Wie kann man das formulieren, so dass der Radfahrer schuld ist?

Das PresseRad-Weblog sieht schon mal ganz vielversprechend aus. Besonders lesenswert ist der erste Teil einer offenbar unendlichen Reihe: Wie man eine radfahrerunfreundliche Pressemitteilung formuliert (1)

Am 31.12.2013 hat die Pressestelle der Polizei Minden-Lübbecke noch einmal schnell eine Pressemitteilung zu einem Unfall zwischen einem Radfahrer und einem Auto abgesetzt, die förmlich danach schreit, kommentiert zu werden.

Radfahrer-Lametta gegen blinde Kraftfahrer

In der dunklen Jahreszeit finden in den Polizeiberichten zu Unfällen mit Radfahrer-Beteiligung immer Bekleidungstipps Eingang. Leider klingt sowas immer ein bisschen sehr nach dem so genannten Victim Blaming: Der Kraftfahrer übersieht den Radfahrer, entweder weil er nicht geguckt hat oder weil die Sonne tief am Horizont stand oder weil die Straßenbeleuchtung defekt war oder weil der Radfahrer dunkle Kleidung trug. Anstatt aber den Kraftfahrern ins Gewissen zu Reden und an die Verkehrsregeln zu erinnern, nach denen man nunmal nicht im Blindflug umherfahren darf, werden stattdessen Hinweise gegeben, sich als Radfahrer möglichst hell und reflektierend zu kleiden. Das ist sicherlich nicht die dümmste Idee, bringt aber nur bedingt einen Sicherheitsgewinn.

Andreas Edler schreibt darüber in seinem Blog: Lametta schützt vor Unfällen?

Rabiater Radfahrer zum Abbremsen gezwungen

Gefunden im mucradblog: Noch einer dieser Unfallberichte, bei denen man sich fragt, ob ein Kraftfahrer, der einem Radfahrer zum Abbremsen zwingt, anschließend nach einem kampfradlerischen Wutausbruch über rote Ampeln verfolgt und mutmaßlich zwischendurch auch ein recht ordnungswidriges Verhalten an den Tag legen wird, irgendetwas außer einem großen Lob für seine Zivilcourage zu befürchten hat.

Die Münchner Polizei und die Radfahrer (Teil x)

Die Münchner Polizei wird nicht müde, abzustreiten, dass sie prinzipiell was gegen Radfahrer hätte.

Nun gut, glauben wir ihr das erst einmal.

Irgendwie muss doch der Radfahrer schuld sein

Mal wieder zwei Unfallberichte, in denen das fehlerhafte und unfallverursachende Verhalten des Kraftfahrers geradezu als gottgegeben aufgefasst wird: Was soll er denn schon machen, wenn der Radfahrer keine reflektierende Kleidung trägt? Statt immer und immer und immer wieder zu betonen, wie wichtig Reflektoren an Kleidung, Fahrrad und Helm sind, könnte man ja jedenfalls einen einzigen Satz darüber verlieren, dass auch außerhalb der Fahrradsaison im Winter und bei Dunkelheit das so genannte Sichtfahrgebot gilt: Man fährt eben nicht dahin, wo man nicht hingucken kann. Vor allem fällt auch hier wieder der sprachliche Unterschied auf: Radfahrer missachten beispielsweise das Rotlicht oder die Vorfahrt eines Kraftfahrers, während andersherum Kraftfahrer meistens etwas übersehen — in der Regel leider einen vorfahrtsberechtigten Radfahrer.

„Fahrradhelme schützen!!!“

Es wurde in diesem Blog schon viel über Fahrradhelme geschrieben und teilweise recht akribisch jeder Unfallbericht protokolliert, in dem ein verunfallter Radfahrer einen Helm trug oder vielleicht auch nicht, aber hätte er keinen Helm getragen, wäre er ohne Helm jetzt tot — oder so ähnlich.

In Geseke übersah eine Kraftfahrerin einen Radfahrer beim Einfahren in einen Kreisverkehr. Der behelmte Radfahrer stürzte und wäre ohne Helm jetzt tot laut des Berichtes nicht mit leichten Verletzungen davongekommen. Am wichtigsten scheint dabei zu sein, und man spart noch nicht einmal mit Ausrufezeichen, dass Fahrradhelme schützen!!!

Man hätte ja auch andere Dinge des Unfallherganges herausarbeiten können. Zum Beispiel dieses seltsame „Übersehen“, das vor Unfällen besonders häufig von den Kraftfahrern praktiziert wird. Ohne Licht kann der Radfahrer in den Morgenstunden ja nicht gefahren sein, sonst würde das ja ebenso prominent wie der Fahrradhelm in der Meldung erwähnt. Insofern wäre ja gerade angesichts der jüngsten Verwirrungen am Kreisverkehr durchaus der Hinweis angebracht, insbesondere dort mit kreuzenden Radfahrern zu rechnen, die da nämlich meistens noch mit Vorfahrt daherkommen. Das brächte nämlich tatsächlich mal ein echtes Plus an Sicherheit.

