Österreicher wollen weniger Auto fahren

Es sind schon wieder die Kraftstoffpreise — auch bei unseren südlichen Nachbarn soll das Auto künftig häufiger stehen bleiben: Hälfte will weniger mit Autos fahren

Aufgrund der hohen Spritpreise wollen bereits 51 Prozent der Österreicher in nächster Zeit weniger mit dem Auto fahren – Öffis, Fahrrad und die eigenen Beine sind die Alternativen. Erst am Montag sind die Ölpreise gestiegen.

Nummernschilder haben keinen Einfluss auf das Unfallgeschehen

Es vergeht eigentlich keine Woche, in der in Deutschland nicht auf irgendeiner Hinterbank im Parlament nach dem Fahrradkennzeichen gerufen wird. Meistens fußt die Forderung allerdings auf der reinen Bestrafung des Radverkehres: den abertausenden Rotlichtverstößen pro Tag, so geht die Argumentation, könne nur mit einem Kennzeichen begegnet werden. Dabei ist man sich nicht zu schade, Parallelen zur schweizerischen Velovignette zu ziehen, die mehr ein Versicherungshinweis in Miniaturausgabe als ein richtiges Kennzeichen war, das sich aus mehr als zehn Zentimetern noch ablesen ließ. Andere, womöglich wirkungsvollere Maßnahmen, etwa die Erhöhung der durchschnittlichen Regelkenntnis, damit der Verkehrsteilnehmer überhaupt weiß, wofür er denn gerade ein Bußgeld bezahlt, finden überhaupt keinen Eingang in die Argumentation — die bloße Abstrafung des Fahrrades scheint teilweise im Vordergrund zu stehen. Mit rationalen Argumenten ist da nichts zu gewinnen.

Der berlinradler schreibt bei der Rad-Spannerei: Kennzeichen für Radfahrer?

Der Aufsatz endet mit dem Fazit:

Wenngleich die Strafverfolgung in einzelnen Fällen erleichtert sein könnte – immerhin 632 Radfahrer flüchteten 2011 nach Unfällen – wird man bei der Unfallvermeidung auf andere Maßnahmen zurückgreifen müssen. Die drastisch höheren Unfallquoten von (kennzeichenpflichtigen) Kraftfahrzeugen lassen erahnen, dass Nummernschilder keinen Einfluss auf das Unfallgeschehen haben.

Deutschland steht im Auto

Von seinem Artikel kann man halten was man mag, aber allein die Überschrift ist in der Autofahrernation Deutschland eine gewagte Mutprobe — und Lutz Haverkamp hat sie definitiv gewonnen: Eine Seuche namens Autofahren

Autofahren ist langsam, relativ teuer, tötet oder verkrüppelt Menschen. Ganz klar: Deutsche Straßen müssen leerer werden. Dafür muss der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut und das überflüssige Fahren vor allem in der Innenstadt deutlich verteuert werden.

Womöglich hat Haverkamp eine Antwort gegen Christine Richter verfasst, die am gleichen Tage gegen noch mehr Radverkehrsförderung wetterte. Abgesehen von der brisanten Überschrift sind Empörungsmöglichkeiten eigentlich schwer zu finden: dass private Fahrten durch die Innenstadt, bei denen nur der Fahrersitz besetzt ist und der Kofferraum vor Leere gähnt, Unfug sind, das fällt kaum unter Haverkamps Meinung, das ist eine rein ökonomische Betrachtung. Stattdessen mit dem öffentlichen Nahverkehr ein hoffentlich attraktives Angebot bereitzustellen, das die Pendler aus den Vororten in die Bahn statt ins eigene Cockpit lockt ist nur die logische Konsequenz.

Und für so wenig Inhalt gibt es heutzutage schon einen Shitstorm?

Knapp 150 Kommentare haben sich bislang eingefunden, die meisten davon wutbürgerempört und eher dürftig an Substanz. Solche Artikel erscheinen selten genug, sich in Ruhe einige neue Argumente auszudenken, stattdessen beschränkt man sich auf wildes Fußaufstampfen und argumentiert zielstrebig am eigentlichen Inhalt des Artikels vorbei.

Dass immer die arme Oma vor die Tür muss, um die eigentliche Bequemlichkeit der Kommentatoren zu kaschieren, das ist peinlich. Natürlich hat die arme Oma mitten auf dem Land verloren, wenn der nächste Bus zwei Mal am Tag fünf Kilometer von der Haustür entfernt hält, natürlich ist da ein Auto nötig, sofern man nicht auf Anruftaxis ausweichen möchte. Und natürlich ist auch in den Vororten die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mitunter abenteuerlich — aber es wäre so langsam an der Zeit, dort gegenzusteuern statt beleidigt am Stammtisch zu poltern.

