradbeleuchtung endet mit dem Absatz:

Für Fußgänger gibt es in der Straßenverkehrsordnung zwar keine Kleiderordnung, aber haftungsrechtlich könnten dunkel gekleidete Fußgänger belangt werden, wenn sie bei Dunkelheit von einem Fahrzeug erfasst werden.

Punkt, Ende, aus. Eigentlich ist es ganz nett, wenn bei solchen Behauptungen eine Quelle mitgeliefert wird, also beispielsweise ein Aktenzeichen oder wenigstens das jeweilige Gericht (freilich wird die Nennung der Quelle in diesem Blog auch nicht immer durchgehalten — viele Polizeiberichte, die hier mitunter genannt werden, existieren nur in einer Print-Version oder sind nach einigen Wochen nicht mehr auffindbar). Der Unfall, der als „Dunkel gekleideter Fußgänger wird vom Auto erfasst“ durchs Netz geistert und immer wieder von der Polizei zur Unterstreichung der Wichtigkeit von Warnwesten rezitiert wird, hat sich offenbar etwas anders zugetragen.

Nach einer Recherche im Netz landet man bei den einschlägigen Suchbegriffen immer bei einem Urteil des Oberlandesgericht Saarland, Az: 4 U 200/10, vom 08. Februar 2011. Die Kurzfassung: Ein dunkel gekleideter Fußgänger betritt außerhalb der Fußgängerfurt einer roten Fußgängerampel die Fahrbahn und wird von einem Kraftfahrzeug erfasst. Die saarländischen Richter am Oberlandesgericht urteilten, dass das vorinstanzliche Landgericht die Betriebsgefahr des Kraftfahrzeuges korrekterweise hinter dem Rotlichtverstoß des Fußgängers zurücktreten ließ — die dunkle Kleidung des Fußgängers spielt im Endeffekt kaum eine Rolle, sie findet lediglich kurz Erwähnung, als der Kraftfahrzeugführer den plötzlich auf die Fahrbahn tretenden Fußgänger erst spät erkennen konnte.

Das klingt schon mal ganz anders als die düstere Andeutung am Ende der Polizeimeldung. Demnach müsste es ja einige Urteile geben, nach denen Fußgänger ohne helle Kleidung oder ohne Warnweste auf ihren Schadensersatzansprüchen sitzen blieben. Kennt jemand entsprechende Urteile? Oder macht sich das Urteil des OLG Saarland einfach nicht so gut, wenn man sich auf dem Revier eigentlich eine Warnwestenpflicht wünscht?

VG Gießen: Keine Radwegbenutzungspflicht bei baulichen Mängeln

Noch mal zurück nach Gießen und zu gemeinsamen Fuß- und Radwegen. Das Verwaltungsgericht Gießen hat letzten Monat der Stadt Gießen eine Radwegbenutzungspflicht um die Ohren gehauen: Radwegebenutzungspflicht in der Rudolf-Diesel-Straße in Gießen aufgehoben

Mit einem heute verkündeten Urteil hat die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Gießen die durch die Stadt Gießen angeordnete Radwegbenutzungspflicht für beide Fahrtrichtungen auf der Rudolf-Diesel-Straße zwischen Rödgener Straße und Oberlachweg aufgehoben.

Der gemeinsame Fuß- und Radweg soll übrigens gerade mal drei Jahre alt gewesen sein. Und der Kläger klagte noch auf geradezu hohem Niveau: Der Weg maß immerhin zweieinhalb Meter, davon könnten Radfahrer in anderen Städten nur träumen.

HUK-Coburg reagiert auf Fahrradhelm-Urteil

Die HUK-Coburg will in ihren Versicherungen künftig das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Landesgerichtes berücksichtigen: HUK kürzt Zahlungen für Fahrradunfälle ohne Helm

Weil sie keinen Helm getragen hat, soll eine verunglückte Fahrradfahrerin für einen Teil ihrer Unfallschäden selbst aufkommen, entschied ein Gericht. Jetzt zieht der erste Versicherer nach – und behält sich vor, in so einem Fall weniger zu bezahlen.

Wenn die Versicherung jetzt pauschal zwanzig Prozent weniger im Schadensfalle anbietet, werden derartige zivilrechtlichen Ansprüche nach einem Unfall künftig wohl noch häufiger vor Gericht verhandelt; schließlich ging es in Schleswig auch um eine Einzelfallentscheidung, der ein Verletzungsmuster zugrunde lag, das von einem Fahrradhelm mutmaßlich hätte gemindert werden können — sozusagen ein Glücksfall für die Versicherung. Prinzipiell macht die HUK-Coburg dabei allerdings nichts verkehrt: Eine Versicherung ist nunmal kein Wohltätigkeitsverein und ist natürlich angehalten, im Interesse ihrer Kunden in solchen Fällen möglichst wenig auszuzahlen.

AXA, R+V-Versicherungen und Ergo halten sich mit einer Meinung noch zurück, unter anderem in Ermangelung einer Helmpflicht in Deutschland: Die Ergo wolle keine Helmpflicht durch die Hintertür einführen.

Noch mehr Meinungen zum Fahrradhelm-Urteil

  • Aus dem Velophil-Blog: Falsches Signal: Mitschuld beim Radfahren ohne Helm

    Erst kürzlich hat sich Verkehrsminister Peter Ramsauer ausdrücklich gegen die Helmpflicht für Radfahrer ausgesprochen. Jetzt versucht das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein sie mit einem Urteil durch die Hintertür einzuführen. Radfahrer tragen bei Unfällen eine Mitschuld, wenn sie ohne Helm unterwegs waren, der ihre Kopfverletzungen gemindert hätte, urteilte am Montag das OLG. Das ist ein falsches Signal an die Rad- und Autofahrer in Deutschland.

  • Noch mal Velophil: Helm, ja bitte, aber nicht immer!

    Ich bin Helmträgerin, meistens – und ich bin gegen die Helmpflicht. Für mich ist das kein Widerspruch. Es gibt Situationen, in denen ich selbstverständlich einen Helm überstreife, aber es gibt ebenso viele Fahrrad-Momente, in denen ich nie auf die Idee käme, einen Helm zu tragen.

  • Die ZEIT schreibt: Richter geben Radlern ohne Helm Unfall-Mitschuld

    Eine Radfahrerin verletzte sich bei einem Unfall am Kopf. Mit Helm wären die Schäden geringer gewesen, urteilte ein Oberlandesgericht – und kürzte das Schmerzensgeld.

  • Rechtsanwalt Thomas Kümmerle schreibt: Helmpflicht für Radler durch die Hintertür?

    Das Schleswig-Holsteinische OLG entschied am gestrigen Tag, dass ein Radfahrer, der im öffentlichen Straßenverkehr mit einem anderen – sich verkehrswidrig verhaltenden – Verkehrsteilnehmer (Kfz; Radfahrer usw.) kollidiert und infolge des unfallbedingten Sturzes Kopfverletzungen erleidet, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, sich grundsätzlich ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms anrechnen lassen müsse. Schon rauscht es durch den Blätterwald, dass damit quasi die Helmpflicht für Radler eingeführt sei.

  • Frank Patalong meint: Radeln auf eigene Gefahr

    Was für ein Aufreger: Ein Gericht in Schleswig-Holstein gab einer Radfahrerin eine Teilschuld an einem Unfall, weil sie keinen Helm trug. Das Urteil ist zwar umstritten, aber nicht ungewöhnlich. Das Eingehen von Risiken wird oft bestraft – auch wenn man dabei kein Recht bricht.

  • Ebenfalls bei SPIEGEL ONLINE: Fahrrad-Club wehrt sich gegen Helm-Urteil

    Der Streit um das Fahrradhelm-Urteil geht weiter. Ein Gericht hatte entschieden, dass Radfahrer ohne Helm eine Mitschuld tragen, wenn sie sich bei einem Unfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer am Kopf verletzen. Gegen diese Rechtsprechung will die Radler-Lobby nun vorgehen.

  • Michael Kleine-Möllhoff schreibt im ADFC-Blog über eine Helmpflicht durch Gerichte?

    Unabhängig von einer grundsätzlichen Diskussion zur Wirksamkeit von Fahrradhelmen ist dieses Urteil bemerkenswert. Durch dieses Urteil wird eine Helmpflicht durch die Hintertür der Rechtsprechung eingeführt. Wer nicht auf seinem Schaden sitzenbleiben will, sollte also immer mit Helm Rad fahren.

