Der Mythos von der Entkriminalisierung der Autofahrer

Momentan verbreitet sich diese Zeilen in der aufgeregten Fahrradfahrer-Welt:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt eine Warnweste vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Pardon, der Text lautet natürlich anders, der Radfahrer trug ja gar keine Warnweste:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt ein Schatten vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Natürlich muss man diskutieren: hätte ein unaufmerksamer Autofahrer, der gar nicht nach vorne sieht, den Radfahrer mit Warnweste besser erkannt als ohne?

Nur: man muss gar nicht diskutieren, denn die Geschichte stimmt so nicht. Stattdessen steht im Artikel auch die vernünftige Schlussfolgerung:

Der ACE sei aber gegen ein „privilegierendes Sonderrecht“ für Verkehrssünder. Straftaten im Verkehr dürften nicht zu Ordnungsdelikten herabgestuft werden. Dies gelte vor allem, weil in vielen Fällen eine vom Fahrer bewusst in Kauf genommene gefährliche Fahrweise zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen führe. Eine mildere Sanktionierung fahrlässiger Tötungen im Straßenverkehr als bisher ließe sich nur schwer vermitteln.

Die Liste der schließlich getroffenen Empfehlungen liest sich dagegen sehr viel angenehmer, auch bezüglich Helmpflicht, Bierbikes und Segways.

Ramsauer identifiziert Kopfhörer als neue Gefahr im Straßenverkehr

Vorsicht: Peter Ramsauer ist wieder zugange. Dieses Mal hat er sich auf Kopfhörer eingeschossen:

Ramsauer beklagt, dass Fußgänger und Radler sich mit lauter Musik ablenken. Dies erhöhe das Unfallrisiko. Die Berliner Polizei stimmt ihm zu. Das Gesetz will der Minister aber nicht verschärfen.

Keine Frage: wenn das Thema sicherheitsrelevant ist, gehört es ordentlich diskutiert. Nur hat man bei Peter Ramsauer das Gefühl, er habe schon wieder ein Thema gefunden, um sich bei der Presse darzustellen. Da klingt dieses Satzgefüge ja beinahe süß:

(…) Die Moral und das Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr nehmen ab.

Dies hat nach der Polizei auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erkannt und den grassierenden Leichtsinn auf den Straßen kritisiert. (…)

Das Thema wird im Laufe des Artikels auf ebenjene Kopfhörer konkretisiert, aber am Ende heißt es wieder:

Das Bundesverkehrsministerium will es aber beim Appell belassen. Eine Gesetzesinitiative sei nicht geplant, sagte ein Sprecher Ramsauers am Freitag.

Das erinnert ja an die freiwillige Selbstverpflichtung für die Radfahrer, den Helmanteil im Radverkehr auf über fünfzig Prozent zu steigern, ansonsten sehe sich Ramsauer zu einer Helmpflicht gezwungen. Und ein bisschen lustig ist schon die Tatsache, dass Ramsauer Musik für Radfahrer und Fußgänger als gefährdend einstuft, bei Autofahrern mit selbstkomponierten Stücken aber die Gefährdung senken möchte.

Der Stern schreibt über das Fahrradfahren

Was andere Medien seit geraumer Zeit erfolglos versuchen, man denke da nur an den verunglückten Versuch der BILD, ein paar einfache Regeln zu erklären, schafft der Stern ganz gut. Bislang werden 30 Themen mit einer Menge untergeordneter Fragen behandelt — und das weitestgehend korrekt bezüglich des Inhalts und der Fachbegriffe. Das ist durchaus erstaunlich, denn selbst den für die Presse bestimmten Polizeiberichten ist nicht immer ganz klar, ob ein Radfahrer überhaupt auf der Fahrbahn fahren darf oder nicht. Das Lesen lohnt sich beim Stern auf jeden Fall.

Einzig die Überschrift „Rad vs. Auto“, die übliche Einordnung des Themas in die Kategorie „Auto“ und die bewusst nicht vollzogene Differenzierung zwischen Fahrbahn und Straße ist ein bisschen schade. Immerhin: es gibt kein Helm-Thema.

Warum Radfahren ohne Radwege nicht funktioniert

Unter leidenschaftlichen Fahrradfahrern ist es längst kein Geheimnis, dass die normalen deutschen Fahrradwege allenfalls zum Verunfallen taugen, aber sicherlich nicht zum sicheren, schnellen oder gar bequemen Vorankommen. Leider ist das eine Erkenntnis, die sich nur bei einem Bruchteil der Radfahrer festgesetzt hat — und überhaupt nicht bei Fußgängern oder Autofahrern.

Fährt man auf dem Radweg, muss man eigentlich auf alles achten — nicht nur auf die Fahrzeuge auf der Fahrbahn, die plötzlich ohne Rücksicht abbiegen, und nicht nur auf Fußgänger, die plötzlich auf dem Radweg auftauchen. Hat man dagegen in Ermangelung einer Benutzungspflicht die Möglichkeit der Fahrbahnbenutzung, ist man dort den Sanktionen der Autofahrer ausgesetzt, die das vermeintliche Fehlverhalten des Fahrbahnradelns in einem kurzen Akt von Selbstjustiz mit der Hupe oder gar dem gesamten Fahrzeug als Waffe ahnden.

So freut man sich zunächst darüber, dass die Vernunft in der Behörde gesiegt und die Benutzungspflicht an einem weiteren Radweg aufgehoben hat, sieht sich aber dann mit der Frage konfrontiert, welchen Straßenteil man denn nun benutzen sollte. Die Fahrbahn ist, sofern ein Radweg parallel verläuft, aufgrund des beschriebenen Verhaltens der Kraftfahrzeugführer wenigstens in der Anfangszeit nach Aufhebung der Benutzungspflicht zu gefährlich, doch auf dem Radweg ist man bekanntlich auch nicht sicherer unterwegs: gerade deswegen wurden die blauen Schilder schließlich entfernt. Damals, unter der Benutzungspflicht, hatte man gar nicht erst die Wahl, doch heute muss man sich zwischen dem unsicheren Radweg mit eindrucksvoller miserabler Führung und der gefährlichen Fahrbahn entscheiden.

Vom Fahrrad aus betrachtet lässt sich die Bundesrepublik nach der Art des Radfahrens prima katalogisieren. In Norddeutschland gibt es Städte, die beinahe an jeder Straße, teilweise sogar in Tempo-30-Zonen, einen Radweg eingerichtet haben. Das Alter der Radwege dürfte inzwischen um die 30 bis 40 Jahre betragen, gepflegt wurden sie seitdem eher selten und so ist die asphaltierte Oberfläche inzwischen dem Verfall begriffen, der von Wurzeln und parkenden Autos begünstigt wird. Häufig, sofern kein engagierter Radfahrer sich mit der Straßenverkehrsbehörde messen wollte, sind die Radwege als benutzungspflichtig markiert, obwohl sie längst nicht einmal den Mindestvorgaben entsprechen.

Dem gegenüber stehen Städte, die das Fahrrad als Verkehrsmittel bis zu letzt ignoriert haben und teilweise komplett ohne Radverkehrsanlagen auskommen. Meistens sind das Städte in der südlichen Bundesrepublik oder in den neuen Bundesländern — und paradoxerweise sind das jene Städte, die heute für den Radverkehr ganz besonders attraktiv und sicher sind, weil das Radeln auf der Fahrbahn seit Jahrzehnten normal und gewohnt ist und heute mit entsprechenden Fahrbahnmarkierungen unterstützt werden kann.

