Warum wählen Pendler welches Verkehrsmittel?

Zukunft Mobilität über die Wahl des Verkehrsmittels: Aus welchen Gründen wählen Pendler welches Verkehrsmittel?

Ich interessiere mich ja immer dafür, warum Menschen ein bestimmtes Verkehrsmittel wählen und die ebenfalls vorhandenen Alternativen nicht. Das diese Entscheidung nicht ausschließlich rational getroffen werden, ist ja bereits länger bekannt. Hier stoßen die entsprechenden Wahlmodelle an ihre Grenzen.

Die ökologischen Auswirkungen der Pendlerpauschale

Die Klimaretter haben nachgerechnet: 4,4 Milliarden zu Lasten der Umwelt

Die Pendlerpauschale, deren Erhöhung nun wieder pünktlich zur Osterreisezeit gefordert wird, kostet – schon jetzt – viel und schadet noch mehr. Umweltwissenschaftler fordern ihre Abschaffung, genauso wie die Abschaffung von Kerosinsteuerbefreiung und Dienstwagenprivileg.

Soziales Netzwerk statt Autobahn

Zugegeben: der spröde Titel „Datenautobahn statt Autobahn“ schwebte schon ein wenig unheilvoll über der Tastatur — der jetzige ist allerdings auch nicht sehr viel besser. SPIEGEL ONLINE berichtet über einen offenbar gegenwärtigen Trend junger Amerikaner, auf Führerschein und Auto zu verzichten, um stattdessen über soziale Netzwerke mit ihren Freunden zu kommunizieren: Junge US-Bürger verzichten auf den Führerschein

Für US-Amerikaner war der Führerschein lange ein absolutes Muss, doch das hat sich geändert. Forscher meinen, das Internet sei der Grund für diesen Trend – und wollen das auch mit Daten aus Deutschland belegen.

Der Benzinpreis ist der neue Brotpreis

Während der Osterfeiertage ist es erstaunlich still in den Medien, als ob momentan Waffenstillstand herrschte im viel beschworenen Krieg auf der Straße. Zur Überbrückung dieser Pause gibt’s zum Glück ausreichend Lesestoff, zum Beispiel drüben beim Speigelfechter: Benzinpreise im Fokus

Der Benzinpreis ist heute das, was früher einmal der Brotpreis war; der Wohlstandsindikator schlechthin. Dies zeigt einmal mehr die aufgeregte Debatte, die die rekordhohen Spritpreise gerade ausgelöst haben. Während die Mineralölkonzerne mal wieder im Verdacht stehen, die Preise abzusprechen, empören sich die Politiker über die Preispolitik der Ölmultis. Die Bevölkerung hat derweil den Eindruck, dass die Politik nur wenig gegen die Konzerne ausrichten kann. Und vor allem mag sich manch einer fragen, was eigentlich das Kartellamt macht, das für solche Fälle zuständig ist.

Fahrrad-Parkplätze verzweifelt gesucht

Das Rad hat gegenüber dem Kraftfahrzeug den Vorteil, fast überall abgestellt werden zu dürfen. Sobald man aber einen sicheren Fahrradparkplatz sucht, wird’s in der Hansestadt eng: Fahrrad-Parkplatz in Hamburg gesucht

Vielerorts fehlen in der Hansestadt Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Die Stadt hat den Überblick über „1000-Bügel-Programm“ verloren.

So viel sparen die Alternativen zum Auto

Der STERN hat angesichts der momentanen Kraftstoffpreise nachgerechnet, welche Strecken sich zu welchen Preisen mit anderen Verkehrsmitteln zurücklegen lassen: So viel sparen die Alternativen zum Auto

Das Fahrrad kommt, weil es nicht für die längsten Strecken taugt, nur auf den dritten Platz:

Alle drei Beispiele zeigen, dass sich der Umstieg auf ein anderes Verkehrsmittel durchaus lohnt. Das Fahrrad führte zu Ersparnissen von etwa 800 Euro, beim Motorroller waren es 1300 Euro und bei der Fahrgemeinschaft fast 1700 Euro. Berücksichtigt wurden nur die reinen Benzinkosten.

Natürlich ließe sich an den Beispielrechnungen mäkeln, dass größere Einkäufe mit einem Lastenanhänger transportiert werden könnten oder etwa die lästige Parkplatzsuche gänzlich entfällt.

