Radfahren: Düsseldorf ist eine Katastrophe

DIE WELT berichtet über die Düsseldorfer Radverkehrsinfrastruktur: „Fahrradroute ist eine Katastrophe“

„Fahrradfahrer-Hölle“, „Flickenteppich“ und „Katastrophe“: Radfahrer, die Grünen und der ADFC kritisieren das schlechte Radwegnetz in Düsseldorf. Doch die Stadt sieht kein akuten Handlungsbedarf.

Die Kritik an der Düsseldorfer Radverkehrspolitik ist allerdings nicht neu, schon im letzten Jahr wurden die Kürzungen beim Radweg-Etat bemängelt: Protest gegen massive Kürzungen bei Radweg-Etat

Wilhelmsburger LOOP: „Fahrradhighway der Luxusklasse“

Fahrradhighway der Luxusklasse? Freizeitrundweg vor allem für Fahrradfahrer? Einer der besten Radwege der Stadt? Welchen LOOP hat denn das Hamburg Journal des Norddeutschen Rundfunks dort besucht? Der Loop – ein Vorzeigeprojekt für Radwege?

Der Radweg ist kürzlich mit dem Deutschen Fahrradpreis prämiert worden. Wir haben den Loop genauer unter die Lupe genommen und auch einige Stolperfallen entdeckt.

Nach knapp einer Minute wird der Beitrag dann doch noch kritischer: Innerhalb Wilhelmsburgs wird der LOOP regelmäßig unterbrochen, die Kreuzung mit der „eingebauten Vorfahrt“ ist zwar cool, aber nur dort, wo eh kaum ein Kraftfahrzeug kreuzt, und an anderen Kreuzungen steht man mit seinem Bike mal so richtig lange. Noch eine Minute länger dauert es, bis dem Sprecher aus dem Off der richtige Begriff einfällt: Der LOOP sei ein so genannter Toleranzweg! Und obwohl sich das Hamburg Journal sich nicht weiter mit den teilweise eklatanten Fehlern dieses Rundkurses beschäftigt, ist das womöglich genau der richtige Begriff: Jeder Verkehrsteilnehmer passt auf den anderen auf — und es nörgelt niemand herum, dass die Radfahrer diesen Fahrradhighway Rundkurs benutzen, obwohl sie auf weiten Strecken nur mit Schrittgeschwindigkeit oder gar überhaupt nicht radeln dürfen.

Ja, bitte: Vertragen wir uns endlich

Die B.Z. hat ausgerechnet das Fahrrad zum Thema der Woche erhoben und widmete dem Radverkehr in der Ausgabe des gestrigen Sonntages gleich zwei große Doppelseiten: „Vertragt euch endlich“, heißt es da in großen Lettern. Inhaltlich war zwischen großzügigen Bildern und gespielter Empörung nicht so ganz viel zu reißen: Den meisten Platz nahm etwas ein, was die B.Z. aus unerfindlichen Gründen als „große Vorfahrt Diskussion über Radwege, rote Ampeln, Helm- und Kennzeichenpflicht“ bezeichnete und daraus bestand, dass Taxi-Fahrerin Angelika Warnecke, ADFC-Vertreter Philipp Poll, Fahrlehrer Matthias Preuß und Fahrrad-Kurier Valeriy Leibert zu jedem Thema ein paar Sätze aufsagen durften. Eine Diskussion sieht definitiv anders aus, das war allenfalls die leidliche Bekanntmachung der meist festgefahrenen eigenen Standpunkte.

Und obwohl ein wie auch immer gearteter Erkenntnisgewinn nicht zu verzeichnen war, ergab sich beim Lesen doch der eine oder andere Lacher. Da war beispielsweise Fahrlehrer Preuß, den an der roten Ampel ständig Radfahrer überholen und mit der Tasche den Spiegel abbrechen, was ihn jedes Mal 150 Euro kostet. Soll nun wirklich jemand glauben, der Mann reparierte mehrmals im Monat oder, wie er sagt, „ständig“ seinen rechten Außenspiegel für 150 Euro? Fahrradkurier Leibert spielt ebenfalls mit den Zahlen und beklagt sich über Fahrradkontrollen, von denen an sonnigen Tagen mindestens zehn gleichzeitig stattfänden. Ansonsten? Keine Überraschungen. Die so genannte Diskussion dümpelt eng eingezwängt zwischen Bildern und Großbuchstaben-Überschriften auf zweieinhalb Seiten herum.