Nun gibt es — womöglich: zum Glück — in jeder norddeutschen Stadt auch Straßen ohne Radwege. Mitunter wurden die Radwege dort einfach vergessen, vielleicht auch erst gar nicht angelegt, denn „dort fährt eh nie einer lang“, oder aufgrund der engen Bebauung war schlicht kein Platz für einen Radweg. In einem solchen Fall müssen Radfahrer die Fahrbahn befahren — und nun wird die Sache kompliziert.

Es gibt tatsächlich Stellen, an denen es üblich ist, dass ein Radfahrer den Gehweg befährt, so schmal und holprig er auch sein mag. Meistens wird dort gefahren, weil man als Radfahrer den Kraftfahrzeugverkehr nicht behindern möchte oder weil alle anderen Radfahrer auch dort fahren oder weil es angeblich verboten sei, auf der Fahrbahn zu radeln. Ja, ein nennenswerter Anteil der Radfahrer scheint tatsächlich zu glauben, dass das Radfahren „auf der Straße“ strengstens untersagt sei — das endet dann eben in der Regel auf dem Gehweg oder in der Wahl einer anderen Strecke mit radwegfreundlichen Straßen.

Ein Radfahrer auf dem Gehweg ist zunächst einmal für Fußgänger lästig, weil stellenweise tatsächlich so viel Verkehr auf jenem Gehweg unterwegs ist, dass man sich kaum bewegen kann, ohne ständig Ausschau nach verkehrswidrig radelnden Verkehrsteilnehmern zu halten. Und trotzdem sind Radfahrer auf dem Gehweg auch für den regelkonformen Radfahrer auf der Fahrbahn lästig, weil sich in den Köpfen der motorisierten Verkehrsteilnehmer der Glaube eingebrannt hat, ausgerechnet an dieser Straße müssten alle Radfahrer den Gehweg benutzen, weil es ja alle so machen. Mit Glück wird ein Radfahrer auf der Fahrbahn dort nur etwas enger überholt, mit etwas mehr Pech wird er angehupt, geschnitten oder ausgebremst, den obligatorischen Zeigefinger in Richtung des Gehweges inklusive.

Paradoxerweise lässt es sich an anderen radweglosen Straßen relativ entspannt auf der Fahrbahn fahren — meistens hat sich dort das Radeln auf dem Gehweg aus irgendwelchen Gründen nicht gewohnheitsmäßig eingebürgert, so dass ängstliche Radfahrer eine andere Route wählen, weil es „auf der Straße“ ja so gefährlich sei, und Kraftfahrzeugführer nicht die Benutzung des Gehweges einfordern. Schon hier fällt auf, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nicht einmal in der Lage sind, die einzigen Straßenteile korrekt zu benennen, geschweigedenn die Regeln über deren Benutzung kennen, aber andererseits hinter dem Steuer eines Autos über das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer urteilen wollen.

So verwundert es dann nur anfangs, dass bei Gesprächen mit „normalen“ Verkehrsteilnehmern ohne ausgeprägte Kenntnis der Straßenverkehrsordnung immer wieder großes Erstaunen auftritt, dass Radfahrer in der Regel, sofern denn nicht anders beschildert, überall auf der Fahrbahn radeln dürfen und Straßen ohne Radweg keineswegs tabu sind. Meistens folgt dann die Frage nach der Sicherheit des Fahrbahnradelns, wiederum sofort gefolgt von der Feststellung, dass man wider der eindeutigen Faktenlage doch lieber den Radweg oder gar den Gehweg wählt: „Ich fühle mich dort eben sicherer.“

Und gerade dieses Gefühl ist so trügerisch und gefährlich, denn Radwege sind nicht sicher. Wirklich nicht. Auch wenn Polizei und Presse und Behörden gerne das Gegenteil behaupten: Radwege sind nicht sicher.

Was Radwege angeht, so muss dort zwischen innerörtlichen und außerörtlichen Radwegen unterschieden werden. Außerörtliche Radwege verlaufen etwa neben einer Straße und sind meistens aufgrund der geringen Frequentierung nicht besonders gut gepflegt. Wurzelaufbrüche sind die Regel, hineinwachsende Pflanzen stellenweise so penetrant, dass vom gesamten Radweg nur noch ein schmaler Spalt von zwanzig oder dreißig Zentimetern verbleibt. Weil Kreuzungen mit der Fahrbahn relativ selten sind, lässt es sich zumindest bezüglich des Kraftfahrzeugverkehres sicher und unfallfrei radeln. Sofern dann doch Kreuzungen auftreten, wird Radfahrern dort gerne die Vorfahrt mit einer entsprechenden Beschilderung genommen, die im Grunde genommen unzulässig ist. Aus der geringen Frequentierung der Wege resultiert leider auch, dass es häufig nur einen einzigen Radweg an einer Seite der Fahrbahn gibt, so dass spätestens auf dem Rückweg auf der linken Straßenseite geradelt wird — das ist aufgrund der seltenen Einfahrten relativ egal, aber leider umso lästiger, wenn der Lichtkegel des Kraftfahrzeugverkehrs ständig blendet. Trotzdem lässt es sich außerorts relativ gut radeln — aber toll ist es nicht.

Innerörtliche Radwege sind dagegen sie Hölle. Meistens wurden sie irgendwie so dazwischengequetscht zwischen eine Fahrbahn, die schon da war, und einen Gehweg, der schon da war, und womöglich auch zwischen Parkplätze und Begrünungen, die schon da waren. Es gibt eigentlich kaum einen Radweg, der wenigstens den Mindestvorgaben eines Radweges entspricht. Man kann nicht besonders schnell darauf radeln, weil einerseits die Oberfläche uneben ist, andererseits ab einer gewissen Geschwindigkeit gar keine Möglichkeit mehr besteht, dem Fußgänger auszuweichen, der plötzlich auf den Radweg tritt, oder vor dem Auto anzuhalten, dass plötzlich aus einer Einfahrt stößt. Neben parkenden Autos entlangzufahren ist immer ein ganz besonderer Nervenkitzel, weil gerade Beifahrer nicht häufig kontrollieren, ob sich von hinten etwas nähert, das möglicherweise mit einer geöffneten Tür kollidieren könnte. Wird nicht neben dem Radweg geparkt, so dann gerne direkt darauf, um den übrigen Kraftfahrzeugverkehr nicht zu behindern — sobald der erste Wagen den Radweg versperrt, beginnen auch die übrigen Verkehrsteilnehmer, ihre Fahrzeuge ähnlich aufzustellen. Natürlich gibt es noch eine Reihe weiterer Hindernisse, etwa die berühmten Mülltonnen auf dem Radweg oder ungesicherte Baugruben, in die man angeblich nicht reinfallen kann, weil es ja das Sichtfahrgebot gibt.

