stern TV: Endlich wieder Fahrradhelme

Das war ja ziemlich knapp. Während der Abschlussarbeit zu kurz gekommen ist die letzte stern-TV-Sendung, die noch bis heute Abend bei RTL NOW zu sehen ist: Helmpflicht für alle?

Dieser Artikel könnte an dieser Stelle mit der Feststellung enden, dass es halt um eine Helmpflicht geht und sich die Diskussion auf dem üblichen Niveau abspielt. Das wäre allerdings zu einfach, denn der Artikel zur Sendung beginnt schon mit den Worten:

Viele Unfälle von Radfahrern enden tödlich, weil sie keinen Helm tragen. Dennoch sind Fahrradhelme kaum verbreitet. stern TV diskutiert mit Experten über Sinn und Unsinn einer allgemeinen Helmpflicht.

Das ist in dieser Form nicht richtig. Viele Unfälle von Radfahrern entstehen beispielsweise aufgrund mangelhafter Infrastruktur, schlechten Radverkehrsanlagen, sowie dem Fehlverhalten verschiedener Verkehrsteilnehmer — letzteres geht gar nicht mal unbedingt nur von Kraftfahrern aus. Ob ein schwerer Unfall tödlich endet oder nicht hängt dagegen nicht primär von einem Fahrradhelm ab: Salopp gesagt gibt es noch genügend andere Möglichkeiten, bei einem Unfall zu Tode zu kommen. Die folgenden Absätze sind angenehm und belasten den Leser nicht mit schwierigen Argumentationen: Eine Helmpflicht muss unbedingt her.

Die negativen Erfahrungen einer Helmpflicht in anderen Ländern werden mitsamt ihrer Auswirkungen auf den Radverkehrsanteil zwar erwähnt, aber nicht länger beleuchtet, denn guckt euch den 17-jährigen Leon an, der ohne Helm durchs Beifahrerfenster geflogen kam. Überhaupt spielt nicht nur der Artikel, sondern auch die dazugehörige Sendung eher mit den Gefühlen des Lesers in Kombinationen mit blutigen Bildern von verunfallten Kindern denn mit Argumentationen.

Die Argumente, die kleben nämlich an der linken Seite des Artikels. Sieben Punkte für eine Helmpflicht hat man zusammengetragen, darunter echte Schwergewichte wie Vorbildfunktionen und Sicherheitsgurte:

  • Der Fahrradhelm kann Leben retten.

    Auch wenn das erst einmal nicht verkehrt ist, scheint ein solches Argument so sinnvoll wie „Ein Fahrradhelm ist ein Fahrradhelm“. Das Potenzial, die Schwere von Verletzungen zu reduzieren und womöglich den Tod zu verhindern ist nunmal die Hauptaufgabe eines Fahrradhelmes, das kann man auch gleich noch mal als Argument anführen, aber unbedingt sinnvoll ist das nicht.

  • Der Sicherheitsaspekt ist wichtiger als gutes Aussehen. Zudem gibt es auch schicke Helme.

    Die perfekte Frisur ist ohnehin ein seltsames Argument. Wenn Radfahren so gefährlich ist, dass ein Helm getragen werden muss, dann darf die Frisur nun wirklich keine Rolle mehr spielen. Falls nicht, ist es aber nur legitim, wenn Radfahrer sich nach ihrer Ankunft auf der Toilette nicht erst wieder die Haare machen wollen.

  • Früher hat niemand einen Sicherheitsgurt oder einen Skihelm getragen, heute ist es selbstverständlich.

