In Köln wird stündlich ein Rad gestohlen

In Köln wird im Durchschnitt alle 64 Minuten ein Fahrrad gestohlen — meist im Wert von etwa 400 Euro, quer durch alle Fahrradkategorien: Jede Stunde wird ein Rad geklaut

Diesen Spitzenplatz wollte die Stadt bestimmt nicht haben: Nirgendwo in NRW werden mehr Räder geklaut als in Köln. Statistisch gesehen, schlägt alle 64 Minuten ein Fahrraddieb zu. Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Köln ist stark angestiegen.

Velo 2010: die Keksrunde bröckelt

„Wer vom Auto auf das Fahrrad umsteigt, fördert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Umwelt und für die Entlastung des innerstädtischen Verkehrs“, begrüßt der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers die Besucher der Velo-2010-Webseite und man mag sich gar nicht so richtig vorstellen, dass der Präsident, der auf dem Foto doch recht ernst schaut, selbst regelmäßig auf dem Rad sitzt.

Eigentlich war Velo 2010 gar keine schlechte Idee: verschiedene Institutionen berieten miteinander, wie der Radverkehr in Köln gesichert und gefördert werden könne. So richtig funktioniert hat das allerdings nie, präsent war innerhalb der Runde vor allem die Polizei, die Velo 2010 offenbar mehr als Sprachrohr verstand, um geradezu gebetsmühlenartig für Fahrradhelme zu werben und Radfahrer indirekt in die Opferrolle zu drängen. Die Unfallberichte, mittlerweile zwangsläufig von der Polizei geschrieben, denn Fahrradvertreter finden sich kaum noch in der Runde, sind für den radfahrenden Leser schwer zu verdauen, weniger wegen der dort dargestellten Unfallhergänge als viel mehr der Schlüsse wegen, die die Autoren aus dem Unfallgeschehen ziehen.

Trägt der Radfahrer einen Helm, so heißt es:

Dank des getragenen Fahrradhelmes konnten schwerere Verletzungen vermieden werden.

Wenn der Helm fehlt, steht stattdessen dort:

Das Kind trug zum Unfallzeitpunkt keinen Fahrradhelm.

Manchmal gibt es auch kluge Ratschläge wie:

Fahrzeugführer sind vor Einfahrt in Kreisverkehre verpflichtet, die Vorfahrt zu beachten.

Oder allgemeiner:

Fahrzeugführer sind verpflichtet, vorfahrtberechtigte Radfahrer zu beachten.

Schön — wer das bislang nicht wusste, sollte wohl keinesfalls am Straßenverkehr teilnehmen. Fährt ein Radfahrer nicht auf dem Radweg um einen Kreisverkehrs herum, weil Radwege an Kreisverkehren fast immer eine außerordentliche Gefahrenstelle darstellen, heißt es lapidar:

Vollständig um den Kreisverkehr herum befindet sich ein benutzungspflichtiger und entsprechend ausgeschilderter Radweg. Gleichwohl gilt die Vorfahrtregel unabhängig von der eventuellen Benutzung eines vorhandenen Radweges.

Und immer wieder der Klassiker:

Auch Radfahrer sollten an Kreuzungen auf abbiegende Fahrzeuge achten und zu ihrer eigenen Sicherheit auf ihren Vorrang verzichten!

Natürlich sind die Unfallberichte samt der Schlussfolgerungen nicht vollkommener Unsinn, allein schon weil sich dank des umfangreichen Archives ganz objektiv erkennen lässt, welche Unfallursachen in Köln dominieren. Augenschmerzen bereitet hingegen die Aufbereitung der Unfallmeldungen, denn allzu oft steht dort zwischen den Zeilen: Selber Schuld! Velo 2010 ist kein ehrliches Bündnis. Wäre Velo 2010 ehrlich, hieße es Auto 2010. Den Unfallberichten mangelt es an der Erfassung der eigentlichen Komplexität der Situationen. Es bringt nichts, sich neben den verwundeten Fahrbahnradler zu stellen, der wegen eines misslungenen Überholmanövers eines Kraftfahrzeugführers auf dem Asphalt liegt und mit dem Zeigefinger auf den Radweg zu zeigen, auf dem das angeblich alles nicht passiert wäre; denn schließlich sind nicht nur in Köln Radwege in der Regel nicht unbedingt ungefährlicher als das Radfahren auf der Fahrbahn. Das weiß der Gesetzgeber spätestens seit 1997, das weiß die Wissenschaft schon sehr viel länger und engagierte Radfahrer ohnehin schon immer, nur Velo 2010 weiß das noch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass in den zehn goldenen Regeln die Benutzungspflicht zwar Erwähnung findet, aber keine weiteren Details preisgegeben werden, warum ein Radweg denn nicht benutzt werden muss — für viele Radfahrer gilt der Radweg nunmal als lebensrettendes Bollwerk gegenüber der lebensgefährlichen Fahrbahn, da wäre es angebracht gewesen, den Sachverhalt etwas zu verdeutlichen.

