Norderstedt: Irritationen wegen Fahrbahnradler

Der Radfahrer hat in Deutschland das Entwicklungsstadium des vollwertigen Verkehrsteilnehmers einfach übersprungen: nachdem er jahrelang ignoriert wurde, mit Glück insofern Aufmerksamkeit erhielt, als dass es ihn wie nur irgend möglich von der Fahrbahn fernzuhalten galt, findet er nunmehr Anwendung als mobile Verkehrsberuhigung für Kraftfahrer. Nachdem in Berlin schon ähnliche Ideen gepflegt wurden, soll der Einsatz der rollenden Tempolimits nun auch in Norderstedt erfolgen: Garstedter Dreieck: Norderstedts erste Radautobahn

Auf der neuen Horst-Embacher-Allee im Garstedter Dreieck sind Radfahrer ausdrücklich gewünscht – auch, um den Verkehr zu verlangsamen.

Man mag sich leicht vorstellen, wie schlecht mutmaßlich der Radverkehr in einer solchen Situation auf der Fahrbahn aufgehoben wird, wenn jeder Kraftfahrer die mit zweieinhalb Metern, wie man so schön sagt, bestens ausgebauten und breiten Radwege durch die Frontscheibe erkennen kann und vermutlich kaum zögern wird, jene Radfahrer, die ihn da gerade einbremsen, mit strafrechtlich relevanten Maßnahmen zu deren Benutzung zu drängen.

Schön ist das nicht. Eine vernünftigere Begründung, etwa die bereits festgestellte mangelnde Notwendigkeit für benutzungspflichtige Radwege, wäre hier dringend angebrachter. Am schönsten ist natürlich Arne Michael Berg, der eine Benutzungspflicht für Radwege allein schon daraus impliziert, dass Radwege Geld gekostet haben. Im Umkehrschluss muss das wohl bedeuten, dass Kraftfahrer keine normalen Straßen mehr benutzen dürfen, sondern ausschließlich auf der Autobahn fahren dürfen, weil die Autobahn doch so teuer war — auf diese irrwitzige Argumentation käme natürlich kein Mensch. So bleibt nur festzustellen, dass auch in Norderstedt offensichtlich zum Großteil Verkehrsteilnehmer diskutieren, die weder die Straßenverkehrs-Ordnung noch die einschlägigen Unfallstatistiken studiert haben.

Für die Sicherheit der Radfahrer wäre das allerdings sehr zuträglich.

Gute Fahrradinfrastruktur statt Helmpflicht

Immer wieder kommt die Fahrradhelmpflicht unter dem Deckmantel der Senkung des Unfallrisikos daher — dahinter steckt in der Regel der Unwille von Politik und Verwaltung, für bessere Radverkehrsinfrastrukturen zu sorgen. Man mag uralte und brüchige Radwege, die direkt ohne Sicherheitsabstand hinter parkenden Autos verlaufen, ungerne anfassen und -passen, das kostet schließlich Geld und ist bei Kraftfahrern unpopulär ob der Gefahr, dass Parkplätze verloren gehen könnten. Stattdessen möchte man Radfahrern lieber Fahrradhelme aufsetzen, frei nach dem Motto: wir können nichts dagegen tun, dass es knallt, aber wenn es knallt, tut es vielleicht nicht so doll weh.

Die University of British Columbia stellt wine neue Studie vor, nach der vernünftige Radverkehrsinfrastrukturen das Unfallrisiko glatt halbieren: Bicycle Infrastructure Can Reduce Risk of Cycling Injuries by Half, Canadian Study Finds

Certain types of routes carry much lower risk of injury for cyclists, according to a new University of British Columbia study on the eve of Vancouver’s Bike to Work Week.

Der Studie zufolge sind vernünftige Radwege noch sicherer als das Fahren auf der Fahrbahn, wobei die Studie offenbar davon ausgeht, dass sich Radfahrer auf der Fahrbahn häufig im Bereich öffnender Türen aufhalten. Schade nur, dass in Deutschland weder auf noch jenseits der Fahrbahn in vernünftige Radverkehrsanlagen investiert wird, so dass wenigstens in der Bundesrepublik kaum Alternativen zum Fahren auf der Fahrbahn bestehen, sofern man denn sicher ans Ziel möchte.