    Der Vergleich zwischen Sicherheitsgurt und Fahrradhelm ist immer ein bisschen kompliziert. Abgesehen davon, dass bezüglich der Schutzwirkung unterschiedliche Ergebnisse vorliegen, kann ein Helm auf dem Fahrrad nunmal dafür sorgen, dass eine bestimmte Gruppe von Radfahrer, die keine überzeugten Alltagsradler sind, lieber die Finger vom Lenker lassen. Wie schon erwähnt kommt das Rad häufig ohnehin nur aus dem Keller, wenn Wetter und Windrichtung und Streckenlänge und die persönliche Laune auf einer Linie sind, wenn jetzt noch ein Helm mit ins Spiel kommt, verlieren eventuell eine ganze Menge Menschen die Lust am Radeln. Einen ähnlichen Effekt gab’s damals auch bei der Einführung der Gurtpflicht, nur kam kaum jemand ernsthaft auf die Idee, aufgrund dieser Pflicht vom Auto auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

  • Die Dunkelziffer bei Radfahrunfällen ist hoch, es gibt mehr Unfälle, als im Krankenhaus behandelt werden. Auch in diesen Fällen ist der Kopfschutz relevant.

    In der Dunkelziffer stecken aber zum Glück so gut wie keine Fälle, in denen einer der Unfallbeteiligten zu Tode kam. Und in den anderen Fällen ist dieser Punkt außergewöhnlich flexibel: Ja, es gibt eine Dunkelziffer in der Unfallstatistik, die bei Radfahrern sogar ganz erheblich ist. Inwiefern da allerdings ein Helm mögliche Verletzungen gemindert hätte, ist trotzdem hochspekulativ, weil sich Schätzungen zufolge die Dunkelziffer vor allem bei Unfällen ohne Personenschäden oder bei relativ geringen Verletzungen bemerkbar macht. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Unfallopfer bei Kopfverletzungen, bei denen ein Helm mehr als bloß eine Beule verhindert hätte, sich einem Arzt vorstellen.

  • Das Fahrradaufkommen würde durch eine Helmpflicht nicht gravierend beeinträchtigt. Erfahrungen aus anderen Ländern sind auf Deutschland nicht ohne weiteres übertragbar.

    Das Fahrradaufkommen wurde in beinahe allen untersuchten Ländern erheblich beeinträchtigt, und zwar nach unten. Warum gerade Deutschland eine Ausnahme bilden sollte, wird leider nicht begründet — im Text selbst hat man sich der Begründung ja mit dem 17-jährigen Leon entledigt. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass ausgerechnet in Deutschland, in denen das Fahrrad noch immer als Verkehrsmittel für Studenten und Arbeitslose gilt, bei einer Helmpflicht sehr viel mehr Verkehrsteilnehmer wieder hinter dem Steuer Platz nähmen. Schließlich setzt sich der Radverkehrsanteil offenbar aus sehr vielen Radfahrern zusammen, die nur bei gutem Wetter und annehmbaren Windverhältnissen bei bestimmten Streckenlängen aufs Rad steigen — wenn jetzt eine Helmpflicht störend in diese empfindliche Abwägung eingreift, dürfte sich das im Radverkehrsanteil recht schnell niederschlagen.

  • Das Nichttragen eines Helms kann in strittigen Unfällen das zugesprochene Schadensersatz- und Schmerzensgeld von Versicherungen mindern, wie ein vorläufiges Urteil bereits gezeigt hat.

    Das ist ein Argument für Fahrradhelme, aber nicht für eine Fahrradhelmpflicht. Der auf diesem Blog schon dutzendfach angesprochene § 254 BGB gilt übrigens nicht nur beim Radfahren bezüglich Fahrradhelmen, sondern auch in vielen anderen Bereichen des Alltags, in denen nicht trotzdem gleich deswegen ein Verbot oder eine Pflicht eingeführt wurde.

  • Erwachsene sollten Kindern ein Vorbild sein. Von fast allen Kindern verlangen wir, einen Fahrradhelm zu tragen.

    Von allen Argumenten ist und bleibt die Sache mit der Vorbildfunktion allerdings auch das dümmste.

Interessanterweise sind die sieben Argumente gegen eine Helmpflicht tendenziell gehaltvoller, auch wenn sich dazwischen der Hinweis auf Arm- und Beinprotektoren versteckt, ohne die offenbar kein Artikel über eine Fahrradhelmpflicht auskommt. Immerhin lässt sich an diesem Beispiel schnell erkennen, inwiefern die Redaktion den § 254 BGB und die Mechanik hinter dem Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes verstanden hat. Man könnte angesichts der wackeligen Argumentation der Pro-Helmpflicht-Fraktion glatt vermuten, dass eine Helmpflicht tatsächlich so unsinnig ist wie die Sache mit der Vorbildfunktion.