Auch ansonsten gibt die Homepage des Bündnisses nicht gerade viel her. Ein paar goldene Regeln, ein paar bauchpinselnde Worte über große Pläne und wie toll und wichtig das Radfahren ist, dafür aber seitenweise Unfallberichte und das in Massen. Nach einem ausführlichen Studium der Homepage bleibt im Kopf vor allem eines hängen: Radfahren in Köln muss ganz schön gefährlich sein, dass lassen wir mal lieber bleiben.

Velo 2010 trägt seinen Namen allerdings spätestens jetzt zu Unrecht, denn Fahrradvertreter finden sich in der Runde kaum noch. Die Studentenvertretung ist schon vor Ewigkeiten ausgetreten, die Mülheimer Fahrradgruppe ebenfalls, der ADFC hat seine Mitgliedschaft ausgesetzt, der VCD hat ebenfalls keine große Lust mehr. Anstatt Unfallstellen zu analysieren und gegebenenfalls umzubauen habe sich das Bündnis zu lange auf einen unentschlossenen Meinungsaustausch bei Kaffee und Kuchen beschränkt, der obendrein noch von der autofreundlichen Polizei dominiert worden sei.

Theoretisch mag man drüber traurig sein, denn wenigstens in der Theorie ist ein solches Bündnis zwischen den Institutionen keine schlechte Idee. Praktisch hingegen wird man Velo 2010 nicht allzu sehr vermissen.

Mehr dazu:

Ist das schon Satire oder ist das noch Ernst?

Simon Lorenz hat im Kölner Stadt-Anzeiger etwas geschrieben, das sich nur schwer einordnen lässt. Handelt es sich um den verunglückten Versuch eines Kommentares? Oder sollte das nur eine lustige Glosse werden? Satire? Oder doch ein falsches Verständnis des Straßenverkehrs? „Fataler Irrtum“ und es gab wohl noch nie eine Überschrift, die besser zu einem Artikel passte.

Denn mit fataler Irrtum ist leider nicht das Werk an sich gemeint, sondern die Straßenverkehrs-Ordnung:

Das Fahrrad ist ein Fahrzeug, sagt die Straßenverkehrsordnung. Doch sie irrt damit auf fatale Weise. Denn dadurch gibt sie dem Radfahrer das Gefühl, ein dem Auto gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer zu sein. Die Folgen werden im Straßenverkehr deutlich.

Oh je, mag man sich denken, was kommt denn nun? Erst lernt sogar der normale Verkehrsteilnehmer, er steuere mit den Händen den Fahrradlenker umgriffen ein Fahrzeug und nehme als vollwertiger und gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer im Verkehr teil, müsse sich also an rote Ampeln halten und die übrigen Verkehrsregeln und dann kommt Lorenz und erklärt, ha, alles Unfug, alles ein großer Fehler im System.

Allerdings nimmt der Artikel eine ungewohnte Wendung, denn eigentlich müsste der Leser nun erwarten, es folgte nun das übliche Gejammer über Radfahrer, die auf der Fahrbahn fahren und freigegebene Einbahnstraßen nutzen und noch immer gibt es keine Helmpflicht und ein Kennzeichen haben sie auch nicht, diese Radfahrer, diese Rowdys, allesamt.

Stattdessen kommt es viel schlimmer: furchtbar genug, dass die Straßenverkehrs-Ordnung das Fahrrad als Fahrzeug definiert, nein, die Radlinge sind auch noch verwegen genug, ihre Rechte im Straßenverkehr wahrzunehmen! Und die armen Autofahrer, bekanntlich die Melkkühe der Nation, die müssen beim Abbiegen sogar aufpassen, weil die Radfahrer nicht freiwillig auf ihre Vorfahrt verzichten.

