Wilhelmsburger LOOP: „Fahrradhighway der Luxusklasse“

Fahrradhighway der Luxusklasse? Freizeitrundweg vor allem für Fahrradfahrer? Einer der besten Radwege der Stadt? Welchen LOOP hat denn das Hamburg Journal des Norddeutschen Rundfunks dort besucht? Der Loop – ein Vorzeigeprojekt für Radwege?

Der Radweg ist kürzlich mit dem Deutschen Fahrradpreis prämiert worden. Wir haben den Loop genauer unter die Lupe genommen und auch einige Stolperfallen entdeckt.

Nach knapp einer Minute wird der Beitrag dann doch noch kritischer: Innerhalb Wilhelmsburgs wird der LOOP regelmäßig unterbrochen, die Kreuzung mit der „eingebauten Vorfahrt“ ist zwar cool, aber nur dort, wo eh kaum ein Kraftfahrzeug kreuzt, und an anderen Kreuzungen steht man mit seinem Bike mal so richtig lange. Noch eine Minute länger dauert es, bis dem Sprecher aus dem Off der richtige Begriff einfällt: Der LOOP sei ein so genannter Toleranzweg! Und obwohl sich das Hamburg Journal sich nicht weiter mit den teilweise eklatanten Fehlern dieses Rundkurses beschäftigt, ist das womöglich genau der richtige Begriff: Jeder Verkehrsteilnehmer passt auf den anderen auf — und es nörgelt niemand herum, dass die Radfahrer diesen Fahrradhighway Rundkurs benutzen, obwohl sie auf weiten Strecken nur mit Schrittgeschwindigkeit oder gar überhaupt nicht radeln dürfen.

Unverdiente Auszeichnung für den Hamburger LOOP

Jetzt also tatsächlich der LOOP. Der LOOP, ein Rundweg Halbrundweg in Hamburg-Wilhelmsburg hat einen Preis gewonnen: Der Fahrradpreis 2014 geht an…

… zwei Bewerbungen aus Hamburg! Der Freizeitrundkurs LOOP Wilhemsburg ist in der Rubrik „Fahrradfreundlichste Entscheidung – Alltagsmobilität“ ausgezeichnet worden. Auch der erste Platz in der Rubrik „Freizeit / Tourismus“ ging in die Hansestadt: Das Projekt „KonzertKultour Fahrradgarderobe“ überzeugte.

Als Radfahrer hat man leider manchmal das Problem, ziemlich viele Dinge ziemlich scheiße zu finden. Kraftfahrzeuge doof, Gegenwind doof, rote Ampel doof, Wetter sowieso. Und damit wir uns nicht falsch verstehen zu Beginn dieses langen Bilderbuch-Eintrages: Der LOOP ist nicht scheiße. Er gehört sicherlich zu den etwas besseren Ideen, die man in Hamburg für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer in letzter Zeit hatte. Aber er ist auch nicht wirklich gut. Und auf gar keinen Fall verdient der LOOP einen Fahrradpreis.

Das beginnt schon mal damit an, dass der LOOP weder ein Radschnellweg noch überhaupt ein Radweg ist, sondern irgendsoein Zwischending, das sich rechtlich nicht so einwandfrei verorten lässt. Der Webauftritt des LOOP bezeichnet das Ding als „die erste Route in Wilhelmsburg für alle, die sich mit eigener Kraft bewegen“, genauer gesagt „Fußgänger, Radfahrer, Jogger oder Inlineskater“. Und, ganz wichtig: „der LOOP ist eine Vielzweckstrecke“. Vielzweckstrecke ist also der Begriff — und dafür einen Fahrradpreis?

Fangen wir mal vorsichtig an. Wie der LOOP verläuft, hat der Kollege von hamburgize schön in einer Karte zusammengefasst. Momentan handelt es sich um einen beinahe geschlossenen Rundkurs, der durch das südliche Wilhelmsburg verläuft, dabei allerdings das Gebiet der Internationalen Gartenschau aus dem letzten Sommer ausspart. Dort wird wohl noch gebaut, der Rundkurs soll hier irgendwann einmal geschlossen werden, allerdings macht die Strecke momentan noch nicht so ganz den Eindruck, als käme man diesem Ziel in absehbarer Zeit näher.

Ein recht langer Abzweig des LOOP führt unten aus der Verbindung von Wilhelmsburg und dem S-Bahnhof Wilhelmsburg Richtung Norden bis zum S-Bahnhof Veddel. Das ist der Teil, der als relativ kreuzungsfreie Fahrradstraße prima zu befahren ist. Der Rest ist, naja, so lala.