Das schlimme an diesem Artikel ist: Es gibt noch einen knapp viertelstündigen Film von stern TV dazu. Etwa ab Minute 46 geht’s los mit der obligatorischen Umfrage im Publikum, wer Fahrradhelme für sinnvoll hält (fast alle) und wer beim Radfahren einen trägt (fast niemand), was zwischen den von Steffen Hallaschka abgelesenen Zeilen wohl schon ein erster Beweis für die Notwendigkeit einer Pflicht sein soll.

Im eigentlichen Beitragsfilm greift schon wieder die Vorbildfunktion, bei der ein Junge mit einer Polizeikelle unbehelmte Radfahrer anhält und ihnen ein recht blamierendes Herumgedruckse entlockt. Ganz unabhängig von der Fahrradhelm-Thematik ist es auch nicht so ganz großartig, mit der Winkerkelle einen auf Verkehrskontrolle zu machen und Radfahrer zum Anhalten zu zwingen.

Flankiert wird der Beitrag wieder von Greta und Leon, die mit und ohne Fahrradhelm in einem Unfall verwickelt wurden und aus unterschiedlichen Gründen noch am Leben sind. In der Mitte: Ein rätselhafter Crash-Test. Ein radfahrender Dummy und ein Kraftfahrzeug fahren mit zwanzig Kilometern pro Stunde parallel nebeneinander, als plötzlich das Auto rechts abbiegt und den Dummy auf die Hörner nimmt. Kurz vor dem Zusammenstoß, man sieht das Auto schon am Hinterreifen des Fahrrades einschlagen, hält der Film an, wechselt die Perspektive, plötzlich trifft das Auto den Vorderreifen, der Dummy mit dem linken Bein die Motorhaube, über die er anschließend hinüberfliegt, um dann beinahe senkrecht mit dem ungeschützten Kopf den Boden zu treffen. Man kann sich vorstellen, dass das nicht gesund ausgegangen ist. „Schwerste Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen“ diagnostiziert der eingeblendete Text.

Der Dummy lernt dazu, trägt bei der zweiten Fahrt seinen Fahrradhelm und rutscht deshalb im Vergleich zum ersten Versuch schon beinahe gemütlich über die Motorhaube, um dann zwei Meter vor dem Wagen auf die linke Schulter zu prallen. Der behelmte Kopf trifft unterwegs einmal den ausgestreckten Arm, als der wiederum von der Motorhaube abprallt, und hat eventuell noch einmal kurzen Kontakt mit dem Boden, das lässt sich leider aus der Kameraperspektive nicht eindeutig erkennen. So ein Glück für ihn: Dank des Helmes hat er so geringe Verletzungen, dass er allerhöchstens drei Tage lang Kopfschmerzen hat.

Schwachsinn. Da ist ja sogar der Melonentest aussagekräftiger, denn da fliegt der Kopfersatz wenigstens aus ungefähr der gleichen Höhe von der Leiter auf den Schulhof. Beim ersten Versuch flog der Dummy mit dem Kopf voran durch die Luft auf den Asphalt, was mit einem Fahrradhelm ganz sicher nicht so sehr viel besser ausgegangen wäre. stern TV suggeriert ja nicht nur, der Helm hätte in einem solchen Fall die Verletzungen der Wirbelsäule gemindert, wovon ja nun wirklich nicht auszugehen ist, sondern dass der Dummy mit Helm wie im zweiten Versuch nur ein paar Tage Aspirin nehmen müsste.

