Flensburgs Polizei macht für linksseitige Radwege mobil

Bitte nicht wundern — Wenn es beim Lesen dieses Artikels im Hinterkopf klirrt, ist wieder einmal eine Argumentationskette ob der extremen Verwindungen zerrissen: Flensburgs Polizei macht gegen Fahrradrowdys mobil

Bundesweite Aktion des Verkehrsministeriums soll für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen

Nun ist das mit der Sicherheit im Radverkehr immer so eine Sache, gerade wenn das Bundesverkehrsministerium seine Finger darin hat und gerade wenn es darum geht, mit ein paar Beispielen argumentativ die Sicherheitsaspekte zu untermauern.

In Flensburg angelt also die Polizei Radfahrer vom rechtsseitigen Gehweg herunter, weil es Beschwerden von Anwohnern gab, die beim Ausparken beinahe mit heranrasenden Radlern zusammenstießen. Soweit, so gut, auf dem Gehweg radeln und dann auch noch so schnell ist sicherlich mit eine der größten Dummheiten, die sich auf zwei Rädern anstellen lassen.

Die Alternative wartet auf der linken Straßenseite: Dort befindet sich ein Radweg für beide Fahrtrichtungen. Dass es dort nicht gerade sicherer zugehen wird und ob die Anwohner dort leichter ausparken können, obwohl sie auf Radfahrer von links und von rechts achten müssen, bleibt im Artikel leider unerwähnt.

Umstrittene Feinstaubbelastung des Radfahrers

Eines der ältesten Argumente gegen das Radfahren ist die Feinstaubbelastung in den Städten. Die Argumentationslinie ist ganz einfach: der Autofahrer produziert ganz, ganz viele Abgase, die er aber in seinem abgeschotteten Vehikel nicht einatmen braucht, die hingegen der Radfahrer an der Ampel direkt aus dem Auspuff inhaliert, also ist Autofahren gesünder als Radfahren, Punkt, Basta, Ende der Diskussion. So einfach war das manchmal. Entsprechende Artikel dienten als Argumentationsgrundlage.

Nun stuft die Weltgesundheitsorganisation in den Dieselabgasen enthaltene Bestandteile plötzlich als krebserregend ein und Jens Lubbadeh holt auf SPIEGEL ONLINE passend dazu eine neue Studie hervor: Stadt, Rad, Ruß

Abgase, Feinstaub, Dieselruß – in deutschen Städten herrscht oft dicke Luft. Die WHO stuft Dieselabgase neuerdings als krebserregend ein. Wie ungesund Radfahren im Vergleich zu Autofahren ist, haben Wissenschaftler untersucht. Ihr Urteil ist eindeutig.

So richtig eindeutig ist da aber nichts, denn im Prinzip klingen die beiden anderen Artikel ähnlich plausibel. Allenfalls irritiert hier noch die präzise Berechnung der verkürzten Lebenszeit von etwa 19,2 Stunden, die mutmaßlich bei einem normalen Menschen von vielerlei anderen Faktoren überlagert werden dürfte. Autofahrer sitzen zwar im geschützten Auto, saugen aber ebenfalls mit der Belüftung den Dreck ihrer motorisierten Artgenossen ein, während Radfahrer immerhin den Vorteil hätten, aufgrund der Luftverwirbelungen einer deutlich geringeren Belastung ausgesetzt zu sein.

Eigentlich gilt wohl: man kann sich darüber Gedanken machen oder es bleiben lassen — und weiterhin Fahrrad fahren. Das Leben endet zwangsläufig mit dem Tode, da kommt es auf 40 oder 0,8 Tage auch nicht mehr an.