Berlin will zugeparkte Radwege räumen

Radfahrer haben es schon nicht leicht: einerseits legen Kraftfahrer großen Wert darauf, dass alles Radweg-ähnliche auch beradelt wird, andererseits solle man sich doch bitteschön nicht so doll anstellen, wenn Kraftfahrzeuge auf dem Radweg parken, schließlich sei es nur für ein paar Minuten und man könne doch über den Gehweg ausweichen und überhaupt, man wolle ja nicht den Verkehr behindern und außerdem zahlen Radfahrer eh keine Kraftfahrzeugsteuer und haben ja noch nicht einmal ein Nummernschild. Es macht manchmal gar keinen Spaß mehr.

Dummerweise regiert in solchen Fällen das Gewohnheitsrecht — unvergessen sind beispielsweise konzentrierte Bemühungen der Hamburger Polizei in den vergangenen Jahren, das konsequent angewöhnte Radwegparken in bestimmten Straßen der Hansestadt abzustellen. Neben allerhand Missmut, Morddrohungen und einem im Aufbau begriffenen Lynchmob mussten die Beamten vor allem gegen die Presse angehen, die in großen Lettern die Tränendüse des Lesers bearbeitete: die armen Kraftfahrer müssten doch schließlich irgendwo parken. Man stelle sich vor, las man dort, man käme abends nach Hause und es sei weit und breit kein Parkplatz frei, weil die undankbaren Radfahrer ihre Radwege, die ja, so wurde man nicht müde zu behaupten, alleine von der Kraftfahrzeugsteuer gebaut worden wären, nicht zum Parken hergeben wollten und stattdessen die Ordnungsmacht samt des ubiquitären Abschleppdienstes auf den Plan riefen.

Es gab wahrlich schönere Zeiten für Radfahrer.

In Berlin, der Stadt der, vorsichtig formuliert, durchaus durchdachteren Radverkehrsanlagen, will man nun wieder gegen so genannte Kampfparker angehen; schreibt Stefan Jacobs im Tagesspiegel: Berlin schafft freie Bahn fürs Fahrrad

Die Berliner Behörden gehen in diesem Jahr massiv gegen Falschparker vor allem in Ladezonen und auf Fahrradspuren vor. Der nächste Schwerpunkt ist das gefährliche Abbiegen.

Verkehrspolizeichef van Stegen skizziert dabei ein recht abenteuerliches Szenario: Streifenwagen sollen, wenn sie Radwegparker entdecken, umgehend zur Tat schreiten, sofern sie nicht gerade auf dem Weg zu einen wichtigen Einsatz düsen. Das wäre sicherlich traumhaft, aber etwas unrealistisch: in bestimmten Straßen wären die Polizeibeamten geradezu gefangen, müssten sie jeden einzelnen Kampfparker vom Radweg entfernen.

Etwas ähnliches hat auch Hamburg vor, aber im Artikel der taz klingt es eher so, als mache man sich in der Hansestadt sorgen um entgangene Parkgebühren: Falsch parken – richtig blechen

Der Senat will Falschparker verstärkt zur Kasse bitten. Mit einem Landesbetrieb könnten Kontrollen intensiviert und die Einnahmen erhöht werden.

Abenteuerliche Fahrt auf Hamburger Radwegen

Über die Hamburger Radwege können Radfahrer viel erzählen — vor allem schlechtes: zu eng, zu steil, zu kurvig, dicht an parkenden Autos, auf Gehwegen, über Baumwurzeln, irgendwas ist immer. Mutmaßlich gibt es kaum mehrere Meter zusammenhängenden Radweg ohne Beanstandungsmöglichkeiten. Abendblatt-Reporter Axel Tiedemann war mit Dirk Lau vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club in der Hansestadt unterwegs — und war offenbar nicht gerade guter Laune: „Radfahren in dieser Stadt macht wütend“

Die schwierige Kunst des Radwegebaus

Mitunter ist ein Radweg schnell gebaut: auf einer Sitzung im Rathaus will man endlich den Radverkehr wieder fördern, plant einen neuen Radweg und gleich am nächsten Tag fährt der Bauhof vor und trotzt dem Gehweg mit einem dicken weißen Streifen ein kleines Stück Radweg ab. Toll ist der meistens nicht, in der Regel fahren Radfahrer auf solchen Wegen deutlich unsicherer als auf der benachbarten Fahrbahn, aber weil das leider nicht jeder weiß, wird gerne schnell ein Verkehrszeichen für die obligatorische Benutzungspflicht aufgestellt.