Zwischendurch eingestreut wurde so eine Art Ratgeber für den nächsten Fahrradkauf, der mit einer großzügigen Überschrift angekündigt wird („Zu einem sicheren Fahrrad gehört auch die richtige Größe“), während der eigentliche Artikel nur ein paar Zeilen länger als die Einleitung ist. Selbst die Beratung bei Baumarkt-Fahrrädern dürfte umfassender sein. Und dann bildet die B.Z. noch ein altes Holland-Rad ab, um die vorgeschriebenen Einrichtungen am Fahrrad zu erklären, erzählt da was von der „wirkungsvollen Klingel“ und „zwei unabhängig wirkenden Bremsen“, während das Holland-Rad noch so einen verdächtig nach Stempel-Bremse wirkenden Griff am Lenker hat. Das hält man ja im Kopf nicht aus.

Der stimmungsvolle Teil darf ja auch nicht fehlen, irgendwie muss der Blutdruck schließlich auf Kurs gebracht werden, also ging die B.Z. mit der Polizei auf Rotlicht-Radler-Jagd. „In drei Stunden erweichte die Polizei 29 Rot-Radler“ klingt natürlich dramatisch, immer diese Kampfradler, das kennt man ja. Natürlich ist ein Rotlichtverstoß pro sechs Minuten noch immer zuviel, aber wieder einmal wird der Eindruck geschürt, nur diese blöden Radfahrer hielten sich nicht an die Verkehrsregeln. Wie viele Kraftfahrer wohl an der Straße des 17. Juni in dem dreistündigen Zeitraum Probleme mit der Farbwahrnehmung hatten?

Und dann dieser Auszug aus dem Bußgeldkatalog, der bar seiner Unbrauchbarkeit gar nicht groß auffällt. Da gibt’s beispielsweise das „Fahren ohne Licht“ und das ebenso teure „Fahrrad ohne Lampen“, das beliebte „Straße entgegengesetzt befahren“ und, natürlich, der Klassiker darf nicht fehlen, das „Nichtsnutzen des vorhandenen Radweges“. Hmm, gerade eben wurde aufwändig noch die mangelnde Regelkenntnis am Fahrradlenker reklamiert, aber jetzt sorgt die B.Z. mit ihrem tollen Auszug aus dem Bußgeldkatalog gleich noch mal für mehr Verwirrung? Und überhaupt: Wenn man sich doch über diese ganze Kampfradelei echauffiert, warum unternimmt die B.Z. nicht mal was dagegen und druckt einen Auszug mit den wichtigsten Verkehrsregeln für Radfahrer ab? So spiegelt das Thema der Woche nur die allgemeine Mentalität im deutschen Straßenverkehr wider: Verkehrsregeln interessieren nicht, aber wie viel kostet’s denn, wenn’s die Rennleitung sieht?

So wird das nicht mit dem Vertragen.

Münster: Fahrradstadt a. D.

In den Westfählischen Nachrichten wird bemängelt, dass Münster den Titel einer Vorzeige-Fahrradstadt eigentlich nicht mehr verdient hätte: Münster muss um Titel „Fahrradhauptstadt“ kämpfen

Noch trägt Münster den Titel der heimlichen Fahrradhauptstadt in Deutschland. Aber wie lange noch? Der ADFC kritisiert den Umgang mit Fahrrädern in dieser Stadt und befürchtet, dass Münster den Titel Fahrradhauptstadt loswerden könnte.

Es geht dabei um weit mehr als nur die fehlenden Abstellmöglichkeiten oder die engen Radwege. Es kursieren vollkommen unterschiedliche Meinungen darüber, ob in Münster gerade wegen oder trotz der Fahrradinfrastruktur so viel geradelt wird, aber offenbar wird man sich langsam einig, dass es so nicht weitergehen kann.

Berlin: Grüne Radweg-Mängel online melden

In Berlin lassen sich in einigen Bezirken mangelhafte Radwege online melden: Charlottenburg-Wilmersdorf, Lichtenberg und Reinickendorf nehmen Beschwerden über freudig wachsendes Straßenbegleitgrün mittlerweile auf ihrer Homepage an: Danke, liebes Grünflächenamt!

Unser Autor erklärt, wie Berlin die beste Radweginspektion der Welt bekommen kann: Nämlich wenn sie die Möglichkeiten bekämen, unkompliziert übers Internet Schäden oder sonstige Mängel an Radwegen den Ämtern zu melden

Beschweren kann man sich offenbar allerdings nur über alles, was da allzu üppig über den Radweg sprießt: Für alle anderen Schäden ist das Grünflächenamt vermutlich nicht zuständig. Büsche und Bäume lassen sich auch noch mit verhältnismäßig geringem Aufwand zurechtstutzen, mangelhaft ausgeführte Radverkehrsanlagen, die beispielsweise größere Umbaumaßnahmen bedingen, werden sich über ein solches Online-Formular sicher nicht beheben lassen.

