Erste Radlspur in München gesichtet

Das ist ja schon fast süß. Nach wochenlangen Straßenarbeiten ist die Münchener Abendzeitung von ziemlich vielen weißen Linien auf der Fahrbahn verwirrt: Was kann diese Radlspur?

Wochenlang hat die Stadt an der Kapuzinerstraße gebuddelt. Die neue Fahrbahn hat jetzt viele weiße Linien. Was das bringen soll…

Mit der Kamera machte man sich auf den Weg und verfolgte die seltsamen Linien. Fehlt eigentlich nur noch, dass man die Radfahrer ganz ehrfürchtig als Außerirdische bezeichnet hätte.

Leider geht aus den Fotos nicht hervor, ob es sich denn tatsächlich um einen Radfahrstreifen handelt: Offenbar fehlen die dazu obligatorischen Zeichen 237, so dass es sich prinzipiell um einen Seitenstreifen handelt — und der steht auch Kraftfahrzeugen zum Parken zur Verfügung. Immerhin hält der Streifen hinreichend Abstand zu parkenden Kraftfahrzeugen, das gelingt in anderen Städten nicht einmal ansatzweise so gut.

Der neue Copenhagenize Index ist fertig

Copenhagenize Design hat den zweiten Copenhagenize Index veröffentlicht: Amsterdam und Kopenhagen sollen die fahrradfreundlichsten Städte sein

Wenn es darum geht, welche Städte weltweit am fahrradfreundlichsten sind, liegt Europa an der Spitze. Das mag auch deswegen kein Wunder sein, weil die Urbanisierung in Europa am weitesten fortgeschritten ist, aber auch daran, dass das Ranking von einer europäischen Beratungsfirma erstellt wird, der Copenhagenize Design, die aus einem Blog hervorgegangen ist und sich für die Ausweitung des Fahrradfahrens stark macht.

Die Ergebnisse sind zunächst wenig verwunderlich: Auf den ersten drei Plätzen hocken Amsterdam (83 Punkte), Kopenhagen (81 Punkte) und Utrecht (77 Punkte). Berlin hat es mit 62 Punkten auf den achten Platz geschafft, den elften Platz sicherte sich München mit 58 Punkten. Hamburg ist dort, wo es mit seiner Radverkehrsinfrastruktur hingehört, mit 54 Punkten auf dem letzten Platz, den es sich allerdings mit Paris teilt. Interessant wäre sicherlich die Positionierung der Kölner Infrastruktur gewesen, die allerdings offenbar nicht Teil der Untersuchung war oder es nicht in die Top-20-Städte geschafft hat.

Dass es Hamburg überhaupt auf den letzten Platz geschafft hat, überraschte wohl auch Copenhagenize Design:

The Index always offers up surprises. More often than not it is when cities show up on the list. To be honest, we were surprised that Hamburg made the cut and clung onto the last spot in the Top 20.

Die Bewertung erfolgte an 13 verschiedenen Kriterien, wobei natürlich fraglich ist, inwiefern deutsche Städte bezüglich der Radverkehrsinfrastruktur und der sozialen Akzeptanz des Fahrrades überhaupt einen Blumentopf gewinnen sollen. Es wird hier nunmal keine sicheren Radwege geben, die Copenhagenize so sehr feiert, zumindest nicht mehr in diesem Jahrzehnt — allein schon, weil dazu die Akzeptanz des Fahrrades erstmal steigen müsste.

Bei Zukunft Mobilität steht noch mehr: Die fahrradfreundlichsten Städte 2013

Ende der Radwegbenutzungspflicht: Es könnte alles so einfach sein

Es könnte alles so einfach sein: Kraftfahrer informierten sich regelmäßig über die Verkehrsregeln, also alle paar Jahre vor Inkrafttreten einer Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung, verstehen die Verkehrsregeln und wenden die Verkehrsregeln tatsächlich an — gleiches gilt natürlich auch ohne Einschränkungen für Radfahrer und Fußgänger. Und im Straßenverkehr wird auch von unsinnigen Belehrungen abgesehen, es werden keine Rachemanöver gefahren und wird niemand vorsätzlich gefährdet. Ein Traum, nicht wahr?