Das geht erstmal damit los, dass man sich angesichts eines Fahrradpreises fragt, wer denn eigentlich auf dem LOOP radeln soll. Klar, auf der Strecke zwischen den beiden S-Bahnhöfen freuen sich die Radpendler, die dort eine Art Radschnellweg bekommen haben und abseits der üblichen Hamburger Hochbordradwege schnell von A nach B und zurück kommen. Innerhalb von Wilhelmsburg ist aber nur der Teil vom S-Bahnhof Wilhelmsburg bis zu der Kreuzung interessant, an der auf der hamburgize-Karte die Veloroute 11 nach Norden abzweigt. Bei der restlichen Strecke, die gegen den Uhrzeigersinn bis vor das Eingangstor der ehemaligen Internationalen Gartenschau führt, wird man sicherlich keine nennenswerte Zahl an Radpendlern treffen (zumal das Radfahren auf dem Großteil der westlichen und östlichen Strecke versehentlich verboten ist).

Man darf sich nicht davon irritieren lassen, dass der Preis in der Kategorie „Fahrradfreundlichste Entscheidung — Alltagsmobilität“ gewonnen wurde. Das ist keine Strecke für Alltagsradler, sondern eher für Freizeitradler und eben außerdem für Fußgänger, Jogger und Inlineskater. Sicherlich macht es trotzdem Spaß, mit dem Bike dort eine (größtenteils ordnungswidrige) Runde zu drehen und sich vom postindustriellen Charme des Hafengebietes einfangen zu lassen — aber dafür gleich einen Fahrradpreis ausloben?

Okay, wir setzen uns mal aufs Rad und fahren los. Innerhalb von Wilhelmsburg, also auf der für den Alltagsradverkehr interessanten Strecke, sieht der LOOP ungefähr so aus:

Wilhelmsburg LOOP 1

Am wichtigsten ist wahrscheinlich das Schild „Kein Winterdienst“. Die Beschilderung ist tatsächlich ubiquitär entlang der Strecke, man scheint also sehr viel Wert darauf zu legen, dass der LOOP nicht alltagstauglich, weil im Winter nicht befahrbar ist. In Hamburg liegt ja durchaus mal Schnee und wenn der nicht weggeräumt wird, bleibt er auch mal etwas länger liegen. Dass an einigen Stellen dieses Schild nicht angeschraubt wurde, wird vermutlich nicht bedeuten, dass hier und dort für ein paar hundert Meter plötzlich ein Räumfahrzeug eingesetzt wird, schließlich ist der Hamburger Winterdienst dafür bekannt, dass er auf Radverkehrsinfrastruktur gemeinhin nicht stattfindet. Tatsächlich sorgt ja bereits die Einrichtung eines Fahrrad- oder Schutzstreifens dafür, dass das Räumfahrzeug plötzlich aus unerklärlichen Gründen nur noch in der Straßenmitte räumen kann. Vermutlich wollte man nur darauf hinweisen, dass auf dieser Strecke wirklich und ganz sicherlich und überhaupt gar kein Winterdienst stattfinden wird. Und dafür ein Fahrradpreis in der Kategorie Alltagsmobilität?

Was bedeutet eigentlich an dieser Stelle „Radfahrer frei“? Man kann natürlich erst einmal den Witz machen, dass für Radfahrer das Schild „Kein Winterdienst“ nicht gilt, also für Radfahrer geräumt wird. Ha ha ha. Tatsächlich ergibt „Radfahrer frei“ rechtlich an dieser Stelle keinen Sinn: Mit der Neufassung der Straßenverkehrs-Ordnung darf dieses Zusatzzeichen auf linksseitigen Radwegen alleine aufgestellt werden, um diesen Radweg für Radfahrer in der Gegenrichtung uneingeschränkt freizugeben. Es handelt sich hierbei aber ganz offenbar nicht um einen linksseitigen Radweg in diesem Sinne, also muss es wohl ein Ergebnis der so genannten „Hamburger Servicelösung“ sein.

Diese „Servicelösung“ besteht darin, dieses Zusatzzeichen an alle möglichen Gehwege zu schrauben, um sie für den Radverkehr freizugeben. Eigentlich wäre dafür die Kombination aus dem blauen Zeichen 239 und ebenjenem Zusatzzeichen vorgesehen, aber das ist wohl zu aufwändig oder zu teuer oder beides, also hängt man „Radfahrer frei“ einfach dorthin, wo es passt — ganz egal, ob darüber bereits ein Haltverbot-, Tempolimit- oder Einbahnstraßen-Schild hängt. Das gibt immer ganz drollige Kombinationen und ist, soviel sei hier schon mal erwähnt, ganz sicher nicht im Sinne der Vorschriften. Insgesamt bleibt das ein Gehweg, an dem irgendein Spaßvogel wohl ein einsames Zusatzzeichen angeschraubt haben muss — zumindest kennt die Straßenverkehrs-Ordnung diese Art der Beschilderung nicht. Aber gut, freunden wir uns beim LOOP mal mit etwas gutem Willen mit der „Servicelösung“ an.