Wenn schon nicht für Sicherheit, so hat diese Separation der Verkehrsarten dazu geführt, dass die Kraftfahrzeugführer auf der Fahrbahn tatsächlich nur noch wahrnehmen, was sich auch auf der Fahrbahn abspielt. So ist dann ein Radfahrer auf dem Radweg nebenan so lange uninteressant, bis er plötzlich beim Rechtsabbiegen auf der Motorhaube liegt. Wird dagegen auf der Fahrbahn geradelt, bleiben Radfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer ständig im Aufmerksamkeitsbereich der Autofahrer. Und das ist auch das wesentliche Problem der Radwege: man glaubt, sie seien sicher, verhält sich unbesorgt und achtet plötzlich gar nicht mehr darauf, dass jener Fußgänger sich gerade direkt auf den Radweg zubewegt oder der Rechtsabbieger von der Fahrbahn ohne Schulterblick am Steuer dreht. Das ist in etwa wie mit dem Fahrradhelm, der aufgrund der Risikokompensation unbesorgter unterwegs ist — und dennoch muss man, egal ob auf dem Rad oder im Auto, ständig aufmerksam unterwegs sein, denn Routine kann im schlimmsten Falle tödlich enden. Aufmerksames Fahren ist auf der Fahrbahn relativ einfach möglich, auf dem Radweg umso schwieriger und beinahe unmöglich, wenn das Fußgängeraufkommen steigt oder Außengastronomie dazukommt. Ein solcher Radweg kann einfach nicht gefahrlos befahren werden.

Und so irren die meisten Verkehrsteilnehmer, wenn sie den Radweg für sicher halten. Man mag es ihnen nicht verdenken, denn im Prinzip sollte ein Radweg ja gerade aus Sicherheitsgründen angelegt worden sein und schließlich wird überall propagiert, wie gefährlich das Radeln auf der Fahrbahn doch sei. Man muss sich allerdings tatsächlich fragen, welchem Zweck einige Radwege und die dazugehörigen Beschilderungen denn überhaupt dienen: mitunter kann es gar keinen anderen Zweck gegeben haben, als die lästigen Radfahrer endlich von der Fahrbahn zu verbannen. Sicherheitsbedenken waren da zu keinem Zeitpunkt im Spiel.

Vor zwei Monaten wurde die Radwegbenutzungspflicht in der Krefelder Straße in Köln aufgehoben — eigentlich eine tolle Sache, sollte man denken, das finden aber leider längst nicht alle Radfahrer. Arne Vogel hat sich bei den Radfahrern auf der Krefelder Straße umgehört:

(…) Das Ergebnis war niederschmetternd. Wie eine junge Dame feststellte: Ihr Leben lang hätte man ihr eingetrichtert, den Radweg zu benutzen, weil es sicherer sei, warum solle sie jetzt auf der Fahrbahn fahren? Die Menschen haben Angst auf der Straße zwischen den Autos und LKW. Das kriegt man aus ihren Köpfen so ohne weiteres nicht heraus. Deswegen ist eine gute Aufklärung der Bürger durch alle Beteiligten viel viel wichtiger als das einfache Konfrontieren mit — für die meisten — unverständlichen Tatsachen und da muss auch ich meinen bisherigen Ansatz überdenken. Velo 2010, die Stadt Köln und die Polizei wären hier gefordert. Anstatt unsinnige Lichtaktionen zu zelebrieren — mangelnde technische Ausrüstung der Räder ist nur ein gefühltes Problem und in den wenigsten Fällen unfallträchtig — sollten sie ihren Infostand in die Krefelder Straße stellen und den Betroffenen erklären, warum sie jetzt die Fahrbahn benutzen dürfen und vor allem, dass Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer unterwegs seien. Eine Maßnahme, die ich begrüßen und sogar tatkräftig unterstützen würde. (…)

Das verlinkte Interview mit Dutzenden Radfahrern ist die fünf Minuten wirklich wert, denn bei den vielen falschen Argumenten, die die Kölner Radfahrer dort hervorbringen, mag man nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Eine Dame äußert, dass Radwege sicherer seien, weil es dort ja keine Autos gäbe, vergisst aber offenbar, dass gerade die Konfrontation mit dem Autoverkehr an Kreuzungen, Grundstückszufahrten und Parkvorgängen zu den häufigsten Unfallursachen zählen. Ein anderer möchte nicht zwischen den ganzen Autos und Lastkraftwagen radeln, weil er sich nicht überfahren lassen möchte und ein dritter fährt bei Straßen ohne Radweg grundsätzlich auf dem Gehweg weiter. Beinahe möchte man resümieren: Radfahrer verfahren aus Sicherheisgefühl gerade so, wie es eigentlich am unsichersten ist.

Engagierte Radfahrer und ADFC-Mitglieder freuen sich natürlich über jeden Radweg, der nicht mehr mit Zeichen 237 oder Zeichen 241 als benutzungspflichtig beschildert ist, weil dann auf der Fahrbahn angenehmes und sicheres Radfahren möglich wird. Mutmaßlich ist die größte Gefahr auf der Fahrbahn tatsächlich das vorsätzliche Fehlverhalten der Kraftfahrzeugführer, die sich außerstande sehen, nicht mit Hupen, Schneiden oder Ausbremsen auf den nicht mehr benutzungspflichtigen Radweg hinzuweisen. Alle anderen Radfahrer werden aus den besagten Sicherheitsgründen weiterhin den Radweg benutzen und sich kopfschüttelnd über die vermeintlich lebensmüden Radfahrer auf der Fahrbahn aufregen. Man möchte beinahe hoffen, dass sie dabei nicht aus Unaufmerksamkeit mit einem Fußgänger kollidieren.

Wird hingegen ein Zeichen 240 entfernt, stellt sich ein ganz besonderer Effekt ein: zuvor musste der gemeinsame Geh- und Radweg von Radfahrern benutzt werden, danach ist die Benutzung hingegen strengstens untersagt, sofern denn keine dieser unsäglichen Freigaben für Radfahrer erfolgt. Allerdings nehmen auch hier weder Autofahrer noch Radfahrer die veränderte Beschilderung war, so dass Autofahrer weiterhin die Fahrbahnradler anhupen und Radfahrer weiterhin auf dem inzwischen reinen Gehweg verkehren. Nebenbei sei erwähnt, dass es keinen, aber auch wirklich gar keinen vernünftigen Grund für Radfahrer gibt, einen freigegebenen Gehweg zu nutzen. Zunächst ist dort nur langsames, angemessenes Tempo erlaubt, etwa um den Bereich der Schrittgeschwindigkeit angesiedelt, und außerdem steckt man bis zum Scheitel in Problemen, sobald man mit einem Fußgänger verunfallt. Als Radfahrer hat man dort, nicht zuletzt in Bezug auf die Sicherheit, ausschließlich Nachteile.

Am problematischsten ist es jedoch, wenn etwa während Sanierungsarbeiten der Radweg komplett entfernt wird. Meistens werden dann Radfahr- oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn eingerichtet, mitunter wird der Radverkehr aber auch komplett auf die Fahrbahn geschickt — dort will er aber gar nicht hin. Es lässt sich dann wenigstens in den ersten Monaten beobachten, dass die Radfahrer auf den Gehweg ausweichen und sogar Schutzstreifen misstrauen. Fragt man die gehwegradelnden Radfahrer dazu, bekommt man mitunter die abenteuerlichsten Theorien zu hören, etwa davon, dass die Behörde vollkommen verantwortungslos wäre, die Radfahrer jetzt auf den Schutzstreifen zu schicken, weil sie dort von den Autos überfahren würden.