Die Realität sieht etwas anders aus, denn die meisten Kraftfahrer tun sich schon mit § 2 Abs. 4 StVO schwer, der nämlich schon seit etwa fünfzehn Jahren lautet:

Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Benutzungspflicht der Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung besteht nur, wenn Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ allein angezeigt ist. Radfahrer dürfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fußgänger nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Mofas Radwege benutzen.

Das Problem ist bloß, dass die meisten Verkehrsteilnehmer einen Scheiß auf die Verkehrsregeln geben.

Es wurde in diesem Blog schon häufig beschrieben, dass die genauen Verkehrsregeln kaum jemand kennt. Die meisten Kraftfahrer fahren so, wie sie es in der Fahrschule gelernt haben, bei unbekannten Situationen setzt der Herdentrieb ein und es wird der Vordermann imitiert. Die Fahrschule lehrt allerdings nicht, was in der Straßenverkehrs-Ordnung steht, das wollen die Fahrschüler auch gar nicht wissen, sondern erklärt nur das Basiswissen, mit dem sich die praktische Fahrprüfung bestreiten lässt. Niemand erklärt, welche Vorrangsbeziehungen in Kreisverkehren und abknickenden Vorfahrtstraßen bestehen, niemand erläutert das Rechtsfahrgebot auf Kraftfahrstraßen innerhalb geschlossener Ortschaften, mit viel Glück lernt man noch, beim Auffahren auf die Autobahn keine Vorfahrt zu haben. Und ja, wo ein Radfahrer fahren darf und wo nicht, das wird allenfalls noch zufällig erwähnt: Schließlich geht’s hier doch um den Führerschein, nicht ums Fahrrad.

Der Verkehrsunterricht in der Grundschule oder in der Unterstufe der weiterführenden Schulen ist gar noch schlimmer, dort lernen die Kinder nicht vom Rad zu fallen, aber keineswegs die Verkehrsregeln für Radfahrer. Kein Wunder, die sind für die kleinen Köpfe noch viel zu komplex, denn schon die Polizei tut sich ja schwer mit § 2 Abs. 4 StVO und weiß überhaupt nicht, wo denn bei welcher Schilderkonstellation und welchen verfügbaren Straßenteilen das Rad hingehört. Da das Fahrrad in der Fahrschule komplett ausgespart wird, sofern es denn nicht mit Falschinformationen Erwähnung findet, wundert es doch kaum, dass die meisten Radfahrer sich irgendwie so durch den Verkehr mogeln und viel zu häufig auf der linken Straßenseite oder dem Gehweg landen.

Es wäre ein wahrhaft spannendes Experiment, ein paar Verkehrsteilnehmer vor die Straßenverkehrs-Ordnung zu setzen und die Regeln erklären zu lassen, die sie dort lesen. Man braucht nicht viel Fantasie um sich vorstellen zu können, dass das ganz schön schiefgehen wird.

Ein regelkundiger Fahrbahnradler braucht sich gar nicht die Mühe machen, einem wutschnaubenden Kraftfahrer durch die Beifahrerscheibe etwas von § 2 Abs. 4 StVO oder Zeichen 237 zu erklären: Das kapiert er nämlich nicht. Außerhalb des Elfenbeinturmes, von dem wir hier und in anderen Blogs immer wieder auf die Straßen der deutschen Städte herunterschauen, gilt nämlich das einfache Prinzip „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“. Wir übersehen viel zu oft, dass die meisten Verkehrsteilnehmer mit einem Studium der Straßenverkehrs-Ordnung vollkommen überfordert sind. Während wir fröhlich vor ebenjenem Kraftfahrer mit Zeichen 237, 240 und 241 jonglieren, weiß der vermutlich noch nicht einmal, dass Verkehrszeichen nummeriert sind und steckt mutmaßlich noch immer fest in dem verbreiteten Glauben, dass Radfahrer doch bitteschön schon zu ihrer eigenen Sicherheit nicht auf der Fahrbahn fahren sollen. Allenfalls kann er § 1 Abs. 1 StVO rezitieren, weil der nämlich tatsächlich in jedem Fahrschulbuch steht.