Irgendetwas soll hier also als freigegebener Gehweg ausgeschildert werden. Handelt es sich also um eine Art Fahrbahn für den Radverkehr sowie einem rechtsseitigen Gehweg, auf dem ebenfalls Radverkehr stattfinden darf? Ergibt an dieser Stelle Sinn, an vielen anderen im Verlauf des LOOP aber nicht: Mutmaßlich soll der gesamte Querschnitt, also beide Flächen, als Gehweg mit Fahrradfreigabe gehandhabt werden. Das hat für den Radverkehr aber ganz weitreichende Konsequenzen, denn je nach Interpretation der Straßenverkehrs-Ordnung darf hier entweder permanent nur mit Schrittgeschwindigkeit oder nur in Gegenwart von Fußgängern mit Schrittgeschwindigkeit geradelt werden. In warmen Sommertagen, an denen viele Fußgänger diesen Weg bevölkern werden, läuft das aber auf das Gleiche hinaus. Und dafür ein Fahrradpreis?

Eine typische Kreuzung innerhalb von Wilhelmsburg sieht dann so aus:

Wilhelmsburg LOOP 2

Interessanter sind hingegen solche Kreuzungen mit so genannter Sprunginsel. Die sollen den nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmern beim Überqueren stark befahrener Fahrbahnen helfen:

Wilhelmsburg LOOP 3

Wer glaubt, dass eine relativ eng bemessene Sprunginsel bei einer so genannten Mischstrecke funktioniert?

Wie schief das gehen kann, zeigten mir gleich vor Ort acht Heranwachsende, die mit ihren Rädern unterwegs waren. Dummerweise passten aufgrund einer nicht optimierten Aufstellung auf der Sprunginsel nur sechs Räder herauf, zwei Jugendliche mussten angesichts eines bedrohlich hupenden Kraftfahrzeuges wieder umkehren. Solche Szenen dürften sich im Sommer ja häufiger abspielen, man sollte also im Auge behalten, ob sich für solche Kreuzungen zwischen einer vielbefahrenen Straße und einer viel genutzten Vielzweckstrecke nicht eine Ampelanlage lohnen könnte.

Na gut. Das Highlight dieser Strecke ist das hier:

Wilhelmsburg LOOP 4

Das ist mal wieder so total gut gelöst, dass man sich nur noch an den Kopf fassen mag.

Fahrzeuge, in diesem Fall die Radfahrer auf dem LOOP, haben also an dieser Kreuzung Vorfahrt gegenüber dem Verkehr auf der Fahrbahn. Wer hält das grundsätzlich für eine gute Idee und glaubt, dass das funktioniert?

Wilhelmsburg LOOP 5

Optisch macht die „Kreuzung“ aus der Windschutzscheiben-Perspektive nur bedingt den Eindruck, als wäre der LOOP-Querverkehr bevorrechtigt. Auch wenn die Beschilderung eindeutig ist, sieht das erst einmal nach einer der üblichen Kreuzungen aus, an denen man auf Fußgänger und Radfahrer achten soll. Vor allem darf man nicht vergessen, dass es sich beim LOOP um eine Vielzweckstrecke handelt, dort also „Fußgänger, Radfahrer, Jogger oder Inlineskater“ unterwegs sind, von denen aber nur Radfahrer ein Fahrzeug führen — alle anderen sind an dieser Stelle also nicht bevorrechtigt: Für jene hätte man einen Fußgängerüberweg anlegen müssen. Andererseits handelt es sich bei dieser Straße um eine relativ schwach frequentierte Sackgasse in einer Tempo-30-Zone, in der also nicht so viel Konfliktpotenzial zu erwarten ist. Ansonsten hätte man sich das Experiment mit dem vorfahrtsberechtigten Radverkehr wohl auch nicht getraut. Rechtfertigt diese Idee einen Fahrradpreis?

Manchmal wechselt sich der freigegebene Gehweg mit einem gemeinsamen Fuß- und Radweg ab, man darf dann für fünfzig oder hundert oder gar noch mehr Meter mal schneller als mit Schrittgeschwindigkeit pedalieren:

Wilhelmsburg LOOP 9

Total gut ist auch diese Stelle. Man beachte die Glasscherben, die sich zwischen den Pfosten verstecken, von denen sich immerhin zwei zusätzlich in dunkler Tarnfarbe verstecken. An der linken Seite steht die übliche Beschilderung mit ohne Winterdienst und der Freigabe für den Radverkehr, rechts eine Einbahnstraße, ein Zeichen 239, die obligatorische Freigabe für den Gehweg und ein Pfeil nach links. Man kann nur mutmaßen, dass entgegen § 39 Abs. 2 StVO dieses Mal vom Grundsatz abgewichen wird, Verkehrszeichen stünden in der Regel rechts. Hier soll wohl angezeigt werden, dass der Gehweg entlang der Fahrbahn für Fahrräder freigegeben ist — man mag auch an dieser Stelle trefflich darüber streiten, ob das angesichts der Breite des Radweges sinnvoll ist. Immerhin ist in dieser Gegend kaum mit Fußgängern zu rechnen.

