Radverkehrsregeln, nächster Versuch

Allein schon die Einleitung ist schön: Total viele Radfahrer hielten sich nicht an die Verkehrsregeln, aber wir sehen erstmal nach, welche Verkehrsregeln es denn überhaupt so gibt: Was ist erlaubt – was nicht?

In diesen Tagen holen Millionen Deutsche das Fahrrad aus dem Keller – zum Schrecken vieler Spaziergänger, Autofahrer sowie der Polizei, denn mit den Verkehrsvorschriften nehmen es Radler oft nicht so genau. Aber welche Regeln gelten eigentlich für Radfahrer? Wir beantworten einige typische Zweifelsfragen und nennen die seit 2013 gültigen Bußgelder, die Radlern drohen.

Auch hier stellt man einigermaßen erfreut fest, dass der Redaktion wenigstens keine allzu großen Fehler unterlaufen sind. Das Thema mit den Radwegen, das könnte sicherlich ausführlicher dargestellt werden, das Nebeneinanderfahren bekam WISO besser geregelt, aber dann fragt man tatsächlich nach so genannten Kunststücken, genauer gesagt:

Welche „Kunststücke“ sind erlaubt?

Freihändig fahren ist verboten. Und: Die Füße dürfen Radler nur dann von den Pedalen nehmen, „wenn der Straßenzustand das erfordert“.

Warum wird das denn hier zitiert? War noch Platz übrig und man dachte sich, der § 23 Abs. 5 StVO mache sich hier ganz prima? Das Verbot freihändig zu fahren ist sicherlich nicht ganz verkehrt, das im letzten Satz genannte Verbot, die Füße von den Pedalen zu nehmen ist aber ungefähr das sinnloseste, was die Straßenverkehrs-Ordnung zu bieten hat. Was sollen denn wohl so genannte Erfordernisse des Straßenzustandes sein? Der Begriff des Straßenzustandes klingt sehr nach Schlaglöchern oder eventuell nach Regenpfützen, aber gehört eine rote Ampel auch noch dem Straßenzustand an? Oder müssen Radfahrer an der Haltlinie umkippen, natürlich brav mit den Füßen auf den Pedalen? Anstatt dem Leser diesen Paragraphen quasi nackt vorzuwerfen, hätte die Redaktion an dieser Stelle gerne noch in die Tiefe steigen können.

Ganz knapp zu kurz ist das Thema mit der akkubetriebenen Beleuchtung:

Welche Beleuchtung ist vorgeschrieben?

Seit 1. August 2013 ist neben dem Dynamo auch batterie- und akkubetriebene Beleuchtung für alle Fahrradtypen zugelassen.

Der § 67 StVZO fordert da noch etwas mehr: Beispielsweise muss auch die akkubetriebene Beleuchtung fest angebracht sein, was auch immer das im Sinne des Gesetzgebers zunächst bedeuten mag. Und obwohl das insbesondere bei etwas preisbewussteren Radfahern gerne so verstanden wird, entbindet eine lustige kleine akkubetriebene Beleuchtung noch nicht von den vielen Reflektoren, die am Rad angebracht werden müssen. Der für Radfahrer einschlägige § 67 StVZO ist so komplex, dass er sich eigentlich nicht ansatzweise in einem einzigen Satz abbilden lässt.

So richtig funktioniert hat es auch bei den Bußgeldern nicht:

Bußgelder für Radfahrer (Untergrenzen seit 2013):

  • Nichtbenutzen des Radweges: 20 Euro
  • Fahren ohne Licht: 20 Euro
  • Fahren auf dem Fußweg: 10 Euro
  • Nichtbenutzen der rechten Fahrbahn: 15 Euro
  • Falsches Einbiegen in eine Einbahnstraße: 20 Euro
  • Fahren in der Fußgängerzone: 15 Euro

Der so genannte Bußgeldkatalog ist nicht ohne Grund recht detailliert und differenziert überraschend genau zwischen den einzelnen Verstößen. Indem hier nur Vereinfachungen aufgezählt werden, transportiert die Liste wieder einmal recht seltsame Interpretationen der Verkehrsregeln: So kostet weder die Nichtbenutzung eines Radweges (Tatbestandsnummer 102154) noch das Fahren in einer Fußgängerzone (Tatbestandsnummer 141196) gleich fünfzehn oder zwanzig Euro, weil die Liste vollkommen außer Acht lässt, dass ein Radweg auch nicht-benutzungspflichtig und die Fußgängerzone für den Radverkehr freigegeben sein kann. Genauso dürfte das Fahren entgegen der vorgeschrieben Fahrtrichtung in einer Einbahnstraße (Tatbestandsnummer 141149) interessanter sein als das fehlerhafte Einbiegen in ebenjene Straße (eventuell Tatbestandsnummer 141187). Das mag zunächst nach Kleinigkeiten klingen, ist aber umso ärgerlicher, weil die von der Deutschen Presse-Agentur etablierte Falschmeldung mit der angeblichen Nichtbenutzung des Radweges schon seit über einem Jahr durch die Medien kreist.

Beleuchtungsvorschriften am Fahrrad: Nichts genaues weiß man nicht

Es kam dann doch wieder alles anders.

Die seltsame Regelung, die eigentlich angedacht war, wurde nicht abgestimmt, zwischendurch reichte die Hansestadt Hamburg noch einen Antrag ein, die Bundesregierung endlich für Klarheit sorgen zu lassen, und raus kam dann am Ende eine Überarbeitung von § 67 Abs. 1 StVZO. Der lautet jetzt:

Fahrräder müssen für den Betrieb des Scheinwerfers und der Schlussleuchte mit einer Lichtmaschine, deren Nennleistung mindestens 3 W und deren Nennspannung 6 V beträgt oder einer Batterie mit einer Nennspannung von 6 V (Batterie-Dauerbeleuchtung) oder einem wiederaufladbaren Energiespeicher als Energiequelle ausgerüstet sein. Abweichend von Absatz 9 müssen Scheinwerfer und Schlussleuchte nicht zusammen einschaltbar sein.

Man war auch dieses Mal wieder darauf bedacht, eine klare und leicht verständliche Regelung nach Möglichkeit zu verhindern. Diese komische Batterie mit der Nennspannung von sechs Volt war ja bereits in der alten Version zu Hause, insofern genügt an dieser Stelle der Hinweis, dass eine solche Batterie bauartbedingt mit knapp 500 Gramm nicht gerade leicht ist und handlich schon gar nicht. Immerhin ist aber klar, dass entweder eine Lichtmaschine, eine Batterie oder ein wiederaufladbarer Energiespeicher verlangt werden, Fahrräder müssen also nicht zwangsläufig einen Dynamo umherfahren, der überhaupt nicht verwendet wird.

Das Problem ist das, was die Neuregelung nicht regelt. § 67 Abs. 2 StVZO verlangt beispielweise weiterhin, dass die Beleuchtung fest am Rad angebracht wird:

An Fahrrädern dürfen nur die vorgeschriebenen und die für zulässig erklärten lichttechnischen Einrichtungen angebracht sein. Als lichttechnische Einrichtungen gelten auch Leuchtstoffe und rückstrahlende Mittel. Die lichttechnischen Einrichtungen müssen vorschriftsmäßig und fest angebracht sowie ständig betriebsfertig sein. Lichttechnische Einrichtungen dürfen nicht verdeckt sein.

Es gibt jetzt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten: Entweder ist fest das Gegenteil von klapperig und wackelig, denn § 67 Abs. 3 StVZO verlangt unter anderem, dass sich das Licht nicht eigenmächtig verstellen kann. Fest kann aber auch das Gegenteil von abnehmbar bedeuten, wie es bislang im Sinne von § 67 Abs. 11 Nr. 2 StVZO verlangt wurde. Sofern denn so genannte Stecklichter künftig zulässig sind, müssen sie auf jeden Fall während der Fahrt am Rad angebracht sein, es gibt nicht die Regelung wie bei Rennrädern, dass ein Student auf dem Weg zur Uni die Lichter in der Tasche transportieren darf. Allerdings sind wenigstens nicht bloß Leuchten mit so genannter Kapazitätsanzeige zulässig — wenigstens diese Regelung, auch wenn sie denn wenigstens noch halbwegs sinnvoll war, ist entfallen.

So richtig Freude kommt angesichts des Durcheinanders nicht auf: Vielleicht sind abnehmbare Lampen künftig erlaubt, vielleicht auch nicht — das ist im Endeffekt Interpretationssache. Es wäre natürlich ein relativ großartiger Schachzug, hätte der Bundesrat zusätzlich zu der Sechs-Volt-Batterie auch wiederaufladbare Energiespeicher als Alternative zum Dynamo gestattet, die aber bislang sowieso niemand verwendet, ohne die eigentlich angedachte Legalisierung abnehmbarer Leuchten zu erwirken.

Immerhin halten sich die Medien mit Euphorie etwas zurück, anstatt jetzt womöglich vorschnell die Zulässigkeit sämtlicher abnehmbarerer Leuchten zu verkünden. Der SPIEGEL ONLINE ist sich auch noch nicht ganz sicher und schreibt lieber im Konjunktiv: Bundesrat winkt Batterieleuchten an Fahrrädern durch

Bisher riskieren Radler Geldbußen, wenn sie mit Batterielampen durch die Dunkelheit fahren. Das könnte sich bald ändern. Der Bundesrat stimmte einer Neuregelung zu, nach der künftig nicht mehr nur Dynamo-Lichter erlaubt sind.

Der Bundesrat ist sich auch nicht so ganz sicher, was er da nun eigentlich beschlossen hat, und schreibt als Pressemitteilung vorsichtig: Bundesrat will Akku-Lampen an Fahrrädern zulassen und Warnwesten vorschreiben

Die Akku-Beleuchtung taucht da allerdings nur kleiner Satz am Ende des Absatzes auf:

Zudem legt der Bundesrat fest, dass für den Betrieb von Scheinwerfern und Schlussleuchten an Fahrrädern zukünftig auch wiederaufladbare Energiespeicher oder Batterien als Energiequelle verwendet werden dürfen.

Hätte der Bundesrat eindeutig dem lang gehegten Wunsch entsprochen, endlich die abnehmbaren Fahrradbeleuchtungen zu legalisieren, stünde das sicherlich auch so in der Pressemitteilung. Vielleicht ist diese ganze Komödie um die Fahrradbeleuchtung auch nur einen Schritt weitergegangen, aber nicht unbedingt nach vorne: Vielleicht sind jetzt neben dem Dynamo und der ominösen Sechs-Volt-Batterie auch Akkus beliebiger Bauart erlaubt, während Scheinwerfer und Schlussleuchte weiterhin fest am Rad installiert sein müssen — fest im Sinne von nicht abnehmbar.