Der zweite Versuch hingegen lief so glimpflich ab, dass es sogar möglich scheint, dass die Schutzreflexe des Menschen, mit denen der Dummy nunmal nicht gesegnet ist, den Kopf vollends aus der Gefahrenzone befördert hätten. Was soll denn diese Versuchsanordnung überhaupt bedeuten? Ohne Helm fliegt man wie ein Geschoss durch die Luft, um direkt auf den Kopf zu knallen, während man mit Fahrradhelm locker in Kaffeekränzchen-Haltung über die Motorhaube rutscht und mit Kopfschmerzen davonkommt? Das kann doch nicht ernst gemeint sein. Zusammen mit dem seltsamen Perspektivenwechsel aus dem ersten Versuch möchte man glatt vermuten, dass der Dummy so häufig umgefahren wurde, bis das Ergebnis gepasst hat: „Ein Helm nützt, das ist ganz klar!“

Okay, schnell weiter, vorgestellt werden jetzt die Befürworter einer Helmpflicht: Der stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes, Heiko Maas, der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann und Christian Carius, Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr des Freistaats Thüringen.

Dann kommt der ADFC zu Wort, der zwar für Fahrradhelme, aber gegen eine Pflicht ist, und Roland Huhn darf erzählen, warum eine Helmpflicht negative Auswirkungen auf den Radverkehrsanteil hat. stern TV macht es Maas, Hermann und Carius ganz angenehm und übernimmt die Pro-Helmpflicht-Argumentation gleich selbst, indem es die Länder mit Helmpflicht aufzählt und suggeriert, sie hätten gar nicht solche schlechten Erfahrungen gemacht. Die Liste klingt beeindruckend: Australien, Finnland, Neuseeland, Südafrika, einige Bundesstaaten der USA und einige Gebiete von Kanada. Nicht erwähnt werden die Länder, die eine Helmpflicht wieder abgeschafft haben oder in denen sowieso nur Kinder bis 16 Jahren einen Helm tragen müssen. Und genauso wenig finden die negativen Auswirkungen beispielsweise aus Australien Erwähnung.

Nun wird’s aber noch lästiger, denn nun muss Roland Huhn mit Heiko Maas im Studio diskutieren und das läuft ungefähr so fair ab wie die bisherige Berichterstattung über den Fahrradhelm. Die Frontlinie verläuft ganz deutlich zwischen Huhn, offenbar dem einzigen Gegner einer Helmpflicht, und Maas und Hallaschka, wobei sich letzterer nicht in der Rolle des Moderators wiederfindet, sondern als Befürworter einer Pflicht outet. Der Grundtenor ist klar: Fahrradhelme retten Leben, wie in aller Welt kann also der ADFC gegen eine Fahrradhelm-Pflicht sein?

Das beschert Roland Huhn total blöde Fragen. Wie erklärt Roland Huhn der jungen Greta, die ihren Fahrradunfall offenbar nur dank ihres Fahrradhelmes überlebt hat, dass sie eigentlich auf dem Fahrrad gar keinen Helm tragen müsste? Wenn ein Helm leben rettet, muss doch eine Helmpflicht her, das wäre doch nur vernünftig?

Heiko Maas kann sich währenddessen bequem zurücklehnen, bekommt hin und wieder von Hallaschka den Ball zugespielt und darf dann ohne lästige Zwischenfragen sein Projekt Helmpflicht bewerben: Es geht ums Retten von Menschenleben, da ist eine Helmpflicht nur sinnvoll. Das ist dann auch die Argumentation für die letzten fünf Minuten: Roland Huhn kann sagen was er will, es geht um Menschenleben und wenn ein Fahrradhelm die retten kann, dann muss eine Helmpflicht her.

So einfach kann das sein.

Immerhin bedankt sich Steffen Hallaschka noch nett für den Austausch der Argumente. Bei den Argumenten, denen sich Huhn stellen musste, wäre es absolut angemessen, wenn es auch nicht der Diskussion förderlich gewesen wäre, endlich wieder die Kraftfahrer- und Treppensteiger-Helme aus dem Schrank zu holen.

Mal sehen, ob noch jemand das Niveau dieses Beitrages bis zur nächsten Fahrradsaison unterbieten kann.

So wird das nichts mit der Kampfradelei

Vorsicht! Stern TV versucht sich am Thema der Kampfradler: Kampfradeln für mehr Gleichberechtigung

Zugeparkte Radwege, unmögliche Verkehrsführung, drängelnde Autofahrer – Radler fühlen sich auf deutschen Straßen benachteiligt. Jetzt sollen sie für Fehlverhalten noch mehr büßen. stern TV diskutiert.