Vom eigenen Auto in den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen geht natürlich nicht ohne Veränderungen: womöglich sitzt tatsächlich direkt nebenan der stinkende Säufer, womöglich bleibt der Bus im morgendlichen Berufsverkehr stecken, womöglich endet die Fahrt auf einem platten Reifen mitten auf einer großen Kreuzung. Aber bis auf den stinkenden Penner sind das eigentlich keine Probleme, die in ähnlicher Häufigkeit nicht auch im eigenen Auto auftreten. Nur muss das erst einmal gekauft werden und ist auf Dauer meistens teurer als eine Monatskarte.

Aber vermutlich darf man in einer Autofahrernation auch nicht auf allzu großes Verständnis bauen.

Christine Richter ist es leid

Es ist ganz interessant festzustellen, dass sich Meinungen gegen Radverkehrsförderungen in der Regel absätzelang darum drehen, dass nun dort, wo früher ein Auto fuhr, heutzutage ein Fahrrad fahren darf. Und überhaupt hielten sich Fahrradfahrer bekanntlich nicht an die Regeln und früher sei eh alles besser gewesen und so weiter und so fort und noch ein paar empörte Adjektive dazu und fertig ist der Kommentar: Das Leid der Autofahrer

Christine Richter über die Senatspläne für noch mehr Radspuren

Ach, es ist eigentlich gar nicht die drei Minuten Zeit, die einem der Text abzuringen versucht. Ja, es gibt sicherlich Menschen, die auf das Auto angewiesen sind und ja, es gibt natürlich auch Menschen, die gerne Auto fahren. Aber die Richters Argumentation hängt im beleidigten Fußaufstampfen fest. Darf der Radverkehr, der auch immer mehr wächst, keine weitere Förderung erfahren, weil es Menschen gibt, die gerne Auto fahren?

Und es ist so unglaublich verlogen, von den Radfahrern eine bessere Kenntnis der Straßenverkehrs-Ordnung zu fordern, wenn gleichzeitig für den Autofahrer die Straßenverkehrs-Ordnung nur zur rechthaberischen Argumentation „Das steht in der Es-Teh-Fau-Oh“ gegenüber Fahrradfahrern taugt, aber kaum jemand die Verordnung wenigstens bis zu § 2 Abs. 4 StVO kennt, geschweigedenn dass der aggressiv argumentierende Autofahrer seine Interpretation der Straßenverkehrs-Ordnung denn irgendwie belegen könnte:

Dringlich ist außerdem eine Initiative, den Radfahrern die Straßenverkehrsordnung beizubringen.

Tatsächlich scheint das Ziel einer deutschen Fahrschule nunmal zu sein, den Fahrschüler heil durch die praktische Prüfung zu navigieren. Von der Straßenverkehrs-Ordnung bekommt er in der Regel allenfalls § 1 StVO zu Gesicht, der in schönen Lettern im Vorwort seines Fahrschul-Lehrbuches rezitiert wird. Aber tiefere Grundlagen oder die Zusammenhänge zwischen einzelnen Regelungen sind sowohl am Lenker als auch am Steuer nicht präsent. Kaum ein Verkehrsteilnehmer könnte benennen, in welchen Situationen ein Fußgänger Vorrang hat, kaum jemand kennt die Feinheiten bei abknickenden Vorfahrtstraßen, kaum ein Autofahrer weiß, dass keinesfalls jeder Radweg benutzt werden muss.

Die generelle Regelunkenntnis im Straßenverkehr ist definitiv ein großes Problem, aber es ist vollkommen unsinnig, mit dem Finger empört auf die Radfahrer zu zeigen — gerade dann, wenn die Autorin selbst nicht so ganz im Verordnungswirrwarr zu Hause ist:

Warum es wichtig ist, dass man bei Rot an der Ampel anhält. Warum man ein an der Kreuzung wartendes Auto nicht mal links oder mal rechts überholt.