Es liegt jetzt an der Bundesregierung, ob sie den Vorschlag des Bundesrates zustimmt oder wieder Änderungen vornimmt.

Licht am Fahrrad: Alles bleibt anders

Man kann von den deutschen Verkehrsregeln alles mögliche halten, aber es ist ja bekanntlich alles bis ins Detail geregelt. Okay, ja, es gibt ein paar Lücken, zum Beispiel das Gebot der Gehwegbenutzung für kleine Radfahrer bis zum vollendeten achten Lebensjahr, die dort nicht von ihren Eltern begleitet werden dürfen und von den vielen Fahrradschleusen, die momentan vor Kreuzungen appliziert werden, hat die Straßenverkehrs-Ordnung auch keine Ahnung.

Genau geregelt waren hingegen die Beleuchtungsvorschriften für Fahrräder: § 67 StVZO enthält zwölf Absätze, von denen gleich der erste lautet:

Fahrräder müssen für den Betrieb des Scheinwerfers und der Schlussleuchte mit einer Lichtmaschine ausgerüstet sein, deren Nennleistung mindestens 3 W und deren Nennspannung 6 V beträgt (Fahrbeleuchtung). Für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlussleuchte darf zusätzlich eine Batterie mit einer Nennspannung von 6 V verwendet werden (Batterie-Dauerbeleuchtung). Die beiden Betriebsarten dürfen sich gegenseitig nicht beeinflussen.

Und damit nun niemand auf die Idee kommt Absatz 1 zu umgehen, indem einfach kein Scheinwerfer ans Rad gebaut wird, sagt Absatz 3:

Fahrräder müssen mit einem nach vorn wirkenden Scheinwerfer für weißes Licht ausgerüstet sein. Der Lichtkegel muss mindestens so geneigt sein, dass seine Mitte in 5 m Entfernung vor dem Scheinwerfer nur halb so hoch liegt wie bei seinem Austritt aus dem Scheinwerfer. Der Scheinwerfer muss am Fahrrad so angebracht sein, dass er sich nicht unbeabsichtigt verstellen kann. Fahrräder müssen mit mindestens einem nach vorn wirkenden weißen Rückstrahler ausgerüstet sein.

Nun ist § 67 StVZO sicherlich kein Meisterwerk der leichten Sprache, aber auch für den Laien wäre nach dem Blick in die Verordnung verständlich, dass ein Fahrrad mit Scheinwerfer und Rücklicht ausgestattet sein muss und beide offensichtlich auch nicht rein batteriebetrieben sein dürfen. Nun ist für den normalen Verkehrsteilnehmer ein direkter Blick in die Verordnungen eher unüblich und ermöglicht eine reichhaltige Vielfalt von Legenden: Die verblüffte Empörung bei der Polizeikontrolle ist nicht unbedingt gespielt, denn ein Teil der Radfahrer glaubte bislang tatsächlich, ein Rad wäre auch Beleuchtung verkehrssicher — schließlich werden nicht nur beim Discounter Fahrräder ohne Beleuchtung feilgeboten, eine ganze Reihe von Fahrrädern sind auch naturgemäß ohne Beleuchtung unterwegs.

Diese Ausnahme gilt laut Absatz 11 allerdings nicht für alle Räder:

Für Rennräder, deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt, gilt abweichend folgendes:

  1. für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlussleuchte brauchen anstelle der Lichtmaschine nur eine oder mehrere Batterien entsprechend Absatz 1 Satz 2 mitgeführt zu werden;
  2. der Scheinwerfer und die vorgeschriebene Schlussleuchte brauchen nicht fest am Fahrrad angebracht zu sein; sie sind jedoch mitzuführen und unter den in § 17 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung beschriebenen Verhältnissen vorschriftsmäßig am Fahrrad anzubringen und zu benutzen;
  3. Scheinwerfer und Schlussleuchte brauchen nicht zusammen einschaltbar zu sein;
  4. anstelle des Scheinwerfers nach Absatz 1 darf auch ein Scheinwerfer mit niedrigerer Nennspannung als 6 V und anstelle der Schlussleuchte nach Absatz 4 Nummer 1 darf auch eine Schlussleuchte nach Absatz 5 mitgeführt werden.

Man mag darüber streiten, was nun alles unter den Begriff Rennrad fällt, schließlich kann man ja auch mit einem Mountainbike oder einem Trekkingrad Rennen fahren. Auf jeden Fall: Ohne Beleuchtungseinrichtungen geht’s nicht. Entweder direkt an einen Dynamo angeschlossen oder aber bei leichten Rennrädern als Batterie-Ausführung, die allerdings ständig mitgeführt werden muss.

Nun möchte Bundesverkehrsermöglichungsminister Bundesankündigungsminister Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die so genannte Dynamo-Pflicht kippen. Bislang fällt Ramsauers Bilanz nach knapp vier Jahren im Ministersessel recht mau aus: Die Punktereform wurde relativ lautlos einkassiert, eine ganze Straßenverkehrs-Ordnung ist wegen des so genannten Schildergates verunglückt, deren Neufassung mit umfassendem Gendering bis zur Unkenntlichkeit entstellt, das Wechselkennzeichen soweit kastriert, bis es überhaupt keinen Sinn mehr ergibt, und der neue Berliner Flughafen, naja, der wird es wohl in die Geschichtsbücher schaffen. Bezüglich des Radverkehrs kann sich Ramsauer eigentlich nur damit brüsten, das Klima auf der Straße mit der Einführung des Kampfradler-Begriffs nachhaltig verschlechtert haben.

So könnte es tatsächlich passieren, dass es Ramsauers größte Leistung würde, das typisch deutsche Dynamo-Monopol zu brechen. Wenn, ja, wenn denn die Neuregelung nicht fast noch blöder wäre als die bisherige Regelung.

Am 5. Juli könnte der Bundesrat die 48. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften beschließen. Dort heißt es unter anderem:

§ 67 wird wie folgt geändert:
a) Nach Absatz 1 wird folgender Absatz 1a eingefügt:
„(1a) Abweichend von Absatz 1 dürfen für den Betrieb der aktiven lichttechnischen Einrichtungen auch wiederaufladbare Energiespeicher als Energiequelle verwendet werden. Über eine Anzeige muss dem Fahrer die Kapazität sinnfällig angezeigt werden. Abweichend von Absatz 9 müssen Scheinwerfer und Schlussleuchte nicht zusammen einschaltbar sein.“
b) Absatz 11 wird wie folgt gefasst:
„(11) Scheinwerfer und Schlussleuchte mit wiederaufladbaren Energiespeichern müssen nicht fest am Fahrrad angebracht sein; sie sind unter den in § 17 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung beschriebenen Verhältnissen vorschriftsmäßig am Fahrrad anzubringen und zu benutzen.“ ‚

Das heißt: Statt eines Dynamos kann ein wiederaufladbarer Energiespeicher verwendet werden und diese Lichtquellen brauchen nicht fest am Fahrrad installiert sein, sie brauchen, anders als bei der so genannten Elf-Kilogramm-Regelung, nicht einmal ständig mitgeführt werden — das Licht muss nur brennen, wenn es die Straßenverkehrs-Ordnung verlangt. Das ist schon eine kleine Revolution, die da in den § 67 StVZO geschoben wird, eine Anpassung der Verordnung an die Realität, aber weil in Deutschland Revolutionen immer mit Problemen behaftet sind, man denke da an die Bahnsteigkarten und das Rasenbetretungsverbot, ist die Sache auch künftig nicht so einfach.

Zunächst einmal sind nur wiederaufladbare Energiespeicher erlaubt. Wird das Lampel also nicht mit Akkus, sondern mit Batterien betrieben, weil beispielsweise um drei Uhr morgens die leeren Akkus mit Batterien von der Tankstelle ausgetauscht wurden, ist diese Art der Beleuchtung nicht erlaubt, obwohl die Physik keine Anhaltspunkte liefert, dass Batterien ein anderes Licht als Akkus liefern. Die Ökobilanz eines Akkus ist zwar bei mehrfacher Anwendung weit weniger grauenvoll als die einer Batterie, aber ginge es um eine wie auch immer geartete Ökobilanz, dann wäre ein Dynamo auch weiterhin das Mittel der Wahl.

Scheinwerfer und Rücklicht müssen nicht gemeinsam einschaltbar sein, da hat also jemand mitgedacht. Und die Vorschriften über Nennspannung und -leistung gelten glücklicherweise für den Dynamo, nicht für die Beleuchtung, so dass der wiederaufladbaren Energiequelle egal sein kann, was da am anderen Ende leuchtet. Man muss ja recht genau aufpassen, wenn man etwas in eine Verordnung reinschieben möchte, weil es sich mit dem Vertragen muss, was da schon steht. Ramsauer weiß das, schließlich wurde mit einer unbedachten Streichung eines Satzes im Zuge der 46. Änderungsverordnung ungefähr jedes vierte Verkehrsschild in Deutschland plötzlich ungültig — das hat ihn allerdings nicht davon abgehalten, wieder einmal Blödsinn fabrizieren zu lassen.

Der neue Absatz 1a bezieht sich nämlich nur auf den Betrieb des Lichtes, nicht auf die Ausstattung des Fahrrades. Soll heißen: Der Dynamo muss gemäß Absatz 1 auch weiterhin verbaut sein, er braucht aber nicht zum Einsatz zu kommen. Das wird klar, hält man die künftige Version der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung einmal untereinander:

(1) Fahrräder müssen für den Betrieb des Scheinwerfers und der Schlussleuchte mit einer Lichtmaschine ausgerüstet sein, deren Nennleistung mindestens 3 W und deren Nennspannung 6 V beträgt (Fahrbeleuchtung). Für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlussleuchte darf zusätzlich eine Batterie mit einer Nennspannung von 6 V verwendet werden (Batterie-Dauerbeleuchtung). Die beiden Betriebsarten dürfen sich gegenseitig nicht beeinflussen.
(1a) Abweichend von Absatz 1 dürfen für den Betrieb der aktiven lichttechnischen Einrichtungen auch wiederaufladbare Energiespeicher als Energiequelle verwendet werden. Über eine Anzeige muss dem Fahrer die Kapazität sinnfällig angezeigt werden. Abweichend von Absatz 9 müssen Scheinwerfer und Schlussleuchte nicht zusammen einschaltbar sein.
(…)

Ganz egal, wo man den Absatz 1a gedanklich in den Absatz 1 einbauen möchte: Es läuft immer darauf hinaus, dass das Fahrrad für den Betrieb der Leuchten mit einer Lichtmaschine ausgestattet sein muss. Das alles ist auch ein recht misslungenes Unterfangen, denn theoretisch ist ein defekter Dynamo keine Ausrüstung für den Betrieb der Beleuchtung, so dass es auch künftig unzulässig ist, aus finanziellen Gründen oder Faulheit den Dynamo nicht zu reparieren und stattdessen einfache Stecklichter ans Rad zu basteln.