Nicht selten sieht man Fahrradfahrer, die auf ihrem Vorfahrts- oder Abbiegerecht beharren und sich damit in Gefahr bringen. Sie vergessen, das Fahrrad ist eben kein Fahrzeug. Es hat keine Knautschzone, keine Airbags, keinen stabilen Stahlrahmen, der sie schützt. Macht der Fahrer einen Fehler, sind nicht Blechschäden, sondern schwerste Verletzungen die Folge.

Ist das Niveau eigentlich schon reif für den obligatorischen Hitler-Vergleich?

Fangen wir mal von hinten an: es ist ja nicht verkehrt, dass ein Radfahrer bei einem Unfall tendenziell eher der Dumme ist. Und obschon es an Knautschzonen, Airbags und stabilen Stahlrahmen mangelt, ist das Fahrrad immer noch ein Fahrzeug: man kann nämlich damit fahren. Fahren kann man mit einem Roller zwar auch, aber den sieht die Straßenverkehrs-Ordnung nun doch nicht als Fahrzeug an. Das Fahrrad schon.

Der erste Satz ist allerdings schon recht frech. Eigentlich müsste es heißen: „Nicht selten sieht man Autofahrer, die nicht auf vorfahrtberechtigte Radfahrer achten und sie damit in Gefahr bringen.“ Die Gefahr geht nämlich immer noch vom Autofahrer aus, der sich zu fein ist für den Schulterblick oder seine Aufmerksamkeit während des Abbiegevorganges eher dem Radio oder dem Handy oder dem Navigationsgerät oder der Oberweite seiner Beifahrerin schenkt anstatt auf den Verkehr zu achten. Ja, es soll tatsächlich Kraftfahrzeugführer geben, die ihre Hand erst aus dem Dekolleté ihrer Beifahrerin befreien mussten, bevor sie den Radfahrer von der Beifahrertür kratzen konnten.

Tief innen drin steckt allerdings durchaus ein diskussionswürdiger Ansatz. Wenn absehbar ist, dass ein Kraftfahrzeugführer den Abbiegevorgang nicht ohne Fremdgefährdung geregelt bekommt, dann ist es selbstverständlich sicherer und unbedingt anzuraten, kräftig die Bremsen zu ziehen anstatt maulend und schimpfend auszuweichen.

Andererseits ist das Fahrrad nunmal ein Fahrzeug und somit ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer und das in Zeiten des Fahrradboomes sowieso. Autofahrer müssen lernen, nicht wie noch vor fünf Jahren täglich an der Kreuzung ohne Schulterblick abbiegen zu können, weil die Wahrscheinlichkeit, dass einer der drei Radfahrer der Stadt gerade in der Nähe war, naja, doch recht gering war.

Drum kann es durchaus sinnvoll sein, eben nicht ständig automatisch auf die eigene Vorfahrt zu verzichten und brav zu warten, bis der Autofahrer ungestört seines Weges gerollt ist. Mit moderater Geschwindigkeit am Kreuzungsbereich lassen sich Gefahrensituationen unterbinden und doch wacht manch Kraftfahrzeugführer plötzlich erschrocken auf, wenn nach dem verpassten Schulterblick plötzlich ein — bremsbereiter! — Radfahrer im Sichtfeld auftaucht. Dann rappelt’s halt kurz im Bremspedal, das ist immer noch besser als ein Rappeln unterm Auto resultierend aus der Kombination von fehlendem Schulterblick und einem Radfahrer, der seine Vorfahrt wahrgenommen hat. Vielleicht merkt sich der Kraftfahrzeugführer den Schulterblick fürs nächste Mal.

Nebenbei erwähnt: ohne Radwege wäre diese Problematik kaum der Rede wert.

Im Schlusswort wird’s noch mal ganz doll:

Der Radfahrer ist der schwächste Verkehrsteilnehmer. Und diesen Fakt sollte jeder Radler im Kopf haben, der sich auf die Straße wagt. Man sollte nicht den Autofahrern, die mitunter gefährlich dicht an Radfahrern vorbeifahren, sein Leben in die Hand geben, sondern ihnen, wo es geht, aus dem Weg gehen – auch wenn man eigentlich Vorfahrt hätte.

Eieiei. Warum wirkt der ganze Absatz so, als seien die Radfahrer doch alle selbst an ihren Unfällen schuld, weil sie nicht den Autofahrern aus dem Weg gegangen sind? Natürlich muss man sich auf dem Sattel seiner Verwundbarkeit bewusst sein, aber das sollte auch hinter dem Steuerrad gelten — eine Tonne Blech garantieren nunmal keine körperliche Unversehrtheit bei einem Unfall, ganz im Gegenteil. Trotzdem käme niemand auf die Idee, derartige Phrasen durchs Autofenster zu schleudern, denn wenigstens nach der gesellschaftlichen Meinung garantieren Airbag und Sicherheitsgurt doch vollkommene Unversehrtheit, als könne man sich gar nicht dumm genug anstellen, bei einen Unfall ein Bein zu verlieren.