Uwe Aulich hat sich für die Berliner Zeitung angesehen, wie ein Radweg in der Bundeshauptstadt geplant und gebaut wird: Rote Farbe nur auf Wunsch

Bis ein neuer Radweg gebaut wird, können Jahre vergehen. Es gibt zwar Grundregeln, aber die Planung muss zwischen vielen Behörden abgestimmt werden.

Eines sei schon mal verraten: im Gegensatz zu anderen deutschen Straßenverkehrsbehörden machen die Berliner ihre Sache im Durchschnitt ziemlich gründlich.

Was ist eigentlich ein Kampfradler?

Der Kampfradler ist nicht erst seit Peter Ramsauers neusten Entdeckungen in aller Munde, er galt auch schon vorher als Synonym für ungezogene Verkehrsteilnehmer, die sich je nach Erzähler mal mehr oder mal weniger marodierend durch die Städte schlagen.

Das Problem an dieser ganzen Debatte ist nach wie vor, dass der Begriff des Kampfradlers noch nicht einmal mehr unscharf umrissen ist. Unter anderem der generellen Unkenntnis der Straßenverkehrs-Ordnung ist es geschuldet, dass beinahe jeder Verkehrsteilnehmer etwas anderes unter diesem Begriff versteht — die Wirklichkeit sieht allerdings noch nicht einmal halb so schlimm aus.

Die Diskussion um den Kampfradler hat einige interessante Auswirkungen, denn bei den meisten Verkehrsteilnehmern ist alles, was von der Debatte im Kopf hängen bleibt, ebenjener Begriff und die Tatsache, dass sich Radfahrer ja allesamt nicht an die Verkehrsregeln halten. Welche Verkehrsregeln das sind, das kann allerdings kaum jemand benennen. Das führt dann eben dazu, dass die Hupe malträtiert und aus dem Beifahrerfenster lauthals auf die Fahrbahnradler geschimpft wird, die den nicht-benutzungspflichtigen Radweg nicht befahren, obwohl sie in Ermangelung der notwendigen Beschilderung dazu gar nicht verpflichtet sind. Kampfradler sind das, da ist sich der Kraftfahrzeugführer mit dem hochrotem Gesicht sicher, und will gleich zu Hause beim Abendessen über Fahrradkennzeichen referieren, die es unbedingt brauche, um den Bastarden Herr zu werden. Dass Radfahrer laut § 2 Abs. 4 StVO gar nicht verpflichtet sind, jeden Straßenteil zu befahren, der wenigstens ein bisschen nach Radweg aussieht, ist den meisten Verkehrsteilnehmern, sowohl Auto- als auch Radfahrern, gar nicht bekannt. Insbesondere im Web lassen sich aberhunderte, wenn nicht gar tausende dieser Aussagen finden, nach denen jeder Radweg benutzt werden müsse, auch der linksseitige, wenn es rechts keinen gibt, und interpoliert man dieses Meinungsbild, so müssen beängstigend viele Verkehrsteilnehmer dieses Märchen glauben — und leider, sobald sie am Steuer eines Kraftfahrzeuges sitzen, gezwungen sind, diese Falschinformationen mit Hupe und klugen Sprüchen weitergeben müssen.

Dass eben wirklich kaum jemand die Verkehrsregeln kennt, ist insbesondere dort zu erkennen, wo den Straßen kein Fahrradweg gegönnt wurde und theoretisch das Befahren der Fahrbahn vorgeschrieben wäre. Weil aber Behörden, Polizei und Medien jahrzehntelang erklärten, dass Fahrbahnradeln glatter Selbstmord sei, fährt ein Großteil der Radfahrer freiwillig auf dem Gehweg. Ist man dagegen so mutig, auf der Fahrbahn zu fahren, gerät man über kurz oder lang mit einem aggressiven Kraftfahrzeugführer aneinander, der meint, dass unbedingt der Gehweg befahren werden müsse und seine falsche Meinung auch problemlos mit den Fäusten vertreten hätte.

Ganz zu schweigen von den Ampeln: Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass der Radfahrer, dem man gerade beim vermeintlichen Rotlichtverstoß beobachtet hat, noch fahren durfte.