Mit dem Auto in die Apokalypse Stau

Es ist schon ein düsteres Endzeitszenario, das SPIEGEL ONLINE da zeichnet:

Wir schreiben das Jahr 2050. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann unterwegs eine Decke häkeln, weil er stundenlang im Stau steht. Bei der Suche nach einem Parkplatz geht anschließend eine ganze Tankfüllung drauf. Blechlawinen überall, vorwärtskommen kaum möglich. Was wie ein überdrehtes Schreckensszenario wirkt, könnte schnell zur Wirklichkeit werden – wenn die Zahl der Autos weltweit wächst wie vorhergesagt.

Die Lösung: intelligente Autos, die ihre Fahrtwege untereinander absprechen. Das mag den Verkehrsfluss erhöhen und sogar sehr deutlich, sofern denn keine „dummen“ Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Bleibt nur die Frage, wie lange es dauern wird, bis sich ein solches System durchsetzen wird, denn von selbstfahrenden Fahrzeugen außerhalb des Teststadiums scheint die Industrie noch weit entfernt, und wie sichergestellt wird, dass sich in diesem System keine anderen Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Radfahrer herumtreiben, die den empfindlichen Verkehrsfluss steuern können.

Bis dahin könnte man sich über andere Verkehrsmittel Gedanken machen, denn nach wie vor gilt jene berühmte Beobachtung, dass der motorisierte Individualverkehr so individuell überhaupt nicht ist, denn wenngleich zu den Hauptverkehrszeiten längst nicht alle Verkehrsteilnehmer die gleichen Strecken zurücklegen, so teilen sie sich doch wenigstens nennenswerte Teile dieser Strecken. Jene Strecken müssten sich eigentlich mit entsprechenden Angeboten, etwa Fahrgemeinschaften oder öffentlichen Verkehrsmitteln, substituieren lassen.

Das behauptet im Prinzip auch Bill Ford, ein Urenkel von Henry Ford:

Andererseits machte Ford deutlich, dass wer ins Auto steige, auch öfter mal umsteigen müsse. Denn die Fortbewegung von morgen bestehe aus einer Kombination aller Verkehrsmittel. „Kein Unternehmen und kein Industriezweig ist alleine in der Lage, die Antwort auf die Mobilitätsanforderungen der Zukunft zu liefern“, räumte er ein.

Während der Artikel die Auswirkungen des Verkehrskollaps auf die Wirtschaftssituation ausbreitet und Car-Sharing als Modell der Zukunft anpreist, bleibt die Frage nach dem Alltagsverkehrsmittel weiter offen — schließlich ist die Car-Sharing-Lösung nur bedingt für den Berufsverkehr geeignet, denn ob abertausende Pendler mit eigenen Autos die Großstadt verstopfen oder abertausende Car-Sharing-Fahrzeuge die Straßen versperren, ist im Endeffekt egal. Es muss also tatsächlich ein Umstieg auf andere Verkehrsmittel stattfinden.

Geeignet für ziemlich viele Verkehrsteilnehmer wäre abseits der üblichen Vorurteile womöglich auch das Fahrrad, das im Artikel überhaupt nicht mehr zu Wort kommt, aber tatsächlich in jenen Städten besonders beliebt sind, die den skizzierten Verkehrskollaps einigermaßen in den Griff bekommen haben.

Vernünftig über den Straßenverkehr debattiert werden kann in Deutschland offenbar nicht. Stattdessen wird die Diskussion mit speziellen Sonderfällen immer wieder in die Sackgasse geführt, prima zu sehen etwa im Forum zu dem SPIEGEL-ONLINE-Artikel. Natürlich mag es sogar innerhalb der Großstadt Strecken geben, auf denen das Auto allen anderen Verkehrsmitteln überlegen ist. Natürlich sind Außendienstler und Vertreter auf Kraftfahrzeuge angewiesen und der Supermarkt wird sicherlich auch nicht per Fahrrad beliefert. Und natürlich gibt es Verkehrsverbunde, deren Tarifmodell deutliche Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt. Natürlich ist eine Hausfrau eine siebenköpfige Familie nicht mit dem Fahrrad versorgen, da ist ein großes Auto sicherlich nicht nur für den Wochenendausflug angebracht. Und natürlich lässt sich ein großes Regal auch nicht auf dem Fahrrad von IKEA nach Hause fahren.

