Radwegbenutzungspflichten in Osterrönfeld fallen

Die beschauliche Gemeinde Osterrönfeld im Herzen Schleswig-Holsteins ist bei ortskundigen Radfahrern vor allem aufgrund ihrer skurrilen Radwegbenutzungspflichten bekannt. Wie üblich wollten die Verantwortlichen den Radverkehr von der ohnehin schmalen Hauptstraße verbannen und erklärten den ohnehin viel zu schmalen Gehweg, auf dem sich stellenweise kaum zwei Fußgänger begegnen können, als gemeinsamen Geh- und Radweg benutzungspflichtig für Radfahrer — und zu allem Überfluss noch auf beiden Straßenseiten in beiden Fahrtrichtungen. Das ganze Drama lässt sich im Schilderwiki bestaunen: Radverkehrsanlagen in Osterrönfeld

Nun soll damit aber Schluss sein, berichtet die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung: Radfahrer werden auf die Straße „gebeten“

Die Radfahrer sollen auf die Straße. Entlang der Dorfstraße und der Kieler Straße besteht für diese zurzeit noch eine Benutzungspflicht der kombinierten Fuß- und Radwege. Die Gemeindevertretung beschloss am Donnerstagabend einen Antrag bei der Verkehrsaufsicht des Kreises Rendsburg-Eckernförde, diese Pflicht für Radfahrer aufzuheben.

Künftig werden die entsprechenden Abschnitte als freigegebene Gehwege ausgeschildert, allerdings wird das Fahren entgegen der Fahrtrichtung untersagt. Außerdem wird erwogen, die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu limitieren.

Was erst einmal nach einem Erfolg für den Radverkehr klingt, dürfte allerdings kaum merkliche Folgen zeigen. Erfahrungsgemäß bleiben nach der Umwandlung eines benutzungspflichtigen Radweges 98 bis 99 Prozent der Radfahrer weiterhin auf dem nicht-benutzungspflichtigen Radweg, gleiches gilt für freigegebene Gehwege, die zuvor als benutzungspflichtiger Geh- und Radweg beschildert waren. Insofern dürften auch künftig so gut wie alle Radfahrer auf den ohnehin viel zu schmalen Gehwegen umherfahren und ihresgleichen und vor allem Fußgänger gefährden.

Ähnlich schwer wie die Fußgänger dürften es künftig die zwei Prozent der Radfahrer haben, die nach Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf der Fahrbahn radeln: erfahrungsgemäß verteidigen Autofahrer in der Rendsburger Region ihre Fahrbahn mit allen Mitteln. Neben einem nicht-benutzungspflichtigen Radweg zu radeln hat unmittelbare Hupen, Nötigungen und Belehrungen zur Folge und nicht jeder Autofahrer kennt die Straßenverkehrs-Ordnung ausreichend gut, um zu wissen, dass freigegebene Gehwege keine Benutzungspflicht enthalten — sofern er denn die abweichende Beschilderung überhaupt wahrnimmt.

Auch in Zukunft wird es mutmaßlich entspannter und sicherer sein, die Hauptstraße großzügig zu umfahren.