Die neue Version der Verordnung geht aber auch noch einen Schritt weiter und kassiert die Dynamo-Ausnahme für Rennräder unter elf Kilogramm komplett ein. Jene brauchten laut des alten Absatzes 11 nicht mit einem Dynamo ausgestattet sein, aber da diese sorgfältig formulierte Ausnahme mit einem anderslautenden Absatz ersetzt wurde, müssen alle Rennräder im öffentlichen Verkehrsraum künftig mit einer Lichtmaschine ausgestattet werden. Das ist natürlich so nicht beabsichtigt worden.

Eigentlich braucht man den Änderungsvorschlag überhaupt nicht weiter zu studieren ob des Blödsinnes, der offenbar dort drinsteht. Man könnte die Sache eventuell noch retten, indem Argumentiert wird, es dem ersten Absatz primär um den Betrieb und nicht um die Ausstattung, so dass Absatz 1a sich an der Stelle einhaken könnte, da bleibt wiederum die Frage, wie der Verordnungstext verstanden wird.

Sowohl Scheinwerfer als auch Rückleuchte müssen mit einer Anzeige ausgestattet sein, die eine sinnfällige Einschätzung der Kapazität ermöglicht. Das kapiert auch wieder kein normaler Mensch und auch die Begründung tut sich damit schwer:

Eine sinnfällige Kapazitätsanzeige versetzt den Nutzer in die Lage, vor Fahrantritt festzustellen, ob die Restnutzungsdauer seiner Akkus für die vorgesehene Fahrt noch ausreichend ist.

Das kann so gut wie alles oder nichts bedeuten. Es könnte eine kleine LED genügen, die rot leuchtet, wenn die Akku-Kapazität noch für eine halbe Stunde genügt. Genauso könnte argumentiert werden, dass die Leute ja recht lange Strecken fahren und die Warnung schon zwei Stunden vorher einsetzen muss. Oder auch vier Stunden. Oder sechs. Damit wäre die Anzeige allerdings auch nicht mehr besonders sinnfällig, wenn manche Akkubeleuchtung eh nur für ein paar Stunden reicht und der Radfahrer schon nach ein paar Kilometern nicht mehr weiß, ob’s nun noch für ein paar Stunden reicht oder nur noch bis zur nächsten Kreuzung, weil die LED schließlich nur zwei verschiedene Zustände kennt.

Am besten befragt man erstmal ein Lexikon, was „sinnfällig“ überhaupt bedeutet: deutlich erkennbar, anschaulich, sinnlich wahrnehmbar. Deutlich erkennbar und sinnlich wahrnehmbar trifft definitiv auch auf eine einzelne LED zu, anschaulich ist wieder eine Frage der Definition: Wenn damit eine inhaltliche Anschaulichkeit gemeint ist, genügt eine einzelne LED auf keinen Fall.

Die Begründung verschlimmert das Chaos ein paar Zeilen später, wenn es heißt:

Eine sinnfällige Anzeige der Energierestkapazität ist bei derzeitigen Leuchten unterschiedlich gelöst (Balkenanzeige, farbige Diodenanzeige etc.).

Es bleibt leider unklar, welche Leuchten sich der Autor der Begründung angesehen hat, denn eine Balkenanzeige gibt’s erst bei den höherwertigen Modellen. Und eine Recherche im Netz ergab, dass es bislang offenbar kein einziges Rücklicht mit Kapazitätsanzeige auf dem Markt gibt. Das heißt: Das Aufatmen und die Euphorie in den einschlägigen Fahrrad-Ecken des Internets ist bislang unangebracht, denn ein ganz wesentlicher Großteil der bislang eingesetzten Dynamo-losen Beleuchtung ist auch künftig unzulässig. Das gilt insbesondere auch für Rennräder, für die bislang recht beliebige Beleuchtung mitgeführt werden durfte, die nun plötzlich in Ermangelung von Kapazitätsanzeigen nicht mehr zulässig ist.

Viele Rückleuchten und einige modische Scheinwerfer sind gar überhaupt nicht mit wiederaufladbaren Akkus sinnvoll zu betreiben, weil beispielsweise wiederaufladbare Knopfzellen mit hinreichender Leistung nicht leicht zu bekommen sind. Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, ob denn überhaupt nach Inkrafttreten der Änderungen erst einmal nur die bewährte Dynamobeleuchtung erlaubt ist, weil es an zulässigen Rücklichtern mit sinnfälliger Statusanzeige mangelt.

Die Begründung weiß außerdem noch zu der Kapazitäts-Anzeige:

Eine exakte Vorgabe ist erst nach Notifizierung durch die EU möglich.

Was auch immer das heißen soll: Man weiß noch nichts genaues, aber schreibt trotzdem erst einmal neue Vorgaben in die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Wenn aber sowieso eine funktionierende Lichtmaschine eingebaut sein muss, ist die Kapazitätsanzeige ohnehin nicht von großer Wichtigkeit, weil bei leerem Akku einfach auf die fest installierte Beleuchtung zurückgefallen werden kann.

Ein kleiner Knaller ist eigentlich auch noch der folgende Satz aus der Begründung:

Zudem gewährleisten akkubetriebene Scheinwerfer und Schlussleuchten eine gute Erkennbarkeit der Fahrradfahrer, da die Intensität der Lichtabstrahlung unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit gleichmäßig hoch ist und auch im Stand erfolgen kann.

Offenbar ist es an dem Autor der Begründung komplett vorbeigegangen, dass es seit vielen Jahren entsprechende Beleuchtungen gibt, die eine von der Fahrtgeschwindigkeit unabhängige Intensität ermöglichen und sogar im Stand einige Minuten weiterleuchten. Seit zwei oder drei Jahren sind die Leuchten mit Standlichtfunktion sogar im günstigen Segment der Fahrradlandschaft angekommen.

Es fällt schon ziemlich schwer, diesen Unfug jetzt noch mal in abschließende Worte zu gießen. Also noch mal: Es könnte künftig erlaubt sein, Scheinwerfer und Rückleuchte mit einer wiederaufladbaren Energiequelle zu betreiben. Es gibt auf dem Markt allerdings erst im hochpreisigen Bereich entsprechende Scheinwerfer mit Kapazitätsanzeigen, die den Vorschriften genügen, und offenbar nicht eine einzige Rückleuchte, die den Vorschriften entspricht. Man kommt also nicht umhin, erst einmal wieder den Dynamo instand zu setzen, der praktischerweise auch künftig an jedem der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung entsprechenden Fahrrad verbaut sein muss, aber nicht benutzt werden braucht.

Gar nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus kommen Rennradler, denn beim Versuch, den Absatz 11 umzustricken, ging so ziemlich alles schief. Jener Absatz enthielt bislang eine ausführliche Regelung, dass Rennräder unter elf Kilogramm Gewicht keine fest installierte Beleuchtung brauchten und stattdessen lediglich eine batteriebetriebene Beleuchtung mitführen und in den entsprechenden Verhältnissen einsetzen müssen. Diese Regelung ist jetzt entfallen, so dass auch jene Rennräder plötzlich wieder an den ersten beiden Absätzen der künftigen Verordnung partizipieren und mit einem Dynamo ausgestattet sein müssen, der aber nicht benutzt werden braucht.

Soll heißen: Alle verkehrssicheren Fahrräder müssen künftig mit einem funktionierenden Dynamo ausgestattet sein, müssen diesen Dynamo aber nicht benutzen, sondern können eine mit wiederaufladbaren Akkumulatoren ausgestattete Beleuchtung verwenden, die dann nicht einmal fest am Rad installiert sein muss.

Während die Medien den Bundesverkehrsminister für seine Dynamo-Revolution feiern, durchaus auch mit Blick auf seine bisherigen Leistungen angebrachter Häme, ändert sich eigentlich nichts. Auch wenn der Gesetzgeber ganz offensichtlich nicht möchte, dass Dynamos weiterhin verbaut sein müssen, bleibt die Frage nach einer den Vorschriften entsprechenden Akku-Beleuchtung, denn Scheinwerfer mit zulässiger Kapazitätsanzeige sind eher schwer zu finden, Rückleuchten mit Kapazitätsanzeige gar überhaupt nicht auf dem Markt vorhanden.

Es bleibt zu hoffen, dass der Bundesrat das Chaos nach Anbruch der Dunkelheit nicht noch weiter verschlimmert und die Änderungen ablehnt.

Und es bleibt die Frage, was denn eigentlich so schwer daran ist, eine Verordnung zu ändern, ohne sich dabei ständig unerwünschte und in diesem Falle im Sinne der Sache gar katastrophale Nebenwirkungen einzuhandeln. Vielleicht hätte der Bundesverkehrsminister jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt: In seinem Hause scheinen Radfahrer ja eher schwer zu finden.

In den Medien wird dieses Desaster bislang erfrischend wenig kommuniziert: Den genauen Wortlaut der Änderungen scheint sich kein Journalist so richtig zu Gemüte geführt zu haben. Am normalen Verkehrsteilnehmer wird aufgrund der oberflächlichen Informationslage allerdings bloß hängenbleiben, dass angeblich künftig jegliche abnehmbare Beleuchtung gestattet ist — und das ist definitiv nicht der Fall, ganz im Gegenteil.

Zu diesem Thema siehe auch:

Kommt das Ende der Dynamopflicht?

Was die Beleuchtung von Fahrrädern angeht, gibt sich die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung betont konservativ. Selbst in der neusten Fassung, deren Inkrafttreten eindeutig in das Zeitalter von LED-Beleuchtung und wirkungsvollen Nabendynamos gefallen ist, spricht § 67 StVZO noch immer von Glühlampen und legt Nennspannung und Nennleistung der Lichtmaschine fest. Die Verordnung gilt unter Radfahrern zurecht als antiquitiert und es scheint schon wie ein Wunder, dass die bereits etablierten ringförmigen weißen Reflektoren an den Reifen oder die gar noch moderneren reflektierenden Stäbe an den Speichen überhaupt erlaubt sind.

Nun gilt die Beleuchtung von Fahrrädern eindeutig zu den beliebtesten Streitthemen im Straßenverkehr, mancher Radfahrer ist geradezu unsichtbar unterwegs, Hauptsache er sieht den Weg, andere legen kleiden sich zusätzlich zur vorgeschriebenen Beleuchtung in neonleuchtenden Farben. Fehlende oder kaputte Beleuchtung dürfte auch gleich das erste Stichwort sein, dass dem Kraftfahrer zum Radverkehr einfällt.

Und nun: Dynamopflicht für Fahrräder steht auf der Kippe

Wie die „Saarbrücker Zeitung“ berichtet, prüft das Bundesverkehrsministerium die Abschaffung der seit den 70er Jahren bestehenden Pflicht. Eine endgültige Entscheidung darüber soll noch in diesem Frühjahr fallen.