Solche Argumentationen sind mühselig. Selbstverständlich sind öffentliche Verkehrsmittel zu den Stoßzeiten mitunter überfüllt und Verspätungen keine Seltenheit. Der alltägliche Berufsverkehr, denn das Auto gilt natürlich als einzige Alternative, vereint allerdings beide Eigenschaften und ist nicht nur überfüllt, sondern sozusagen auch verspätet: es geht ja schließlich nicht voran. Wenn als Argument gegen den Hamburger Nahverkehr eine ganz spezielle Strecke im Zickzack-Kurs durchs Stadtgebiet herhalten muss, wird trotzdem übersehen, dass für abertausende Menschen die bislang zur Verfügung stehenden Verkehrswege ausreichen. Und nur weil man auch nur in die Verlegenheit kommen könnte, plötzlich ein neues Regal bei IKEA zu kaufen, muss es ja trotzdem kein Kombi werden, wenn ansonsten der Kleinwagen für sämtliche Bedürfnisse ausreicht: jedes vernünftige Möbelhaus liefert die Ware auch bis an die Haustür.

Wo ein Wille ist, da ist in der Regel auch ein Weg — in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes. Die Lösung muss tatsächlich nicht immer nur das auf dieser Webseite propagierte Fahrrad sein, eine Lösung für deutlich weniger Autos auf der Straße wäre zum Beispiel das uralte Modell der Fahrgemeinschaft. Auch dort gilt: selbst in großen Firmen finden sich nicht immer passende Mitfahrer mit einer ähnlichen, die Route muss etwas geändert werden und eine halbe Stunde früher Feierabend machen geht auch nicht mehr. Trotzdem stehen den Nachteilen durchaus nennenswerte Vorteile in Form von sinkenden Kosten, langfristig mehr Platz auf der Fahrbahn und womöglich verbesserten Sozialkontakten gegenüber.

Man kann sich natürlich auch darauf versteifen, wie bestimmte Interessenvertreter das Problem an einer verfehlten Verkehrspolitik aufhängen und der Politik vorwerfen, den Ausbau der Straßen nicht mit dem steigenden Verkehr synchronisiert zu haben — im Sinne von: hätten wir heute zwölf Fahrspuren pro Richtung, gäbe es auch keinen Stau und die Hamburger Außenalster ließe sich prima in einen gebührenfreien Parkplatz umwandeln. Freie Fahrt für freie Bürger beduetet eben auch einen kompromisslosen Ausbau von Straßen und Parkplätzen.

Wie schon so oft scheint auch das Problem der „Apokalypse Stau“ nicht primär der gestiegene Verkehr, sondern die Bequemlichkeit einiger Verkehrsteilnehmer zusammen mit einer gehörigen Portion Autozentriertheit zu sein.

Die Stadt der Zukunft

Man muss ja zugeben, dieses Kunstwerk ist ja durchaus beeindruckend, gar keine Frage:

Nur als „Stadt der Zukunft“ möchte man es dann doch nicht bezeichnen. Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass in der Zukunft Mobilitätskonzepte gefunden werden, die keinen breiten Autobahnen quer zwischen die Hochhäuser nötig machen.

Warum wir mehr Fahrrad fahren sollten

Love Green will die Welt retten, mit jedem für uns ein bisschen, und erklärt dazu, warum Radfahren gut für die Umwelt ist:

Radfahren ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gut für uns selbst. Denn schon bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h werden pro Stunde bis zu 600 Kilokalorien verbrannt. Zudem steigert es die Leistungsfähigkeit, verbessert die Blutfettwerte und mittelfristig kommt auch die Figur wieder in Form.
(Quelle: Welt Online)

Angesichts des Anspruches mit der Rettung der Welt ist dieses komplexe Thema des Fahrradfahren und der Mobilität wirklich etwas drastisch heruntergebrochen.

Eine Million Fahrten mit dem Hamburger Stadtrad

Das Jahr ist zwar noch nicht zu Ende, aber in den vergangenen Monaten wurden über eine Million Fahrten mit den Hamburger Stadträdern zurückgelegt:

In diesem Jahr sind schon eine Million Hamburger und Touristen mit den roten Stadträdern durch Hamburg geflitzt. Bald gibt es einen neuen elektronischen Schlüsselanhänger für die Ausleihe. Das StadtRad in Hamburg ist auf Rekordjagd: Seit dem Start im Juli 2009 stehen bereits zwei Millionen Fahrten zu Buche. Zudem wurden im bisherigen Jahresverlauf schon eine Million Fahrten gezählt. An derzeit 91 Stationen können in der Hansestadt die roten Flitzer ausgeliehen werden. (…)