Eigentlich war alles cool, solange Marco Laufenberg im Bild herumradelte. Okay, das Bildmaterial, das war nicht so cool, aber der Beitrag an sich, der war bis zu dieser Stelle in Ordnung, sogar der Passus mit den benutzungspflichtigen Radweg überstand ohne Blessuren seine Sendezeit, herrje, sogar die dazugehörigen Verwaltungsvorschriften wurden zitiert.

Dann musste Marco wohl nach Hause oder es war Feierabend oder es ist sonstwas passiert, aber offenbar wurde der zweite Teil des Beitrages von einem anderen Team produziert. Ab Minute 5:18, als — schwusch! — der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers das Bild betritt, ab Minute 5:18 wurde plötzlich alles anders. Dabei könne er die Radfahrer in seiner Stadt teilweise verstehen, schließlich sei er selbst auch Radfahrer, aber er argumentiert erst einmal locker am Thema vorbei: Ja, Radfahren in Köln, das sei schon manchmal lästig, aber auch als Autofahrer komme man nicht so einfach durch die Stadt.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, sicher und nach Möglichkeit innerhalb der Verkehrsregeln durch die Stadt zu fahren. Ob man dann mal einen Umweg fahren muss oder an einer Ampel mehr als der Kraftverkehr festhängt, ist dabei erst mal zweitrangig. Nur dieses ständige Gehupe, radelt man zur Sicherung der eigenen Gesundheit nicht mitten in der Door-Zone oder auf einem buckeligen Radweg, diese ständige Aggression, die sich angesichts eines Fahrbahnradlers im Cockpit aufstaut, die ist unter anderem das Problem. Und sicherlich ist, ganz klar, gar keine Frage, auch ein Problem, von rechts abbiegenden Kraftfahrzeugen gefährdet zu werden.

Und gleich danach folgt der übliche Kram, den wir eigentlich schon hinter uns wähnten: Stern TV rezitiert den aktuellen Bußgeldkatalog und behauptet, die Nichtbenutzung eines vorhandenen Radweges koste nun zwanzig statt fünfzehn Euro. Schade, denn keine fünf Minuten vorher hatte der Sprecher im Off noch gewusst, was es mit § 2 Abs. 4 StVO auf sich hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass die Fahrbahnradelei neben einem so genannten anderen Radweg ungefähr eine der bisherigen fünf Beitragsminuten ausmachte.

So. Nächste Szene. Da radeln welche gegen die Fahrtrichtung, werden kontrolliert und bestraft. Stern TV bemängelt das fehlende Unrechtsbewusstsein, was angesichts der Szenen dieser Kontrolle nicht unbedingt verkehrt ist. Daraus aber wiederum zu versuchen, eine Parabel auf die Gesamtheit der Radfahrer zu schlagen schlägt fehl: Auch Kraftfahrer neigen nicht gerade dazu, auf Knien rutschend ihre Strafe zu bezahlen, sondern zitieren ebenso sinnvolle Ausreden („Nachts ist doch eh keiner unterwegs“, „Tempolimits sind nur Abzocke“). Hätte man sich etwas Zeit nehmen können, hätte sich Stern TV ansehen können, warum denn hier so auffällig stark der Geisterradlerei gefrönt wird — womöglich steckt ja auch eine vollkommen missratene Radverkehrsinfrastruktur dahinter, die das Geisterradeln zwar nicht rechtfertigt, aber wenigstens die Reaktionen der ertappten Radlinge erklärt.

Und dann kommt Bernhard Stoevesandt. Es ist momentan noch nicht so ganz klar, ob es noch schlimmer hätte kommen können. Seine Ansichten mögen teilweise berechtigt und nachvollziehbar sein, indem er sich aber als Kampfradler in der Öffentlichkeit echauffiert, erweist er dem Radverkehr vermutlich einen Bärendienst, denn mit seinem Auftreten und seiner Argumentation schürt er hinter der Windschutzscheibe bedingungslose Aggressionen, die sogar bis in dieses Weblog schwappen.