Demnach sollen künftig tatsächlich auch batteriebetriebene Leuchten erlaubt werden — deren Benutzung wird bislang mitunter mit 15 Euro Bußgeld bestraft.

Warum nun gerade Kinderräder weiterhin mit Dynamos ausgestattet werden müssen, wird indes noch immer nicht klar. Gerade Kinderräder sind eher kurze Zeiträume in Benutzung, werden meistens bei Tageslicht gefahren und entstammen aus dem unteren Preissegment — gerade dort empfiehlt sich eine günstige batteriebetriebene Beleuchtung anstatt einer dahingemurksten Seitenläuferdynamo-Lösung.

Die anschließende Diskussion im Frühjahr dürfte relativ interessant werden — die Standpunkte der Befürworter und Gegner von batteriebetriebenen Leuchten sind klar abgegrenzt und die Argumentationsabläufe sind schon von unzähligen Diskussionen über Fahrradhelme und Radwegbenutzungspflichten bekannt.

Womöglich ist beim Fahrrad tatsächlich eine andere Herangehensweise sinnvoll: Hauptsache es ist ausreichend beleuchtet. Woher der Strom kommt bleibt dem Radfahrer überlassen — wer gerne batteriebetriebene Leuchten verwenden will, muss dann nur noch auf den Ladestand des Energieträgers achten. Es wäre natürlich schön, achtete Letzterer darauf, mit wiederverwendbaren Akkus die Umwelt nicht allzu sehr zu schädigen.

Mehr dazu:

  • Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich

    Mit einem Gesetzentwurf will das Bundesverkehrsministerium die Dynamopflicht bei Fahrrädern abschaffen. Fahrrad-Verbände und Fahrrad-Wirtschaft fühlen sich von diesen Plänen überrollt und sehen darin eine Gefahr für die Sicherheit von Radlern im Verkehr.

  • Aus und vorbei?

    Die Dynamopflicht für Fahrräder steht auf der Kippe. Das Bundesverkehrsministerium prüft die Abschaffung der seit den 1970er Jahren gültigen Regelung. Eine Entscheidung soll noch im Frühjahr fallen, wie auf Anfrage bestätigt wurde.

  • Fällt die Dynamo-Pflicht?

    Wer Fahrrad fährt, braucht einen Dynamo. Er ist Pflicht – trotz der praktischen LED-Leuchten zum Anstecken. Doch laut Medienberichten prüft das Bundesverkehrsministerium offenbar, ob diese 40 Jahre alte Regelung nicht geändert werden soll.

  • Stecklicht ersetzt keinen Dynamo

    Viele Radfahrer sind sich dieser Tatsache wahrscheinlich nicht bewusst, aber der gute, alte Dynamo ist nach wie vor Pflicht an Fahrrädern. Auch die modernen Stecklampen ersetzen ihn nicht. Wer ohne Dynamo fährt riskiert ein Bußgeld.

Die Verkehrspolizei hat nicht immer recht

Irgendjemand muss es bestätigen: Als Redakteur lernt man gleich als erstes, den eigenen Artikel von so genannten Quellen verifizieren zu lassen. Eigentlich ruft er dazu jemanden an, der sich mit einem Thema auskennt und lässt dessen Wissen als Zitat einfließen. Meistens läuft es eher andersrum, man weiß schon etwas und lässt das eigene Wissen von jemandem am Telefon verifizieren.

Sowas klappt prima bei komplexen Zusammenhängen oder Meinungsäußerungen, bei Politik oder Boulevard, aber es ist vollkommen überflüssig, die Polizei nach den allereinfachsten Verkehrsregeln zu fragen — zumal die Polizei auch nicht immer die allergrößte Ahnung hat. Die für den deutschen Straßenverkehr verbindlichen Verkehrsregeln stehen in der Straßenverkehrs-Ordnung niedergeschrieben. Sie sind nicht unbedingt eine Glanzleistung von Verständlichkeit, aber bis auf ein paar Ausnahmen in den hinteren Paragraphen sollte jeder Verkehrsteilnehmer zum Selbststudium der Verkehrsregeln befähigt sein.

Der Weser-Kurier mochte aber nicht selber in den Verkehrsregeln blättern, sondern rannte stattdessen vor anderthalb Jahren mit jedem Paragraphen zur Verkehrspolizei. Das resultierte in lustigen Formulierungen, die teilweise suggerieren, dass die Verkehrspolizei auch nicht so richtig wüsste, wie die Verkehrsregeln lauten: Was ist erlaubt im Straßenverkehr?

Müssen Radfahrer beim Abbiegen den Arm ausstrecken? Ist der Fahrradhelm Pflicht? Und warum sind Kopfhörer im Ohr so gefährlich? WESER-KURIER Online hat mir der Verkehrspolizei gesprochen und beantwortet die wichtigsten Fahrrad-Regeln im Straßenverkehr in einer Fotostrecke.

Von den lustigen Formulierungen einmal abgesehen krankt die Fotostrecke schon am ersten Bild, nämlich dem Zeichen 237. Das Foto trägt sogar die Unterschrift „© Bundesanstalt für Straßenwesen“, als ob es in Deutschland ein Copyright gäbe — und als ob die Abbildungen von Verkehrszeichen ausgerechnet der Bundesanstalt für Straßenwesen gehörten.

Zu Zeichen 237 heißt es nun:

Fahrradfahrer müssen immer auf Radwegen fahren. Gekennzeichnet sind sie durch ein blaues Schild mit weißem Fahrrad. Erst wenn dieses Schild fehlt, dürfen Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen, sagt die Verkehrspolizei.

Der Widerspruch in dem Absatz scheint niemandem aufgefallen zu sein. Erst heißt es, Radfahrer müssten alle Radwege benutzen, aber wenn das blaue Schild fehlt, darf auch auf die Fahrbahn gewechselt werden — sagt zumindest die Verkehrspolizei und ist in dieser Kombination Käse. Das hätte man auch einfach in § 2 Abs. 4 StVO nachlesen können: Es müssen nur jene Radwege befahren werden, die mit Zeichen 237, 240 und 241 ausgeschildert sind, generell soll der Radverkehr auf der Fahrbahn fahren.

Seite 2 ist ähnlich unsinnig, dort steht:

Auf der linken Seite darf nur gefahren werden, wenn ein entsprechendes Schild mit Fahrrad und zwei Pfeilen dies anzeigt. Wer trotzdem links fährt, muss 15 Euro Strafe zahlen.

Ob das wohl wieder die Verkehrspolizei gesagt hat? Das abgebildete Zusatzzeichen 1000-33 hat auf der linken Straßenseite eigentlich nichts verloren. Dort darf mit Erlaubnis des Zusatzzeichens 1022-10 geradelt werden, das umgangssprachlich „Fahrräder frei“ heißt. Das Zusatzzeichen 1000-31 mit den beiden vertikalen Pfeilen, aber ohne Fahrrad, kann zwar auch links stehen, soll aber nur unter ebenjenen Zeichen 237, 240 und 241 angebracht werden, um von Radverkehr aus der Gegenrichtung zu warnen. Daraus resultiert dann auch die Erkenntnis, dass auch die drei blauen Schilder das Radfahren auf der linken Straßenseite erlauben — auch wenn der Weser-Kurier das nicht weiß.

Immerhin ist nun vor Fehlern etwas Ruhe, Bild 5 sieht zwar etwas lustig aus, da fährt der Radfahrer offensichtlich auch noch auf der falschen Straßenseite, sofern man denn davon ausgehen will, dass der handtuchbreite Radweg im Hintergrund nicht für beide Richtungen freigegeben ist.

Bild 7 zeigt das Zeichen 224 einer Bushaltestelle, dazu heißt es:

Auf Radwegen sind Fahrradfahrer meistens ungestört. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Bus- und Straßenbahnhaltestellen unmittelbar an die Radwege angrenzen oder Radwege gar nicht vorhanden sind. Radfahrer sollten auf ein- und aussteigende Leute achten, langsam fahren und wenn nötig anhalten.

Als Alltagsradler wird man zunächst über den ersten Satz lachen, denn mitnichten sind Radfahrer auf Radwegen ungestört — gerade deshalb versucht man die Benutzung von Radwegen auch zu vermeiden. Und das vorsichtige Vorbeifahren an Linienbussen und Straßenbahnen ist kein netter Tipp, sondern eine Vorschrift aus der Straßenverkehrs-Ordnung. § 20 Abs. 1 StVO sagt:

An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

Bei Bild 8 ist der Weser-Kurier auf die Fahrradhelm-Propaganda der Polizei hereingefallen:

Fahrradhelme sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings Allerdings wird ein Helm von der Polizei dringend empfohlen. 90 Prozent aller Verletzungen nach einem Fahrrad-Unfall passieren am Kopf, sagt ein Polizeisprecher. Durch einen Fahrradhelm lasse sich dies vermeiden.

Ein Fahrradhelm mag sicherlich keine schlechte Entscheidung sein, aber dadurch werden auf gar keinen Fall jene 90 Prozent der Kopfverletzungen vermieden. Das hätte man auch besser recherchieren können.

Es gibt eigentlich auch gar keinen Zweifel, dass das Telefonieren im Straßenverkehr nur mit Freisprecheinrichtungen erlaubt ist, das meint § 23 Abs. 1a StVO:

Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.

Der Weser-Kurier ist sich aber auch nach Befragung der Verkehrspolizei noch nicht so ganz sicher und formuliert zu Bild 9 vorsichtig distanziert:

Mit dem Handy am Ohr mal kurz beim Fahrradfahren telefonieren? Laut Verkehrspolizei ist das verboten. Wer sich erwischen lässt, bezahlt 25 Euro Strafe.

Bild 10 verunglückt auch unmittelbar, obschon hier nicht ganz so eindeutig ist, ob die Falschinformation von der Verkehrspolizei stammte oder der Autor des Artikels anschließend einen falschen kausalen Zusammenhang strickte:

Und Kopfhörer im Ohr? Wichtig ist laut Polizei, dass Radfahrer beim Fahren ihre Umgebung noch wahrnehmen können: Martinshörner, Autohupen, Motorenbrummen. Bei lauter Musik oder Telefongesprächen ist das aber nicht möglich. Strafe deshalb: zehn Euro.

Tja: Sind die zehn Euro nun lediglich bei lauter Musik oder nur schon bei genereller Benutzung von Kopfhörern fällig? In § 23 Abs. 1 StVO steht unter anderem:

Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. (…)

Insofern sind Kopfhörer durchaus erlaubt, allerdings nur bei angemessener Lautstärke.

Bild 11 mit dem Fußgängerüberweg ist schon fast korrekt, bei Bild 12 fehlt nur noch der Hinweis, dass eine Behinderung des Verkehrs nicht vorliegt, wenn ein Kraftfahrer überholen muss oder sogar vorher ein paar Sekunden warten muss.