Wilhelmsburg LOOP 10

Blick in die andere Richtung, plötzlich als gemeinsamer Fuß- und Radweg ohne Winterdienst ausgewiesen. Ob es eine Art Konzept oder Überlegungen gab, welche Teile der Strecke als gemeinsamer Fuß- und Radweg ausgewiesen wurden und welche alternierend dazu lediglich als freigegebener Gehweg?

Wilhelmsburg LOOP 11

Normalerweise dienen ja unter anderem diese lustigen blauen Quadrate, die immer als Quartett an einer Seite des Weges auftauchen, als Orientierungshilfe — nur sind die leider aus größerer Entfernung nicht zu erkennen. Hier muss man die roten Wegweiser auf der anderen Straßenseite genauer untersuchen, ob dort unten drunter das Zeichen für den LOOP angebracht ist. Gar nicht mal so einfach bei breiten Straßen:

Wilhelmsburg LOOP 12

Bei dem linksseitigen Sonderweg handelt es sich um einen beidseitigen benutzungspflichtigen Fuß- und Radweg. Das Schild „Kein Winterdienst“ hat man sich dieses Mal gespart, offenbar fand hier ja tatsächlich mal eine Art Winterdienst statt, denn irgendwo muss der ganze Streusand auf dem Sonderweg ja herstammen:

Wilhelmsburg LOOP 13

Keine Frage: Breit ist dieser Weg, da könnte er ungefähr den Verwaltungsvorschriften genügen. Joggen und Spazierengehen mag auf dieser Strecke trotz des Streugutes funktionieren, Radfahren wird wegen der vielen Glasscherben schon lästiger, aber wo sollen bitte Inlineskater fahren?

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Angesichts der vielen Glasscherben auf diesem Weg noch einmal die Frage: Dafür gibt’s einen Fahrradpreis?

Wilhelmsburg LOOP 15

Hier geht es irgendwie rüber, aber leider nicht auf die andere Straßenseite:

Wilhelmsburg LOOP 17

Auch wenn da die lustigen blauen Quadrat-Quartette locken und ein Schild auf querende Radfahrer hinweist, bleibt das ein reiner Gehweg — hier gibt’s ja noch nicht einmal das ansonsten so präsente „Radfahrer frei“. Hier darf nur auf der Fahrbahn geradelt werden:

Wilhelmsburg LOOP 18

Ein kurzer Blick zurück in die Gegenrichtung: Fahrbahnradelei ist immerhin ganz anständig möglich, weil der Kraftverkehr an dieser Kreuzung sofort abbiegt und der Rest der Straße unbehelligt bleibt. Besonders schön: Mit Zeichen 240 lockt eine Benutzungspflicht für den rechtsseitigen Sonderweg, links bietet ein einsames „Radfahrer frei“ das Befahren des linksseitigen Radweges an, der aber nicht befahren werden darf, weil es ja schon rechtsseitig einen benutzungspflichtigen Radweg gibt. Naja.

Wilhelmsburg LOOP 20

Na gut, nach ein paar hundert Metern Fahrbahnradelei geht es ab hier wieder zurück in Richtung Osten, allerdings ist ab hier Schieben angesagt:

Wilhelmsburg LOOP 21

Und sowieso ist das schon so eine Sache mit dieser Zuwegung: Mit Kinderanhänger hintendran wird’s an diesen Pfosten doch ziemlich eng, da muss man wohl über die steile Böschung im Hintergrund ausweichen. Rollstühle und Kinderwagen werden wohl gerade noch so passen, wenigstens werden mit diesem Gatter auch die Bollerwagen am Vatertag an der Durchfahrt gehindert, was sich dann hoffentlich in einem verminderten Scherbenbild auf dem restlichen Weg auswirkt. Und, das soll ja nicht unterschlagen werden, hier hat man endlich mal in die Verkehrsregeln geguckt und festgestellt, dass derartige Verkehrseinrichtungen in rot-weiß zu streichen sind!