Und so bleibt festzustellen, dass diese angestrengten Bemühungen, komplette Radwege oder wenigstens die blauen Beschilderungen loszuwerden, sicherlich nicht zu einem gesteigerten Radverkehrsanteil führen werden. Die meisten Radfahrer glauben offenbar, nicht auf der Fahrbahn fahren zu dürfen oder fühlen sich dort so unsicher, dass das Rad fortan im Keller verbleibt. Abgesehen davon tragen die Autofahrer ihren eigenen Anteil dazu bei, indem sie das Fahren auf der Fahrbahn mit Maßregelungen vorsätzlich verkomplizieren und gefährden.

Radfahrer lieben nunmal Radwege, auch die schlechten, buckeligen und engen. Auf der Fahrbahn will kaum jemand fahren — schließlich können die Radwege, die man extra für den Radverkehr gebaut hat, nicht plötzlich schlecht sein, nachdem sie jahrelang funktionierten?

Warum das Fahrradkennzeichen der Tod des Radverkehrs ist

Der Witz, dass man an der Art der Argumentation eines Menschen erkennen kann, ob und wie oft er sich aufs Fahrrad setzt, ist mittlerweile schon etwas abgedroschen, man darf aber davon ausgehen, dass Richard Herzinger, promovierter Literaturwissenschaftler und politischer Korrespondent, die Welt (in diesem Falle die reale Welt, nicht seine arbeitgebende Zeitung) eher durch die Windschutzscheibe wahrnimmt und quer durch das Glas eine ganze Menge an Informationen verloren geht.

Immerhin: er ist nicht für eine Helmpflicht für Radfahrer — das macht ihn schon einmal sympathisch. Die Sympathie verspielt er allerdings schon im nächsten Satz, wo er eine Kennzeichnungspflicht fordert und es damit immerhin in die Online-Ausgabe der Welt geschafft hat:

(…) Angesichts der Rücksichtslosigkeit, mit der zahllose Radfahrer nach Belieben und von staatlichen oder kommunalen Ordnungsinstanzen weitestgehend ungehindert über Bürgersteige und sämtlich andere Arten von Gehwegen fetzen oder schlingern, und insgesamt die Straßenverkehrordnung aggressiv missachten (wobei sie sich stets in einem höheren Recht der ökologischen und gesundheitspolitischen Korrektheit wähnen), würde eine obligatorische Behelmung allenfalls dazu führen, dass sich diese notorischen Zweiradrowdys nun auch noch zusätzlich gepanzert und damit in ihrem asozialen Desperadotum umso mehr bestärkt fühlen würden. (…)

Es ist ja überhaupt schon fraglich, ob man auf die Argumente einer solch geschwungenen Feder überhaupt eingehen sollte — aber man kann es ja mal versuchen, denn vermutlich ist ein Fahrradkennzeichen noch größerer Unsinn als die inzwischen weitesgehend entlarvte Helmpflicht.

Man kann sich zunächst an den üblichen Argumenten abarbeiten und mit dem Finger auf die anderen Verkehrsteilnehmer zeigen, die auch böse sind. Da wären zum Beispiel die Autofahrer, die trotz Kennzeichen auf der Autobahn drängeln und rechts überholen, sofern sie denn in der Lage sind, vernünftig und ohne Gefährdung auf die Autobahn aufzufahren. Wenn als zweiter Verkehrsteilnehmer ein Radfahrer auftaucht, wird mitunter die Vorfahrt genommen, beim Überholen kein ausreichender Abstand eingehalten oder der Radweg beparkt. Und der Klassiker schlechthin ist die Ampel, die gerade von grün auf gelb schaltet und bei beinahe jedem Autofahrer noch einmal den Gasfuß provoziert — alles trotz Kennzeichen. Und dann sind da die Fußgänger, die auf Radwegen herumlaufen, unachtsam auf den Radweg treten, eine Hundeleine quer über ebenjenen Radweg spannen oder ihre Mülltonnen dort abstellen. Aber es gibt auch leider die Radfahrer, die sich gefährdend verhalten — mehr dazu später.

Es ist nicht ganz klar, wie viele Fahrräder es in Deutschland gibt und wie viele davon fahrbereit sind und auch regelmäßig genutzt werden — das liegt natürlich auch daran, dass es eben kein Kennzeichen und keine entsprechende Datenbank gibt, die alle Räder erfasst. Und obwohl der typische Deutsche die meisten Wege mit dem Auto zurücklegt, stehen in der Bundesrepublik vermutlich etwa 70 bis 80 Millionen Fahrräder. Das ist eine ganze Menge, die sich im Behördendschungel nicht mal eben so mitverwalten lässt. So leicht die Forderung für Fahrradkennzeichen über die Lippen geht, umso schwerer dürfte die eigentliche Umsetzung sein, die zusätzlich noch mit unvorstellbaren Kosten begleitet wird — womöglich kommt man spätestens dann auf die Idee einer Fahrradsteuer.

Das muss nun kein Hindernis sein, denn andere Projekte, etwa die LKW-Maut, waren von ähnlicher Dimension und funktionieren nach einer längeren Erprobungsphase recht ordentlich. Nun ist nur noch fraglich, was denn passiert, wenn alle 70 bis 80 Millionen Fahrräder mit einem Kennzeichen versehen wurden?

Auf längere Zeit vermutlich nichts, außer dass die Anzahl der Radfahrer mehr oder weniger rapide abnimmt.

Den zurückgehenden Radverkehr feiern die Befürworter der Kennzeichen zwar als großen Erfolg, denn schließlich würden damit alle Problem- und Kampfradler aussortiert, aber vermutlich würden eher harmlose Alltagsradler auf das Rad verzichten. Wenn ein Radfahrer auf dem Gehweg fährt, auf dem Fußgängerüberweg die Autofahrer zur Gefahrbremsung zwingt oder auf dem linken Radweg unterwegs ist, so passiert das selten aus Boshaftigkeit, sondern in der Regel aus stumpfer Unwissenheit. Radfahrer sind nämlich, ganz vereinfacht behauptet, ziemlich doof.

Das liegt nicht etwa daran, dass Radfahrer nur aus jenen Gesellschaftsschichten stammen, die es wegen mangelnder Bildung nicht zu einem gutbezahlten Job mit einem Auto geschafft haben, sondern dass in Deutschland, wie schon häufiger erwähnt, kein vernünftiger Fahrradunterricht stattfindet. Heutzutage lernt man das Radfahren in jungen Jahren von den Eltern und fährt erst einmal, wie es die Eltern vormachen. Dann folgt meistens in der vierten Klasse der Grundschule eine Art von Fahrradunterricht, in der die Kinder etwa die motorische Beherrschung ihres Fahrzeuges und das Linksabbiegen lernen. Mit sehr viel Glück besucht ein Polizeibeamter später die Kinder auf den weiterführenden Schulen, wo dann die Gefahren des Straßenverkehrs noch einmal aufgegriffen werden. Leider fallen auch dort solch verhängnisvollen Ratschläge wie der berühmte Tipp, niemals und auf gar keinen Fall auf der Fahrbahn zu radeln und bei Straßen ohne Radweg unbedingt den Gehweg zu befahren. Meistens folgt dann zwischen 16 und 18 Jahren die Fahrschule, die aber die Straßenverkehrsordnung aber auch nur soweit wie nötig abdeckt und den für Radfahrer interessanten Bereich in der Regel ausspart.