Geradezu süß mutet es an, während der Fahrt noch einem hupenden Kraftfahrzeug etwas von „Nicht benutzungspflichtig!“ hinterherzurufen, was der Fahrzeugführer einerseits nicht hören wird und andererseits gar nicht verstehen will: Glaubt denn jemand ernsthaft, ein Kraftfahrer schaue bei jeder Kreuzung, bei jeder Einmündung nach, ob denn der Radweg mit blauen Schildern dekoriert sein könnte, um daraufhin zu entscheiden, ob er einen Fahrbahnradler malträtiert oder ihn in Ruhe lässt? Fragt man ein paar Verkehrsteilnehmer höflich nach den blauen Schildern, wird man ganz erstaunt feststellen, dass vielleicht jeder Zehnte etwas kluges dazu sagen kann — und das auch nur, weil Radwegbenutzungspflichten im vergangenen Jahr häufig genug in den Medien zu Gast waren. Für die meisten gilt: „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“.

Diese Problematik stellt sich plötzlich auch bei freigegebenen Einbahnstraßen, die in den letzten Jahren immer mehr aus den Straßen schießen. Fast jeder Kraftfahrer kann lange Geschichten über Radfahrer erzählen, die falsch herum durch die Einbahnstraße gefahren wären und sich dabei gar fürchterlich betragen hätten — selbst mit viel Überzeugungskraft lässt sich kaum vermitteln, dass der Radfahrer je nach Einbahnstraße eventuell im Recht war. Auch mit dem Zeigefinger auf das Zusatzzeichen 1000-32, das unter dem Schild der Einbahnstraße auf die entgegenkommenden Radlern hinweisen soll, kapieren viele Verkehrsteilnehmer nicht, was das eigentlich bedeuten soll. Überraschend viele vermuten unter der Beschilderung einen Radweg, glauben also, Radfahrer dürften diese Straße in Gegenrichtung passieren, müssten aber den Radweg benutzen, der in Wirklichkeit ein Gehweg ist. Und selbst wenn man einen Kraftfahrer glaubhaft von freigegebenen Einbahnstraßen überzeugen kann, scheint es im gar ungeheuerlich, dass er einem entgegenkommenden Radfahrer an Engstellen möglicherweise Vorrang gewähren müsste, dass Radfahrer auch beim Verlassen der Einbahnstraße Vorfahrt haben könnten. Freigegebene Einbahnstraßen mögen eine tolle Idee sein, wenn sie die Wege für Radfahrer deutlich verkürzen, trotzdem ist es gerade am falschen Ende einer solchen Einbahnstraße immer wieder abenteuerlich, wie die Kraftfahrer dort blind hineinbrettern, weil aus einer Einbahnstraße ja nichts herauskommen dürfte.

Wir halten uns zwar für die besten Autofahrer der Welt und bauen angeblich die besten Autos der Welt, aber so richtig Ahnung von dem, was wir da mit Pedalen und Lenkrad anstellen, so richtig Ahnung davon haben wir nicht.

Schön, dass nach der Krefelder Straße in Köln nun auch in München die Radfahrer auf die Fahrbahn dürfen, aber weder in Köln noch in München werden Kraftfahrer das Erklärbär-Schild verstehen, dass speziell für die regelunkundigen Verkehrsteilnehmer aufgestellt wurde: Unlogisches Logo

Zu klein, zu viel Text: Erst vor drei Wochen hat die Stadt Info-Schilder für Radler und Autofahrer in München aufgestellt. Doch die verwirren offenbar mehr als dass sie aufklären. Nun sollen neue her.