  • Ekkart Kleinod meint: Helmpflicht durch die Hintertür – Gedanken zu Fehlurteil und Fahrradhelmen

    Fast jeder hat diese Woche von dem Urteil gehört, dass einer Radfahrerin eine 20%ige Mitschuld an ihrem Unfall gab, weil sie keinen Helm trug. Viele Medien haben berichtet, darunter seriöse wie die Rad-Spannerei und semiseriöse wie das ehemalige Nachrichtenmagazin oder die FAZ.

  • Urteil nicht haltbar: VSF g.e.V. kritisiert OLG scharf
  • Wolfgang A. Leidigkeit schreibt im Versicherungsjournal: Fahrradunfall mit fatalen Folgen

    Erleidet ein Fahrradfahrer, der ohne Helm unterwegs ist, bei einer Kollision mit einem sich verkehrswidrig verhaltenden Verkehrsteilnehmer eine Kopfverletzung, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, so muss er sich grundsätzlich ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Helms anrechnen lassen. Das hat der 7. Zivilsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts mit Urteil vom 5. Juni 2013 entschieden (Az.: 7 U 11/12).

  • Pressemitteilung des ADFC: Mitverschulden ohne Fahrradhelm: ADFC kritisiert Urteil

    Der ADFC kritisiert ein Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts. Dieses hatte entschieden, dass Radfahrer ohne Helm beim Zusammenstoß mit einem Auto eine Mitschuld tragen, wenn der Helm bei einem Sturz Kopfverletzungen verhindert oder gemindert hätte. Dies gelte auch dann, wenn der Unfallgegner den Unfall allein verursacht hat (Urteil vom 5. Juni 2013; Az. 7 U 11/12).

  • Der VCD meint: Selber-Schuld: Helm-Urteil gibt falsches Signal an Verkehrsteilnehmer

    Unfallvermeidung muss im Vordergrund stehen

  • Gernot Kramper befürchtet: Ohne Helm zum Freiwild erklärt

    Eine achtlos geöffnete Autotür fegt eine Frau vom Rad. Für die Folgen sei sie zum Teil selber schuld, weil sie ohne Helm fuhr, urteilt das Oberlandesgericht Schleswig. So werden Opfer zu Tätern.

  • Aus dem Tagesspiegel: Ohne Kopfschutz wird es oft tödlich

    Helmpflicht oder nicht? Die Diskussion weckt große Emotionen bei Auto- und bei Radfahrern, wie auch an den Kommentaren auf unserer Seite abzulesen ist. Eine gesetzliche Vorschrift wäre fraglos ein großer Eingriff für Radfahrer. Andererseits ist die Schutzwirkung unbestreitbar hoch.

  • Marlene Weiss meint: Helm auf, aber freiwillig

    89 Prozent der deutschen Radler fahren ohne Helm. Das ist ihr gutes Recht. Ob eine Helmpflicht für ein höheres Maß an Verkehrssicherheit sorgt, ist zweifelhaft. Klar ist jedoch: Mehr Sicherheit kann es nur gemeinsam mit den Autofahrern geben.

Fahrradhelm-Urteil: Keine Panik

Die deutschen Radfahrer sind seit der Veröffentlichung des Fahrradhelm-Urteils des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts mehr oder weniger in heller Aufregung. Kreuz und quer durch soziale Netzwerke, Internetforen und Diskussionen in der realen Welt wird momentan allerdings weniger auf sachlichem Niveau über das Urteil diskutiert als viel mehr mit deutlich lahmenden Vergleichen versucht, die Empörung und Enttäuschung über das Urteil in Worte zu fassen.

Zu den Standard-Vergleichen, die in diesen Tagen in keiner Diskussion fehlen dürfen, gehören beispielsweise die berühmten Schutzhelme für Kraftfahrer, die analog zum Fahrradhelm-Urteil doch nun bitteschön auch für Kraftfahrzeuge notwendig seien, die Treppensteiger-Helme, weil viele Kopfverletzungen gerade von Stürzen auf der Treppe verursacht würden, und die Sorge, dass in Ermangelung von Ellenbogen-, Knie-, Hand- und Rückenprotektoren die Krankenkassen überhaupt gar nicht mehr an verunfallte Radfahrer zahlen müssten. Von einem Erfolg der Autolobby wird gesprochen, obwohl es keine Anzeichen gibt, dass die in irgendeiner Weise beteiligt war — die Empfehlung, einen Fahrradhelm zu tragen, verbreitet schließlich schon der ADFC selbst.

Das mögen lustige Vergleiche sein, aber sie sind — zum Glück — unsinnig. Und sie könnten auch kontraproduktiv für den Mobilitätswandel sein, den wir gerade erleben. Je länger überall, also unter Radfahrern, in den Medien oder auf facebook, über eine angebliche Helmpflicht philosophiert wird, desto mehr Radfahrer werden wieder Abstand von ihrem Zweirad nehmen und stattdessen ins Auto oder in den Bus oder in die Bahn steigen. Je länger wir uns gegenseitig aufgeregt erklären, man bekäme kein Schmerzensgeld, falls beim Radfahren kein Rückenprotektor, keine schusssichere Weste und keine stabilen Schuhe mit Stahlkappe getragen wurden, desto lächerlicher machen wir uns.

Dieses Blog lebt unter anderem davon, sich immer wieder über Diskussionen in den einschlägigen Kraftfahrer-Foren lustig zu machen. Dort stolpert regelmäßig ein Diskussionsteilnehmer beispielsweise in einem Zeitungsbericht über § 2 Abs. 4 StVO und stellt entsetzt fest, dass Radfahrer nun „ganz legal“ einfach so „mitten auf der Straße fahren“ dürfen, obwohl es den berühmten und viel zitierten „bestens ausgebauten und breiten Radweg“ gibt. Seitenlang wird anschließend das Unverständnis zur Schau getragen, dass man umgekehrt doch auch nicht auf den Radweg ausweichen dürfte, sobald auf der Fahrbahn ein Staubkorn liegt, und warum man denn solche Kampfradler, die „mitten auf der Straße den Verkehr aufhalten“ nicht einfach anfahren darf.

Leider debattieren wir momentan auf ähnlichem Niveau. Wir sind erschrocken, dass die zivilrechtlichen Spielregeln auch für Radfahrer gelten, obwohl das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht längst nicht das erste Gericht ist, das mit dem § 254 BGB eine Anspruchskürzung aufgrund eines fehlenden Fahrradhelmes geurteilt hat. Und schon wieder holen wir dann die Kraftfahrer-Helme heraus, die doch genauso gut vor Verletzungen schützen wie unsere bunten Styropor-Kappen.

Aber so einfach ist das nunmal nicht. Der § 254 BGB wurde in den letzten Tagen häufig genug erklärt und es wäre schön, wenn sich die radfahrenden Diskussionsteilnehmer erst einmal das Urteil und die einschlägigen Gesetzestexte durchläsen, bevor die Empörungsmaschine angeworfen wird.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Das Urteil ist natürlich erst einmal ein Schlag ins Gesicht der Radverkehrsförderung, aber das Urteil wendet eigentlich nur die bestehenden Rechtsvorschriften, die für die bereits häufiger hier zitierten Reiter und Skifahrer ebenfalls gelten, auf den Radverkehr an.

Man muss dieses Urteil nicht schön finden und darf der Frustration über das Oberlandesgericht durchaus mit hämischen Vergleichen begegnen, aber auf Dauer schießen wir uns mit den Sprüchen ins eigene unbehelmte Knie. Solche Dummheiten im Zusammenhang mit § 254 BGB dürften ganz interessant sein: Ein Knieschutz ist beim Schießsport vermutlich nicht üblich oder vorgeschrieben.

Häufig gestellte Fragen zum Fahrradhelm-Urteil

Gibt es jetzt eine Helmpflicht für Radfahrer?

Nein.

Eine Helmpflicht müsste der Gesetzgeber auf den Weg bringen. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hat lediglich die zivilrechtlichen Ansprüche nach einem Fahrrad-Unfall geklärt.

Was genau hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht geurteilt?

