Mit Google Maps in die Sackgasse

Seit knapp einem Jahr blendet Google Maps Informationen für Radfahrer über die Beschaffenheit von Straßen ein. Über deren Qualität dürfen Radfahrer seitdem geteilter Meinung sein: Bei einigen grün eingefärbten oder gepunkteten Straßen ist gänzlich unklar, nach welchem Maßstäben dort eine gewisse Qualität für den Radverkehr verortet wurde.

Geliefert wurde das Kartenmaterial für 250.000 Kilometer Verkehrsweg vom ADFC, interpretiert vom Google. Gleich vorweg: Google Maps im Fahrradmodus schlägt sich deutlich besser als der Bike City Guide und rettet sich nicht kreuz und quer durch die Stadt auf der Suche nach dem nächsten Radweg.

Dennoch scheint das deutsche Radwegesystem inklusive der Straßenverkehrs-Ordnung eine Nummer zu groß für den Suchmaschinenkonzern. Noch immer sind längst nicht alle für Radfahrer freigegebenen Einbahnstraßen eingepflegt und die Einordnung von Radverkehrsanlagen auf den Straßen ist offenbar eine Mammutaufgabe, der nicht mal die ADFC-Google-Koorperation gewachsen ist.

Einerseits unterscheidet auch Google leider nicht zwischen den verschiedenen Typen von Radfahrern, die sich auf dem Radweg breitmachen: Der eine will eine schnelle Runde auf dem Rennrad drehen, der nächste hinreichend schnell zur Arbeit, dann will jemand zum Einkaufen und lieber ruhige Seitenstraßen fahren, andere wollen wiederum unter keinen Umständen die Fahrbahn benutzen und dann hat jemand keine Probleme, im Berufsverkehr auf der Elbchaussee zu sausen.

Insofern ist das, was Google Maps als einen hellgrünen Radweg andient, womöglich nur eine für Sonntagsradler geeignete Strecke, weil sie sich fernab des Kraftverkehrs an reizvollen Landschaften und lustig glucksenden entlangschlängelt — aber vollkommen ungeeignet für den Radsportler oder den Alltagsradler auf dem Weg ins Bureau, denn letztere wollen eine möglichst komfortabel und schnell befahrbare Strecke vorfinden.

Andererseits ist ganz lustig, was das Kartenmaterial als fahrradtauglich erachtet: Da werden Wege als grün dargestellt, von denen Radfahrer mit Zeichen 254 und Drängelgittern vergrämt werden, dort ist eine auch als ambitionierter Radfahrer gräßlich zu befahrende Straße grün angemalt, während die vollkommen ruhige Parallelstraße offenbar für Zweiradfahrer ungeeignet bleibt. Gleicht man als Radfahrer die grünen Linien mit eigenen Einschätzungen ab, wird man eher selten Übereinstimmungen feststellen: Gibt es hier grüne Linien im Überfluss, ganz ungeachtet von potenziellen Radverkehrsanlagen, wären andere Straßen für Radfahrer offenbar ungeeignet, die sich eigentlich prima befahren lassen.

Allerdings bastelt Google Maps aus seinem Kartenmaterial noch eine ganz ansehnliche Route, die sich nicht ängstlich wie der bereits erwähnte Bike City Guide an jeden Radweg klammert und dazu gar größere Umwege fährt, bloß weil dort am Horizont eine Radverkehrsanlage verheißungsvoll schimmert. Zwar soll der Routenplaner den Berichten zufolge vielbefahrene Straßen meiden, doch navigiert Google Maps meistens direkt zur nächsten Hauptverkehrsstraße, um dort größere Entfernungen zurückzulegen — das kommt zwar wieder dem Alltagsradler zugute, aber die versprochenen fahrradfreundlichen und verkehrsarme Routen durch Wohngebiete ignoriert der Routenplaner. Selbst wenn manuell an der Route herumgezogen wird, steuert Google Maps schnell wieder die nächste Hauptverkehrsstraße an und lässt sich von den grünen Linien zwischendurch kaum beeindrucken. Recht abenteuerlich wiederum sind die Routen zwischen Start, Hauptverkehrsstraße und Ziel, denn die weichen tatsächlich geringfügig von der Kraftfahrzeug-Route ab — und führen teilweise über Strecken, die entgegen der grünen Linien überhaupt gar nicht für den Radverkehr freigegeben sind.

Google hat die Behebung dieser Mängel und Falschinformationen in die Hände der Community gelegt. Ähnliche Projekte wie OpenStreetMap bieten ebenfalls derartige Fahrradkarten an, die häufig aktueller und von deutlich besserer Qualität sind — und, „Don’t be evil“ hin oder her, eher dem unkomplizierten Lebensstil so mancher Radfahrer entsprechen.

Siehe auch:

  • Google erweitert Kartendienst für Radfahrer

    Google Maps ist um eine Funktion reicher: Ab sofort können Fahrradfahrer ihre Android-Geräte für die Routenplanung nutzen. Daten für 250.000 Kilometer Strecke lieferte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

  • Google Maps weist Radfahrern in Deutschland den Weg

    Google hat am Freitag seinen Kartendienst in Deutschland um einen Routenplaner für Fahrradfahrer ergänzt. Die Daten für die fahrradgeeigneten Straßen und Wege kommen sowohl von Google selbst als auch vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Google Maps für Radfahrer

Auf Google Maps können seit kurzem auch Informationen für Radfahrer eingeblendet werden. Der Kartenservice differenziert dabei zwischen „Wegen“, „Radwegen“ und „geeigneten Straßen“, die über die Schaltfläche am oberen rechten Rand eingeblendet werden können. Die zusätzlichen Wege stammen dabei unter anderem vom ADFC, wobei sich Google noch nicht zu einer brauchbaren Navigation für Radfahrer hinreißen konnte: der Routenplaner kennt nach wie vor lediglich Kraftfahrzeuge und Fußgänger, wobei die für Radfahrer geeignete Route eher bei der Navigation für Fußgänger zu erwarten ist, sofern man nicht große Umwege in Kauf nehmen möchte.

So richtig brauchbar sind die eingeblendeten grünen Linien allerdings noch nicht. Der Wanderweg in Wedel, angeblich mit Fördermitteln für Radwege gebaut, tatsächlich allerdings mit reichlich Zeichen 254 verziert, dürfte wohl kaum ein Weg für Radfahrer sein, die Wedeler Landstraße etwas weiter nördlich ist selbst für hartgesottene Fahrbahnradler nicht unbedingt geeignet und gleich danach erkennt Google Maps die Sülldorfer Landstraße, die hier als Kraftfahrstraße für Radfahrer tabu ist, teilweise als geeigneten Weg, teilweise sogar als Weg für Radfahrer.

Mutmaßlich verlässt man sich als Radfahrer bei Google Maps auch künftig auf die Route für Fußgänger — und die eigene Erfahrung.