So trägt es sich dann zu, dass ein Großteil der Verkehrsteilnehmer noch nicht einmal die einzelnen Straßenteile korrekt zu benennen weiß und sich ebenso im Unklaren ist, bei welcher Beschilderung und welchen vorhandenen Straßenteilen er denn wo fahren muss. So ist es nicht nur weitesgehend unbekannt, dass linke Radwege grundsätzlich nicht befahren werden dürfen und der Fußgängerüberweg seinen Namen tatsächlich zu recht trägt, von den berühmten blauen Verkehrszeichen mit den einhergehenden Benutzungspflichten ganz zu schweigen. Eine zweite Komponente ist das trügerische Sicherheitsgefühl, das von den widersprüchlichen Meinungen von Presse, Behörden und Polizeibeamten genährt wird, weswegen Radfahrer lieber auf dem Gehweg als auf der Fahrbahn fahren, obwohl das Unfallrisiko auf jenem Gehweg mehrfach höher sein dürfte. An stark befahrenen Straßen schickt mitunter auch die Polizei die Radfahrer auf den Gehweg im Glauben, dass sie zwischen all den Fußgängern besser aufgehoben seien.

Und die Behörden füllen ihre Rolle in dem ganzen Zirkus bestens aus, indem sie stellenweise rätselhafte Beschilderungen aufstellen, nach denen man sich als Radfahrer plötzlich auf der linken Straßenseite oder auf einem Gehweg wiederfindet. Natürlich ist es dem normalen Verkehrsteilnehmer auch relativ schwierig zu erklären, warum er mit einem Fahrrad zunächst die Wahl zwischen Fahrbahn und Anderem Radweg hat, hundert Meter später der Radweg endet und ein Zeichen 240 zum Befahren des Gehweges auffordert und weitere hundert Meter später wieder auf die Fahrbahn gewechselt werden muss, obwohl der Gehweg noch genauso aussieht wie zuvor und auch das Verkehrsaufkommen nicht wesentlich gesunken ist. Im Zweifelsfall wird der normale Radfahrer eben weiterhin auf dem Gehweg radeln — schließlich hat er womöglich erst ein paar Tage vorher in der Zeitung gelesen, wie sicher er dort mit seinem Rad doch aufgehoben wäre. Und so fahren nunmal Radfahrer im Zweifel lieber auf dem Gehweg — nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie es nicht besser wissen und im festen Glauben daran, dort sicherer als auf der Fahrbahn zu radeln. Zugegeben ist das Verhältnis zwischen Fußgängern und Radfahrern unter anderem auch angespannt, wenn Radfahrer nach einmaligem Klingeln den Fußgänger beinahe über den Haufen fahren, sofern er nicht schnell genug sublimiert.

Nun ist es kein großes Geheimnis, dass Autofahrer in der Regel mit ebenso wenig Regelkenntnis ausgestattet sind, zumal ein Teil der Autofahrer so gut wie nie im Sattel sitzt. Das Verhalten jener Autofahrer ist hinreichend lästig, sobald mit unzureichendem Sicherheitsabstand überholt wird oder gar der Außenspiegel unter dem Ellenbogen durchflitzt. Es wird aber umso gefährlicher, sobald Autofahrer vermeintliches Fehlverhalten erkennt, was aufgrund mangelnder Kenntnis der Verkehrsregeln relativ häufig geschieht, und anschließend zur Selbstjustiz tendiert, wenn der Radfahrer beim Überholen absichtlich geschnitten oder ihm beim legalen Befahren einer Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung der Weg versperrt wird. Es gibt sogar relativ viele Straßen ohne Radwege, in denen man als Fahrradfahrer auf der Fahrbahn sofort erzieherisch bedrängt und behupt wird, weil Autofahrer davon ausgehen, dass hier der Gehweg befahren werden müsste — schließlich machen das alle anderen Radfahrer ja auch und vermutlich würde der Autofahrer auch ganz automatisch mit seinem Rad dort landen. Wer als Radfahrer schon einmal versucht hat, eine solche Nötigung bei der Polizei zur Anzeige zu bringen, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit direkt auf der Wache von seinem Vorhaben abgebracht — es war ja nur ein Fahrrad und außerdem ist ja nichts passiert. Selbst bei Vorfahrtsverstößen mit Feindberührung zeigt sich die Ordnungsmacht überraschend desinteressiert, sofern denn Fahrrad oder Radfahrer nicht wenigstens von ein paar kapitalen Schrammen gezeichnet sind oder der Autofahrer Unfallflucht beging. Dann gibt es natürlich immer wieder belustigende Situationen, wenn ein Autofahrer seinen Wagen auf dem Radweg abstellt und beim Aussteigen dem Radfahrer auf der Fahrbahn hinterherruft, dass es ja auch einen Radweg gäbe. Oder umgekehrt der Radfahrer auf den Gehweg ausweicht, um sich dort mit Fußgängern anzulegen.

Es braucht dementsprechend wenig Fantasie sich vorzustellen, dass die deutschen Polizeiwachen in den Wochen nach der Einführung eines Fahrradkennzeichens einen regelrechten Ansturm wütender Verkehrsteilnehmer erleben werden. Da werden Fußgänger stehen, die während ihres Spazierganges gleich zehn Radfahrer aufgeschrieben haben, die aus den oben genannten Gründen den Gehweg befuhren und Autofahrer, die gleich dutzende Radfahrer zur Rechenschaft ziehen wollen, die vollkommen legal auf der Fahrbahn oder gegen eine Einbahnstraße fuhren. Es mangelt bei fast allen Verkehrsteilnehmern an Regelkenntnis und die Polizei wäre hoffnungslos überlastet. Außer, ja, außer man wehrt einen Großteil der Begehrlichkeiten mit ebenjener Ignoranz ab, mit der man sich schon heute durch Überlastung von genötigten Radfahrern schützt — aber dann hätte man ja kein Fahrradkennzeichen einführen brauchen.

Und wenn sich dann doch einmal eine Anzeige in den Briefkasten eines Radfahrers verirrt, so wird mit großer Wahrscheinlichkeit eher eine harmlose Radfahrerin treffen, die aus den nun schon ausreichend dargelegten Gründen der vermeintlichen Sicherheit den Gehweg befuhr als den tatsächlichen Fahrrad-Rowdy, der rücksichtslos durch die Fußgängerzone preschte oder bei rot über die Ampel. Im Endeffekt bleibt das Fahrradkennzeichen allenfalls eine weitere, effektive Möglichkeit, um den Radverkehrsanteil weiter zu senken. Der ständige Krieg zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern wird besonders beim Hassobjekt des Zweiradfahrers davon sorgen, über längere Zeit jeden nicht allzu resistenten Radfahrer auszusortieren.

Übrigens: gerne wird als Paradebeispiel für ein funktionierendes Fahrradkennzeichen die Velo-Vignette aus der Schweiz hervorgeholt. Die Vignette ist allerdings im Gegensatz zu dem hier geplanten Kennzeichen ein Versicherungskennzeichen und überdies nur aus nächster Nähe ablesbar, also vollkommen ungeeignet, um potenzielle Gehwegradler oder Rotlichtsünder zu identifizieren. Und als wäre das für die kennzeichenfreundliche Argumentation nicht schlimm genug, wird sie voraussichtlich abgeschafft.