Das Oberlandesgericht in Schleswig hat entschieden, dass nach einem Unfall ein unschuldiger Radfahrer wenigstens zum Teil mitschuldig an seinen Kopfverletzungen ist, falls er angemessene und zumutbare Schutzmaßnahmen nicht angewendet hat, also auf einen Fahrradhelm verzichtet hat, und diese Schutzmaßnahmen die erlittenen Verletzungen gemindert hätten.

Wieso kommt jetzt plötzlich so ein überraschendes Urteil zustande?

Das Urteil kam eigentlich weder plötzlich noch überraschend. In der Vergangenheit gab es genügend Urteile zu diesem Thema, von denen einige angesichts der fehlenden Helmpflicht für Radfahrer kein Eigenverschulden des geschädigten Radfahrers erkannt haben, andere beispielsweise bei Rennradlern oder einer sportlichen Fahrweise durchaus die Pflicht nach § 254 BGB sahen, sich gegen Kopfverletzungen mit einem Helm zu schützen. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hat sich entschieden, im Straßenverkehr eine gestiegene Akzeptanz des Fahrradhelmes zu erkennen und dementsprechend für ein Mitverschulden der geschädigten Radfahrerin geurteilt.

Was steckt hinter dem § 254 BGB?

Ganz grob vereinfacht steckt hinter dem § 254 BGB so eine Art Schadensminderungspflicht, auch wenn der Begriff eigentlich in einem ganz anderen Zusammenhang verwendet wird. Der Gesetzgeber sagt, dass bei potenziell gefährlichen Tätigkeiten geeignete und angemessene Schutzmaßnahmen vorzukehren sind. Es lässt sich nunmal nicht leugnen, dass beim Radfahren die Gefahr eines Sturzes auf den Kopf besteht und in der Gesellschaft hat sich die Überzeugung gebildet, den Fahrradhelm als angemessene Reaktion auf dieses Verletzungsrisiko zu bezeichnen; insofern kann das Gericht mit § 254 BGB argumentieren und dem Radfahrer ein gewisses Eigenverschulden an seinen Verletzungen attestieren, auch wenn er am eigentlichen Unfall unschuldig ist.

Diskriminiert das nicht Radfahrer? Andere müssen doch auch keinen Helm tragen.

Nein, dahinter steckt keine Diskriminierung.

Für Reiter und Skifahrer existiert ebenfalls keine gesetzliche Vorschrift zum Tragen eines Fahrradhelmes, aber gerade in den letzten Jahren ist beispielsweise die Tragequote auf den Skipisten derart gestiegen, dass dort ganz eindeutig von einem derartigen Sicherheitsbewusstsein ausgegangen werden kann, das einen Fahrradhelm als angemessene Schutzmaßnahme ansieht. Gleiches gilt parallel dazu beim Reiten. In beiden Gebieten gibt es mittlerweile zivilrechtliche Urteile, die prinzipiell genau wie das Schleswiger Helm-Urteil funktionieren: Ein entsprechender Schutzhelm hätte die entstandenen Verletzungen mindern können, also ist der Geschädigte zum Teil mitschuldig an der Schwere seiner Verletzungen, weil er die üblichen Vorsichtsmaßnahmen unterlassen hat.

Man müsste gar umgekehrt von einer Diskriminierung von Reitern und Skifahrern ausgehen, hätte das Oberlandesgericht in der Fahrradhelm-Sache anders geurteilt.

Was ist nun mit Fußgänger-, Kraftfahrer- und Treppensteiger-Helmen?

Nichts.

Der dem Schleswiger Urteil zugrunde liegende § 254 BGB findet in solchen Fällen keine Anwendung. Sicherlich könnte ein Helm in allen drei Beispielen Kopfverletzungen mindern, aber da der Helm als Schutzausrüstung für Fußgänger, Kraftfahrer oder Treppensteiger weder gebräuchlich ist, noch eine gewisse Überzeugung in der Gesellschaft zu erkennen ist, dass eine solche Schutzmaßnahme nötig und angemessen wäre, brauchen Fußgänger, Kraftfahrer und Treppensteiger weder einen Helm noch zusätzliche Protektoren tragen.

Müssen Radfahrer ab jetzt wie Inline-Skater einen Helm und zusätzliche Protektoren tragen?

Nein.

Auch für Inline-Skater sind weder ein Helm noch Protektoren vorgeschrieben. Das Internet gibt sich leider schweigsam, ob schon mal ein Gericht mit dem § 254 BGB auf Protektoren für Inline-Skater gezeigt hat und meinte, eine am Kantstein zerbröselte Kniescheibe wäre mit einem entsprechenden Protektor noch an Ort und Stelle, so dass aufgrund des Bewusstseins der Verkehrsteilnehmer, dass Schutzhelme und Protektoren für Inline-Skater eine angemessene Sicherung vor Verletzungen darstellen, eine gewisse Mitschuld an den Verletzungen zustande kommt.

Beim Radfahren werden hingegen derartige Protektoren anders als beim Inline-Skaten als überflüssig angesehen, obwohl die gleiche Schutzwirkung, die beim Inline-Skaten die Kniescheibe schützt, auch beim Radfahren die Kniescheibe schützt. Solange sich das entsprechende Sicherheitsbewusstsein nicht ändert, wird es auch keine entsprechende Rechtsprechung geben.

Warum bekommen Oldtimer-Fahrer nach einem Unfall keine Mitschuld aufgebrummt, obwohl ihr Fahrzeug keine Sicherheitsgurte hatte?

Okay, nun wird es kompliziert. Erst einmal besteht in einem Oldtimer ohne Sicherheitsgurte keine Anschnallpflicht nach § 21a StVO, insofern liegt darin schon einmal kein Verstoß begründet.

Bei einem Oldtimer wird in der Regel zunächst einmal festgestellt, dass sich Sicherheitsgurte nicht sinnvoll nachrüsten lassen, weil einerseits die entsprechenden Aufhängepunkte fehlen, andererseits ein derart modifiziertes Fahrzeug auch gar nicht mehr als Oldtimer gilt.

Dann folgt der übliche Argumentationsweg mit dem § 254 BGB an der Hand: Dem geschädigten Verkehrsteilnehmer, der mutmaßlich bei einem Unfall unangeschnallt durch die Luft geflogen ist und erhebliche Verletzungen zu beklagen hat, sei bewusst gewesen, bei einer Fahrt ohne Sicherheitsgurt entsprechende Risiken einzugehen. Es stünde weiterhin außer Frage, dass Sicherheitsgurte vor schwersten Verletzungen wirkungsvoll schützen können und die Fahrt mit angelegtem Sicherheitsgurt in Deutschland sicherheitstechnisch der Normalzustand sei.

Trotzdem erkennen die Gerichte kein Eigenverschulden nach § 254 BGB, weil Oldtimer regelmäßig trotz oder gerade wegen des Sicherheitsbewusstseins in vorsichtiger Fahrweise in Betrieb genommen werden und insofern dort kein Bewusstsein zu erkennen wäre, dass die Benutzung eines Oldtimers mit einem derartigen Sicherheitsrisiko einherginge, mit dem sich ein Eigenverschulden begründen ließe.

Das klingt für uns Radfahrer erst einmal unbefriedigend, denn schließlich wird ja niemand gezwungen, freiwillig in einem Oldtimer ohne Sicherheitsgurte herumzufahren. Anders als bei den Oldtimern gibt es beim Radfahren aber nunmal die wirtschaftliche Möglichkeit der Anschaffung eines Fahrradhelmes, dessen Benutzung beim Radfahren vielleicht angesichts der Tragequoten nicht als üblich bezeichnet werden kann, aber im Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer als angemessen gilt.

Auch im Radverkehrspolitik-Blog heißt es regelmäßig, dass Fahrradhelme überhaupt nicht schützen. Wie kann sich das Oberlandesgericht dann so entscheiden?

Dass ein Fahrradhelm keinen Schutz bietet, stimmt so auch wieder nicht. Er schützt nur längst nicht so sehr, wie bei den üblichen Melonentests und in der Berichterstattung der Medien häufig behauptet wird. Er kann weder vor sämtlichen Kopfverletzungen schützen noch kann er ab einer bestimmten Geschwindigkeit etwas ausrichten: Legt sich ein Radfahrer ab einer gewissen Geschwindigkeit mit einem stehenden Hindernis an, also beispielsweise einem Kraftfahrzeug aus dem Querverkehr, dann bleibt vom Kopf nach dem Aufprall mit oder ohne Helm nicht mehr viel übrig.