Aber die Radfahrer, die sind tatsächlich doppelt die doofen. Die müssen sich nicht nur den Kram anhören, die sind bei einem Unfall wirklich gefährdet. Nur: wie soll denn das Aus-dem-Weg-gehen funktionieren? Steckt da drin der übliche Aufruf, um Himmels Willen doch überall den Radweg zu benutzen und notfalls auf dem Gehweg weiter zu rollen?

Natürlich darf man sein eigenes Leben nicht einem anderen Verkehrsteilnehmer in die Hand geben, das gilt sowohl als Auto-, als Radfahrer und als Fußgänger. Und dennoch gibt es ein gewisses Mindestvertrauen im Straßenverkehr, nach dem sich eigentlich niemand allzu blöde anstellen sollte. Die eigenen Rechte im Straßenverkehr wahrzunehmen ist völlig legitim und hinreichend ungefährlich, sofern die mittelbare Umgebung nicht aus den Augen und die Hand nicht vom Bremshebel gelassen wird.

Mit Fehlern anderer muss man rechnen — aber die Konsequenzen, die Lorenz hier aufzeichnet, sind einer Gleichberechtigung im Straßenverkehr nicht angemessen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er überhaupt an einer Gleichberechtigung interessiert ist, denn wenigstens seine Einleitung macht nicht gerade diesen Eindruck.

Die Bildauswahl unterstreicht die Qualität des Artikels: ein Kraftfahrzeug steht vor einem zerfetzten Fahrrad und die Bildunterschrift betont, die Radfahrer hätten keinen Helm getragen.

Rheinufertunnel: Die spinnen, die Radfahrer

Es stimmt wirklich: Radfahrer haben keine Ahnung von den Verkehrsregeln. Selbst eine gewisse Leidenschaft fürs Fahrrad ist noch kein Garant dafür, sich in gewissen Situationen nicht plötzlich vollkommen selbstverständlich auf dem Gehweg wiederfindet und womöglich vollkommen selbstverständlich die dortigen Fußgänger beiseite klingelt. Irgendwas stimmt eben nicht mit dieser verflixten Straße, da ist so ein Bauchgefühl und das Bauchgefühl sagt: hier lieber den Gehweg benutzen. Oder da auf der linken Seite radeln. Oder dort lieber nicht fahren.

Eigentlich regelt § 2 Abs. 4 StVO ganz deutlich, wo geradelt werden darf. Wo nicht geradelt werden darf, findet man auch in der Straßenverkehrs-Ordnung: auf Autobahnen, auf Kraftfahrstraßen, jenseits von Zeichen 254 und Zeichen 250. Und natürlich auf Gehwegen. Und auf der linken Straßenseite. So kompliziert ist das eigentlich nicht.

Und trotzdem gibt es Radfahrer, die aufgrund einer falschen Interpretation oder wegen früherer Erfahrungen nur Straßen benutzen, bei denen die Fahrbahn von einem Radweg flankiert wird. Wenn es keinen Radweg gibt, dann wird der Gehweg befahren — irgendwie würde das schon erlaubt sein, denkt man sich mitunter in der Hoffnung, es sei dort nicht so gefährlich wie auf der Fahrbahn. Dass es eigentlich der Gehweg gefährlicher ist als die Fahrbahn fällt in solchen Fällen nicht ganz so zur Last. Der Glaube an den Radweg geht sogar so weit, dass linksseitige Radwege befahren werden, wenn es rechts keinen gibt. Analog dazu wird notfalls der linksseitige Gehweg beradelt, wenn rechts weder Rad- noch Gehweg der Straße entwachsen sind.

Es scheint noch weitere Faktoren zu geben, die den normalen Radfahrer von der Fahrbahn fernhalten. Selbst wenn die Fahrbahn sogar zum Durchschnittsradler einladend ist, darf der Abstand zum Gehweg nicht zu groß sein: macht sich zwischen Fahrbahn und Gehweg ein Grünstreifen breit, scheint unbewusst die Fahrbahn als zu gefährlich zu gelten. Womöglich, weil man nicht einfach vom Sattel steigen und auf dem Gehweg weiterschieben kann. Einen ganz ähnlichen Effekt haben größere Absperrgitter oder gar Betonelemente zum Gehweg hin.