Peter Ramsauer liebäugelt schon wieder

Der Sommer ist seit einem Monat vorbei, das Sommerloch noch lange nicht: Ramsauer liebäugelt mit Helmpflicht für Radfahrer

(…) Der Erfolg des Fahrrades bringt auch eine Menge Probleme: Die Zahl der Unfälle mit schweren oder gar tödlichen Verletzungen ist weiterhin alarmierend hoch. Für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist das nicht hinnehmbar – und er weiß auch genau, wessen Aufgabe es ist, für Abhilfe zu sorgen. Die Radfahrer sollen sie von sich aus mit Helm fahren – oder die Bundesregierung macht den Kopfschutz zur Pflicht. „Wenn sich die Helmtragequote von neun Prozent nicht signifikant auf weit über 50 Prozent erhöht in den kommenden Jahren, dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen“, sagte Ramsauer am Dienstag in Berlin. (…)

Soweit nichts neues. Besorgniserregend geht’s weiter:

(…) Es bereite ihm große Sorge, dass etwa jeder zweite tödliche Fahrradunfall auf schwere Kopfverletzungen zurückgehe. (…)

Aha, na prima, dann wird die Bundesregierung mit Herrn Peter Ramsauer als treibende Kraft sicher etwas unternehmen, um die Straßen für Radfahrer sicherer zu machen. Bis zum Ende des Artikels findet sich dazu… nichts.

Man kommt nicht umhin, bei der Helmpflicht auch das sensible Thema der unsinnigen Radverkehrsführungen anzusprechen, bei denen Radfahrer mit entsprechender Beschilderung auf holprige Radwege gezwungen werden, um sich an der nächsten Kreuzung von den Rechtsabbiegern gefährden zu lassen, oder aber so dicht an Bushaltestellen, Hauseingängen und Ausfahrten vorbeigeführt werden, dass es alle paar hundert Meter zu gefährlichen Situationen kommt. Die meisten Radfahrer sind so sehr an die widrigen Umstände des Radfahrens gewöhnt, dass es grundsätzlich normal ist, auf seine Vorfahrt zu verzichten.

Das grundsätzliche Problem an so manchem Fahrradunfall dürfte das Unwissen der Beteiligten sein, denn außer in der Grundschule, wo die jungen Radfahrer lernen, mit dem Rad nicht umzukippen, auf der weiterführenden Schule, wo behelmte Wassermelonen von der Leiter geworfen werden, und in der Fahrschule, wo das Wort Radfahrer mit etwas Glück beim Thema Autobahn fällt, die von einem Radfahrer nicht befahren werden dürfen, findet keinerlei Fahrradunterricht statt.

Nun muss man nicht gleich auf die Einführung eines Fahrradführerscheines drängen, aber es wäre hilfreich, wenn Radfahrer in der Autonation Deutschland nicht langer bloß als beräderte Fußgänger gelten müssten, die sich mehr schlecht als recht durch den Straßenverkehr kämpfen. Den meisten Radfahrern dürfte gar unbekannt sein, welchen Straßenteil sie überhaupt befahren dürfen. Während die Fahrbahn von den meisten Radfahrern aus trügerischem Sicherheitsgefühl gemieden wird, ist man auf Rad- und Gehwegen hingegen fröhlich in beiden Fahrtrichtungen unterwegs. Dass mit dem Aufsteigen aufs Rad gleich vollkommen unterschiedliche Verkehrsregeln im Gegensatz zu Fußgängern gelten, dürfte ebenso unbekannt sein — vermutlich ist es nur dem ähnlichen Unwissen der Autofahrer zu verdanken, dass Radfahrer am Fußgängerüberweg nicht gleich reihenweise umgefahren werden.

Autofahrer sind im Allgemeinen noch schlechter über die Radverkehrsregeln informiert, denn wer lieber auf vier Rädern unterwegs ist, wird sich nur selten über die widrigen Regeln Gedanken machen, mit denen Radfahrer im Allgemeinen kämpfen. Unvergessen ist die Selbstjustiz, mit denen Radfahrer auf Radwege gedrängt werden sollen, die möglicherweise nicht benutzungspflichtig sind und womöglich noch von Wurzelaufbrüchen, Mülltonnen und parkenden Autos versperrt werden. Beim Abendessen beschwert sich der Vater, dass „diese Radfahrer“ ständig gegen die Einbahnstraße führen, obwohl das mit Zusatzschildern seit Jahren erlaubt ist. Tatsächlich gab es schon motorisierte Verkehrsteilnehmer, die ganz überraschend von den Polizeibeamten erfuhren, dass der Radverkehr den normalen Vorfahrtsregeln unterliegt und der angefahrene Radfahrer aus der rechten Querstraße Vorfahrt hatte.

Es gibt also tatsächlich eine ganze Menge an Problemen, an deren Behebung man für die Sicherung des Radverkehrs angreifen könnte. Herr Peter Ramsauer, mutmaßlich eher selten bis nie mit dem Rad unterwegs, was leider auch für die meisten Mitarbeiter von Straßenverkehrsbehörden gelten dürfte, will aber leider nicht die Unfallrisiken für Radfahrer senken. Man möchte beinahe zynisch behaupten, Radfahrer sollten ruhig weiter im Straßenverkehr verunfallen, dann aber theoretisch nicht so häufig sterben.

Obwohl man über die Wirksamkeit von Fahrradhelmen prächtig streiten kann, sind die Nebenwirkungen einer allgemeinen Helmpflicht durchaus plausibel: der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr sinkt — so geschah es wenigstens in all jenen Staaten nach der Einführung der Helmpflicht. Es ist dabei unerheblich, um Verkehrsteilnehmer aus Angst um ihre Frisur, aus Stolz oder aus Zweifeln an der Helmwirksamkeit nicht mit Fahrradhelm fahren wollen. Das Phänomen dürfte jeder Motorradfahrer bei der Ausfahrt während der ersten Frühjahrstagen kennen: die vierrädrigen Verkehrsteilnehmer sind weder an die Erscheinung eines Motorrades gewöhnt noch an dessen mögliche Geschwindigkeiten.

Natürlich gibt es noch eine ganze Weile ungeklärter Probleme. Wer etwa erklärt Kindern, dass ein Helm im Straßenverkehr Pflicht ist, auf dem Spielplatz aber auf keinen Fall getragen werden darf? Und falls die Fahrradverleihstationen, die sich momentan aufgrund der Popularität des Zweirades wachsener Beliebtheit erfreuen, auch einen Helmverleih anbieten, wer kontrolliert denn, ob ein solcher Helm überhaupt noch sicher und nicht schon mehrmals auf den Asphalt geprallt ist?

Überhaupt darf man davon ausgehen, dass die Versicherungen die Helmpflicht gerne nutzen werden, um bei Unfällen die Zahlung zu verweigern, falls kein Helm oder der Helm nicht vorschriftsmäßig getragen wurde — die Radfahrer, die heutzutage mit Helm unterwegs sind, tragen zwar einen Helm, in den seltensten Fällen allerdings so, dass er bei einem Unfall tatsächlich seine maximale Schutzleistung entfalten könnte.

Der rechtliche Rahmen zur Helmpflicht ist übrigens nicht so einfach, wie Herr Peter Ramsauer das gerne hätte. Und falls er in den nächsten Wochen ein neues Thema abseits des Radverkehrs zur Steigerung der eigenen Popularität sucht: die Bundesrepublik Deutschland hat seit nunmehr zwei Jahren keine gültige Straßenverkehrsordnung mehr und mit den versprochenen Wechselkennzeichen geht es noch immer nicht so recht voran. Und es gibt noch eine Reihe weiterer Tätigkeiten außer Fahrradfahren, bei denen Kopfverletzungen die Haupttodesursache sind.