Das Oberlandesgericht hat sich allerdings in seinem Urteil auf einen Sachverständigen verlassen, der befunden hat, dass ein handelsüblicher Fahrradhelm ausgerechnet bei den Verletzungen der Geschädigten einen gewissen Schutz geboten, der zu einer Minderung der Verletzungen beigetragen hätte.

In der Urteilsbegründung argumentieren die Richter etwas schwurbelig, aber es ist im entscheidenden Teil zu lesen, dass die Schleswiger Richter keineswegs davon ausgehen, dass ein Fahrradhelm vor sämtlichen Kopfverletzungen schützt, sie schreiben ja explizit, dass auch im vorliegenden Falle nur eine Minderung der Verletzungen zu erwarten gewesen wäre.

Wie geht es nun weiter?

Zusammen mit dem ADFC wird die Geschädigte vermutlich Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, so dass der Fall ein drittes Mal am Bundesgerichtshof verhandelt wird. Das dortige Urteil wöge allerdings deutlich schwerer als die unterschiedliche Rechtsprechung diverser Oberlandes- und Landgerichte.

Wieso trägt in Dänemark und in den Niederlanden niemand einen Helm?

Weil es dort unüblich ist.

Im Gegensatz zu Deutschland sind unsere Nachbarn deutlich fahrradfreundlicher eingestellt, dort ist Radfahren eine Selbstverständlichkeit und keine Ausnahme. Schon die dortige Infrastruktur sorgt für eine Sicherheit, die offensichtlich einen zusätzlichen Schutz mit einem Helm nicht notwendig scheinen lässt. Übertrüge man das deutsche Rechtssystem in eines der velophilen Nachbarländer, käme dort sicherlich nicht so ein Urteil wie am Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht zustande, weil die für § 254 BGB notwendige Überzeugung zum Tragen eines Fahrradhelmes dort schlichtweg nicht gegeben ist.

Trotz anderslautender Untersuchungen sind beinahe sämtliche Verkehrsteilnehmer der Meinung, Radwege wären sicher, während nebenan auf der Fahrbahn Todesgefahr herrscht. Gibt es dann nicht analog zum Urteil eine Art „Generelle Radwegbenutzungspflicht durch die Hintertür“?

Nein, es ist nicht davon auszugehen, dass ein Gericht so entschiede.

Gerade die Historie der Radwegbenutzungspflicht und insbesondere deren Abschaffung vor 15 Jahren basiert auf umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die das Gericht zu seiner Urteilsfindung heranziehen wird. Obwohl ungefähr 95 Prozent von einer geradezu segensreichen Sicherheit des Radweges ausgehen, kann § 254 BGB hier nicht ohne Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse greifen.

Ist das Urteil nicht auch ein Erfolg für die Autolobby?

Prinzipiell hat die Autolobby damit nichts zu tun. Man mag jetzt vermuten, ob sie sich wohl heimlich die Hände reibt, weil eine Helmpflicht, ob durch die Hinter- oder Vordertür, die Leute wieder vom Sattel ins Auto purzeln lässt. Will man eine daran beteiligte Lobby suchen, würde man mutmaßlich zuerst beim ADFC fündig: Der wehrt sich zwar gegen eine Helmpflicht, empfiehlt aber trotzdem dringend das Tragen eines Fahrradhelmes und spielt dem § 254 BGB direkt in die Hände: Das Gericht hätte sich schließlich locker darauf berufen können, dass sogar der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club einen Fahrradhelm als sinnvolles Schutzwerkzeug ansieht.

Gezwungen auf öffentlichen Straßen zu fahren

Das wichtigste zuerst: Richterin Dr. Christine von Milczewski ist offenbar kein Mitglied des 7. Zivilsenates am Oberlandesgericht Schleswig, hat also mit dem eigentlichen Fahrradhelm-Urteil erst einmal nichts zu tun. Sie ist „nur“ die Pressesprecherin und hatte das Vergnügen, gegenüber Radio Hamburg zu der Sache Stellung zu nehmen. Die Radiosendung gibt’s noch als MP3-Datei zum Anhören, ab Minute 1:35 geht’s um das Urteil.

Der Nachrichtensprecher gibt einen groben Überblick über das Urteil und fragt dann bezüglich der Argumentationslinie des Gerichtes, dass die geschädigte Radfahrerin einen Teil ihrer Kosten in Ermangelung eines Fahrradhelmes selbst zahlen muss:

Warum ist das so?

Weil es an vielen Orten auch keine Fahrradwege gibt, sind sie gezwungen, auf öffentlichen Straßen zu fahren und es besteht die zumutbare Möglichkeit, einen Helm zu tragen um sich selber zu schützen. Und das Urteil sagt eben auch: Du musst das auch machen, wenn du von der anderen Seite im vollen Umfang Schadensersatz haben willst.

Nun gut, der hintere Teil der Antwort ist ja noch halbwegs nachvollziehbar, der vordere krankt alleine schon an den entsprechenden Fachbegriffen. Was soll denn nun ausgerechnet eine „öffentliche Straße“ sein, was eine „normale Straße“ nicht ist? Reitet man nun zu sehr auf der falschen Wortwahl herum, hat man den Job eines Pressesprechers nicht verstanden: Es ist nicht von Milczewskis Aufgabe, jetzt mit Fahrbahnen, Rad- und Gehwegen zu hantieren, sondern eine Antwort zu geben, die der normale Radiohörer auch kapiert. Das ist andersherum wieder lästig, denn gerade die Differenzierung zwischen den einzelnen Straßenteilen ermöglicht erst einen klaren Blick durch die Straßenverkehrs-Ordnung, wenn beispielsweise die Sicherheitsaspekte von Hochbordradwegen, Gehwegen, Schutzstreifen, Radfahrstreifen und Fahrbahn nicht pauschal durcheinandergewirbelt werden, indem sämtliche Radverkehrsanlagen unter dem Schlagwort „Radweg“ verbucht werden.

Das spielt nun aber auch keine große Rolle, denn eigentlich möchte von Milczewski wahrscheinlich ausdrücken, dass das Radfahren abseits der Radwege recht gefährlich wäre und deshalb ein Helm getragen werden sollte. Dass sie damit die nun wirklich recht eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten fünfzehn Jahre ignoriert, ist umso verwunderlicher, weil es in dem besagten Urteil mit ähnlicher Vehemenz bezüglich der Sicherheit um die von verständigen Menschen nicht anzweifelbare Schutzwirkung eines Fahrradhelmes ging.

Noch eine Frage:

Und warum gilt das nicht für Fußgänger?

Bei Fußgängern ist es so, dass diese sich meistens nicht im öffentlichen Verkehrsraum bewegen, mit öffentlichem Verkehrsraum meine ich die Straße, und dann ist es auch so, dass bei Fußgängern die Sturzgefahr nicht so hoch ist. Also, der Fußgänger bringt nicht so viel Eigenbewegung mit.

Leider die falsche Antwort.

Erst behauptet von Milczewski, Fußgänger wären nicht im öffentlichen Verkehrsraum unterwegs, definiert dann aber rückwirtend die Straße als öffentlichen Verkehrsraum und vergisst, dass sich nicht nur formal der Gehweg zur Straße zählt, sondern auch praktisch Fußgänger Berührungspunkte mit anderen Verkehrsteilnehmern haben, indem sie Radwege und Fahrbahnen überqueren und durchaus auch mal angefahren werden können. Ein gewisses Risiko geht nunmal mit der Teilnahme am Straßenverkehr einher, auch wenn man nur auf den eigenen zwei Füßen unterwegs ist.

Von Milczewski zitiert dann allerdings vermutlich aus dem Urteil und meint, es wären keine Schutzmaßnahmen erforderlich, weil Fußgänger nicht so tief fielen. Das ist zwar richtig, ein Fußgänger fliegt selten nach einer Kollision ein paar Meter durch die Luft, wenn er nicht gerade von einem schnell fahrenden Kraftfahrzeug mitgenommen wird. Die meisten Unfälle spielen sich tatsächlich mit „nicht so viel Eigenbewegung“ ab. Darum geht es im Urteil allerdings nicht primär, es geht darum, dass im Sinne von § 254 BGB Schutzmaßnahmen für Fußgänger weder verhältnismäßig noch verbreitet sind. Es ist durchaus üblich, zum Radfahren, Reiten und Skifahren einen geeigneten Helm zu tragen, für Fußgänger ist das aber genauso unüblich wie für Kraftfahrer oder Treppensteiger. Das macht einfach niemand. Und das verlangt einfach auch niemand, weil es sich im gesellschaftlichen Bewusstsein nunmal nicht durchgesetzt hat.