Das sicherlich gut gemeinte Schild hat gleich mehrere Probleme. Vermutlich wird es genügend Kraftfahrer geben, die es einfach übersehen — das liegt gar nicht mal an dessen unzureichender Größe, sondern dass der Mensch als Gewohnheitstier nunmal nicht sofort erkennt, dass sich da etwas geändert hat. Der Text erzählt zwar schön etwas von der Radwegbenutzungspflicht, aber wer kennt den Begriff denn schon? Der Hit ist natürlich das durchgestrichene Zeichen 237, das zwar formal gesehen korrekt ist, denn eine Radwegbenutzungspflicht gibt es nunmal nicht mehr, sie ist hier zu Ende, vermutlich aber eher als Verbot des Fahrradfahrens analog zu Zeichen 254 verstanden werden dürfte, denn, wieder einmal, wer kennt schon die genaue Bedeutung von Zeichen 237?

Bei hamburgize.com gibt’s noch ein paar interessante Fotos: Braucht es ein Zeichen für Radwege ohne Benutzungszwang?

Auch da bleibt allerdings die Elfenbeinturmproblematik bestehen: Wird nun ein eckiges Zeichen für Radwege ohne Benutzungspflicht eingeführt, kapiert das auch wiederum kein normaler Verkehrsteilnehmer. Rund hieße benutzungspflichtig, eckig hieße nicht benutzungspflichtig, okay, für uns kein Problem, aber schaut der normale Kraftfahrer nach, ob das Schild rund oder eckig war, bevor er hinter dem nächsten Fahrbahnradler auf die Hupe prügelt? Überdies krankt der Radweg immer noch an der Überlegung, warum denn ein Radweg nicht benutzt werden sollte, wenn doch einer vorhanden ist — leider sehen sich auch viele Kraftfahrer genötigt, diese Diskussion mit der Hupe zu führen. Meistens kommen dabei noch die fehlenden Kennzeichen und die Kraftfahrzeugsteuern zur Sprache.

Insofern: Ob rund oder eckig, es wäre viel wichtiger, als Verkehrsteilnehmer endlich einmal wenigstens die wichtigsten Straßenverkehrsregeln zu kennen. Es ist sicherlich unnötig, als Normalsterblicher die 53 Paragraphen und fünf Anlagen auswendig rezitieren zu können, es ist aber absolut besorgniserregend, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nur den § 1 Abs. 1 StVO benennen können — und von vielen weiteren Regeln leider nicht nur keine Ahnung haben, wo sie denn stehen, sondern von deren Existenz noch nie etwas gehört haben. Denn in Deutschland ist es leider Tradition, fehlendes Wissen mit erhöhter Aggression zu kompensieren. Die wild hupenden Kraftfahrer sind beinahe ausnahmslos jene, die von § 2 Abs. 4 StVO noch nie etwas gehört haben.

Eine kleine Party im Stadtverkehr

Michael Tibudd hat offenbar eine Critical-Mass-Tour auf ihrem Weg durch die Innenstadt beobachtet und macht sich Gedanken, wie die Städte den Radverkehr fördern können: Kampf um jeden Millimeter

Autos brauchen Platz. Und sie nehmen ihn sich. Der Radverkehr hingegen wird in Deutschland oft vernachlässigt, vor allem in Städten. Immer mehr Metropolen wollen nun den Fahrradverkehr fördern. Doch die Autofahrer räumen nur widerwillig das Feld.

München erklärt Radverkehrsregeln

Erinnert sich noch jemand an die Münchner Polizei, die auch das Beradeln nicht-benutzungspflichtiger Radwege empfahl, weil ein jeder Radweg sicherer als die Fahrbahn sei? Nun gibt es einen achtseitigen Flyer, unter anderem herausgegeben vom Polizeipräsidium München: Entspannt mobil — sicher unterwegs

Es gibt sogar einen Abschnitt „Welche Ampel gilt für mich?“ — da hat man sich ja was getraut. Die dargestellten Regeln sind nicht nur unvollständig, sondern auch falsch und überdies in knapp einem Monat schon veraltet. Klar kann man nicht die vollständige Tabelle abdrucken, die schon viel zu groß für einen solchen Flyer wäre, doch Sätze wie „Grundsätzlich gelten für den Radverkehr dieselben Lichtsignale wie für den Autoverkehr“ sind Unfug, gerade in einer Stadt mit aberhunderten Kilometern Fahrradwegen, gleich darauf heißt es: „Nur wenn keine besonderen Lichtzeichen für Radfahrer vorhan- den sind, erfolgt eine gemeinsame Signalisierung mit dem Fußverkehr.“ Und was ist nun mit der Fahrbahnampel? Und die Erklärungen mit einem Bild zu illustrieren, auf dem eine Radfahrerin offenbar einem unachtsam abbiegenden Autofahrer ausweichen muss, während sich gleich dahinter schon der nächste Lastkraftwagen nähert, darf wohl getrost als unglücklich bezeichnet werden.