Neue Erkenntnisse zur Auswirkungen einer Fahrradhelm-Pflicht

Die letzte Woche war vor allem geprägt von einer neuen Untersuchung Gernot Siegs aus der Universität Münster. Sieg berechnete die gesamtgesellschaftlichen Kosten einer Fahrradhelm-Pflicht, nach seinen Ergebnissen ist der Nutzen einer Helmpflicht deutlich geringer als die möglichen Kosten. Er berücksichtigte dabei auch den nach der Einführung einer Helmpflicht zu erwartenden Rückgang des Radverkehrsansteils. Über die Studie berichtet beinahe jede Redaktion im Netz:

  • Fahrradhelm-Pflicht brächte mehr Schaden als Nutzen

    Sollten Radfahrer immer einen Helm tragen müssen? Ein Forscher aus Münster hat die Auswirkungen einer Helmpflicht für Deutschland untersucht. Sein Ergebnis fällt überraschend eindeutig aus.

  • Fahrradhelme sind unvernünftig und unwirtschaftlich

    Aktuell wird wieder heftig über den Fahrradhelm gestritten. Eine neue Kosten-Nutzen-Analyse kommt zum Schluss: Die Helmpflicht wäre unwirtschaftlicher Unsinn.

  • Der Fahrradhelm wird überschätzt

    Handelt fahrlässig, wer ohne Kopfschutz radelt? Auf keinen Fall! Radfahren ohne Helm kann extrem sicher sein, wie der Blick nach Holland und Dänemark zeigt.

  • Mehr Kosten als Nutzen

    Die Helmpflicht für Radfahrer bleibt umstritten. Gegner einer gesetzlichen Regelung erhalten durch eine Studie nun neue Nahrung.

  • „Lieber Helmfrisur als Schädelfissur“

    Fahrradhelm oder nicht – darüber wird hitzköpfig diskutiert. Was spricht für den Helm, warum verweigern andere den Schutz? Die Argumente unserer Facebook-Fans im Überblick.

  • Darum geht es wirklich bei der Helmpflicht

    Das gewaltige Echo und die heftigen Emotionen können nicht über die Inhaltslosigkeit hinwegtäuschen: Über die Helmpflicht wird mal wieder eine Scheindebatte geführt.

  • Klinik-Direktor: „Jedes Opfer ist eines zu viel“

    Eine gesetzliche Helmpflicht würde volkswirtschaftlich mehr schaden als nutzen, befand eine Studie von Verkehrswissenschaftlern aus Münster. Fahrradfahren ohne Helm, kommt für den Direktor der Unfallchirurgie an der Uniklinik nicht in Frage. Er warnt: „Jedes Opfer ist eines zu viel.“

VCD: Der Staat sollte das Radfahren belohnen

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland meint, der Staat sollte das Radfahren belohnen: Muss der Staat das Radfahren belohnen?

Ja, sagt Anika Menken, Projektleiterin der VCD-Jugendkampagne »FahrRad!«

Dabei geht’s allerdings nicht darum, jedem Radfahrer an der nächsten Ampelpause einen Zwanziger in die Hand zu drücken, sondern endlich die Radverkehrsinfrastruktur vernünftig auszubauen.

Köln: Sinnlose Verkehrsführung auf der Frankfurter Straße

Mit einem Eimer weißer Farbe kann man tolle Sachen anstellen. Marco Laufenberg mochte kaum glauben, was in Köln nach der Sanierung der Frankfurter Straße geworden ist. Auch dort scheint es eher eine Frage der Zeit zu sein, wann die ersten schweren Unfälle zu beklagen sind: Jungfernfahrt auf der Flaniermeile!

Dieser Tage, am Freitag, den 28. März 2014, war es nun so weit: mit dem Aufbringen der Fahrbahnmarkierungen und der Wiederöffnung der Fahrspuren in beide Richtungen ist das Projekt “Flaniermeile Frankfurter Straße” in Köln-Mülheim so ziemlich abgeschlossen.