Davon abgesehen: Körperlich eingeschränkte Personen, die tendenziell häufiger stürzen, tragen durchaus einen Kopfschutz, wenn auch nicht gerade einen Helm.

Kurz korrigiert: Fehlender Helm begründet keine Mitschuld am Unfall

Der stern schreibt über das Urteil das Oberlandesgerichtes Schleswig: Radfahrer ohne Helm tragen bei Unfällen eine Mitschuld

Noch gibt es keine Helmpflicht, doch Radfahrer ohne Kopfschutz werden künftig härter rangenommen. Sie tragen bei einem Unfall Mitschuld, wenn ein Helm ihre Kopfverletzungen hätte vermeiden können.

Das ist in dieser Verkürzung nicht korrekt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat nicht entschieden, dass ein unbehelmter Radfahrer bei einem Unfall in irgendeiner Weise mitschuldig an diesem Unfall ist, nur weil er keinen Helm trug. Ganz im Gegenteil, die Schuld der Kraftfahrerin am eigentlichen Unfall stand bereits vorher fest und überhaupt nicht zur Diskussion. Es ging lediglich darum, ob die geschädigte Radfahrerin einen gewissen Teil ihrer Behandlungskosten selber zahlen muss, weil ein Helm in der besagten Situation die Verletzungen gemindert hätte.

Und Radfahrer ohne Kopfschutz werden in Zukunft allenfalls wegen der fehlerhaften Berichterstattung härter rangenommen, wenn sich im Straßenverkehr weiterhin Halbwahrheiten verbreiten. Auch wenn hier ein Oberlandesgericht urteilte, ist dadurch weder eine Helmpflicht in ein Gesetz gegossen worden noch müssen sich andere Gerichte der Schleswiger Meinung anschließen. Letzteres ist weder besonders wahrscheinlich noch besonders abwegig, weil die bisherige Rechtsprechung zu diesem Thema in gänzlich verschiedene Richtungen differenziert.

OLG Schleswig: Betrachtung des Fahrradhelm-Urteils

Das Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig, das am Montag mit einer nebulösen Pressemitteilung in die Öffentlichkeit getragen wurde, schlägt ungeahnt hohe Wellen, die leider häufig an unsachlichen Vergleichen oder der Ankündigung des Endes deutscher Rechtsstaatlichkeit branden. Inzwischen wurde auch die Begründung des Urteils im Netz aufgetan: Nichttragen eines Fahrradhelms als Radfahrer im öffentlichen Straßenverkehr begründet im Falle eines Unfalls mit sturzbedingten – typischen – Kopfverletzungen Mitverschulden

Mit einem ruhigen Blick auf das Urteil kommt man nicht umhin festzustellen, dass es zwar für uns Radfahrer kein besonders schönes Urteil ist, aber in seiner Gesamtheit nicht unbedingt ein schlechtes Urteil. Das Oberlandesgericht Schleswig hat sich weder von politischen Motiven leiten lassen, wie ihm in den letzten 48 Stunden regelmäßig unterstellt wurde, geschweigedenn dass es in irgendeiner Form Unrecht gesprochen hätte. Das Fahrradhelm-Thema ist unter Radfahrern seit jeher emotional besetzt und kontrovers diskutiert worden. Insofern soll einmal vorsichtig auf das Urteil geschielt werden.

Wagen wir nun erst einmal einen Blick in die Begründung. Unter Randnummer 2 berichtet das Gericht über den Unfallhergang: Die geschädigte Radfahrerin fährt in der berüchtigten Door-Zone parkender Kraftfahrzeuge, als die Beklagte die Fahrertür ihres Kraftfahrzeuges öffnete. Die Geschädigte konnte nicht ausweichen, prallte mit ihrem Rad zunächst gegen die Tür und anschließend mit dem Rücken voraus auf die Fahrbahn, wo sie mit dem Hinterkopf aufschlug. Die Diagnose listet einen zweifachen Schädeldachbruch am Stirnbein und hohen Scheitelbein linksseitig sowie auf der rechten Seite Blutungen und Hirnquetschungen.

Randnummer 4 weist darauf hin, dass sich das Oberlandesgericht nicht als erste Instanz mit diesem Sachverhalt befasst hat, sondern als Berufungsinstanz des Landgerichts angerufen wurde. Aufgrund der geografischen Nähe zum Behandlungsort der Geschädigten ist anzunehmen, dass sich zuvor das Landgericht Flensburg mit dem Fall beschäftigt hat. Gegenstand des damaligen wie des jetzigen Verfahrens ist laut der Randnummern 6 bis 10 die Forderung der Geschädigten, die Kraftfahrerin solle ihr sämtlichen materiellen und immateriellen Schaden ersetzen. Die Beklagte erwidert, die Radfahrerin sei an der Schwere ihrer Verletzungen aufgrund des fehlenden Helmes mit schuldig und müsse die Hälfte des Schadens selber tragen.

Das Landgericht scheint laut Randnummer 11 recht lapidar festgestellt zu haben, dass in Deutschland das Tragen eines Fahrradhelmes nicht vorgeschrieben ist und insofern die Geschädigte keine Schuld an ihren erlittenen Verletzungen treffe. Schon das Landgericht schielte allerdings in seinem Urteil auf die Urteile anderer Gerichte, die in einer allzu sportlichen Fahrweise durchaus gemäß § 254 BGB entsprechende Schutzmechanismen forderten, namentlich einen Fahrradhelm. Für die „normale Fahrweise“ der Geschädigten, die ohne sportliche Ambitionen und offenbar mit moderatem Tempo unterwegs war, konnte das Gericht mutmaßlich in § 254 BGB keine entsprechende Pflicht zum Tragen eines Fahrradhelmes erkennen.

Bevor wir weitermachen: Es ist laut Randnummer 5 vollkommen unstrittig, dass unfallursächlich alleine das grob fahrlässige Öffnen der Autotür gewesen ist. Es steht also überhaupt gar nicht zur Diskussion, ob die Radfahrerin womöglich einen größeren Sicherheitsabstand nach rechts zu den parkenden Kraftfahrzeugen hätte einhalten müssen oder ob sie eventuell zu schnell unterwegs war. Das ist allerdings keine Entscheidung des Gerichtes, denn das musste sich mit dieser Frage überhaupt nicht herumschlagen, das hatten Radfahrerin und Kraftfahrerin bereits im Vorwege insofern geklärt, dass die Kraftfahrerin ihre Schuld anerkennt. Insofern haben weder das Urteil des Landgerichtes noch das des Oberlandesgerichtes in irgendeiner Weise Einfluss auf die Rechtsprechung bezüglich des Sicherheitsabstandes.

Um es noch einmal ganz deutlich klarzustellen: Gegenstand der Verhandlung sind die Verletzungen, die ab dem Aufprall des Hinterkopfes der Radfahrerin auf die Fahrbahn entstanden sind, die eigentliche Unfallursache der plötzlich geöffneten Tür und die Kollision der Radfahrerin mit ebenjener Tür spielen in dem Verfahren keine Rolle. Es geht laut Randnummer 15 allein um die Frage, ob die Radfahrerin angesichts der Gefährlichkeit des Fahrradfahrens nicht Schutzmaßnahmen hätte treffen müssen, die just jene Kollision zwischen Hinterkopf und Fahrbahn und somit die entstandenen Verletzungen gemindert hätten.

Die Kraftfahrerin entgegnet in Randnummer 12, die Verletzungen hätten mit einem geeigneten Fahrradhelm vermieden werden können, zumindest wäre kein Schädel-Hirn-Trauma zu beklagen gewesen. In Randnummer 13 kommt nun wieder § 254 BGB zum Vorschein:

Es entspreche dem Alltagswissen, dass das Risiko von Kopfverletzungen beim Fahrradfahren durch das Tragen eines Helms vermindert werden könne. Gerade der „normale“ Radfahrer im alltäglichen Straßenverkehr sei den größten Risiken eines Unfalls ausgesetzt, so dass gerade er gehalten sei, einen Fahrradhelm zu tragen. Ein Mitverschulden setze nicht voraus, dass eine gesetzliche Helmpflicht bestehe, vielmehr käme es darauf an, dass die Klägerin durch das Unterlassen des Tragens eines Helmes beim Radfahren im öffentlichen Straßenverkehr dem Gebot, die eigenen Interessen zu wahren und dabei Sorgfalt walten zu lassen, in vorwerfbarer Weise zuwider gehandelt habe.