Insbesondere dem deutschen Autofahrer fällt es in dieser Zeit besonders leicht, überall Kampfradler auszumachen, die es zu belehren und zu maßregeln gilt, obwohl sie sich eigentlich ziemlich genau an die Straßenverkehrs-Ordnung halten — das weiß nur niemand, weil eben niemand die Straßenverkehrs-Ordnung kennt. In der Fahrschule lernt man gerade mal eben so das Autofahren, aber keine tiefergehende Theorie, im Verkehrsunterricht in der Schule wird die Straßenverkehrs-Ordnung in der Regel überhaupt nicht angesprochen. So schwer es Autofahrern gilt, sich alle paar Jahre über die Änderungen einer neuen Straßenverkehrs-Ordnung zu informieren, so unwahrscheinlich ist es eben, dass Schulkinder oder führerscheinlose Erwachsene aus eigenem Antrieb die Straßenverkehrs-Ordnung studieren und verstehen. Andersrum funktioniert das ganz prima: ein Autofahrer, der die Straßenverkehrs-Ordnung nicht einmal bis § 2 Abs. 4 StVO kennt, hat in der Regel keine Hemmungen, auch noch § 1 StVO nicht zu kennen und einen Radfahrer neben einem nicht-benutzungspflichtigen Radweg anzuhupen, zu belehren oder gleich beinahe anzufahren, um gleich danach beim Abendessen oder am Stammtisch darüber zu schimpfen, dass sich die ganzen Kampfradler nicht an die Straßenverkehrs-Ordnung halten.

So ist das eben: als Autofahrer schimpft man über die Radfahrer, die nicht auf den Radwegen oder sogar nicht auf den Gehwegen fahren, als Fußgänger kann man die Gehwegradler wiederum nicht leiden und als Fahrradfahrer fällt es momentan ohnehin recht schwer, irgendetwas zu mögen.

Und auch das funktioniert andersherum: als Autofahrer, der eigentlich die Straßenverkehrs-Ordnung kennen sollte, so hört man ja wenigstens überall, fährt man mit dem Rad im Zweifelsfall auch lieber auf dem Gehweg, weil es dort wenigstens gefühlt sicherer ist und man ja nicht die Autofahrer auf der Fahrbahn behindern möchte. Und schon mancher Fahrradfahrer hat sich hinter dem Steuer plötzlich mit dem Sicherheitsabstand beim Überholen eines anderen Radfahrers gewundert.

Eigentlich sind alle Verkehrsteilnehmer eben nur Verkehrsteilnehmer. Und Verkehrsteilnehmer machen Fehler. Und wie schon mehrmals gesagt: werden Kontrollen durchgeführt, treten diese Fehler eben zu Tage. Da müssen 800 Autofahrer binnen zehn Tagen ihren Führerschein wegen Geschwindigkeitsübertretungen abtreten und dort werden 97 Fahrradfahrer wegen Radelei auf den falschen Straßenteilen verwarnt und hin und wieder erwischt es tatsächlich auch einen Fußgänger, der bei rotem Licht über die Kreuzung spaziert.

Insofern sind wir beinahe alle Kampfradler. Oder: vielleicht gibt es ja gar keine Kampfradler.

Unbestritten ist die Königsdisziplin des Kampfradlers das Befahren des Gehweges. Und unbestritten ist es gegenüber Fußgängern sehr unfreundlich, den Weg durch die Menschenmassen freizuklingeln und renitente Passanten gleich zu beschimpfen. Nur ist es ziemlich sicher, dass die meisten Radfahrer diese Aggressivität überhaupt nicht im Sinn haben. Die meisten Radfahrer dürften eben gelernt haben, wie tödlich die Fahrbahn doch angeblich ist und aus reinem Selbstschutz auf dem Gehweg unterwegs sein. Das macht es nicht unbedingt besser, doch handelt es sich auch beim Klingeln nicht direkt um eine Aufforderung zum Duell, sondern eher um den Versuch, einen Fußgänger zu überholen. Natürlich ist die Klingel für diesen Wunsch das falsche Instrument und mehr als unhöflich, aber besseres Verhalten wird dem Radfahrer eben auch nirgendwo gelehrt — stattdessen rückt man ihm jetzt mit Bußgeldern und Verfolgungsjagden auf die Gepäckträger.

Handelt es sich also bei den Radfahrern, die aus lauter Falschinformationen den Gehweg beradeln, tatsächlich um Kampfradler? Und ist die Oma aus der Nachbarschaft, die sich torkelradeln auf dem Gehweg zum Supermarkt bewegt, eine Kampfradlerin? Vermutlich eher nicht.

Als Kampfradler gelten sie durch die Windschutzscheibe trotzdem, auf der Fahrbahn will man sie aber auch nicht haben und wenn sie neben dem nicht-benutzungspflichtigen Radweg unterwegs sind, handelt es sich ohnehin um die schlimmsten Kampfradler überhaupt.