Siehe auch:

Der Ortsbeirat will die blauen Lollies zurück

Radverkehrsinfrastruktur ist kein Wunschkonzert: Man bekommt eher selten, was man gerne möchte. Das gilt sowohl für Kraftfahrer („Hauptsache runter von der Fahrbahn und beim Abbiegen nicht im Weg“) als auch für Radfahrer („Irgendwas sicheres und möglichst bequemes“). Daran muss sich auch die Politik erst gewöhnen: Die kann zwar tolle Sachen beschließen, darunter sicherlich auch die Einrichtung neuer Radwege, hat aber auf die konkrete Beschilderung der Wege nur sehr wenig Mitspracherecht, denn da parlieren vor allem die Verwaltungsvorschriften. Soll heißen: An einen Sonderweg, an dem die Verwaltungsvorschriften aus unterschiedlichen Gründen keine Benutzungspflicht erlauben, kann auch die Politik keine Schilder schrauben.

Den Verwaltungsvorschriften fielen in der Thudichumstraße in Frankfurt-Rödelsheim unlängst einige blaue Schilder zum Opfer, die nun gar für ganz großes Chaos sorgen. So mancher Radfahrer fragt sich: Wo darf ich fahren?

In Rödelheim herrscht bei Radfahrern Verwirrung über die Radwegbenutzungspflicht, seit in einigen Straßen die blauen Ragwegschilder demontiert worden sind.

Die Verwirrung mag aus Sicht eines Alltagsradlers erst einmal lächerlich scheinen, ist aber gar nicht mal so ganz unberechtigt: Dem normalen Verkehrsteilnehmer dürften die blauen Zeichen 237, 240 und 241 im Straßenbild überhaupt nicht auffallen, geschweige denn dass er sich einen Reim auf deren Bedeutung machen kann. Radfahrer gehören auf Radwege, wozu wurden die denn sonst gebaut? Verschiedenen Verkehrszählungen zufolge beradeln zwischen 95 und 98 Prozent der Radfahrer weiterhin einen Radweg, nachdem der seine Schilder verloren hat — gleichzeitig neigen allerdings verhältnismäßig viele Kraftfahrer dazu, ihr angestammtes Revier gegen die vermeintlichen zwei bis fünf Prozent der Radfahrer zu verteidigen und die vermeintlichen Eindringlinge mit Belehrungen oder Tätlichkeiten zurück auf den angeblich sicheren Radweg zu befördern.

In der Thudichumstraße verschwanden die Schilder, weil die Straßenverkehrsbehörde offenbar keine Gefahrenlage auf der Fahrbahn erkennen konnte. Andererseits sollen die relativ schmalen Rad- und Gehwege am Straßenrand gerne von so genannten Kampfparkern genutzt worden sein, was sich auf Dauer schlecht mit einer Radwegbenutzungspflicht verträgt.

Der Ortsbeirat will die Schilder aber gerne wieder anschrauben. Die Begründung klingt allerdings ein wenig autozentriert:

Doch der Ortsbeirat 7 möchte die Radwege-Schilder im Hausener Weg und in der Thudichumstraße wieder aufstellen lassen. Die derzeitige Situation gefährde Rad- und Autofahrer, heißt es in einem mit den Stimmen von CDU, „Republikaner“ und einem SPD-Ortsbeirat verabschiedeten Antrag. Denn die Straße sei zu schmal und eigne sich nicht zum Überholen.

Zu deutsch: Weil die Kraftfahrer sich nicht mit den Verkehrsregeln arrangieren wollen, sollen die Radfahrer zurück auf dem Radweg.

Das dürften die Verwaltungsvorschriften, die in dieser Hinsicht ein deutlich größeres Mitspracherecht haben, allerdings ganz anders sehen.

WELT AM SONNTAG: Das Fahrrad erobert die Metropolen

Irgendwas ist verkehrt bei Axel Springer: Erst bekommt BILD einen kompletten Artikel ohne Radfahrer-Hetze getippt, dann legt ein paar Tage später die WELT AM SONNTAG mit in epischer Breite ausgewalzten Überlegungen zum Radverkehr nach. Nun waren WELT und WELT AM SONNTAG eigentlich im Gegensatz zu dem anderen Blatt mit den vier Großbuchstaben eigentlich durchaus fahrradfreundlich, aber das Fahrrad gleich zum Titelthema der Woche zu erheben, das überrascht dann doch — oder, um den Witz der WELT AM SONNTAG fortzuführen: Es war wohl Zeit für einen Radwechsel.

Fahrradfahrer erobern die Metropolen. Das kann funktionieren, wie in Kopenhagen. Oder zu Verkehrschaos führen, wie an anderen Orten. Günstiger, schneller, gesünder und umweltfreundlicher, es gibt viele Gründe, umzusteigen. Wie wird das die Städte verändern?