Der Abschnitt zur Benutzungspflicht ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt, allerdings bleibt es vermutlich für den normalen Radfahrer ein Rätsel, warum denn nicht jeder Radweg nicht benutzt werden muss. Die übliche Argumentation mit Sicherheitsbedenken und ähnlichem Argumenten findet sich erst in den häufig gestellten Fragen: „Wussten Sie schon, dass Radfahrer auf der Fahrbahn oft sicherer fahren, weil die Autofahrer sie dort am Besten sehen können?“ In die ganze Sache grätscht dann noch der Auszug aus dem Bußgeldkatalog, der sehr schwammig 15 Euro für „Nicht den vorhandenen, beschilderten Radweg oder Radfahrstreifen benutzt“ haben möchte. Das lässt sich auch lesen als „Nicht den vorhandenen Radweg, den beschilderten Radweg oder den Radfahrstreifen benutzt“.

Naja, und wozu man überhaupt in so einem Flyer einen Bußgeldkatalog braucht, bleibt ja auch ein Rätsel. Da soll doch eigentlich den Radfahrern näher gebracht werden, wie es richtig geht, und nicht, oh, so viel kostet’s, wenn ihr es verkackt.

Jagd auf Radl-Rambos

In München werden momentan schwerpunktmäßige Fahrrad-Kontrollen durchgeführt: Ab heute: Große Kontroll-Aktion der Polizei

Bei Rot über die Ampel, auf dem Gehweg, in falscher Richtung: Wer ab heute als Radl-Rambo unterwegs ist, muss sich auf empfindliche Strafen gefasst machen. Hier erhalten Sie alle Informationen!

So eine Fahrradkontrolle muss ja nicht pauschal etwas schlechtes sein, auch wenn sich im Netz genügend Berichte zu abenteuerlichen Kontrollen finden. Trotzdem tut die Gegenwart der Ordnungsmacht so manchem Sommerradler ganz gut, der sich in Unkenntnis der Straßenverkehrs-Ordnung links und rechts der Straße ans Ziel mogelt und auch mit der Farbe der Ampel so seine Probleme hat, denn schließ fährt er ja kein Auto, da sei doch alles halb so wild.

Viel interessanter als so manche misslungene Fahrradkontrolle, um die es hier nicht gehen soll, ist jedoch die begleitende Berichterstattung. „Hier erhalten Sie alle Informationen!“, tönt der Merkur und zählt die Straßen auf, in denen besonders mit Polizeikontrollen zu rechnen ist. Abgesehen von einer Tabelle, die haargenau die Bußgelder auflistet, sind Informationen im Artikel allerdings rar gesät: schön, dass die fehlende Klingel zehn Euro kostet, aber was ist denn nun mit den teilweise komplizierten Regelungen für Radfahrer? Was hat es denn mit Radwegen und den blauen Schildern auf sich, wann dürfen denn Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren werden und welche Regelungen gelten da?

Wie vernünftiges Radfahren funktioniert weiß leider kaum ein Radfahrer: in der Grundschule und auf weiterführenden Schulen lernt man dazu nicht zwangsweise brauchbare Verhaltensweisen, in der Fahrschule bleibt das Fahrrad komplett ausgespart und selbst Zeitungsartikel geizen mit sinnvollen Hinweisen. So weiß dann der so genannte Kampfradler zwar nicht, welche Ampel eigentlich für ihn gilt, kann aber wenigstens den passenden Tarif rezitieren. Frei nach dem Motto: Regeln interessieren niemanden, lasst euch bloß nicht erwischen.