Auch das Fahren auf einem linksseitigen Radweg, das in den meisten Fällen zum Glück weder erlaubt noch vorgeschrieben ist, dürfte eher aus fehlender Information praktiziert werden als aus Lust am Kampf auf dem Fahrrad.

Und dass Fußgängerüberwege für Fahrradfahrer eben keinen Vorrang bevorraten, weiß man auch nur nach selbstständigem Studium der Straßenverkehrs-Ordnung, denn das lernt man weder in der Fahrschule noch im Verkehrsunterricht. Und gerade bezüglich der Fußgängerüberwege sind die Gestaltungen so mannigfaltig und so kompliziert, dass es teilweise ohne Ausbildung schwerfällt, die Fragen nach Vorfahrt und Vorrang korrekt zu beantworten. Da gibt es Fahrradfurten neben Fußgängerüberwegen, auf denen Radfahrer kraft der Straßenführung trotzdem Vorfahrt haben, drei Kreuzungen weiter verlaufen beide Wege ebenfalls parallel, doch hat der Radfahrer dort plötzlich keine Vorfahrt. Dann wird mal der Radweg unzulässigerweise direkt über den Überweg geführt und mal dürfen Radfahrer den Überweg benutzen und mal nicht und überhaupt blickt kaum noch jemand durch. Das Unwissen manifestiert sich insbesondere in der Fehlinformationen, dass Radfahrer einen Fußgängerüberweg überhaupt nicht befahren dürften — das eben aber ist falsch, sie genießen dort lediglich keinen Vorrang. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass Radfahrer in vielen Situationen ohnehin Vorfahrt vor den anderen Fahrzeugen hätten.

Trotzdem gilt jeder Radfahrer auf dem Fußgängerüberweg als Kampfradler. Mitunter womöglich zurecht, doch auch dort dominiert eben das Unwissen über die tatsächliche Regelung bezüglich des Zebrastreifens. Radfahrer werden hierzulande wie beräderte Fußgänger behandelt, mit Fußgängern zusammen auf so genannte gemeinsame Fuß- und Radwege gescheucht, da liegt es eben nahe, auch die Überwege mitzubenutzen. Aus bloßer Kampfradlerei geschieht das wahrscheinlich nicht.

Bleiben noch die roten Ampeln, die vor ein paar Tagen bereits beschrieben wurden. Obwohl jeder von einem Radfahrer zu berichten weiß, der ihn einmal trotz grüner Ampel zu einer Vollbremsung gezwungen hat, fahren nur die allerwenigsten Radfahrer bei rotem Licht in den Querverkehr ein. Die meisten Rotlichtsünder haben schlichtweg erkannt, dass die Fußgängerampel viel früher als die Fahrbahnampel auf Rot schaltet und Radfahrer warten müssen, obwohl sie locker noch mehrfach die Kreuzung überqueren konnten.

Womöglich ließen sich solche Radfahrer tatsächlich als Kampfradler titulieren. Im Sinn haben die Diskussionsteilnehmer bezüglich dieses Begriffes leider deutlich harmlosere Feindbilder. Und über kurz oder lang wird diese Diskussion nur dazu führen, dass das Radfahren wieder einmal als eine ganz gefährliche Tätigkeit gilt — dabei hatte sie dieses anhaftende Image gerade in den letzten Monaten im Fahrrad-Boom endlich abgelegt.

„Wenn sich keiner rührt, dann tut sich auch nichts“

So ganz geheuer war dem Autor vom Abendblatt nicht, was er da schreiben musste: Die Straße gehört auch den Radlern

Bundesverwaltungsgericht stellt klar: Der Zwang, einen Radweg benutzen zu müssen, ist oft unzulässig. Gefahrenlage muss nachgewiesen werden.

Nichts neues vom Radweg

Keine Sorge: wer „Wie klappt’s eigentlich mit dem Fahrradweg?“ verpasst hat, hat tatsächlich nichts verpasst. Es wurden in kurzen Filmchen die üblichen Argumente ausgetauscht: da war der ältere, schon leicht unsichere Radfahrer, der auf der Fahrbahn den sicheren Tod fürchtet und lieber auf dem Gehweg radelt, da war der Fußgänger, der offenbar auf einem Radweg spazieren gehen möchte und mit den dortigen Radfahrern ins Gehege kommt, was sich aber in Ermangelung von gutem Radfahrerwetter nicht belegen lässt, so dass harmlose Radfahrer als Feind ins Bild gerückt werden, und drei Radfahrer, die sich über einen kaputten Radweg ärgern.