Die Argumentation geht deutlich am Mittelweg der bisherigen Rechtsprechung vorbei. Die sah ausgerechnet den „normalen“ Radfahrer mit seinem Fortbewegungsgerät nicht in der Pflicht, einen Helm zu tragen und bejahte eine Art implizite Helmpflicht wenn denn überhaupt erst bei einer sportlichen Fahrweise oder einem Rennradfahrer. Tatsächlich argumentiert das Gericht allerdings erst einmal einwandfrei, wenn es die Schutzwirkung eines Helmes unter Alltagswissen einsortiert: Abgesehen von ein paar Alltagsradlern käme draußen auf der Straße niemand auf die Idee, die Schutzwirkung eines Fahrradhelmes in Zweifel zu ziehen oder darüber hinaus die negativen Auswirkungen einer Helmpflicht zu nennen. Es wäre sicherlich verfehlt, jetzt den Begriff Propaganda zu verwenden, aber es gibt in den Medien und im Verkehrsunterricht an Schulen eine deutliche Tendenz, dem Fahrradhelm glorifizierend als Wundermittel darzustellen und ihm eine Schutzwirkung nachzusagen, die er schlichtweg nicht erfüllen kann. Auch im Jahr 2013 werden offenbar behelmte Wassermelonen von Leitern geschmissen und auch im Jahr 2013 wird den Verkehrsanfängern zu deutlich mit auf den Weg gegeben, mit einem Helm könne ja gar nichts passieren, obwohl der Helm nicht vor Unfällen, sondern allenfalls vor einer bestimmten Art von Verletzungen schützt.

Gerade daraus resultiert aber auch wieder der Angriffspunkt über § 254 BGB: Der Fahrradhelm ist in Deutschland nunmal ein anerkanntes Schutzwerkzeug, das vor Kopfverletzungen schützt. Mehr dazu später, erst einmal weiter im Text. Randnummer 21 stellt noch einmal das Fehlverhalten der Kraftfahrerin dar, ohne Schulterblick oder Kontrolle der Spiegel die Tür zu öffnen.

In Randnummer 22 widerspricht das Oberlandesgericht dem Landgericht und stellt bei der Geschädigten ein so genanntes Verschulden gegen sich selbst fest: Die Radfahrerin hat keinen Helm getragen und sei damit maßgeblich an der Schwere ihrer Verletzungen beteiligt. Randnummer 23 sagt in etwa, dass ein Fahrradhelm vor just jener Art von Verletzungen schützen soll, die die Geschädigte erlitten hat; dazu hat das Gericht laut Randnummer 24 einen Sachverständigen gehört, der wohl den genauen Unfallhergang noch einmal rekonstruiert hat.

Nun müssen wir die Sache vorsichtig angehen, denn just dieses Thema bezüglich eines Unfalls und der Schwere der Verletzungen sind immer ein wenig Kristallkugel-behaftet: Woher will man denn wissen, wie ein Unfall ohne Helm oder ein anderer Unfall mit Helm abgelaufen wäre und vor allem: Wie will man daraus schließen können, welche Kopfverletzungen in diesem Falle aufgetreten, in jenem Falle aber nicht aufgetreten wären? Wohlgemerkt: Das Schleswiger Urteil kratzt nicht bloß an der Oberfläche und stellt das bloße Nichttragen des Helmes als Grundlage für seine Begründung dar.

Die Richter stellen fest, dass just diese erlittenen Kopfverletzungen charakteristischerweise jene sind, vor denen ein Helm schützen soll und lassen sich das von einem Sachverständigen bestätigen. Man kann darüber streiten, ob der Arzt mit seiner Einschätzung richtig liegt oder nicht, aber fernab zu Hause am Rechner ohne Informationen über den genauen Unfallhergang lässt sich vermutlich nur feststellen, dass bei einem Sturz auf den behelmten Hinterkopf durchaus eine verletzungsmindernde Schutzwirkung gegeben sein könnte. Zu diesem im Konjunktiv formulierten Ergebnis kamen die Richter schließlich in Randnummer 25: Der Helm hätte ein Trauma nicht verhindert, aber womöglich mindern können. Man darf auch davon ausgehen, dass diese Passage anders gelautet hätte, wäre die Radfahrerin beispielsweise mit dem Kinn zuerst aufgeschlagen, so dass der Helm noch nicht einmal ins Spiel kam, oder wäre tatsächlich eine Schutzwirkung mit hoher Wahrscheinlichkeit im vorliegenden Falle ausgeschlossen.

Das Schleswiger Urteil bezieht sich im Folgenden auf eine ganze Reihe weiterer Urteile anderer Gerichte, um seine Meinung zu begründen. Noch einmal kurz zur Orientierung, wo wir uns momentan zwischen den ganzen Randnummer befinden: Es ist vollkommen unstrittig, dass die eigentliche Unfallursache die grob fahrlässig geöffnete Autotür war. Nach der Kollision mit der Autotür stürzte die Radfahrerin auf den Hinterkopf und das Gericht stellte mit Hinweis auf die Ausführungen seines Sachverständigen fest, dass ein Fahrradhelm just jene Verletzungen, die sich die Radfahrerin zugezogen hat, hätte verhindern können. Es wird jetzt bei den nächsten Randnummer primär darum gehen, inwiefern die Geschädigte laut § 254 BGB geeignete Schutzmaßnahmen hätte ergreifen müssen, um diese Verletzungen abzuwehren. Dazu stellt sich der Senat mit seiner Meinung gegen eine ganze Reihe anderslautender Urteile, die in Randnummer 26 genannt werden.

In Randbummer 27 wird noch einmal ausgeführt, dass viele der bisherigen Urteile just die Meinung darstellen, die auch unter Radfahrern in den letzten beiden Tagen immer wieder angeführt wurde: Ein Fahrradhelm sei nicht vorgeschrieben, das Fehlen eines Helmes könne daher bei einem Unfall auch nicht negativ bewertet werden. In den Randnummer 28 bis 31 führt das Gericht aus, warum es dieser zugegeben tatsächlich recht vereinfachten Meinung nicht folgen will: Der Bürger habe sich eigenverantwortlich vor gewissen Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen. Es ist eine Frage der Interpretation, ob an dieser Stelle die Helmpflicht noch höflich klopft oder sich nicht mit Höflichkeiten aufhält und schnurstracks durch die Hintertür marschiert: Mit dem § 254 BGB auf den Bundesgerichtshof zeigend sagen die Schleswiger Richter, es bestehe in Sachverhalten wie dem vorliegenden Unfall nunmal ein Mitverschulden des Geschädigten, wenn er keine üblichen und mit vertretbarem Aufwand zumutbaren Schutzmaßnahmen getroffen habe, um Schäden von realistischer Wahrscheinlichkeit in gewisser Hinsicht abwenden zu können.

Auch wenn es uns Radfahrern nicht schmeckt: Auch in dieser Hinsicht scheint das Urteil einwandfrei. Zweifelsfrei besteht auf dem Fahrrad die Gefahr eines Sturzes und der Schutz mit einem Fahrradhelm, sofern man dem Helm einen solchen Schutz zugestehen mag, ist tatsächlich mit relativ geringem Aufwand zu erreichen. An dieser Stelle setzen in den Diskussionen unter Radfahrern stets die Vergleiche mit Fußgänger-, Hausfrauen-, Treppensteiger- und Kraftfahrer-Schutzhelmen ein, die aber insofern mit gebrochenen Beinen hinken, dass ein Helm im Kraftfahrzeug zwar vor einer Kopfverletzung schützen mag, aber dort gänzlich unüblich ist. Das Kraftzeug ist mit ausreichend Schutzmechanismen ausgestattet, zu der baulich vorhandenen Knautschzone gesellen sich teilweise eine ganze Armada von Airbags und weiteren technischen Einrichtungen. Es mag zwar weiterhin ein Kraftfahrer-Helm vor schlimmeren Kopfverletzungen schützen, aber beim besten Willen lässt sich der § 254 BGB einen solchen Helm nicht andrehen.