Das ist schon ein bisschen traurig. Andererseits: hätte der Artikel tatsächlich alle Verhaltensregeln für Radfahrer aufgezählt, wäre damit auch niemandem geholfen — da blickt in der Regel niemand durch.

Münchener Polizei will Radfahrer schützen

Während momentan Polizei und vor allem die Gewerkschaft der Polizei gegen Fahrradfahrer poltern und höhere Bußgelder, Fahrradkennzeichen und eine Art der Wiedereinführung der generellen Radwegbenutzungspflicht im Sinn haben, geht die Münchener Polizei andere Wege: Polizei will Radfahrer besser schützen

Mehr Kontrollen, neue Schilder und „rote Karten“: Um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen, wollen Polizei und Kreisverwaltungsreferat ab sofort enger zusammenarbeiten – und härter durchgreifen.

In München will man offenbar nicht nur die Radfahrer vom Gehweg holen, sondern tatsächlich auch überprüfen, ob sich die Kraftfahrzeugfahrer insbesondere beim Abbiegen an ihren Schulterblick erinnern. Und eine solche Beurteilung einer entfallenden Radwegbenutzungspflicht hat man schon lange nicht mehr gelesen:

Das KVR will zudem mit neuen Schildern darauf hinweisen, dass in mittlerweile 39 Straßen die Benutzungspflicht des Radwegs aufgehoben wurde. Dort steht es Radlern frei, sich auf der Fahrbahn parallel zu den Autos zu bewegen oder lieber den (meist schmalen und holprigen) Radweg zu benutzen. Viele Autofahrer kennen diese Neuregelung aber nicht – oft werden Radler beschimpft oder angehupt, die auf der Straße fahren. Nicht selten kommt es auch zu gefährlichen Situationen.

Da sieht man doch glatt darüber hinweg, dass vor ein paar Monaten die Münchener Polizei ihre Radwege für sicher hielt. Einen wichtigen Satz in diesem Zusammenhang sollte man allerdings nicht übersehen:

Die Polizei hat an den Straßen, an denen die Pflicht zur Benutzung des Radweges aufgehoben wurde, bislang keine auffällige Steigerung der Unfallzahlen registriert – und das, obwohl „wir in einigen Fällen skeptisch waren und unser Veto eingelegt hatten“, so Kopp. Ähnlich verhält es sich bei der Öffnung von Einbahnstraßen für Radler.

Damit dürfte wenigstens in München das Argument der sicheren Radwege so langsam in Vergessenheit geraten.

Langsame Radloffensive in der Radlhauptstadt

München wäre so gerne eine große Fahrradstadt — aber so richtig voran geht es trotzdem nicht, denn vor 2014 werden keine weiteren Maßnahmen mehr umgesetzt: Grüne: Radloffensive geht viel zu langsam

München nennt sich gern die Radlhauptstadt. Trotzdem: Der Ausbau des Radwegenetzes geht zu langsam voran – monieren die Grünen.

Fahrräder auf der f.re.e München

Kurze Notiz an alle Radfahrer außerhalb des kalten Nordens: in München findet dieses Jahr vom 22. bis 26. Februar die Reise- und Freizeitmesse f.re.e statt, ein paar Fahrräder und der ADFC sind auch dabei:

Bayerns größte Reise- und Freizeitmesse f.re.e präsentiert vom 22. bis 26. Februar Neuheiten und Trends aus den Bereichen Reisen, Caravaning & Mobile Freizeit, Wassersport, Gesundheit & Wellness, Sport & Outdoor sowie Fahrrad. Rund 100.000 Besucher werden an den fünf Tagen auf dem Gelände der Messe München erwartet. Im Mittelpunkt steht das Thema Fahrrad mit über 50 Marken auf 8.000 m². Zwei Parcours bieten die Möglichkeit, die neuesten Modelle bei E-Bikes und 29-Zoll-Mountainbikes direkt vor Ort zu testen. Absolute Neuheit in diesem Jahr ist eine Dirtbike Jump Show. Dort zeigen Biker der Starnberger Bikeanstalt täglich sensationelle Sprünge und Kunststücke. Außerdem können sich Besucher über europäische Fahrradrouten und nützliches Zubehör wie GPS-Geräte für das rad informieren. Fachleute des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Verkehrsclub Deutschlands (VCD) geben Tipps und Informationen.