Bei Bild 18 wurde dann wohl doch aus der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung abgeschrieben, aber natürlich nicht fehlerfrei:

Vorderrad- und Hinterradbremse, rotes Rücklicht mit Rückstrahler, weißer Frontreflektor, Scheinwerfer mit Dynamo, gelbe Pedalrückstrahler, Klingel, roter Großflächenrückstrahler und gelbe Speichenreflektoren (oder rückstrahlende Reifen) – das muss ein Fahrrad haben. Wer sich nicht daran hält, muss für technische Mängel jeweils zehn Euro Strafe zahlen.

Vorder- und Hinterradbremse sind nicht vorgeschrieben, der Gesetzgeber verlangt lediglich zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen. Nur mit Rücktritt- und Hinterradbremse zu radeln ist also erlaubt, aber nicht unbedingt klug. Der Begriff des roten Großflächenrückstrahlers stammt auch aus der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, leider hat es aber nicht der Hinweis in den Artikel geschafft, dass Schlussleuchte und ein Rückstrahler kombiniert angebracht werden dürfen. Und statt gelber Speichenreflektoren oder rückstrahlenden Reifen, die mittlerweile eher den Stand der Technik repräsentieren und nicht in Klammern gesetzt werden sollten, dürfen auch weiße Rückstrahler an den einzelnen Speichen angebracht werden.

Herrje, hoffentlich liest und glaubt den Kram niemand.

„Hätte ein Fahrradhelm den Toten vom Elbdeich gerettet?“

Freitagnachmittag, etwa 14 Uhr: nach mehreren Anrufen mit unterdrückter Rufnummer nehme ich genervt das Telefon auf. Es entwickelt sich sinngemäß das folgende Gespräch:

Guten Tag, spreche ich mit Malte, ähm, Malte Hübner? Malte Hübner von, äh, Critical Mass Hamburg?

Wer will das denn wissen?

Haben Sie von dem Unfall am Elbdeich, ähm, Spadenland gehört? Der war ja schon in den Medien, haben Sie davon gehört?

Leider schon. Mit wem spreche ich da?

Haben Sie Lust, mir drei oder vier Sätze zu, ähm, zuzuwerfen? Wie das so ist mit dem, ähm, Krieg auf der Straße, kennen Sie den? Den Krieg auf der Straße? Hätte eine Helmpflicht, eine Pflicht, einen Sturzhelm zu tragen, hätte das, ähm, den Radfahrer gerettet, wäre er noch am Leben?

Sie sind nicht bei Trost, solche dämlichen Fragen zu stellen.

Müsste gegen Radfahrer, müsste man härter gegen Radfahrer vorgehen?

Gegen Leute wie Sie müsste man vorgehen. Was stimmt nicht mit Ihnen, kriegen Sie beim Wort Kampfradler schon einen Harten? Was sind Sie für ein widerlicher Typ, sind Sie Journalist?

Anschließend tutete nur noch das Besetzt-Zeichen. Sofern es sich nicht um einen gut gemachten Fake eines gelangweilten Kampfautofahrers handelt, hat mich wohl tatsächlich irgendein Journalist angerufen, um seinen widerlichen Artikel mit reißerischen Aussagen anzureichern.

Mal sehen, was andere Leute zu dem Vorfall so zu sagen haben? Die unmöglichsten Verkehrsteilnehmer haben sich offensichtlich bei der Bergedorfer Zeitung versammelt: Lastwagen fährt in Rennradgruppe: 33-Jähriger tot

Bei einem Verkehrunsfall auf dem Ruschorter Hauptdeich ist am Abend ein 33 Jahrte alter Radsportler getötet worden. Nach ersten Erkenntnissen wollte ein entgegenkommender Lkw einen einzelnen Radfahrer überholen. Dabei fuhr er frontal in die Gruppe von etwa 25 Radsportlern, die auf dem Deich trainierte.

Der erste dumme Kommentar ließ wie erwartet nicht lange auf sich warten:

Ehemaliger Lauenburger
Dann sollten die Radfahrer auch lernen nicht alle nebeneinander zufahren. Denen stört es kaum, und denken sie haben alle Sonderrechte.
Dennoch traurig was passiert ist

Das so genannte Sonderrecht nennt sich Straßenverkehrs-Ordnung, dort wird zu zweit nebeneinander zu fahren explizit für Fahrradverbände gemäß § 27 Abs. 1 StVO erlaubt. Das wissen aber nur die wenigsten, weil’s nicht in der Fahrschule auftaucht und anschließend die Straßenverkehrs-Ordnung ohnehin nicht mehr bemüht wird.

Zerg
Mir tut sehr leid was da passiert ist, aber die Rennradfahrer denken ja immer ihnen gehört die Straße ganz allein und sie dürfen sich dort alles immer erlauben!!! An den LKW Fahrer denkt hier leider niemand. Wie wird es wohl dem LKW Fahrer gehen? Wenn es nach mir gehen würde, müsste es ein Verbot für die Rennradfahrer geben!

Dazu erübrigt sich schon jeder Kommentar. „Zerg“ hat den Artikel offensichtlich nicht so ganz gelesen.

Ein Anwohner
Ich denke einige Radfahrer sind an solchen Situationen selbst schuld. Ich sage bewusst einige, denn es gibt Radfahrer die sich daran halten in zweier Reihen zu fahren, andere fahren in ganzen Trupps und nehmen teilweise die ganze Fahrbahn ein. Das sollte so nicht sein. Ich denke die Autofahrer sind zum Teil extrem angenervt, da die dann mit 30 Stundenkilometern auf dem Deich hinter einem Tross Fahrrädern hinterherfahren müssen. Grundsätzlich muss man ja sagen warum dürfen solche Rennradfahrer überhaupt auf der Strasse fahren, andere Fahrradfahrer müssen und fahren zu ihrer Sicherheit auch auf den Radwegen. Ich denke es sollte eine generelle Regelung geben wie sich ein Radfahrer zu verhalten hat. Dieses sollte durch die Polizei kontrolliert werden, denn die Auto- und Motorradfahrer werden ja auch ohne Ende kontrolliert. Auf jeden Fall ist es sehr traurig was passiert ist. So etwas darf es einfach nicht geben !

Die Rennradler haben sich offensichtlich strikt an die Straßenverkehrs-Ordnung halten. Bevor man sich einen Kommentar zu dem Vorfall erlaubt, sollte man seine Meinung wenigstens gegen die Straßenverkehrs-Ordnung prüfen. Und das empörte Was-dürfen-Radfahrer-eigentlich-auf-der-Fahrbahn fahren ist nicht nur unsinnig, sondern vor allem unangebracht.

Tour de mort
Sind die Rennräder eigentlich STVO-zulässig? Vielleicht hatten die auf der Straße garnichts zu suchen….

Stichwort wäre hier die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, nicht die Straßenverkehrs-Ordnung. Den Bildern nach zu urteilen entsprachen die Räder der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Und wenn nicht? Hätte das was an der Sache geändert? Sicherlich nicht.

Tour de mort
Das will ich so nicht sagen, aber zumindestens eine Teilschuld. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe die STVO nicht geschrieben.

Ja, mindestens eine Teilschuld, genau, was bilden die sich eigentlich auch ein, diese Radfahrer, da muss natürlich eine Teilschuld her! Gute Güte: schlimmer geht es kaum noch.

Peter Berg
Naja es war doch nur noch eine Frage der Zeit, dass dort auf dem Deich mal was passiert. Niemand nimmt auf andere Rücksicht. Und die „Radprofis“ sind halt auch der Meinung, wenn Sie auf der Straße fahren, gehört diese Straße Ihnen ganz alleine. Selbst wenn nur 8 Radler unterwegs sind, wird fleißig nebeneinander gefahren damit man quatschen kann. Und da ist ja nicht nur eine Radgruppe…

Da sind ja alle paar hundert meter welche. Und kaum Abstand lassen, damit man ja nicht überholt wird. Und dann kann man auch Autofahrer verstehen, wenn sie Genervt sind. (…)

Auch wenn § 27 Abs. 1 StVO erst ab dem sechzehnten Radfahrer greift: Offensichtlich denken auch Autofahrer, ihnen gehöre die Straße ganz alleine. Ist eine gewisse Genervtheit schon eine Rechtfertigung, gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen?

Bergedorfer
Ich muss leider mal sagen, 1. das die Radrennfahren ja auf der Straße fahren und nicht auf dem ausgewiesenen Radweg. 2. sind diesen Rennräder nicht verkehrssicher, das heißt ohne Beleuchtung und somit nicht für die Straße nach STVO zugelassen. Dieses sollte man auch mal beachten. Da sollte unsere Polizei öfter und regelmäßig mal Kontrollen durchführen!!! Ich habe eine Tochter mit der ich oft Rad fahre, sie fragt mich jedesmal wenn sie sowas sieht, warum die Polizei diese Leute nicht von der Straße holt. (…)

Erstens gibt es dort keinen Radweg und zweitens entsprechen die Rennräder der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Und selbst falls doch: was ändert ein Fahrrad ohne Reflektoren und Beleuchtung an einem sommerlichen Spätnachmittag um 18 Uhr an der Sachlage?

Carsten L
Mein Mitgefühl hält sich für die Radler in grenzen, es ufert schlichtweg aus. Man kann nicht 2 Kilometer ohne irgendwelche möchtegernprofis fahren.
Hoffentlich führt dieser Unfall zum Umdenken.

Steckt im Umdenken die Forderung nach Helmpflicht, Kennzeichen und ähnlichen tollen Ideen? Sicherlich wäre der Radfahrer auch behelmt nicht mehr am Leben.

nebenbei
Ohne Juristerei zwei andere Aspekte:

Die taz berichtet ziemlich begeistert von flashmobmäßig organisierten „critical mass“ Aktionen der Radfahrer in Winterhude, die in so großen Zahlen auf der Straße auftreten, dass die Autofahrer dagegen gar keine Chance haben.
Das fördert m.E. nicht die Sympathie zwischen beiden Gruppen. (…)

Wie ist das mit der Chance für Autofahrer gemeint? Welche Chance haben die nicht mehr? Auszuweichen? Weiterzufahren? Glücklich zu werden?

