„Das Auto macht uns total verrückt“

Die Zeit hat wieder ein sehr langes und überaus interessantes Interview zum Thema Mobilität geführt, dieses Mal mit Verkehrsplaner Hermann Knoflacher, der mit seinem „Gehzeug“-Konzept ein Begriff sein sollte: „Das Auto macht uns total verrückt“

Schade nur, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nach dem dritten Absatz abbrechen werden:

(…) Einen unglaublichen Einfluss. Das Auto ist wie ein Virus, das sich im Gehirn festsetzt und Verhaltenskodex, Wertesystem und Wahrnehmung total umkehrt. Ein normaler Mensch würde unseren derzeitigen Lebensraum als total verrückt bezeichnen! Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen. Das ist doch eine völlige Werteumkehr, die uns nicht einmal mehr auffällt. (…)

Leider gerät man sehr leicht in esoterisch anmutende Thesen, will man den momentanen Zustand unserer Gesellschaft beschreiben — das gilt leider nicht nur für das Thema Mobilität in unserer autozentrierten Welt. Schon nach ein paar Sätzen gilt man als Verschwörungstheoretiker, Spinner oder Öko-Freak, der nur auf dem Rad sitzt, weil er sich kein Auto leisten kann. Versucht man allerdings, das Thema auf gesprächstaugliche Argumentationen herunterzubrechen, lässt sich die Komplexität des Problemes kaum noch darstellen.