Explizit erwähnt das Gericht Reithelme und Skihelme, die zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, aber sich mittlerweile aufgrund der fortschreitenden Entwicklung quasi eingebürgert haben und demnach zu den nach § 254 BGB zumutbaren Schutzmaßnahmen zählen. Randnummer 30 schmeckt auch schon ein wenig nach Helmpflicht, wenn der § 254 BGB regeln soll, wofür der Gesetzgeber mit seinen langsam mahlenden Gesetzgebungsprozessen noch nicht in der Lage war: Wenn sich die Sicherheitstechnik fortentwickelt, sollen Radfahrer, Skifahrer oder Reiter entsprechende Sicherheitstechniken automatisch adaptieren, bis der Gesetzgeber zu einer Regelung willens und in der Lage ist — da bleibt natürlich erst einmal die Frage, ob ein relativ simpler Fahrradhelm denn nun einen solchen Fortschritt in der Sicherheitstechnik darstellt.

Das Gericht hebt sich in seiner Urteilbegründung in den Randnummern 33 bis 35 von einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf ab, welches in einer ähnlichen Frage hinsichtlich § 254 BGB nach dem Fahrstil differentierte: Ein normaler Alltagsradler sei nicht so einem großen Verletzungsrisiko ausgesetzt wie ein sportlich ambitionierter Radfahrer oder ein Rennradfahrer, so dass dem Alltagsradler auch gerade in Ermangelung einer Fahrradhelmpflicht der fehlende Helm nicht negativ ausgelegt werden könne. Tatsächlich verwischt aber gerade die fortschreitende Fahrradtechnik, die sich nicht nur in Elektrorädern niederschlägt, eine mögliche Differenzierung zwischen ungefährdeten Alltagsradlern und gefährdeten sportlichen Fahrern.

Mit einem einigermaßen hochwertigen Rad lassen sich problemlos und ohne große Anstrengung auch ohne Motor über einen längeren Zeitraum höhere Geschwindigkeiten erreichen, sofern denn die Beine mitspielen. Beispielsweise ist es sogar mit Packtaschen am Hinterrad und reiner Muskelkraft für einen einigermaßen trainierten Alltagsradler kein Problem, sich für ein oder zwei oder drei Kilometer an eine Gruppe Rennradfahrer anzuhängen. Wenn die nun allesamt nacheinander wie die Lemminge über ein Schlagloch stürzen, müssen die Rennrad-Fahrer zwanzig Prozent des Schadens im Falle eines fehlenden Sturzhelmes zahlen, der Fahrer des Alltagsrades allerdings nicht? Das ist sicherlich eine unbefriedigende Methode.

In Randnummer 36 wird es nun lästig. Das Gericht erkennt, dass Radfahrer im deutschen Straßenverkehr häufig nur als lästige Hindernisse wahrgenommen werden und offenbar einer gewissen Aggressivität ausgesetzt sind. Wiederum verlange die Kombination aus einer höheren Geschwindigkeit und fehlenden Schutzeinrichtungen nach einem Schutzhelm, schlussfolgern die Schleswiger Richter. Es wird leider nur sehr oberflächlich festgestellt, dass ein Fahrradhelm diese Sicherheitsdefizite ausgleiche — was in dieser Allgemeingültigkeit ganz sicher nicht stimmt.

Der Helm mag im vorliegenden Fall vor den entstandenen Verletzungen geschützt haben, leider folgen die Richter anschließend der Unart, den Helm glorifizierend als universelles Schutzwerkzeug zu sehen. Ein Fahrradhelm kann aber nicht die Defizite einer fehlenden Knautschzone ausgleichen und schon gar nicht die zwischen den Zeilen eingeschobene Aggressivität der Kraftfahrer mindern. In Deutschland, in der sich im Sinne sicherer und sinnvoller Radverkehrsinfrastrukturen allenfalls in den letzten Jahren etwas tut, treten dermaßen viele Gefährdungen in Form von unachtsam abbiegenden Kraftfahrern, achtlos auf den Radweg tretenden Fußgängern, vollkommen unzulässig angelegten Radwegen und sicherlich auch nicht besonders klug im Verkehr reagierenden Radfahrern auf, dass ein Helm zwar die Verletzungen des Unfalles im vorliegenden Sachverhalt hätte milern können, aber keineswegs mit derartigen Superkräften ausgestattet ist, die von Medien und Polizeimeldungen immer wieder verbreitet werden.

Insofern muss eindeutig festgestellt werden: Das Gericht macht es sich an dieser Stelle zu einfach, aus der Einschätzung seines Sachverständigen auf eine derartig heilsbringende Schutzwirkung zu schließen:

Dass der Helm diesen Schutz auch bewirkt, entspricht der einmütigen Einschätzung der Sicherheitsexperten und wird auch nicht ernsthaft angezweifelt.

Davon abgesehen ist die Anschaffung eines Fahrradhelmes sicherlich wirtschaftlich zumutbar. Wohlgemerkt: Es geht nicht um eine finanzielle, sondern um eine wirtschaftliche Zumutbarkeit. Böte ein Fahrradhelm tatsächlich diesen umfassenden Schutz, dann wäre selbst ein Helm im Wert von mehreren hundert Euro, der womöglich den Wert des eigentlichen Fahrrades deutlich übersteigt, noch immer angemessen. Finanziell stünde dem sicherlich das Argument entegegen, dass der gemeine Alltagsradler mitunter einen Zossen von 199 Euro aus dem Baumarkt fährt und sein Vehikel dann auch bloß mit dem Discounter-Schloss für 9,99 sichert.

Insofern verwundern diese Zeilen, denn weiter oben hatte das Gericht festgestellt, dass für die Versicherung der Beklagten ein regelrechter Glücksfall vorlag, dass just die Verletzungen am Hinterkopf der Radfahrerin gemindert werden konnten und gleichzeitig zwischen den Zeilen formuliert wurde, dass dieser Schutz keineswegs so allumfänglich eingeschätzt wird. Zurück zu dem angeschnittenen Krieg auf der Straße: Das Gericht macht sein Urteil angreifbar, indem es diese Passage in das Urteil aufnimmt, denn die dadurch entstehende Kausalkette gründet darauf, dass ein Schutz des Radfahrers erst erforderlich geworden wäre, weil die Kraftfahrer in Gegenwart eines Radfahrers reihenweise die Beherrschung verlierten. Das ist zwar so nicht der Fall, doch könnte die gesamte Argumentation an dieser Stelle auch einen ganz anderen Weg einschlagen, der eher das Fehlverhalten des Kraftverkehrs thematisiert. Ginge das Gericht diesen Weg, müsste es sich allerdings erst recht dem Vorwurf eines politisch motivierten Urteils aussetzen.

Kompliziert wird es nun mit Randnummer 37:

Die immer größere Verbreitung des Tragens eines Sturzhelms ist im täglichen Straßenbild auch inzwischen so deutlich wahrzunehmen, dass man von einer allgemeinen Überzeugung im Sinne dieser von der Rechtsprechung gebrauchten Formel sprechen kann (Staudinger/Schiemann BGB § 254 Rn 51).

Das klingt erst einmal arg widersprüchlich, denn eine „immer größere Verbreitung“ kann mit Blick auf die Straße mitnichten festgestellt werden. Bei Rennradfahrern mag die Helmquote jenseits der 75 Prozenz, womöglich je nach Region noch weit darüber liegen, ansonsten bummelt sie zwischen Alltags-, Sonntags-, Gelegenheits- und Kampfradlern irgendwo je nach Quelle und Region zwischen drei und fünfzehn Prozent. Eine deutliche Wahrnehmung des Fahrradhelmes sieht auf den ersten Blick ganz anders aus.

Nach Meinung des Gerichtes handelt es sich bei einem ganz wesentlichen Teil der deutschen Radfahrer nicht um die in Randnummer 36 so bezeichneten „ordentlichen und verständigen Menschen“ handelt, wenn eine derartige Anzahl einen Schutzhelm nicht für erforderlich hält. Das Gericht sucht allerdings auch gar nicht nach einer Ausprägung der Überzeugung der Schutzwirkung des Helmes in Form einer entsprechenden Tragequote, stellt sich also nicht darauf ab, dass offenbar nur jeder zehnte Radfahrer von der Schutzwirkung eines Fahrradhelmes überzeugt ist und jener im Sinne von § 254 BGB nicht als geeignetes Schutzwerkzeug in Frage kommt.