Anschließend durfte der ADFC noch einmal erklären, wann denn ein Radweg benutzt werden muss und ob so genannte Fahrrad- oder Schutzstreifen tatsächlich Sicherheit bieten oder ob man nicht besser nebenan auf dem Gehweg fahren sollte. Natürlich durfte in der Diskussion auch nicht der obligatorische Rennradfahrer fehlen, der offenbar trotz bestens ausgebautem Radweg mitten auf der Straße fährt.

Insofern gab es tatsächlich nichts neues. Und ob sich die Zuschauer die gewonnen Informationen zu Herzen nehmen, ist ja leider auch eher fraglich. Den gesamten Beitrag gibt es eine Woche lang in der Mediathek: Aktuelle Stunde

Radwegrückbau an der Heimfelder Straße: „Erschreckend“, „Ungeheuerlich“

Hamburgize fasst die aktuellen Leserbriefe an das Hamburger Abendblatt bezüglich der Situation in der Heimfelder Straße zusammen: Aufklärung dringend nötig

Leserbriefe im Hamburger Abendblatt dokumentieren: Viele Radfahrer wünschen sich weiterhin Radwege und beklagen den Rückbau oder Ersatz durch Radfahrstreifen. Über die Gefahren auf vorhandenen „Radwegen“ sind sich viele nicht bewußt und Gehwegradeln neben „Radwegen“ wird allgemein toleriert.

Fahrradfeindliches Düsseldorf

In Düsseldorf gibt es offenbar mehrere Stellen, an denen auf der Fahrbahn radeln darf — und zwar mitten auf der Hauptstraße. Das klingt für den engagierten Radfahrer erst einmal nach einer vernünftigen Strecke zum Radfahren, wenngleich die Lust im stockenden Feierabendverkehr natürlich erheblich leidet und sich auch nicht jeder Radfahrer mit dem Fahrbahnradeln auf der Hauptstraße anfreunden kann. Dann tönt der Nachrichtensprecher aber ganz erstaunt, dass es sich auf dem Gehweg auch nicht besser radelt, denn dort gerät man nicht nur mit den Fußgängern, sondern spätestens an der nächsten Kreuzung auch noch mit dem nächstbesten Kraftfahrzeugführer. Eine besondere Herausforderung ist aber nicht nur in Düsseldorf das Geradeausfahren an einer Kreuzung, bei der es an einer Seite keine Querungsfurt gibt, so dass der Radverkehr an mindestens drei Ampeln warten muss, um sich von Verkehrsinsel zu Verkehrsinsel zu hangeln.

Das führt dazu, dass es sogar einen Stadtplan vom ADFC braucht, auf dem günstige und gefährliche Radverkehrsanlagen eingezeichnet sind. Auf der Karte ist dann auch zu erkennen, dass von einem durchgängigen Wegenetz noch lange nicht die Rede sein kann, wenngleich man sich natürlich schon darüber freut, geeignete Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren zu dürfen. Geplant ist auch die inzwischen beinahe obligatorische Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, die an der Fahrradfreundlichkeit aber nichts ändern wird, ganz im Gegenteil: erfahrungsgemäß bleiben 97 bis 99 Prozent der Radfahrer weiterhin freiwillig auf dem Radweg, so schlecht der auch gebaut sein mag, während die restlichen drei Prozent auf der Fahrbahn von den Autofahrern bedrängt werden, weil es doch auf einen perfekt ausgebauten Radweg gebe.

Die Stadt sieht sich aber schon heute als fahrradfreundlich und bezeichnet ihre Radverkehrsinfrastruktur allen ernstes als „sehr gut“. Mutige Worte soweit, denn schon ein vorsichtiger Blick auf die Infrastruktur lässt erahnen, dass sich dort allenfalls jene Radfahrer wohlfühlen, die um jeden Preis die Fahrbahn meiden und stattdessen auch noch den allerschlechtesten Radweg für eine gelungene Infrastruktur halten.

Die Düsseldorfer Lokalzeit hat sich an dem Thema versucht: Fahrradfeindliches Düsseldorf?

Wie zufälliges Konfetti seien kurze Teilstücke und Radspuren über das ganze Stadtgebiet verteilt – so urteilt der ADFC über die Radwege in Düsseldorf. Doch ist das alleine ein Beleg für die Fahrrad-Feindlichkeit Düsseldorfs? Die Stadt sieht das anders.