Forster
Mein Mitleid für die Famile!
Aber die Fahrradfahrer sind nicht unschuldig. Soweit mir bekannt ist, sollte man auf der Straße mit Fehlern von anderen Rechnen. Und da gehören auch Rennradfahrer zu. Wären sie alle schön in der Reihe hintereinander gefahren und äußerst Rechts, so wie es in der STVO geschrieben steht oder sogar den womöglich vorhandenen Fahrradweg missachten (kann ich natürlich nicht beurteilen, hab aber schon genug Rennradfahrer gesehen, die mit ihren 30-40km/h auf der Landstraße mit Radweg an der Seite auf der STRASSE fahren und dann die Autos, die 100 fahren wollen aufhalten damit (und auch ab und zu Staus verursachen)) Wenn sie aber alle Rechts gefahren wären, dann hätte der LKW zwischen den Beiden Fahrrädern durchgepasst und es wäre überhaupt nichts passiert. In diesen Beispiel ist zwar hauptsächlich der LKW Fahrer schuld, aber, wie schon geschrieben, die Rennradfahrer haben auch ihre Teilschuld… Gruß

Nochmal: es gab dort keinen Radweg. Und die Ursache des Unfalles ist wohl eher im missglückten Überholvorgang des Lastkraftwagen-Fahrers zu suchen anstatt im Seitenabstand der Rennradler. Und mit dieser kruden Argumentation der Teilschuld, die nur dahergezaubert wird, um den Radfahrern eine Teilschuld anzurechnen, wäre ja auch jeder andere Verkehrsteilnehmer an seinen Unfällen mindestens teilschuldig — das gäbe ein ziemliches Wutgebrüll, wenn kleine Kinder auf dem Weg zur Schule überfahren werden, weil sie ja ganz offensichtlich nicht mit den Fehlern des Autofahrers gerechnet haben.

Forster
ich ware nicht vor Ort, was ich aber in den Klammern geschrieben hatte. Aber ich kann mir Bilder anschauen, die im Artikel zu finden sind. Dort sieht man, dass die Straße definitiv 2 Fahrbahnen hat und somit breit genug wäre um einen LKW und 2 Fahrradfahrer nebeneinander unterzubringen. Wie konnte nun dieser unfall entstehen? Nun meine vermutung (basierend auf Erfahrungen mit Rennradfahrern) die Fahren in Gruppen auf einer Fahrbahn nebeneinander und sperren diese nun einmal. Außerdem ist es mir unterklärlich, wie man als Fahrradfahrer, auch wenn man im Windschatten fährt, dennoch nicht an den Vorfahrer vorbeischauen kann und somit den LKW (so klein ist der nicht) nicht sehen konnte und somit nicht abspringen konnte. Ich würde es zumindest so machen, da mir klar ist, dass ich mit einem Fahrrad gegen einen LKW nicht besonders gut ankomme und mit dem Rad auszuweichen ist auch nicht so ungefährlich -> absprung wäre hier die Sicherste Variante… Aber der LKW-Fahrer hat scheinbar auch die Fahrer übersehen…Da kommen leider zwei Schläffrigkeiten aufeinander zu so einem S*** Unfall. Gruß

Vom Rad springen? Das ist ja ein gewagtes Manöver, aber vor dem Computer ist so manches sicher vorstellbar.

Geesthachter auto und fahrrad fahrer
So was ich hier lese ist echter Müll! Klar der LKW fahrer ist schuld! das ist keine Frage! Aber viele hier haben die STZVO anscheint nicht richtig gelesen. denn das mit der gruppe ab 15 personen ist vollkommen richtig. aber was nicht richtig ist, das rennrad fahre eigendlich alle aus dem verkehr gezogen werden sollten. denn die STZVO besagt, das Fahrzeug ( Auto, Motorrad, LKW, Bus, Roller und auch Fahrräder) vorne mit weißem licht und hinten mit Roten licht ausgestatten seinen müssen ebenso müssen sie zur seite hin Orange beleuchtung oder strahler haben. In der stadt wird man von der Polizei angehalten mit einem Mountenbike weil das Rad keine Beleuchtung und Reflecktoren hat. Dies kostet in der regel zwischen 10 bis 15€. warum werden rennradfahrer dann nicht zur kasse gebeten. Ich selber fahre auch fahrrad aber auch auto und ich muss echt sagen rennradfahrer sind eine verkehrsbehinderung. wenn man als autofahrer mit absicht denn verkehr aufhält durch zulanges fahren oder blockieren der fahrbahn bekommt man auch ein verwarngeld warum also nicht auch rennrad fahrer zur kasse beten. Ebenso sind 90% der rennradfahrer einfach nur dreist wenn sie in kleiner gruppe von 2-3 personen fahren und dann mit absicht nebeneinander und teilweise sogar bis zur fahrbahn mitte fahren nur damit sie quatschen können und die durch solche aktionen genervten autofahrer behindern.

Der Geesthachter hat immerhin zur Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung anstatt zur Straßenverkehrs-Ordnung gegriffen — gelesen hat er sie trotzdem lieber nicht.

Videogucker
Mich wundert etwas, wie gefasst der Mann seinen Kommentar nach dem Unfall spricht.
Ich möchte nicht wissen, was das für ein Straßenrambo ist, wenn er nicht unter Schock steht

Gemeint ist hier einer der Rennradfahrer aus einem verlinkten Video — und der Kommentar zeigt auf, wie konstruiert die Argumentation inzwischen verläuft, um dem Radfahrer irgendwie hintenrum noch die Schuld zuzuweisen.

Alexander
Ähm sry aber Autofahrer zahlen für diese Ausgebauten Straßen… das es sowas auch für Fahrradfahrer gibt wäre mir jetzt Neu – ergo sie „verdienen“ auch keine Radwege.

Autofahrer zahlen nicht für die ausgebauten Straßen, die werden unter anderem von Steuergeldern finanziert und die errichten sowohl Auto-, als auch Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen. Gut möglich, dass aus dem Steueraufkommen der letzten Tankfüllung kein Cent in den Asphalt geflossen ist, umgekehrt aber beim letzten Fahrradanschaffung.

M.Schenk
Das es zu einem tötlichen Unfall am Ruschorter Hauptdeich ist sehr tragisch und höchst bedauerlich. Das es in den Vier.- und Marschlanden nicht zu mehr Unfällen kommt ist fast ein Wunder. Ich bin ständig hier in diesem Gebiet mit meinem Kfz. unterwegs und kann nur von negativen Erfahrungen mit rücksichtslosen buntgekleideten Fahradrambos berichten. Die STVO wird größtenteils schlichtweg ignoriert. Dennoch ist Rücksichtnahme von beiden Seiten angesagt.

In ziemlich vielen Kommentaren ist die Rede davon, dass die Straßenverkehrs-Ordnung großzügig ignoriert würde, aber so richtige Beispiele vermag niemand zu nennen. Mutmaßlich steckt hinter dem allermeisten angeblichen Regelverstößen dann doch das Fahren im Verband, was leider die meisten Autofahrer in Ermangelung der Kenntnis von § 27 Abs. 1 StVO als schwerwiegenden Verstoß gegen die Verkehrsregeln empfinden.

vineyard
wie der name schon sagt, handelt es sich um radRENNfahrer.

-> RENNEN fährt man auf einer RENNstrecke.
–> ich kann auch nicht mit meinem ferrari RENNEN auf der straße üben, sondern muss dann an eine RENNstrecke z.B. den nürburgring.

und bitte, bevor jetzt gemecker kommt, hier steht nichts davon das autofahrer alles richtig machen!

Im Gegensatz zum Rennen im Ferarri ist das Trainieren mit dem Rennrad im Straßenraum allerdings erlaubt.

Erwin vom Deich
(…) Ich möchte nochmal die Abneigung der sonstigen Straßenbenutzer ggü. radRENNfahrern thematisieren.

Die Deichstraße wurde hauptsächlich als Wirtschaftsweg benutzt. Das heißt, man fährt von a nach b, um Geld zu verdienen oder zu Arbeit zu fahren. Nun ist die Freizeitkultur des des Egoismus in den letzten Jahren soweit gediehen, daß man diesen Weg auch als Spaßinstrument spielen kann. Leider fahren die Radrennfahrer nicht auf dem Radweg, dann würden sich die „normalen“ Radfahrer darüber ärgern. Also hat man als Autofahrer (von der Arbeit kommend) die Deichstrecke auf ca 25 KM Länge alle 2000 m einen Pulk (oder auch nur einen oder zwei) solcher Mitmenschen vor sich. Die Geschwindigkeit ist dabei immer so um die 30 Kmh, manchmal auch 35. Also, von 60 oder 70 Kmh auf 30 abbremsen, Gegenverkehr, überholen, wieder bremsen. Man muß nicht 60 fahren, man kann auch immer hinter den Radfahrern bleiben. Dann kommt man aber 20 Minuten später heim (oder ins Büro). Das heißt, daß der Depp vor mir mich um meine Lebenszeit bringt (eigtl. Freiheitsberaubung). Ich hatte immer schon nach 10 Km auf dem Deich die Schnauze gestrichen voll von den Freizeit-Altigs. Also liebe Rennfahrer, diese Abneigung der Autofahrer (durchweg alle von mir befragten Berufsfahrer, einschl. Busfahrer waren dieser Meinung) kommt nur daher, daß wir Autofahrer (ich ja nicht mehr) irgendwo hinfahren, und Ihr uns daran hindert. Außerdem verstehe ich nicht, wie man über die Schuldfrage hier spekulieren kann. Aus meiner Sicht ist es völlig irrelevant, wer Schuld hat an dem Unfall: Den Schaden hat auf jeden Fall der Radfahrer, der LKW-Fahrer wird auch seines Lebens nicht mehr Froh und hier wird wie es üblich ist in Deutschland über die Schuldfrage gestritten. Der Deich ist zu gefährlich für RadRENNfahrer. Es ist doch der nächste fatale Unfall schon abzusehen. Wie kann man das verhindern? Bestimmt nicht, in dem man ein neues Gesetz formuliert sondern in dem die Radrennfahrer Selbstverzicht üben, sich eine gesperrte Rennstrecke suchen. Die Bremer Sechstagestrecke (immer rum um den Pudding) wäre genau das richtige. Oder in den Keller! Ich appeliere an die Vernunft der schwächeren!

Darf denn in Deutschland nicht über die Schuldfrage gestritten werden, sollte es denn Lastkraftwagen-Fahrern, die beruflich unterwegs sind, generell gestattet werden, andere Radfahrer zu überfahren? Ist am Ende doch der Radfahrer schuld, weil er nicht schnell genug ausgewichen ist und sich überhaupt erst erdreistet hat, auf der Fahrbahn mit einem Rennrad zu fahren?

Forster
(…) Sport macht man einfach nicht auf der Straße sondern verschiebt das wo anders hin. Bei Fahrrädern, vorallem wenn es Radwege gibt, gehören dorthin, auch wenn diese wege nicht in einem Top zustand sind (Sind so manche Bolz/Fußballplätze auch nicht). Da es aber zur Freizeit gehört, fährt man an diesen stellen halt langsamer, stört aber nicht die autos. Die meisten, die in diesen Autos sitzen, fahren von A nach B und fahren nicht einfach mal so durch die Landschaft. Die wenigen, die es doch machen, fallen hier nicht ins Gewicht. Genauso wenig würden sich Autofahrer über Radfahrer aufregen, wenn es mal einer wäre. (…)

Diese Vermischung aus sportlichen Rennradfahrern und den übrigen Radfahrern spielt mal wieder auf die geläufige Meinung an, Radfahrer wären ja nur zum Spaß unterwegs, während alle Autofahrer, ganz egal ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Kino oder zum Schwimmbad, die Wirtschaft am Leben erhalten und demnach nicht ausgebremst werden dürfen.