Gut. Stoevesandt hat Recht wenn er bemängelt, dass die Fahrradinfrastruktur stellenweise so mangelhaft ist, dass es kaum noch möglich ist, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Das wurde hier auch schon häufig genug diskutiert: Wenn ein Gehweg nur hin und wieder mal mit Zeichen 240 ausgezeichnet ist, dann ist man als Radfahrer, salopp gesagt, am Arsch. Radelt man nach der nächsten Kreuzung auf dem Gehweg weiter, obwohl just an dieser Stelle kein Zeichen 240 aufgestellt wurde, verhält man sich ordnungswidrig, verbleibt man die gesamte Zeit auf der Fahrbahn, verhält man sich ebenfalls ordnungswidrig und zieht sich zusätzlich den Hass der Kraftfahrer zu. Wechselt man artig und ständig zwischen Gehweg und Fahrbahn, wie es dieses Zeichen gerade anzeigt, gefährdet man sich über Gebühr und macht sich nebenbei zum Affen. Und der ganze Rest, der ist auch nicht gerade besser. Da sollen einseitige Beidrichtungs-Radwege befahren werden, die innerorts nicht nur saugefährlich und gemäß der Verwaltungsvorschriften bleiben zu lassen sind, und die sind dann auch noch so eng, also die Radwege, nicht die Verwaltungsvorschriften, dass schon ein einzelnes Fahrrad nicht einmal komplett rauf passt. Und dann soll sich der Radverkehr zum Geradeausfahren über zwei Ampeln schlängeln und zum Linksabbiegen über vier und so langsam wird klar: Das macht niemand auf Dauer gerne, zumindest nicht, wenn er nicht nur aus Spaß am Pedalieren im Sattel sitzt.

Stoevesandt meint, die Idee des Radfahrens sei schnell von A nach B zu kommen. Das ist sicher nicht verkehrt. Und ja, gar keine Frage, allzu großen Unsinn an Radverkehrsanlagen darf man auch getrost mal links rechts liegen lassen. Stoevesandt beachtet aber auch keine roten Ampeln, wenn er sie nicht für sinnvoll hält. Und damit ist leider nicht bloß das beliebte Beispiel der roten Ampel um fünf nach zwei Uhr morgens gemeint, an der weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist, nein, Stoevesandt bahnt sich tatsächlich auch seinen Weg mitten durch den abbiegenden Querverkehr. Da stellt sich ja fast die Frage, welche Lichtzeichenanlagen er denn wohl außer den grünen noch für sinnvoll hält. Im Kreisverkehr drehe er gleich mehrere Runden und behindere die Kraftfahrer beim Ein- und Ausfahren, wobei da natürlich wieder die Frage ist, wie genau er das mit der Behinderung denn wohl anstellt abgesehen davon, dass er nunmal im Kreisverkehr zirkuliert. Und nebenbei erwähnt ist auch die Verkehrsführung mit diesem Schutzstreifen innerhalb des Kreisverkehres höchst problematisch.

Und nun hatten wir doch ganz zu Beginn des Beitrages erklärt, was es mit § 2 Abs. 4 StVO und den Radwegen und den so genannten anderen Radwegen auf sich hat, aber jetzt wird Stoevesandt vorgehalten, statt des Radweges „die Straße“ zu benutzen, obwohl das in Ermangelung der blauen Beschilderung vollkommen legitim ist. Und dann sagt Stoevesandt auch was ziemlich wahres: Die Menschen sollen sich bewusst werden, dass sie Regeln übertreten. Und darüber nachdenken. Und es dann vielleicht auch bleiben lassen. Hinge er diese gesamte Argumentation nicht gerade an den roten Ampeln auf, könnte man hier glatt applaudieren. Ja, Hand aufs Herz, sollen die Radfahrer halt fünfzig Meter auf der linken Seite pedalieren, wenn sie denn nur wissen, was sie da tun und drauf achten, nicht vom nächstbesten abbiegenden Fahrzeug über den Haufen gefahren zu werden. Und wenn sie der Meinung sind, unbedingt auf dem Gehweg radeln zu müssen, dann bitte doch mit angepasster Geschwindigkeit und ohne den Einsatz der Klingel. Und wenn’s durch die Fußgängerzone gehen muss, herrje, dann wenigstens bitte mit absolutem Vorrang für die Fußgänger. Persönlich halte ich diese Regelverstöße zwar noch immer für unanständig und nicht empfehlenswert, aber wenn schon Regelverstoß, dann wenigstens mit Hirn.