Man hat wohl übersehen, dass Fahrräder den Fahrzeugen angehören und damit vom Verkehrsverbot eines Zeichen 250 betroffen sind. Und dass mit diesem Schild nicht zu spaßen ist, das macht der Zusatztext mit einer Androhung von Ordnungswidrigkeiten ja ziemlich deutlich. Donnerwetter! Es hat schon lange niemand mehr gefragt, warum es dafür einen Fahrradpreis gibt.

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Kurzer Blick zurück in die Gegenrichtung: Auch dieser linksseitige Gehweg ist für Radfahrer tabu.

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Von der Rückseite her ist dieser Weg allerdings wiederum als freigegebener Gehweg ausgeschildert, sofern man sich denn mit der Hamburger Idee einer so genannten „Servicelösung“ anfreunden möchte. Besonders kritisch sind natürlich auch die klappbaren Pfosten im Vordergrund:

Wilhelmsburg LOOP 28

Die sind nämlich notwendig, weil der Weg gleichzeitig noch als Grundstückszufahrt dient. Wir gehen mal davon aus, dass die Kraftfahrzeuge eine Art Sondergenehmigung besitzen, denn eigentlich ist dieser Weg für Kraftfahrzeuge nicht vorgesehen (eigentlich auch nicht für Radfahrer, aber das hatten wir ja schon zu Genüge). Und auch wenn es nur zu menschlich ist, dass die Kraftfahrer keine Lust haben, beim Aus- und Einparken jeweils zwei Mal zum Pfosten zu laufen, um die Dinger herunter- und anschließend wieder hochzuklappen, ist es äußerst unfair, die so auf dem Boden liegen zu lassen.

Natürlich gilt auch für Radfahrer das so genannte und hier im Blog schon hinreichend häufig gepredigte Sichtfahrgebot, aber dennoch handelt es sich hier eigentlich um Hindernisse im Verkehrsraum. Gerade in der Nähe dieser Kreuzung sind Radfahrer womöglich noch mit der Beobachtung des Querverkehrs beschäftigt und achten nicht auf kleine Hindernisse vor der Kreuzung. Angenehmer wäre es gewesen, die Pfosten einfach dreißig Meter weiter hinten anzubringen, wo dann sowieso keine Kraftfahrzeuge mehr verkehren. Die Frage mit dem Fahrradpreis sei hier einmal ausgespart — man muss sich wohl schon freuen, dass niemand solche lustigen Drängelgitter wie im Hintergrund an dem Bahnübergang installiert hat.

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Entlang des LOOP gibt’s dann natürlich auch endlich mal eine Ampelanlage. Sowas kann sinnvoll sein, ist hier aber mal wieder äußerst unglücklich gelöst. Natürlich handelt es sich hier um eine Bettelampel, weil momentan das Verhältnis zwischen dem Fahrzeugverkehr auf der Fahrbahn und auf dem LOOP sicherlich keine mit Umlaufphasen gesteuerte Anlage rechtfertigt; okay, das sieht man noch ein.

Wilhelmsburg LOOP 26

Warum man aber nach Druck auf dem Taster zwischen 15 und 60 Sekunden warten muss, erschließt sich nicht unmittelbar; das sind für eine reine Fußgängerampel abseits einer Kreuzung ungewöhnliche Wartezeiten. Womöglich ist diese Anlage noch an einen Verbund weiterer Kreuzungen angeschlossen und versucht sich in irgendeinerweise einer grünen Welle anzuschließen, aber da braucht man sich ja wiederum nicht zu wundern, wenn Fußgänger und Radfahrer in Ermangelung des Querverkehrs nach einer halben Minute über rotes Licht marschieren, wenn sie das Gefühl haben, dass sich da nichts tut. Ah, die Grünphase für Fußgänger und Radfahrer dauert insgesamt immerhin knapp über sechs Sekunden, damit ist der LOOP insbesondere für Senioren und Familien mit Kindern bestimmt total gut geeignet. Die Frage mit dem Fahrradpreis sparen wir uns erstmal auf, das wird nämlich noch lustiger: Im Hintergrund gibt’s ja noch den Bahnübergang.

Der sieht von der anderen Seite so aus:

Wilhelmsburg LOOP 31

Wer glaubt, dass diese Konstruktion eine besonders gute Idee ist?