ADFC: Münchner Radwege sind doch nicht so sicher

Vor knapp zwei Wochen irritierte die Münchener Polizei mit einer seltsame Meldung, nach der Radfahrer unbedingt Radwege befahren sollten, auch wenn sie nicht benutzungspflichtig beschildert oder gar mangelhaft ausgestattet sind:

Die Münchner Verkehrspolizei empfiehlt jedoch allen Radfahrern selbst bei der Aufhebung der Benutzungspflicht bestimmter Radwege, die „unbeschilderten“ Radwege dennoch zu benutzen. Radfahrer zählen neben den Fußgängern zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmern auf Deutschlands Straßen. Gerade der einleitend beschriebene Unfall zeigt, dass Radwege, egal ob die Benutzungspflicht vorgeschrieben ist oder nicht, grundsätzlich mehr Schutz bieten als der Straßenraum des motorisierten Verkehrs.

Nun antwortete der Münchener ADFC in einer Presseinformation:

Radwege nicht automatisch sicherer als Fahrbahn ADFC kontert Polizeiempfehlung zur generellen Radwegbenutzung

Stets den Radweg zu benutzen, das empfiehlt die Münchner Polizei Radfahrern — und zwar unabhängig davon, ob ein Radweg benutzungspflichtig ist. Dies sei für Radfahrer sicherer, so das Polizeipräsidium München in einer Pressemitteilung vom 1. November. Diese Empfehlung steht nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) München in krassem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Verkehrssicherheitsforschung. Unfälle zwischen Radfahrenden und Kraftfahrzeugen ereignen sich meist im Bereich von Kreuzungen oder Einmündungen. Baulich von der Fahrbahn getrennte Radwege sind meist entlang der Bürgersteige geführt und oft hinter parkenden Autos oder Gebüsch schwer einsehbar. Auf der Fahrbahn befinden sich Radfahrende dagegen im Sichtbereich der Kraftfahrzeugführer. Wo eigene Bereiche für den Radverkehr angebracht erscheinen, sind unter anderem aus diesem Grund inzwischen Radfahrstreifen oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn Stand der Technik. (…)
Die Polizeiempfehlung, trotz Aufhebung der Benutzungspflicht auf diesen Radwegen zu radeln, kommentiert Peter Kappel, der Vorsitzende des ADFC München, so: „Es ist absurd, dass die Polizei Radfahrer nun zurück auf Radwege schicken will, deren Benutzungspflicht das KVR ja nicht ohne Grund aufgehoben hat!“ Alarmierend sei insbesondere eine Formulierung in der Polizeipressemitteilung, so Kappel weiter: „Da wird die Fahrbahn als Straßenraum des motorisierten Verkehr bezeichnet. Dabei ist auch das Fahrrad ein Fahrzeug und keine Gehhilfe und gehört damit zuallererst einmal auf die Fahrbahn. Das steht so in der StVO. Es könnte fast der Eindruck entstehen, als hätte die Münchner Polizei am liebsten gar keine Radfahrer im Straßenverkehr, obwohl in München 14 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden. (…)
Nochmals Kappel: „Wenn für die Münchner Polizei abgetrennte Radwege tatsächlich für die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern so wichtig sind, dann erwarten wir als ADFC zumindest, dass sie auf Radwegen stärker gegen Falschparker vorgeht. Wie in anderen Bundesländern auch, könnte die Polizei in diesen Fällen auch einmal das Abschleppen der Kraftfahrzeuge in Betracht ziehen.“ Nur eine stärkere Überwachung des ruhenden Verkehrs garantiere, dass Radwege auch tatsächlich befahren werden könnten, so der ADFC-Vorsitzende.

Schade, dass die Polizei darauf vermutlich nicht antworten wird.