So ein Glück, dass die Sendezeit dann vorbei war. Wer weiß, was in weiteren Minuten passiert wäre.

„ich fahr dich um du fotze“: Reaktionen auf den Kampfradler

Problematisch scheint zu sein, dass mancher Kraftfahrer nach der Eingabe des Suchbegriffes „Kampfradler“ in einer beliebigen Suchmaschine plötzlich auf dieser Seite herausgestolpert kommt. Obwohl ich mit der gestrigen Stern-TV-Sendung überhaupt nichts zu tun habe, nicht einmal Bernhard heiße und seine Meinungen nur sehr bedingt, mit Marco aber wenigstens die beiden ersten Buchstaben im Vornamen teile, wurden mir einige, naja, bereits bekannte Ansichten unterbreitet.

Interpoliert man die mir zugeschickten Meinungen einmal auf den Kraftfahrer-Anteil der Zuschauer unter der Voraussetzung, dass mir nicht jeder höchst erregte Zuschauer auch gleich eine Hass-E-Mail in den Posteingang tippt, abgesehen davon, dass ich der vollkommen falsche Empfänger bin, stehen dem Radverkehr auf Deutschlands Straßen in den nächsten Wochen wieder einige höchst interessante und vermutlich auch gefährlichere Wochen bevor, bis sich die Aufregung wieder gelegt hat: Manche Kraftfahrer konnten vor Wut kaum noch an sich halten und es ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass es mit der Beherrschung am Steuer besser klappt.

Ich überlege, gegen mindestens zwei Absender eine Strafanzeige zu stellen, denn die Grenzen dessen, was bei mir noch als einigermaßen nerviges, aber ungefährliches Gerede durchgeht, ist hier teilweise weit überschritten.

ich kenn jetzt deine adresse.. wenn ich dich auf der straße sehe anstelle auf dem Radweg, dann fahre ich dich über, dann hast du mal einen schönen Film für deine scheiß Helmkamera. komm mir blos nicht unter die augen!!

Ihr habt sie nicht mehr alle!!!
Ihr seid keine Autofahrer, daher habt ihr nicht die gleichen Rechte!
Ihr habt vorausschauend zu fahren!
Und der typ beim stern tv heute provoziert.
Ich würde dem auch eine verpassen, wenn er mein Auto anpacken würde.
Geht zu Fuß, wenn s euch zu gefährlich ist -.-

ich fahr dich um du fotze fahr einmal auf der Straße und ich fahr dich um und dann kannst du dir deinen scheiss radweg in den arsch schieben

Sorry, aber für mich bist du der letzte Idiot Malte. Wenn es einen Fahrradweg gibt, dann sollte dieser, auch benutzt werden es ist schließlich zu deiner Sicherheit. Wir autofahrer zahlen mit unseren Steuern deine Radwege und als ,,Dankeschön“ blockst du uns auf der Straße..

ich fahre auch manchmal rad kenne also beide seiten aber ich bin dankbar für jeden radweg den es gibt und du arschloch fährst mitten au fder straße und blockierst den verkehr. schon mal daran gedacht dass kinder dich sehen und dein verhalten nachmachen? du bestätigst mein vorurteil dass die meisten radfahrer einfach nur hirnlose spasten sind

Wenn´s euch auf dem RAdweg zu gefährlich ist, geht zu fuß oder fahrt mit dem auto…. lol…. aber schön immer die polizei rufen wenns mal knallt

Ihr Radfahrer seit alle Wickser.