Beim Norddeutschen Rundfunk sieht die Sache leider nicht besser aus: Tödlicher Lkw-Unfall schockiert Radfahrer

Der schreckliche Verkehrsunfall in den Hamburger Vier- und Marschlanden, bei dem am Donnerstag ein 33-Jähriger ums Leben kam, löst vor allem unter Fahrradfahrern Bestürzung aus – aber auch Verärgerung. Ein Lastwagen war beim Überholen eines Radfahrers in eine Gruppe von Radrennradfahrern auf der Gegenfahrbahn gerast, dabei kam ein Radsportler ums Leben, drei weitere wurden verletzt.

Das folgende bezeichnet der Norddeutsche Rundfunk übrigens ganz vornehm als „intensive Diskussion“:

Krankenpfleger
Radfahrer-Teams gehören nicht in den öffentlichen Straßenverkehr.
Das Rudelfahren und die nicht dem Straßenverkehr angepassten Räder ohne Licht usw. gefährden zu sehr wie das Beispiel hier zeigt.
Die „Radrennfahrer“ sollten sich geeignete Sportstätten suchen.

Radfahrer-Teams sind aber nunmal von der Straßenverkehrs-Ordnung gedeckt. Und das nicht fest installierte Licht ist ebenfalls rechtlich einwandfrei.

Gast
Schlimm, aber leider nicht wirklich überraschend. Gerade im Vorfeld der Cyclassics vergessen viele dieser Hobbyradrennfahrer, dass eine öffentliche Straße kein abgesperrtes Trainingsgelände ist und fahren dann z.B. im Pulk auf Landstraßen. Auch wenn das erlaubt ist, es bleibt riskant. Mir tut daher völlig losgelöst von der Schuldfrage auch der LKW-Fahrer leid, denn er hat nur seinen Job gemacht.

„Der hat nur seinen Job gemacht“ — besteht der im Überfahren von Radfahrern?

Nur ich
.§ 1 StVO
…Grundregeln.(1)
Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht…
Sollte dies nicht für ALLE gelten???

Inwiefern lässt sich das auf den Unfall anwenden? Hätten die Radfahrer Rücksicht auf den unachtsamen Lastkraftwagen-Fahrer nehmen sollen?

Krankenpfleger
Diese „Radrennfahrer“ sollten nicht noch unnötig durch Gesetze Vorteile bekommen.
LKW und PKW`s sind nicht zur Schikane auf den Straßen. LKW´s transportieren auch Fahrräder und Teile davon ständig hin und her. Wir brauchen eine Fahrradsteuer und den Ausbau von Fahrradwegen.

Wieder einmal die übliche Argumentation. Was das nun für Vorteile sein sollen, das erschließt sich allerdings nicht so ganz.

Krankenpfleger
Ich werde mich nicht dafür entschuldigen das ich ein Auto brauche um zur Arbeit zu kommen. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen das das UK-SH mit LKW´s beliefert wird. Kein Patient hat dafür Verständnis wenn Mitarbeiter oder benötigte Waren zu spät kommen, weil Freizeit Fahrradfahrer die Straße blockieren.

Die Patienten werden sich kein Verständnis dafür haben, wenn Radfahrer genötigt oder beiseite gedrängt werden. Vielleicht wurde so mancher Patient ja sogar selbst vom Rad gestoßen, der wird sich freuen, von Leuten vom Schlag des Unfallverursachers beliefert zu werden.

gaga007
Radfahrer sollten lernen, welch´ filigranes Wesen sie sind … oder einfach wegbleiben !

Aha.

Krankenpfleger
Nun mal langsam.
Diese Rudelfahrer sind in ihrer Freizeit unterwegs.
Das der Berufskraftfahrer oder Pendler der nun hinter diesen Freizeitlern hinterher fährt, seine Ware nicht abliefert/seine Arbeit nicht erreicht, macht keinen Sinn.
Daher sollen diese Menschen die diese wichtigen Infrastrukturen falsch verstehen, in Freizeitoasen ihren Hobby nachgehen, oder Steuergelder zahlen die das ermöglichen.

Was ist eigentlich mit Kraftfahrzeugführern, die nur zum Spaß eine Runde durch die Innenstadt fahren? Oder nur zum Fußballspiel oder ins Schwimmbad wollen? Und zahlen Radfahrer nicht eigentlich schon längst Steuern, womöglich auch für ihre Kraftfahrzeuge zu Hause? Obwohl das kaum ein Autofahrer weiß, sind Steuern in Deutschland nicht zweckgebunden — mit den Einnahmen der Kraftfahrzeugsteuer ließe sich vermutlich nicht mal ein Bruchteil der Autobahnen finanzieren.

Fußgänger
Der Fahrradfahrer fühlt sich immer im Recht. In der Fußgängerzone haben die Menschen zu springen wenn ein Fahrradfahrer kommt. Auf der Straße hat der Autofahrer Rücksicht zu nehmen. Ständiger wechseln der Fahrradfahrer von Straße zu Fußgängerweg ist als normal anzusehen.

An dem Vorwurf ist zweifellos etwas dran, doch stellt sich auch hier die Frage nach dem Zusammenhang zum Unfall.

Berufsfahrer
Fahrradfahrer sind nicht automatisch die Robin-Hood-Umweltretter, daher sollten sich auch diese an Verkehrsregeln und Rücksicht orientieren.

Bislang gibt es keine Indizien, dass sich die Rennradler nicht an die Straßenverkehrs-Ordnung gehalten hätten.

Arbeiter
Ich bitte alle Autofahrer/Fußgänger Bilder/Videoaufnahmen zu machen wenn Radfahrer nebeneinander fahren die Straße/Bürgersteig willkürlich wechseln. Radfahrer die Fußgänger behindern/bedrohen oder gar verletzen. Erfolgreich (keine Wartezeiten) ist man meist in der Nähe von Universitäten.

Bevor man mit der Filmerei beginnt, sollte man sich wenigstens informieren, unter welchen Vorraussetzungen nebeneinander geradelt werden darf und ob die Beschilderung nicht zum ständigen Wechsel zwischen Radweg und Fahrbahn zwingt.

Schwabe
(…)

Zeit dass
1. Jedes Fahrrad ein Kennzeichen hat
2. Radbesitzer Fahrradsteuer zahlen
3. Radfahrer Radwege nutzen, ob als Rennfahrer oder Ausflügler
4. Rad- u. Autofahrer Verkehrsregeln beachten

(…)

„Radwege-da hat man gleich einen Plattfuss“ bitte, lasst die Kirche im Dorf.
Der Autofahrer kann auch nicht auf Strassen mit Schlaglöchern dahinfahren und sich beschweren wenn Reifen oder Stoßdämpfer kaputt. Als Autofahrer würde ich gerne den besseren Radweg benutzen – nur ich darf es nicht – der gehört den Radfahrern und dort gehören sie sofern vorhanden hin.

Die übliche Argumentation — es war tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis die auftaucht. Fahrradkennzeichen und -Steuer werden einfach mal so in den Raum geworfen, als hätten sie auch nur irgendwas an dem Unfall geändert. Selbst die Wiedereinführung der generellen Radwegbenutzungspflicht, die der Gesetzgeber aus guten Gründen vor 15 Jahren aus der Straßenverkehrs-Ordnung geschnitten hat, wird daran nichts ändern, sofern nicht das Radfahren an Straßen ohne Radweg komplett verboten ist — denn an der Unfallstelle gab es nunmal weder Rad- noch Gehweg. Und ja, vielleicht, wirklich nur ganz vielleicht, sollte man sich mal mit den entsprechenden Statistiken auseinandersetzen, bevor so ein Unfug im Kommentarfeld landet.

Schwabe
Genau diese Leute haben von StVo keine Ahnung. Noch nichts von Gebot äußerst rechts fahren gehört.
Oder soll dies eine selbsterfundene erzieherische Massnahme gegen Autofahrer sein ,und dann noch Flaschenwerfer !!! Rowdie sag ich.

„Diese Leute“ haben nicht nur von der Straßenverkehrs-Ordnung Ahnung, sondern auch noch von den einschlägigen Gerichtsurteilen, die dem Radfahrer einen großzügigen Seitenabstand von anderthalb Metern zugestehen.

Jean Marie
Es ist nicht mehr zu fassen!

Grundsätzlich sollten diese Kindergarten-Radtouren dieser selbsternannten Armstrongs verboten werden, dann ist auch Schluß mit diesen schrecklichen Unfällen

Und wenn man Personenkraftwagen verbietet, dann gibt’s kaum noch Tote im Straßenverkehr. Bislang sieht es so aus, als hätte der Lastkraftwagen-Fahrer mit seinem unaufmerksamen Überholmanöver den Unfall provoziert — da ist es recht unpassend, die eigentlichen Opfer zu Tätern zu verklären.

Schwabe
Sehen Sie hatte ich doch recht – Ihnen scheint die StVo fremd zu sein!
Steht in § 2 der StVo. Nennt sich Rechtsfahrgebot und ist zumindest den meisten Autofahrern bekannt. (Gilt für alle Verkehrsteilnehmer-auch Radfahrer)
Auch die 2 Meter stimmen nicht!
Steht aber in § 5 4. z.B. ausreichender Abstand zu Radfahrern und der immer in Abhängigkeit der Geschwindigkeit und Verkehrslage. 1,5m Abstand sind durchaus ausreichend, weil es gibt auch Strassen die nicht so breit sind. Wenn der Radler dann 1,5 m Abstand vom rechten Rand hält, selbst 1 m Breite hat, dabei noch wackelt und somit 3,5 m vom rechten Fahrbahnrand benötigt – der Autofahrer eine Fahrzeugbreite von 1,8 m hat und 2 m Abstand halten soll –
Bitte auch an die Autofahrer denken. 50 cm Abstand vom rechten Fahrbahnrad als Radler wären besser.
Es heisst doch Strasse und ist für Verkehrsteilnehmer da – nicht nur für Radler

Ja, denkt denn niemand an die armen Autofahrer? Radfahrer sollen einen halben Meter Abstand vom rechten Fahrbahnrand halten und Autofahrer, die nicht so doll mitdenken, zu gefährlichen Überholmanövern förmlich einladen, denen sie dann im Zweifelsfall in Ermangelung von Sicherheitsabstand nicht einmal ausweichen können?