Wilhelmsburg LOOP 29

Man stelle sich vor, mit seinem Rad wartet man an der roten Fußgängerampel, das kann ja auch mal eine Minute lang dauern, währenddessen senken sich die Schranken und, tja, wohin denn mit dem Bike? Zwischen den Schranken und der Fahrbahn ist kein Platz für ein Fahrrad, das wird man dann parallel zur Fahrbahn aufstellen müssen. Hinreichend Platz für so ein Wendemanöver hat man aber auch nur dann, wenn keine Fußgänger oder andere Fahrräder im Weg herumstehen. Hat man dann aber noch einen Anhänger hinten am Rad dran, wird’s richtig eng, dann bleibt nur noch die Flucht nach vorne über die rote Ampel und durch den fließenden Verkehr. Am sichersten fährt man also, wenn man vor dem Bahnübergang absteigt, zum Taster tapert und anschließend vor dem Bahnübergang auf grünes Licht wartet. Es wäre eigentlich gar keine schlechte Idee gewesen, vor dem Bahnübergang einen zusätzlichen Anforderungsschalter für die Fußgängerampel anzubringen. Und natürlich funktionieren diese hochmodernen Taster nicht mit Handschuhen und wollen bei Regen oder Schnee oder Eis noch ein paar zusätzliche Streicheleinheiten. Womöglich spekuliert man darauf, dass in Ermangelung des Winterdienstes bei der problematischen Witterung ohnehin niemand diesen Weg befährt.

Ah, und für sowas einen Fahrradpreis ernten?

Kurz darauf endet dann der LOOP am Gelände der Internationalen Gartenschau:

Wilhelmsburg LOOP 33

Hier gibt’s zwar auch eine Ampelanlage, die sich aber als umlauffreudiger erweist als ihr Kollege ein paar hundert Meter entfernt. Dumm nur: Man kriegt nicht so richtig raus, ob man hier mit dem Rad durchfahren darf. Man sollte allerdings darauf achten, dass der mittlere Eingang mit Bauzäunen versperrt wurde — eigentlich, wenn man sich denn an die Vorschriften hält, wären hier zusätzliche Markierungen wie rot-weiße Absperrgitter notwendig, ansonsten besteht, Sichtfahrgebot hin oder her, durchaus die Möglichkeit, dass hier mal ein Radfahrer einschlägt:

Wilhelmsburg LOOP 35

An dieser Kreuzung in der Nähe des S-Bahnhofs Wilhelmsburg wird der LOOP womöglich eventuell mal wieder zusammengeführt werden, so genau scheint man das noch nicht geplant zu haben. Nach rechts geht’s hier zum S-Bahnhof Veddel, links beginnt die Strecke, die wir gerade durch Wilhelmsburg zurückgelegt haben:

Wilhelmsburg LOOP 40

Dort hinten rechts hinter dem Teich purzelt man raus, wenn man das Gelände der ehemaligen Internationalen Gartenschau durchquert. Das ist als Schiebestrecke durchaus machbar, wenn auch lästig:

Wilhelmsburg LOOP 41

Da links durch die Unterführung…

Wilhelmsburg LOOP 42

… geht’s zum S-Bahnhof Wilhelmsburg, immer ziemlich geradeaus an den Bürogebäuden vorbei. Die Strecke gehört auch noch zum LOOP, das habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, weil die blauen Quadrate an dem Weg fehlen. Ja, so schnell wird man konditioniert.

Wilhelmsburg LOOP 39

Über den Abzweig zwischen Veddel und Wilhelmsburg kann man eigentlich nicht klagen. Es gibt zwar keinen Winterdienst und die Problematik mit der Schrittgeschwindigkeit lastet auf der ganzen Strecke, aber prinzipiell ist das eine schöne Strecke mit Beleuchtung und nur wenigen Unterbrechungen:

Wilhelmsburg LOOP 43

An dieser Kreuzung könnte man sich auch Vorrechte für die Verkehrsteilnehmer auf dem LOOP vorstellen, aber dazu konnte man sich leider nicht durchringen. In Anbetracht der Seltenheit solcher Konstellationen geht damit vermutlich auch ein recht hohes Konfliktpotenzial einher, so dass diese Vorrechte tatsächlich nur dort möglich sind, wo ohnehin kaum Verkehr herrscht und der zum Großteil noch aus Anliegerverkehr besteht, der sich mit der Situation schnell arrangieren kann:

Wilhelmsburg LOOP 44

Auf der anderen Seite beginnt sogar eine Fahrradstraße, die auch von Anliegern der Kleingärten genutzt werden kann. Man beachte das alte Zeichen 240, das dort am rechten Rand quasi aus dem letzten Loch pfeift:

Wilhelmsburg LOOP 45

Zur Erinnerung: In einer Fahrradstraße darf unter anderem zu zweit nebeneinander geradelt werden. Gestern bewies allerdings ein Anlieger der Kleingartensiedlung, dass er die Verkehrsregeln nicht so richtig beherrscht, sauste erst an mir mit überhöhter Geschwindigkeit und nicht nennenswerten Sicherheitsabstand vorbei und legte angesichts der zwei nebeneinander fahrenden Radfahrer vor mir eine Vollbremsung mit Hupkonzert hin. Obwohl er es offenbar eilig hatte, fand er noch genügend Zeit, einen der Radfahrer mit beiden Händen am Lenker an der Flucht zu hindern und mit „Nächstes Mal bremse ich nicht“ über seine Interpretation der Straßenverkehrs-Ordnung zu unterrichten. Ob es sich bei solchen Vorfällen tatsächlich nur um Einzelfälle handelt, wird wohl der kommende Sommer zeigen, der sowohl im Kleingarten als auch auf dem LOOP für mehr Geschäftigkeit sorgen wird. Allgemein tut man sich in Hamburg ja eher schwer mit Fahrradstraßen, unten in Blankenese an der Elbe haben noch nicht einmal die Anwohner begriffen, dass man sich als Autofahrer im sonntäglichen Getümmel nicht mit der Hupe freie Bahn schafft.

Die andere Seite der Fahrradstraße sieht dann so aus:

Wilhelmsburg LOOP 48

Noch interessanter ist die Rückseite von der anderen Seite der Fahrradstraße, denn die Fahrradstraße endet überhaupt nicht, sondern geht direkt in eine Tempo-30-Zone über. Okay, man kann sich denken, was gemeint ist. Und es wurde sogar daran gedacht, dass Inline-Skating auf der Fahrbahn zu erlauben, weil das Rollen auf dem engen Gehweg wohl nicht ganz so viel Spaß macht:

Wilhelmsburg LOOP 49

Die andere Seite der Sackgasse ist auch ganz witzig. Die dort ausgeschilderten Sackgassen beziehen sich darauf, dass in der Mitte der Fahrradstraße ein Poller herumsteht, man hat sogar gedacht, mit den kleinen Zeichen 240 über der Sackgasse anzudeuten, dass Radfahrer dort durchfahren können. Das linke Sackgassen-Schild wurde zusätzlich mit einem „Radfahrer frei“ erweitert — stattdessen hätte man im Zuge der Einrichtung des LOOP auch einfach beide Schilder gegen die seit der Neufassung der Straßenverkehrs-Ordnung vorgesehen Schilder austauschen können. Das hätte zwar noch ein paar Euro mehr gekostet, hätte aber den Vorteil, dass diese durchlässigen Sackgassen auch aus weiter Entfernung bereits erkennbar sind, was ja bezüglich der Entscheidung, hier einzufahren oder vorher abzubiegen nicht ganz unerheblich ist.

Wilhelmsburg LOOP 50

Nach dieser Brücke geht’s weiter Richtung Veddel:

Wilhelmsburg LOOP 54

Dabei handelt es sich auch wieder um eine Fahrradstraße mit Beleuchtung und gutem Belag, das ist jetzt alles nicht sooo interessant:

Wilhelmsburg LOOP 57

Irgendwann kurz vor Veddel landet man dann hier und wird noch einmal darauf hingewiesen, dass es nach Veddel wirklich geradeaus geht. Hier ist auch eines der Kraftfahrzeuge zu sehen, die an der Fahrradstraße ebenfalls Gefallen gefunden haben:

Wilhelmsburg LOOP 62

Dann landet man allerdings in dieser Baustelle. Von hier aus dürfen kraft Zeichen 250 mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ also keine Kraftfahrzeuge passieren, was dann gleich wieder die Frage aufwirft, ob man nun allen Ernstes mit dem Rad da vorne nach rechts auf den Autobahnzubringer abbiegen soll (natürlich soll man nicht), denn das Schild muss ja für Fahrräder aufgestellt worden sein, denn Kraftfahrzeuge dürfen ja eh nicht hier entlangfahren.

Wilhelmsburg LOOP 63

Noch witziger ist dann eigentlich das Ende beziehungsweise der Anfang des LOOP, der nämlich noch gar nicht so richtig als Fahrradstraße ausgewiesen ist. Das hat in diesem Fall eine ganz interessante Nebenwirkung, die man bestimmt nicht beabsichtigt hatte: Als Radfahrer kann man die Baustelle da hinten umgehen, indem man hier auf der Fahrbahn weiterradelt und erst später in den LOOP einschwenkt.

Wilhelmsburg LOOP 69

Genug lamentiert jetzt.

Ja, der LOOP ist nicht schlecht. Er ist aber auch nicht besonders gut. Aber er ist im jetzigen Zustand auf gar keinen Fall auch nur ein Kandidat, geschweige denn ein verdienter Gewinner für einen Fahrradpreis.

Das beginnt schon damit, dass man als erbsenzählender Radfahrer einen Großteil der mit einem Fahrradpreis ausgezeichneten Vielzweckstrecke nicht befahren kann, weil der Fahrzeugverkehr mit Zeichen 250 ausgeschlossen wird, es sich um einen Gehweg handelt oder die so genannte „Hamburger Servicelösung“ eben keine rechtssichere Beschilderung einer auch für den Radverkehr freigegebenen Fläche ermöglicht. Lässt man sich auf das Experiment mit der „Servicelösung“ ein, bleibt immer noch die Frage, ob nun permanent oder nur in Gegenwart von Fußgängern mit Schrittgeschwindigkeit geradelt werden muss.