Eines hingegen ist sicher: eine wirkliche Verbesserung des Radverkehres wird es zumindest von Herrn Peter Ramsauer nicht geben.

Immerhin: auch am Ende des SPIEGEL-Artikels weiß man nicht so recht, wie einem eigentlich geschieht.

(…) Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) lehnt hingegen eine Helmpflicht ab. (…) Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) befürchtet, dass die Pflicht eher die Gefährdung erhöhen wird, weil viele sich dann wieder ins Auto setzten. (…) kritisierte der ADFC.

Man darf mutmaßen, dass in einem der beiden Absätze eigentlich der ADAC gemeint sein dürfte — welcher das ist, kann man aufgrund der Kongruenz der Meinungen gar nicht erkennen.

Was dürfen Autofahrer sich alles erlauben?

Radler gegen Autofahrer — der tägliche Kleinkrieg nervt beide Seiten. Fahrradfahrer fragen sich: Dürfen die sich eigentlich alles erlauben?

BILD versucht nach eigenen Angaben aufzuklären — und scheitert wie erwartet. Der Artikel macht freilich auch nicht den Eindruck eines Versuches, sich dem Thema Radverkehr auf eine recherchierte und wohlüberlegte Art zu nähern. Mutmaßlich war hier der berühmte Praktikant im Einsatz, der mit wenig Mühe und noch weniger Fachkenntnissen eine kurze Klickstrecke gebastelt hat. Schon die erste Information ist reichlich misslungen:

Wann darf ein Radfahrer überhaupt auf der Straße fahren?
Ist ein Radweg vorhanden, müssen Radfahrer ihn benutzen. Wer trotzdem auf der Straße fährt, riskiert 15 Euro Strafe. Wer andere dabei behindert, zahlt 20 Euro.

Die versuchte Abhandlung über die geltende Rechtslage disqualifiziert sich schon in Ermangelung von Fachbegriffen. Sofern ein Radfahrer nicht gerade durch einen Park oder einen Fluss fährt, benutzt er ohnehin die Straße, denn zu ihr gehört nicht nur die eigentliche Fahrbahn, die umgangssprachlich als ebenjene Straße bezeichnet wird, sondern auch Seitenstreifen und Sonderwege, also auch Rad- und Gehwege.

Abgesehen davon muss ein Radfahrer längst nicht jeden vorhandenen Radweg benutzen, sondern lediglich benutzungspflichtige Radwege, also jene, die mit Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 gekennzeichnet sind. Bei allen anderen Wegen handelt es sich lediglich um so genannte „Andere Radwege“, deren Benutzung im Allgemeinen nicht zu empfehlen ist. Die Probleme beginnen bereits mit deren Erkennbarkeit, denn ohne die blauen Verkehrsschilder muss ein solcher Radweg erst einmal gefunden werden. Bei den schwarzen Teerstreifen, die sich in vielen Städten zwischen Gehweg und Fahrbahn entlangschlängeln, handelt es sich freilich um leicht erkennbare Andere Radwege.

Leider ist längst nicht jeder Anderer Radweg so leicht zu erkennen, besonders wenn sich Rad- und Gehweg nur durch die Art oder Farbe der Pflasterung unterscheiden, wobei es nicht nur zwischen verschiedenen Städten, sondern bereits von Straße zu Straße variierende Farben und Muster gibt. Mancherorts wird sogar nur eine schmale Fuge oder ein dünner weißer Strich eingesetzt, um einen Anderen Radweg abzugrenzen. Solche Anderen Radwege werden zum Problem, sobald es zu einem Unfall, im schlimmeren Falle sogar zu einer Kollision mit einem Fußgänger kommt, die gerade bei schlecht erkennbaren Radwegen wahrscheinlicher werden — in solchen Fällen wurde schon so mancher Radfahrer belehrt, dass jene Fläche, die er jahrelang für einen Radweg hielt, in Wirklichkeit nur ein Gehweg ist, den er gar nicht hätte befahren dürfen.

Das größte Problem der Radwege soll dabei nicht unerwähnt bleiben: es gibt kaum einen Radweg, der wirklich den Anforderungen entspricht und angenehm zu befahren ist. Fußgänger, Mülltonnen, Verkehrsschilder, öffnende Autotüren, parkende Fahrzeuge blockieren den Radweg, er wird von Baumwurzeln aufgebrochen, an jeder Einfahrt abgesenkt, mit unebenen Gullideckeln verziert, im Winter nicht geräumt, im Herbst nicht vom Laub gereinigt und im Frühjahr nicht von Schlaglöchern befreit und im Sommer, ja, im Sommer sind dort die sonntäglichen Geisterradler unterwegs. Ein benutzungspflichtiger Radweg wird in solchen Fällen unbenutzbar, so dass Radfahrer die Fahrbahn nutzen dürfen. Übrigens darf ein benutzungspflichtiger Radweg auch verlassen werden, wenn nicht ersichtlich ist, dass er zum eigentlichen Ziel führt, wenn er nicht straßenbegleitend geführt wird oder Radfahrer an Kreuzungen direktes Linksabbiegen praktizieren wollen.

Im Zweifelsfall und abseits der blauen Fahrradschilder sollten Radfahrer auf jeden Fall die Fahrbahn benutzen. Autofahrer haben dafür in der Regel wenig Verständnis — und es ist davon auszugehen, dass das Miteinander zwischen Zwei- und Vierradführern nach solchen Artikeln für ein paar Wochen ganz besonders gestört wird, wenn Kraftfahrzeugführer von solchem Unsinn ermutigt mit Hupe und Scheibenwaschanlage zur Selbstjustiz greifen.

Abzuraten ist übrigens in jedem Fall von so genannten freigegebenen Gehwegen. Auf solchen Wegen dürfen Fahrradfahrer nur mit Schrittgeschwindigkeit bewegt fahren und haben im Falle eines Unfalls beinahe immer das Nachsehen. Es gibt in der Regel keinen vernünftigen Grund, als Radfahrer solche Wege zu nutzen.

Der nächste Unfug wartet nur drei Mausklicks entfernt:

Haben Radfahrer Vorrechte am Zebrastreifen?
Nicht wenn sie über den Zebrastriefen radeln. Sie müssen absteigen.

Auch das Thema Fußgängerüberwege und Radfahrer ist in zwei Sätzen längst nicht zu bewältigen. Richtig ist: Radfahrer haben keinen Vorrang am Fußgängerüberweg. Falsch ist: Radfahrer müssen absteigen. Tatsächlich dürfen Radfahrer den Zebrastreifen benutzen, um die Fahrbahn zu überqueren, sie haben dabei bloß keinen Vorrang. Sie können sich beim Warten auch an einem Laternenpfahl oder am Pfahl des Zeichen 350 festhalten — wenn sie nämlich absteigen, hat das einen ganz anderen Effekt, dann werden sie zum Fußgänger und bekommen im Handumdrehen den zuvor verwehrten Vorrang. Das bringt allerdings sogar der ADAC gerne durcheinander.

Nun gibt es in der Praxis nur wenig Fälle, in denen Radfahrer überhaupt in die Verlegenheit kommen, einen Fußgängerüberweg zu benutzen, sofern nicht vorher verbotswidrig der Gehweg befahren wurde oder entgegen der Vorschriften ein Radweg längs über den Fußgängerüberweg geführt wird. Solche Fälle bedürfen einer separaten Untersuchung.