Neumeier
Es muss heißen: Tödlicher Unfall schockiert vorallem LKW-Fahrer, weil diese jederzeit damit rechnen müssen, dass diese riesigen Fahrradgruppen plötzlich und unerwartet auftauchen. Wann findet sich in der STVO endlich das notwendige Verbot dieser aberwitzigen Freizeitaktivität. Hier bringen sich Radfahrer bewußt in Lebensgefahr und verursachen bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern ein lebenslanges Trauma.

Was ist eigentlich mit Roller- oder Motorradfahrern? Müssen die auch verboten werden, wenn ein Lastkraftwagen-Fahrer unaufmerksam überholt? Müssen Personenkraftwagen auch verboten werden, damit übermüdete Lastkraftwagen-Fahrer nicht mehr ins Stauende rasseln können?

AWI
In Frankreich oder Spanien würden LKW-Fahrer vermutlich in einen Streik treten, um endlich eine Regelung zu erwirken, die dieses Fahrrad-Rowdytum des Pulkbildens auf der Strasse untersagte. In Deutschland bleibt alles beim Alten: Der LKW-Fahrer ist schuldig und die radfahrenden Freizeitaktivisten treiben ihr böses Spiel weiter auf deutschen Straßen.

Wie jetzt — sollen die Gesetze geändert werden, damit rückwirkend nicht der Lastkraftwagen-Fahrer, sondern die Radfahrer schuld an dem Unfall sind?

Schwabe
Manche Radfahrer sind wohl Kapitäne und Götter der Strasse wenn ich dies lese. Seltsame Verkehrsauffassung haben solche. Vielleicht fahren Sie sogar weil Sie sich gefährdet fühlen auf der Gegenfahrbahn. Wenn Sie sich gefährdet fühlen, warum fahren Sie auf der Strasse? – schieben Sie doch Ihr Rad, aber bitte auf dem Gehweg!!!

Nein, nein dies ist Verkehrsbehinderung (verzichte auf Verweis nach § ) Und dies gilt auch für Sie als Radler. Wird mit Bußgeld bestraft – nur Radler haben leider noch kein Kennzeichen, machen sich annonym aus dem Staub und werfen lieber wie Sie mit Flaschen. Gott sei Dank nicht alle Radfahrer.
Mir fehlen die Worte!

Die Logik ist vollkommen verquer. Noch immer geht es um die unterschiedlichen Meinungen zum Seitenabstand und noch immer ist „Schwabe“ der Meinung, der den gerichtlich empfohlenen Seitenabstand einhält, hätte so viel Angst im Straßenverkehr, dass er doch lieber auf dem Gehweg schieben sollte. Und weil die Argumentation so viel mehr nicht hergibt, wird gleich § 1 StVO herausgeholt, obwohl der auf diese Situation überhaupt nicht anwendbar ist und dementsprechend auch kein Bußgeld verursacht.

AWI
Es geht hier nicht um den, der überholt wurde, sondern um die Massen, die dem LKW-Fahrer entgegenkamen; wie von Ihnen gewünscht fuhr der LKW frontal in den Gegenverkehr und übersah dabei vermutlich die Masse der ohne Licht fahrenden Radfahrer.

Wer im Spätsommer schon um 18 Uhr eine Gruppe von 30 Radfahrern übersieht, der hat definitiv ein Problem mit den Augen, da helfen auch keine hellen Scheinwerfer mehr.

Beamter
Genau! Fahrräder haben im Straßenverkehr nichts zu suchen. Maximal Landwege, Gartenwege, Waldwege usw. sind für Radfahrer geeignet. Der Tot des Radfahrers tut mir natürlich trotzdem leid.

Na schön, der obligatorische Berufstroll ist wenigstens leicht zu erkennen.

AWI
Die Radfahrerlobby hält es wie die Raucherlobby: Der Störenfried des Rauchers ist der Nichtraucher. Für den Radfahrer sind es die Fußgänger und Autofahrer. Leider können sich in Deutschland die Radfahrer, so wie die Raucher, eben alles erlauben. Niemand reglementiert sie – vermutlich wird an ihnen zuviel verdient.

Na, das ist ja eine gewagte Behauptung. Normalerweise regiert im Autoland Deutschland doch eher die Automobil-Lobby, die Interessen der Radfahrer werden in der Regel übergangen.


Beim FOCUS ist immerhin nicht ganz so viel los: LKW rast in Radfahrer-Gruppe – ein Toter

Bei einem Verkehrsunfall in Hamburg sind am Donnerstagabend ein Fahrradfahrer getötet und drei weitere verletzt worden. Nach Behördenangaben war ein Lastwagen bei einem Überholmanöver in eine Gruppe Radfahrer gerast.

Da gibt’s zum Glück nur wenige Kommentare:

Siemsa
Das muss jetzt wahrscheinlich ein Richter entscheiden, ob man auf einer Straße, die nicht gerade sehr breit ist Radfahrer nebeneinander fahren dürfen. Auf seiner rechte Seite fuhr auch ein Radfahrer. Sicher wollte er ordnungsgemäß ausweichen, was nicht gelungen ist. Sollte er, müsste er anhalten ? Warum fuhren die alle Radfahrer nicht hintereinander ?

Radfahrer dürfen gemäß § 27 Abs. 1 StVO nebeneinander fahren, dafür ist die gesamte Fahrbahnbreite mutmaßlich nicht maßgeblich. Überhaupt möchte man mal sehen, wie die Autofahrer vor Wut schäumen, wenn die Radfahrer hintereinander fahren und Überholvorgänge noch weiter erschweren; ganz abgesehen von der damit einhergehenden Gefährdung, wenn sich ständig Autofahrer nach misslungenen Überholvorgängen zwischen die Radfahrer quetschen wollen.

Torfkopp
Mal völlig abgesehen wer hier schuld war wenn ich mit dem Rad unterwegs bin meide ich die Straße wie die Pest. Klar habe ich da Rechte, aber die kann man mir nach einem Unfall dann auf den Grabstein meisseln. Denn ein paar Tonnen Blech sind immer der Stärkere. Und was ich so auf meinen Touren sehe an Kampfradlern, ohne Licht, kreuz und quer durch den Verkehr, Ampeln sind ein Witz. Klar dass das Unfallpotential ohne Ende birgt.

Natürlich ist das nun ein tragischer Unfall auf der Fahrbahn — aber wie viele tote Radfahrer wurden in den letzten Monaten zu Grabe getragen, weil sie an das Märchen vom sicheren Radweg und ihre grüne Ampel glaubten, bevor ein rechtsabbiegendes Kraftfahrzeug den Glauben beendete?

Zyrtos
Mir tut der Radfahrer aufrichtig leid. Aber, warum muss man Radrennsport mit Sportgeräten (die nicht der StVO entsprechen) auf einer öffentlichen Strasse (die keine Sportstääte ist) trainieren? Es gibt doch Radwege, auf denen man fahren kann. Aber ich erlebe immer, dass die Radrenn-Amateure lieber auf kurvenreichen Landstrassen trainieren, als den sicheren Radweg zu nutzen. Radfahrer dürfen auch nicht – wie beschrieben – nebeneinander auf der Fahrbahn fahren sondern nur hintereinander. Ich weiss…Radfahren und Sport sind gesund. Ein Mon-Cheri Thema mit dem Attribut ‚alternativlos‘ und jeglicher Awendungskritik entzogen. Aber hier wird doch ein Gefahrenpotential erzeugt. Und der Autofahrer ist dann der Dumme, wenn es schief geht.

Doch, § 27 Abs. 1 StVO erlaubt nunmal das Fahren zu zweit nebeneinander. Das scheint aber selbst niemand zur Kenntnis zur nehmen, wenn es sogar explizit im Artikel genannt wird. Und natürlich ist der Autofahrer der Dumme, wenn er einen Unfall aus Unaufmerksamkeit verursacht.

Ostpreusse
Hoffe es gibt hinreichend Anzeigen der Radfahrer wegen ordungswidriger Räder und spielerischen fahrens. Realistischer ist allerdings, dass der LKW Fahrer gelyncht wird. 30-40 Leute. Selbst die Kindergärtner melden ihren Laternenlauf an. Nur die Genies deutscher Universitäten kommen da nicht drauf. War das eine illegale Demonstration?. Verstoß gegen Paragraph 14 Versammlungsgestz. Schuld dürfte wohl beim Organisator der Aktion zu suchen sein.

Nein, es wird vermutlich keine Anzeigen geben, weil die Räder offensichtlich der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung entsprachen. Und mit § 14 VersammlG hat das nun überhaupt nichts zu tun, hier ist § 27 Abs. 1 StVO einschlägig, auch und erst recht mit 30 bis 40 Teilnehmern. Und das nun der Organisator der vermeintlichen Demonstration schuld an dem Unfall sein soll, das macht nun wirklich sprachlos.

Sprachlosigkeit ist auch alles, was nach dem Unfall bei Radfahrern bleibt — bei anderen Verkehrsteilnehmern nicht. Letzte führen sich ständig bemüßigt, unpassende Kommentare unter die einschlägigen Artikel zu drücken, die mitunter vor Menschenverachtung nur so strotzen.

Da ist ein Radfahrer bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen, weil ein Lastkraftwagen-Fahrer beim Überholen unachtsam war, aber alles, was den deutschen Autofahrern dazu einfällt, sind Fahrradkennzeichen und Reflektoren an den Rädern? Hätte der Lastkraftwagen-Fahrer eine junge Familie am Stauende in den Kofferraum des Vordermannes gedrückt, dann gäbe es wohl auch ziemlich viele dumme Kommentare, aber wenigstens weniger Menschenverachtung.

Zweifellos gibt es zwischen Radfahrern und Autofahrern eine Menge Reibereien, zweifellos sind manche Rennradfahrer nicht ganz unschuldig an dem pauschalen schlechten Ruf. Ich wohne direkt an der Rennstrecke der Vattenfall Cyclassics, die dort trainierenden Rennradfahrer nehmen es hin und wieder auch etwas lockerer mit den roten Ampeln. Dem gegenüber stehen jedoch ein Großteil der übrigen Rennradfahrer, die sich strikt an die Straßenverkehrs-Ordnung halten. Die meisten Aufregungen dürfte es demnach in Ermangelung von Regelkenntnis geben, denn nach § 27 Abs. 1 StVO dürfen hinreichend viele Radfahrer nunmal als Verband auf der Fahrbahn fahren. Das muss man nicht toll finden, das muss man nicht so hinnehmen, man kann der Politik Änderungswünsche unterbreiten — aber solange § 27 Abs. 1 in der Straßenverkehrs-Ordnung steht, ist das zu respektieren.

Und da helfen auch keine dummen Aussagen, das seien doch alles Kampfradler und per se schon selbst schuld am Unfall, der Lastkraftwagen-Fahrer hätte doch nur seinen Job gemacht.