Berliner Radwege sind trotz Unfällen sicher

Die Berliner Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers hat sich zur Situation des Verkehrs im vergangenen Jahr geäußert — leider widersprüchlich. Der wichtigste Satz steht erst im Resumee:

Letztlich muss ein Umdenken der Verkehrsteilnehmer stattfinden, um Berlins Straßen noch sicherer zu machen. Nicht das Auto steht im Vordergrund unseres mobilen Denkens, sondern immer der Mensch!

Natürlich fehlt auch nicht der übliche Teil über die Rowdy-Radfahrer, wenngleich Koppers wenigstens im Sommer auch selber mit dem Rad unterwegs ist:

Ich selbst fahre im Sommer viel mit dem Fahrrad und beobachte den Straßenverkehr in meinem neuen Amt natürlich kritischer und mit anderen Augen als früher. An den zahlreichen roten Ampeln auf meinem Weg zum Platz der Luftbrücke bin ich meist die einzige, die anhält. Die mich überholenden und offenbar ohne jeden Skrupel weiterfahrenden Radfahrer machen eher den Eindruck, dass sie mein Verhalten „schräg“ finden; gelegentlich muss ich mich beschimpfen lassen, wenn ich bei „Gelb“ bremse und die hinter mir fahrenden Radfahrer dadurch anhalten oder ausweichen müssen. Rote Ampeln zu überfahren, ausgewiesene Radwege zu ignorieren, obwohl sie Schutz bieten, und nur für Fußgänger vorgesehene Gehwege zu nutzen, scheint selbstverständlich. Auch hier entsteht also der Eindruck, Verkehrsregeln seien nur unverbindliche Verhaltensempfehlungen, denen man nach Lust und Laune folgen kann oder eben nicht. Ist es wirklich spießig oder uncool, Regeln einzuhalten?

Interessant wird es nun mit dem nächsten Absatz:

Zudem ist es doch ein Trugschluss, selbst genau einschätzen zu können, wie gefährlich die Situation tatsächlich ist. Denn auf die Rücksicht der anderen Verkehrsteilnehmer können wir nicht zwingend setzen. Als Radfahrerin kenne ich natürlich auch die Opferperspektive, habe unfreiwillig einen Salto über eine geöffnete Autotür hinter mir, bin von einem rechts abbiegenden Auto erfasst oder von einem BVG-Bus so an die hohe Bordsteinkante gedrängt worden, dass ich quer über den Bürgersteig geflogen bin.

Wenn Koppers selber von einer Tür und einem rechtsabbiegenden Auto getroffen wurde, warum hält sie Radwege nach wie vor für sicher? Auf der Fahrbahn mit vernünftigen Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos wären beide Unfälle mutmaßlich nicht passiert, wenngleich die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe für ihr rabiates Durchgreifen bei sogar berechtigten Fahrbahnradlern bekannt sind.

Schade, dass sich die Prävention auf Alkohol- und Drogendelikte konzentriert und Maßnahmen zur Reduzierung der so genannten Rüpelradler gar nicht in Erwägung gezogen werden. Über rote Ampeln fährt man sicherlich nicht aus Versehen, auf Gehwegen aus falschem Sicherheitsgefühl — und auf der Fahrbahn ganz berechtigt, denn dort ist auch in Berlin die Unfallwahrscheinlichkeit am geringsten.