Und ganz gemein sind natürlich Tunnel. Selbst wenn es kein explizites Verbot gibt, einen Tunnel mit dem Rad auf der Fahrbahn zu durchqueren, wird ganz selbstverständlich der Gehweg gewählt. Und wenn es keinen Gehweg gibt, tja, dann wird ganz selbstverständlich ein teilweise erheblicher Umweg in Kauf genommen.

Ganz unbewusst. Obwohl die Antwort mitunter schon in § 2 StVO steht. Da muss man gar nicht lange blättern.

Unbewusst handelte wohl auch eine Polizeistreife, die einen Radfahrer im Kölner Rheinufertunnel aufgriff und mit einem Knöllchen bedachte — schließlich müsste doch das Radfahren im Tunnel verboten sein, das könne doch gar nicht sein. In Ermangelung einer Beschilderung, die das Radfahren dort tatsächlich verboten hätte, geriet die Ordnungsmacht allerdings recht schnell in Kalamitäten und musste „zähneknirschend“ eingestehen, dass das Radfahren dort erlaubt ist — auch wenn es kaum jemand praktiziert, schreibt der Kölner Express: Fahrräder im Rheinufertunnel

Wollen die Grünen Fahrradfahrer in den Selbstmord treiben? Sie fordern jetzt in der Bezirksvertretung Innenstadt die Freigabe des Rheinufertunnels für Fahrräder.

Um das Gesicht der Ordnungsmacht zu wahren, wurde schnellstens die Einfahrt für Radfahrer per Zeichen 254 verboten, weil… ja, weil… äh… weil das ja verboten sein muss, denn, ähm, Radfahren im Tunnel, das muss ja verboten sein, das ist doch viel zu gefährlich, will man denn die Radfahrer in den Selbstmord treiben?!? Offenbar war die Begründung der Kölner Verwaltung von ebensolcher Qualität, zumindest scheint keine Abwägung der Gefahrenlage stattgefunden zu haben, geschweigedenn dass man sich bei der Straßenverkehrsbehörde eine vernünftige Umleitung für Radfahrer überlegt. Stattdessen werden Zweiradfahrer implizit über die parallel verlaufende Promenade geschickt, die von Fußgängern geradezu überflutet ist, so dass Radfahren dort nur mit erheblicher Eigen- und vor allem Fremdgefährdung stattfinden kann. Vernünftige Verkehrsplanung sieht eigentlich anders aus.

Nun könnte es durchaus sein, dass aus bestimmten Gründen Radfahrer vom Rheinufertunnel ferngehalten werden müssen. Vielleicht wegen der dort gefahrenen Geschwindigkeiten, vielleicht wegen baulicher Gründe, womöglich wäre es tatsächlich im Sinne der Verkehrssicherheit nötig, ein solches Verkehrsverbot anzuordnen. Dann muss ein solches Verbot aber auch begründet werden und daran krankt die ganze Sache offensichtlich.

Andere fordern die Einrichtung eines Fahrradweges im Tunnel. Kann man ja durchaus planen, aber gleich da heißt es: nein, sowas ginge zu Lasten der Autofahrer, sowas machen wir in Köln nicht. Und die Rheinuferpromenade? Die sei für Fahrradfahrer und Fußgänger doch ganz unproblematisch, denn schließlich gelten doch auch für Radfahrer die Verkehrsregeln und wenn man ein bisschen Rücksicht nähme, dann ginge das schon alles. So einfach kann Verkehrspolitik sein.

Man muss sich wohl schon freuen, dass zu dem Artikel keine Kommentarfunktion eingebaut wurde.

Dazu auch: Am Rhein fehlt ein Radweg

Radfahrer, Jogger, Touristenströme – an der Rheinpromenade kommen sich die Massen schnell ins Gehege. Wenn, wie am Wochenende, ein Flohmarkt zusätzlich den Weg einengt, ist das Gewühl perfekt. Die Grünen fordern nun einen extra Radweg.

Kölner Radverkehrskonzept soll weiterentwickelt werden

Der Kölner Fahrradbeauftragte sucht nach Hinweisen, was im Kölner Stadtverkehr für den Radverkehr verbessert werden kann: Das Fahrrad als Allheilmittel

Die Verwaltung hat ein Verkehrskonzept für die Stadtteile Lindenthal, Sülz und Klettenberg entwickelt. Der Schwerpunkt soll dabei auf die Fahrradfreundlichkeit gelegt werden. Der Radverkehr soll in Zukunft sicherer durch die Stadtteile rollen.