Sofern der Radverkehr nicht ohnehin auf der Fahrbahn geführt wird, sollte parallel zum Fußgängerüberweg eine Radfahrerfurt eingerichtet werden. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Hier haben Radfahrer in jeder Situation Vorrang, denn der Radweg wird auf der Seite der Sparkasse straßenbegleitend zu einer Vorfahrtstraße geführt, das rote Auto muss also jegliche Radfahrer durchlassen. Sofern das graue Auto jetzt nach rechts in die Straße abbiegen würde, müsste es ebenfalls Radfahrer passieren lassen, denn beim Abbiegen muss in einer solchen Situation ohnehin Vorrang gewährt werden. Radfahrer bekommen also keinen Vorrang aufgrund eines Fußgängerüberweges, verlieren ihn jedoch auch nicht. Aufgrund der verkürzten Darstellung der BILD wären in nächster Zeit beinahe häufigere Unfälle an solchen Punkten zu erwarten.

Interessant sind auf jeden Fall noch die zum Artikel gehörigen Kommentare, bei denen man nicht genau weiß, ob sie den Durchschnitt der BILD-Leser oder den Durchschnitt der deutschen Autofahrer widerspiegeln. Dort wird, bestärkt durch die Falschinformationen im Artikel, so kräftig über Radfahrer hergezogen, dass ein Anstieg der Unfallzahlen in den nächsten Wochen tatsächlich unvermeidbar erscheint. Gerade der Radfahrer auf der Fahrbahn, der dort gerne als „fettleibiger Jan Ullrich“ dargestellt wird, scheint das größte Feindbild der deutschen Autofahrer zu sein, dem es mit Hupe und Scheibenwaschanlage zu begegnen gilt. Andere Autofahrer stellen fest, dass eine Unbenutzbarkeit eines Radweges ohnehin nicht gegeben sei und Radfahrer sowieso auf Radwegen viel besser aufgehoben seien. Außerdem sei es eine Frechheit, dass Radwege nicht benutzt werden, wenn doch zuvor mit Milliardensummen und viel Arbeit extra ein solcher Weg hergerichtet wurde — und wozu habe man den schließlich gebaut, wenn nicht für die Sicherheit?

Wenn ich so einen „Jan Ullrich“ für Arme sehe .. die benehmen sich so als ob es keinerlei Gesetze / Regeln für sie gäbe.
ich plädiere für eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder und drastische Strafen

Ob eine Kennzeichenpflicht, die ständig von Autofahrern gefordert wird, tatsächlich etwas bringt darf wohl bezweifelt werden. Kraftfahrzeuge fahren schon seit Jahrzehnten mit Kennzeichen, vom Drängeln auf der Autobahn oder dem Gasgeben bei gelber Ampel hält das offenbar nur wenige ab. Allerdings könnte man auch für solche Vergehen die Bußgeldsätze etwas anziehen: 35 Euro für eine innerörtliche Geschwindigkeitsüberschreitung von zwanzig Kilometern pro Stunde sind ja beinahe lächerlich.

Ich finde es schlimm dass sich viele Fahrradfahrer das Recht nehmen zu fahren wo sie wollen.Bei uns wurden für viele Millionen Radwege gebaut,doch werden sie einfach ignoriert da manchmal ein kleiner Umweg gefahren werden muß.

Gut gemeint ist nunmal das Gegenteil von gut gemacht. In den seltensten Fällen genügt ein Radweg den baulichen Mindestvorgaben und stellt tatsächlich eher eine Gängelung als eine Erleichterung des Radverkehrs dar. Und so lange selbst benutzungspflichtige Radwege verlassen werden dürfen ist das vollkommen legitim. Der „kleine Umweg“ tritt besonders häufig bei großen Kreuzungen in Großstädten auf, wenn zum Linksabbiegen mehrere einzelne Ampeln überquert werden müssen. Da liegt es natürlich nahe, sich zum schnellen Linksabbiegen auf der Fahrbahn einzuordnen.

Fußgängerüberwege sind Fußgängerüberwege geblieben – Radfahrer haben dort abzusteigen!!!

Der Unfug wird weder durch Ausrufezeichen noch durch Wiederholungen wahr.

ein kontrollierender Polizist ist kein Rechtsanwalt und muss nicht alle „aktuellen Urteile“ kennen. Er hat die StVO zur Verfügung und steht es eineindeutig: vorhandener Radweg – Nutzungszwang!!!

Der Autor dieses Beitrages hatte offenbar keine Straßenverkehrsordnung zur Verfügung.

Andererseits ist es wahrlich müßig, sich mit solchen Leuten zu unterhalten. Im Endeffekt läuft es wie im Straßenverkehr, wenn ein Autofahrer an der roten Ampel genüsslich das Fenster herunterlässt und mit ekligem Unterton fragt: „Schon mal was von Radwegen gehört?“ und man erklären möchte, dass das, was der Autofahrer als Radweg identifizierte, bloß ein breiter Gehweg ist — der Gesprächspartner ob der grünen Ampel aber längst das Gaspedal getreten hat und über alle Berge ist. Somit bleibt nur etwas Frust — und mit dem können Radfahrer offenbar sehr viel besser umgehen als Autofahrer.

Peter Ramsauer überrascht: Kraftfahrer finden Radfahrer doof

Peter Ramsauer gehört zu den Menschen, die große Pläne mit schlussendlich ganz überschaubaren Ergebnissen schmieden. Man wird nicht so richtig schlau aus dem Mann, nicht als Kraftfahrer, obschon er doch als erklärter Lobbyist der Automobilindustrie gilt, schon gar nicht als Radfahrer, denn obschon er mutmaßlich ein eigenes Zweirad besitzt, sitzt er allenfalls zu Fototerminen mit nicht an den Kopf angepassten Fahrradhelmen im Sattel.

Nachdem der Begriff des Kampfradlers schon als gemeinhin etabliert gelten darf, legt Ramsauer noch einmal nach: Ramsauer attackiert rücksichtslose Radfahrer

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer fordert von den Bundesländern, Radfahrer strenger zu kontrollieren. Rücksichtslose Radler hielten sich offenbar für „Robin Hoods der Straße“.

Alles böse kommt natürlich von diesen Radfahrern und das weiß Peter Ramsauer sogar mit Zahlen zu untermauern:

77 Prozent von 1600 Befragten beklagten, dass sich Radfahrer häufig über die Verkehrsregeln hinwegsetzen. Andererseits warf mehr als jeder zweite Befragte (56 Prozent) den Autofahrern vor, zu wenig Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen. Auf verhaltene Zustimmung traf der Vorschlag, die Verkehrsverstöße von Fahrradfahrern konsequenter zu ahnden (55 Prozent).

Als „erschütternd“ soll Ramsauer diese Werte bezeichnet haben, vermutlich aber eher wegen der bösen Radfahrer und nicht aufgrund immerhin jedes zweiten Verkehrsteilnehmers, der sich schon einmal von Kraftfahrern bedrängt gefühlt hatte. Nun braucht aber auch gar keine unnötige Lebenszeit zur Debatte über diese Umfrageergebnisse verschwendet werden, denn im Endeffekt ist alles ganz einfach:

An der Umfrage nahmen 1600 Menschen teil, die zur Hauptuntersuchung an eine Dekra-Niederlassung kamen.

Noch repräsentativere Orte für eine solche Umfrage wären vermutlich Autohändler höherpreisiger Marken gewesen.