Dabei ist die Verbindung zwischen den beiden S-Bahnhöfen, die ja größtenteils als Fahrradstraße ausgeschildert und damit immerhin vernünftig zu befahren ist, gar keine schlechte Idee. Die Oberflächenqualität ist über jeden Zweifel erhaben, nachts wird die Strecke beleuchtet und auch wenn die Beschilderung beteuert, dass dort bestimmt gar kein Winterdienst stattfinde, hat offenbar ja jemand mal die Zeit gefunden, den ganzen Sand von der Fahrbahn zu fegen. Als Baustein einer schnellen Radverbindung in sternförmiger Richtung in die Innenstadt ist das bestimmt ganz brauchbar.

Was man als Alltagsradler — dass es um Alltagsradler geht, suggeriert ja wenigstens die Kategorie „Alltagsmobilität“ — allerdings mit dem Rest des LOOP anfangen soll, erschließt sich nicht so richtig. Natürlich mag eine nette Runde an einem lauen Sommerabend Laune machen, wenn man den LOOP denn komplett befahren dürfte und könnte, aber das Dürfen verhindert die renitente Beschilderung, das Können das Sand-Glasscherben-Gemisch auf den Radwegen; abgesehen davon klafft noch immer eine Wunde ungeklärter Heilungschancen auf dem Gelände der ehemaligen Internationalen Gartenschau. Solche Experimente wie die winzige Aufstellfläche an der Ampelanlage zwischen Fahrbahn und Bahnübergang dürfen dann aber auch einfach nicht passieren.

Und dafür einen Fahrradpreis?

Naja, beim LOOP ist wohl noch Luft nach oben. Beschilderungen kann man ändern, den Winterdienst einführen, Gefahrenstellen entschärfen. Mit einer konsequenten Ausstattung mit Zeichen 240 hätte man einen durchaus brauchbaren Rundweg und einen hervorragenden Radschnellweg zwischen Wilhelmsburg und Veddel. Dann könnte man auch durchaus mal über einen Preis nachdenken, denn wenigstens mit der durchgängigen Beleuchtung und der breiten und wenigstens im Moment noch einwandfreien Oberflächenbeschaffenheit wurden durchaus auch im bundesweiten Vergleich Maßstäbe gesetzt.

Ja, man schafft es ja sogar, die eigentlich tolle Idee mit der üblichen hanseatischen Einstellung gegenüber dem Radverkehr zu versauen. Hamburg will keinen Winterdienst leisten, Hamburg reinigt nicht mal im Frühjahr die Oberfläche, Hamburg hängt diese komischen „Radfahrer frei“-Schilder auf. Da mag die Oberfläche noch so gut beschaffen und der Weg durchgängig beleuchtet sein, dass man an vielen Stellen Details findet, bei denen man sich sofort wundert, ob und warum das denn wohl so sein muss, das ist doch eigentlich ein Desaster für einen preisgekrönten LOOP. Das man an einer einzigen Stelle Vorfahrt vor dem Fahrbahnverkehr in einer vermutlich nur von Anwohnern frequentierten Sackgasse hat, ist zwar nett, aber auch nicht unbedingt der totale preiswürdige Hit, zumal man die restlichen Nutzer der Vielzweckstrecke in Ermangelung eines Fußgängerüberweges einfach unterschlagen hat.

Allerdings braucht man sich wohl wenig Hoffnungen machen, dass der LOOP nennenswert erweitert oder sich gar als Erfolgsmodell innerhalb der Hansestadt ausbreitet. Ein Teil des LOOP entstand auf der Trasse einer ehemaligen Gütereisenbahnstrecke, für den restlichen Teil wurden freie Flächen genutzt oder bereits vorhandene Strecken ausgebaut und umgewidmet. Schon oben in Veddel geht’s ja nicht so richtig weiter, einerseits endete dort wohl der prestigeträchtige Einflussbereich der Internationalen Gartenschau, andererseits wird’s dort schon wieder zu eng, als dass man einen mehrere Meter breiten Radschnellweg dort hindurch legen könnte. Und spätestens jenseits der Elbe ist Hamburg dann so dicht bebaut, dass es noch nicht einmal für eine Radverkehrsinfrastruktur vernünftiger Breite reicht, von einem abseits des Straßenverkehrs verlaufenden Radschnellweg mal ganz zu schweigen.

Momentan wirkt das eher wie der damalige Friedensnobelpreis für Barack Obama.