Neuigkeiten aus Köln

Was Marco Laufenberg in den letzten Wochen schreibt, das klingt gar nicht gut, weder für die Kölner Verkehrspolitik noch für seinen Blutdruck. Spätestens während der Kölner Fahrradsternfahrt scheint ihm alle paar Kilometer der Kragen geplatzt zu sein, denn behelmte und mit leuchtenden Warnwesten radelnde Mitglieder des ADFC trieben sich entgegen des zuvor unterzeichneten Bekenntnisses zur Straßenverkehrs-Ordnung lieber auf linksseitigen Gehwegen herum und setzten die Gültigkeit von roten Ampeln an Sonntagen kurzerhand außer Kraft. Das fordert tatsächlich den ganzen Mann, insofern ist beim lesen seiner vier letzten Artikel tatsächlich Vorsicht geboten:

Die Stadt Köln lädt wieder zum Fahrrad-Quiz

Mit ihrem Verkehrsquiz will die Stadt Köln der Regelkenntnis der Radfahrer etwas auf die Sprünge helfen. Mit diesem Ziel ist das Quiz vor vier Jahren allerdings grandios gescheitert, die damalige Zusammenstellung kann wohl getrost als kleines bis mittleres Desaster bezeichnet werden.

Die neue Ausgabe beginnt gleich mit einer seltsamen Antwort — was interessiert es denn die Verkehrssicherheit oder die gegenseitige Rücksicht oder was auch immer dieses Quiz fortbilden soll, wie Kalorien eine bestimmte Fahrradfahrerin auf einer bestimmten Strecke verbraucht?

Immerhin sind die folgenden Fragen gehaltvoller und decken den toten Winkel, bestimmte Verkehrssituationen und sogar ein paar Radwege ab. An die richtig komplizierten Fragen komplexer Benutzungspflichten oder der Wahl der richtigen Ampelanlage hat man sich hingegen nicht herangetraut. Der dazugehörige Spickzettel ist zwar nicht inhaltlich falsch, doch sollte man diese Regeln ohnehin verinnerlicht haben, bevor man sich auch nur einen Meter auf dem Rad fortbewegen will.

„Greenskate“ auf Kölner Straßen

Eine Art Critical Mass mit Skate- und Longboards ist natürlich auch erst einmal eine lustige Idee: „Beim Fahren fühle ich mich frei“, schreibt Martin Bolzt im Kölner Stadt-Anzeiger.

In sozialen Netzwerken riefen Unbekannte zum „Greenskate“ auf. Und über 300 junge Menschen aus ganz Deutschland folgten mit ihrem Longboards, eine Art Skateboard. Die Aktion sollte für eine breitere Akzeptanz des Sports auf Straßen sorgen.

Kölner Polizei kontrolliert Fahrradfahrer

Die Kölner Polizei kontrolliert jetzt vermehrt Fahrradfahrer. Das ist nicht verkehrt, im Gegenteil, aber man will auch auf falsch parkende Autos achten, die den Radweg blockieren — jedenfalls ein ganz kleines bisschen. Priorität haben nach wie vor die Fahrradfahrer, die sich angeblich nie an die Verkehrsregeln halten: Polizei verstärkt Fahrradkontrollen

Mit verstärkten Kontrollen will die Polizei in dieser Woche gegen rasende, rücksichtslose Radfahrer vorgehen. Im gesamten Stadtgebiet werden die Beamten unterwegs sein und auf Fehlverhalten im Straßenverkehr aufmerksam machen.

Kölner Fahrradbeauftragter in der Einbahnstraße

Der Kölner Fahrradbeauftragter Jürgen Müllers kommt im Kölner Stadt-Anzeiger zu Wort: Ein Verkehrs-Planer auf Testfahrt

Jürgen Möllers ist Fahrradbeauftragter der Stadt Köln und als solcher auch gerne mit den Rad unterwegs. So kann er besser testen. Die größten ungelösten Probleme aus seiner Sicht? Da muss Möllers nicht lange überlegen.

Dass sich Müllers an die Straßenverkehrs-Ordnung hält und sich in freigegebenen Einbahnstraßen nicht auf den Gehweg verzieht, sondern auf seinen Vorrang besteht, kommt natürlich gerade bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern eher schlecht an.