Die Sache mit dem Fahrradhelmen scheint der Polizei in Soest aber tatsächlich besonders am Herzen zu liegen. Hier übersieht eine Kraftfahrerin beim Abbiegen eine Geisterradlerin, die Auf der falschen Seite unterwegs war und es heißt wieder:

Polizeilicher Nachtrag: Sie trug keinen Fahrradhelm!

Immerhin wird erwähnt, dass die Geisterradelei keine besonders gute Idee war. Gerade eben veröffentlicht: Werl – Fahrradhelme schützen

Es ist ja wirklich irre, wie sehr sich die Polizei in Soest auf die Fahrradhelme versteift. Über den eigentlichen Unfallhergang wird kaum noch berichtet, weil der komplette Platz für, man mag es kaum noch anders nennen, Lobpreisungen des Fahrradhelmes in Anspruch genommen wird. Ein helmbewehrter Radfahrer wird auf die Motorhaube geschleudert, sein Helm trifft die Windschutzscheibe, der Kopf bleibt unverletzt, der restliche Körper wird — inklusive Kopf — schwerverletzt ins Krankenhaus gefahren. Man könnte diese Meldung anreichern um Details zum Unfallhergang und wie man als Verkehrsteilnehmer solche Situationen vermeiden kann, aber stattdessen geht es zu einem wesentlichen Teil nur um den Helm, der in diesem Unfall immerhin vermutlich wenigstens schützend eingegriffen hat. Aber ansonsten geht in Soest offenbar wirklich nichts über Fahrradhelme: Lippstadt – Radfahrer schwer verletzt

Als Lektüre sei der Polizei in Soest empfohlen: Wissenswertes zum Thema Schädelhirntrauma

Dort heißt es im allerletzten Absatz:

Helme schützen daher meist nicht bei mittleren oder schweren Unfällen, können leichtere Kollisionen jedoch begrenzt abdämpfen.

Kein Fahrradhelm, trotzdem keine Kopfverletzung

Manchmal sieht sich die Polizeipresse vor die argumentative Herausforderung gestellt, dass ein umbehelmter Radfahrer in einen Unfall verwickelt wurde, aber gar keine Kopfverletzungen erlitten hat, die ein Helm womöglich vermieden hätte: Schülerin bei Verkehrsunfall leicht verletzt

Kraftfahrer verursacht Unfall, Radfahrer trägt keinen Helm

Noch eine kurze Frage zur Nacht: Was ist wohl das wesentliche an einem Unfall? Dass der kraftfahrende Unfallverursacher sich grob ordnungswidrig verhalten hat oder dass das ranfahrende Unfallopfer keinen Helm trug?

In Paderborn ist ein Kraftfahrer vermutlich aus Ungeduld kurzerhand im Stau abgebogen und hat den zu dem Zeitpunkt neben sich befindlichen Radfahrer unfreiwillig mitgenommen: Autofahrer beim Abbiegen mit Radfahrer kollidiert

Nun wird’s amtlich: Fahrradhelme schützen vor Unfällen

Die Unfallberichte im Polizei-Ticker sind ein stetige und zuverlässige Quelle vor die morgendliche Kopfschütteln-Attacke. In Löhne gerieten im Spätsommer ein Rad- und ein Kraftfahrer aneinander: Verkehrsunfall mit verletzter Person – Gohfeld – Radfahrer angefahren

Die Polizei schreibt:

Dieser Verkehrsunfall ist ein Beispiel für viele gleichgelagerte Verkehrsunfälle mit Radfahrern im Kreis Herford. Das Fehlverhalten von Radfahrern ist in Kombination mit einem weiteren Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle mit verletzten Radfahrern. Die Verletzung gehen dabei nicht immer so glimpflich ab, wie in diesem Fall. Verhindern Sie solche Unfälle, indem Sie einen Fahrradhelm tragen und die vielerorts vorhandenen Radwege in der richtigen Richtung benutzen.

Unfälle lassen sich nicht mit Helmen verhindern, mit Helmen lassen sich allenfalls die Unfallfolgen vermindern. Und ob Radwege nun Unfälle vermeiden, naja, da darf man angesichts der vielen Schulterblick-Verweigerer hinter der Windschutzscheibe doch noch geteilter Meinung sein.

Man hätte anstelle der Empfehlung zum Fahrrad-Helm auch erklären können, dass Fahrzeugführer laut § 26 Abs. 1 StVO an Fußgängerüberwegen lediglich Fußgängern das Überqueren ermöglichen müssen. Das ist zwar kein Freibrief, um Radfahrer auf die Motorhaube aufzuladen, aber einfach so drüberradeln ist eben in der Gegenwart von bevorrechtigten Fahrzeugen nicht empfehlenswert.