London: Lastkraftwagen bald nur noch mit Unterfahrschutz

Rechtsabbiegende Lastkraftwagen sind für Radfahrer immer eine unangenehme Sache. Je nach baulichen Gegebenheiten der Kreuzung oder Einmündung und je nach Konfiguration der Spiegel und des eigentlichen Lastkraftwagens zieht das Fahrzeug einen erheblichen toten Winkel neben sich her, in dem Radfahrer gefährdet sind.

Nach dem tödlichen Unfall in der Hamburger Innenstadt vor einem Monat fordere unter anderem Katharina Reiche, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, ein entsprechendes Warnsystem vorzuschreiben: Nach Unfalltod einer Radfahrerin: Forderung nach Warnsystem für Lkw

Einen Tag nach dem Unfalltod einer 18 Jahre alten Radfahrerin in Hamburg hat die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katharina Reiche (CDU), ein elektronisches Warnsystem für Lastwagen gefordert. «Das Warnsystem muss verpflichtend zumindest für alle neu zugelassenen LKW sein – sobald es zuverlässig einsetzbar ist», erklärte Reiche am Freitag.

Man kann sich vorstellen, wie viel Zeit die Entwicklung eines „zuverlässig einsetzbaren“ Warnsystemes in Anspruch nehmen wird — und wie lange es angesichts der Nutzungsdauer eines normalen Lastkraftwagen dauern wird, bis ein nennenswerter Teil des umherfahrenden Güterverkehrs mit einem solchen System ausgestattet ist. Abgesehen davon sind außerhalb Deutschlands zugelassene Lastkraftwagen von dieser Vorschrift wahrscheinlich nicht betroffen, stellen aber im Transitland Deutschland einen wesentlichen Teil des Lastkraftwagenverkehrs, der sich zwar häufig nur auf den kreuzungsfreien Fernstraßen bewegt, aber hin und wieder eben auch innerorts unterwegs ist.

In London geht man hingegen einen Schritt weiter: Ab Ende des Jahres dürfen nur noch Lastkraftwagen den Bereich der City of London befahren, die mit speziellen Schutzflächen an den Seiten ausgestattet sind. Diese Schutzflächen sollen verhindern, dass Radfahrer bei Abbiegevorgängen unter die Räder geraten: London to ban lorries which have no protection for cyclists and pedestrians

Officials to introduce requirement for trucks to fit side guards and better mirrors, with hefty charge for non-compliance

Da dieser Ansatz allein noch keine Unfälle verhindert, sondern allenfalls deren Folgen mindert, sollen Lastkraftwagen außerdem mit zusätzlichen Spiegeln ausgestattet werden, die einen besseren Blick auf das Geschehen ermöglichen. Zur Einhaltung der Regel werden spezielle Kontrollen durchgeführt, die unter anderem auf das Videomaterial von Verkehrsüberwachungskameras zurückgreifen. Auf den Straßen der britischen Hauptstadt kamen im vergangenen Jahr 14 Radfahrer ums Leben.

Eine Milliarde für Londons Radfahrer

Ein kurzer Blick auf die Insel, in der der Radverkehr offensichtlich einen anderen Stellenwert genießt als in Deutschland. Zwar ist London für Radfahrer recht berüchtigt und mutmaßlich heimliche Hauptstadt der Helmkameras, aber Donnerwetter: London’s Billion Euro Cycling Plan – A Story of Successful Advocacy.

London has planned to spend over €1 billion (£913 million) to revitalize urban cycling. Such changes would not have been possible without a strong advocacy movement.

Vorsichtiger Vergleich mit Deutschland: Hamburg investiert pro Jahr etwa fünf mühsam zusammengekratzte Millionen Euro in den Radverkehr, die nicht einmal ansatzweise für die Sanierung der brüchigen Radverkehrsanlagen genügen.