Es ist doch stark davon auszugehen, dass Christine Richter die unsäglich komplizierten Ampelregelungen für Radfahrer nicht kennt, aber sich gerne im Auto über Radfahrer empört, die sich mit der Materie auskennen und einen Signalgeber wählen, den Richter nicht versteht. Und wenn sie nicht einmal weiß, dass an wartenden Fahrzeuge durchaus rechts vorbeigefahren werden darf, na, dann ist auch schnell klar, wer hier eigentlich ein Fall für die Fahrschule ist. Denn ob Christine Richter es glauben mag oder nicht: in den Zeiten des Internets braucht sich der interessierte Verkehrsteilnehmer noch nicht einmal ein Buch besorgen, sondern kann die Straßenverkehrs-Ordnung auch im Netz nachschlagen. Die Ampelregeln sind sicherlich komplex und schwer zu verstehen, aber wenigstens das Vorbeifahren rechts von wartenden Fahrzeugen sollte niemanden vor intellektuelle Höchstleistungen stellen.

Vielleicht hätte man es auch einfach gar nicht lesen sollen.

Bullerbü in Tübingen

Judith Liere schreibt in der Süddeutschen Zeitung über: Die lebendige Stadt

Fahrrad gegen Auto? Das gibt’s im Französischen Viertel in Tübingen nicht. Denn Autos sind keine da. Auch keine Zäune und keine Privatgaragen, dafür offene Räume, offene Plätze und offene Menschen – hier wird eine Idee zur Realität.

Interessante Konzepte werden dort vorgestellt — aber warum steht das immerzu in der Rubrik Auto?

Jugend ohne Auto

Es gibt offensichtlich jede Woche eine neue Studie, die auf den sinkenden Status des Automobiles für Deutschlands Jugend verweist, schreibt Dietmar Seher im Der Westen: Autos verlieren Kultstatus: Junge Leute steigen um

Studien aus dem Hause BMW und des Bundesverkehrsministeriums zeigen: Fahrrad, Bus, Bahn und das Internet ersetzen langsam den Pkw.

Stadtbewohner können eher auf das Auto verzichten

Manchmal liest man Studien, deren Ergebnisse so selbstverständlich klingen, dass man nicht nur im ersten Moment über die eigentliche Ernsthaftigkeit der Studie zweifelt. Nun schreibt der SPIEGEL ONLINE: Landeier fahren dem Trend hinterher

Je größer die Stadt, umso weniger Autos gibt es pro Einwohner. Zu diesem Schluss kommen Experten in einer Untersuchung. Der Trend geht dabei zum Verzicht auf das eigene Automobil, sagen die Macher der Studie. Eine Liste zeigt, wo er am stärksten ist.

Es ist zwar nicht klar, welche Gedankengänge zur Wahl just jenes Aufmacherfotos führten, aber die Erkenntnis ist eigentlich ganz simpel: wer in Großstädten wohnt, in denen es tendenziell einen ordentlichen öffentlichen Personennahverkehr, verhältnismäßig kurze Wege und womöglich sogar vernünftige Carsharing-Angebote gibt, hat nicht allzu große Hemmungen, auf das eigene Auto zu verzichten. Ländlicher wohnende Menschen scheuen sich da verständlicherweise schon eher, denn von einem Dorf ins nächste bis zum ersten Supermarkt ist der Weg etwas weiter, da helfen weder Fahrrad noch der Bus, der zwei Mal am Tag vorfährt.

ACE: Weniger Verkehrstote in der Großstadt

Der ACE hat in einer Studie festgestellt, dass insbesondere in Großstädten die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer stetig sinkt. Als Faustregel gelte, je weniger Verkehrsteilnehmer mit dem eigenen Auto unterwegs sind, desto sicherer seien die Straßen: Weniger Verkehrstote in Großstädten

Ungeachtet der jüngsten Schwankungen im Verlauf der Verkehrsunfallentwicklung sieht der ACE Auto Club Europa insgesamt gute Perspektiven für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. „Besonders die Großstädte in Deutschland sind alles in allem auf guten Wegen und können sich möglicherweise bald eine Spitzenstellung in der Unfallverhütung erobern“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner am Freitag in Stuttgart.

US-Amerikaner verzichten auf das Auto

Deutschland gilt zwar als die Autonation schlechthin, aber den US-Amerikanern war bislang ihr Kraftfahrzeug nicht weniger wert. Allerdings verschieben sich auch dort langsam die Prioritäten: das eigene Auto ist nicht mehr das wichtigste Ziel im Leben, inzwischen geben insbesondere jüngere US-Amerikaner ihr Geld lieber anders aus: Auch die US-Jugend verabschiedet sich vom Auto

Die USA gelten als Auto-Nation schlechthin. Doch im Land von Chevrolet und Route 66 macht sich ein Trend bemerkbar, der auch in der Schweiz zu beobachten ist: Immer weniger junge Menschen machen die Fahrprüfung.