Vielmehr erkennt das Gericht in der breiten Bevölkerung durchaus die Überzeugung, ein Fahrradhelm könne vor schweren Verletzungen schützen, auch wenn ein entsprechendes Unverständnis hervortritt, dass sich trotzdem nur eine geringe Anzahl der Radfahrer entsprechend schützt. Und genau wie die breite Masse der Verkehrsteilnehmer überzeugt ist, die Benutzung von Radwegen sei überlebenswichtig, was aber wissenschaftlich hinreichend widerlegt ist, glaubt nunmal auch ein wesentlicher Teil der Bevölkerung mit Ausnahme einiger weniger Radfahrer fest an die Schutzwirkung eines Helmes, auch wenn es da um die entsprechenden wissenschaftlichen Nachweise nicht ganz so angenehm bestellt ist. Die in diesem Sinne geringe Verbreitung auf den Köpfen der Radfahrer dürfte dann wohl tatsächlich auf die üblichen Faktoren abgestellt sein: Unpraktisch, unmodisch und uncool.

In den übrigen vier Randnummern geht’s um ein paar formale Sachen. In Randbummer 39 wird der Mitverschuldungsanteil der Geschädigten mit zwanzig Prozent angegeben, eben weil ein Helm die Verletzungen nur gemindert, aber nicht verhindert hätte; und außerdem das grob fahrlässige Öffnen der Autotür als eigentliche Ursache des Unfalles deutlich überwiegt.

In Randnummer 41 lässt das Oberlandesgericht die Revision zum Bundesgerichtshof zu, und zwar, das ist jetzt wichtig:

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung wird die Revision zugelassen, § 543 ZPO.

Das heißt: Die Schleswiger Richter möchten gerne die Vielfalt der Rechtsprechung in dieser Sache abstellen und sind sich durchaus bewusst, dass es berechtigte Gegenmeinungen zu diesem Urteil gibt. Da die Geschädigte nach den vorliegenden Informationen zusammen mit dem ADFC Rechtsmittel gegen dieses Urteil einlegen wird, ist davon auszugehen, dass sich tatsächlich bald der Bundesgerichtshof mit dieser Sache befassen muss und dementsprechend ein gewichtigeres Urteil sprechen wird.

Wohlgemerkt: Das klingt alles schon sehr nach einer Art Helmpflicht durch die Hintertür, aber davon ist nach wie vor nicht auszugehen. Das Gericht hat erst einmal festgestellt, dass in Deutschland den Gefahren des Radfahrens durchaus mit einem Fahrradhelm begegnet werden kann, aber selbst daraus noch keine Helmpflicht konstruiert. Es ist lediglich der Meinung, dass nach Befragung seines Sachverständigen just die in diesem Falle erlittenen Verletzungen mit einem Fahrradhelm gemindert, aber noch nicht einmal verhindert werden können. Im Sinne von § 254 BGB ist diese Argumentation länst nicht so unüblich, wie es gerade in den sozialen Netzwerken in den Radfahrer-Gruppen diskutiert wird.

Es gibt nach wie vor keine Helmpflicht, noch nicht einmal durch die Hintertür, und es handelt sich auch „nur“ um ein Oberlandesgericht. Es sagt lediglich: Erleidet ein Radfahrer Verletzungen, die mit einem Fahrradhelm geringer erwiesenermaßen ausgefallen wären, ist dem Radfahrer ein gewisses Mitverschulden an seinen Verletzungen anzurechnen und seine Ansprüche dementsprechend zu kürzen.

Und nein, es ist nicht zu befürchten, dass ein anderes Gericht in einem anderen Fall die Ansprüche eines Geschädigten Radfahrers zurückschraubt, weil er keine Knie- oder Ellenbogenschoner oder Ritterrüstung getragen hätte, die entsprechende Verletzungen gemindert oder verhindert hätten. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass ein Gericht die bloße Teilnahme mit einem Fahrrad am Straßenverkehr als derart gefährlich einschätzt, dass eine Kürzung der Ansprüche eines Geschädigten stattfinden. Und ja, sogar die Sachverhalte von unsichereren Radverkehrsanlagen sind Gerichten und Sachverständigen mittlerweile hinreichend bekannt, so dass nicht davon auszugehen ist, ein Gericht lastete einem von hinten angefahren Radfahrer eine Mitschuld an seinen Verletzungen an, weil er einen Radweg nicht befahren hat. So etwas angesichts der momentanen Sachlage zu verbreiten ist populistischer Unsinn.

Schließlich gibt es entgegen anderslautender Meinungen auch kein Tempolimit für Radfahrer, was gerne aus einem anderen Urteil konstruiert wird. Dort entlastete das Gericht einen Radfahrer, der mit deutlich höherer Geschwindigkeit als für Radfahrer üblich mit einem Kraftfahrzeug kollidiert war. Das Gericht sagt nicht, Radfahrer dürften nicht mit Geschwindigkeiten jenseits von 30, 40 oder gar 50 Kilometer pro Stunde fahren, es sagt lediglich, dass von einem Kraftfahrer nicht erwartet werden kann, ein sich näherndes Fahrrad mit dieser Geschwindigkeit einzuschätzen. Man darf schnell fahren, sehr schnell sogar, es darf nur nichts dabei passieren, wobei auch dann die Gesamtumstände entscheidend sein werden.

Man muss dieses Urteil nicht mögen, aber der offensichtlichste Angriffspunkt ist mutmaßlich die Behauptung, ein Helm schütze generell vor den Gefahren des Straßenverkehrs. Noch mehr als ein Helm schützt sicherlich eine aufmerksame Fahrweise, eine ganze Portion Sicherheitsabstand und, um beim Lieblingsthema der Alltagsradler zu bleiben, das Ignorieren so mancher Radverkehrsanlagen.

Der ADFC will im Zuge der Revision offensichtlich primär gegen die drohende Helmpflicht angehen, was im Sinne der Förderung des Radverkehrs uneingeschränkt zu begrüßen ist. Die Pressemitteilung des Vereines irritiert den Leser allerdings dementsprechend, weil das Oberlandesgericht gar nicht über eine Helmpflicht befunden hat, sondern lediglich über den Anteil des Mitverschuldens an wegen unterlassener Schutzmaßnahmen erlittener Verletzungen.

Im Netz und unter Radfahrern wird das Schleswiger Urteil neben allerlei krummen Vergleichen vor allem als politisch motiviertes Urteil und als Geschenk für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, den ADAC und sämtliche Kraftfahrer eingeordnet. Man kommt allerdings nicht umhin festzustellen, dass es sich mitnichten um ein politisch motiviertes Urteil handelt. Ganz im Gegenteil: Entschiede sich der Bundesgerichtshof im Zuge der Revision dafür, der Radfahrerin kein Mitverschulden an ihren Verletzungen anzukreiden, bliebe die Frage bestehen, ob damit zwar nicht der politisch durchaus gewollten Radverkehrsförderung ein Gefallen getan wird, aber andererseits Radfahrer als besonders bevorzugte Gruppe im Gegensatz zu Reitern, Skifahrern und ähnlichen bei ihren Tätigkeiten gefährdeten Menschen auf mögliche Schutzmaßnahmen verzichten dürfen, ohne im Behandlungsfalle finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen.

Es wäre schön, könnte vor dem Beginn des Revisionsprozesss noch einmal untersucht werden, wie es denn nun tatsächlich um die Schutzwirkung von Fahrradhelmen und die Auswirkungen einer Helmpflicht bestellt wird. Denn das alleine wird momentan von den Medien verbreitet: Radfahrer müssen einen Helm tragen und sind sonst an einem Unfall selber schuld. Und das ist genauso unsinnig wie das zur Neufassung der Straßenverkehrs-Ordnung im Umlauf gebrachte Gerücht, es müssten nun plötzlich wieder sämtliche links und rechts der Fahrbahn vorhandene Radwege beradelt werden.

Insofern hält dieses Urteil zusammen mit der damit einhergehenden Berichterstattung sicherlich wieder einige Radfahrer von einigen sommerlichen Touren ab — was eigentlich nicht im Sinne der Sache ist.