Studie: Sport macht Medikamente überflüssig

Das Handelsblatt schreibt: Sport macht Medikamente überflüssig

Dass Sport der Gesundheit gut tut, ist nicht neu. Eine Studie mit Hunderttausenden Probanden zeigt nun: Bewegung wirkt manchmal besser als Medikamente. Als Konsequenz fordern die Wissenschaftler „Bewegungs-Rezepte“.

Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn wieder einmal diskutiert wird, den Radverkehrsanteil mit Steuern, Fahrradkennzeichen oder Helmpflichten zu reduzieren.

Radfahrer sparen 2.000 Euro pro Jahr

In einigen Diskussionen wird Radfahren als teuer, weil gefährlich dargestellt: Wer über die Motorhaube fliegt, wird anschließend möglicherweise eine recht teure medizinische Behandlung erfahren. Die Wirtschaftswoche Green schreibt über eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung: Gesundheitskosten: Radfahren sparen 2000 Euro jährlich

Eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Umweltbundesamtes hat ergeben: Wer Fahrrad fährt, spart eine ganze Menge Gesundheitskosten. Wer also vor allem den Drahtesel nutzt, statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, kommt später um teure Krankenhausrechnungen und Behandlungen herum. Denn: Fahrradfahren stärkt das Herz-Kreislaufsystem, schont aber gleichzeitig den Bewegungsapparat, da radeln überaus gelenkschonend ist.

„Volle Dröhnung gegen die Volksgesundheit“

Rund 200 Millionen Menschen leiden innerhalb der Europäischen Union unter Verkehrslärm — sehr viel leiser wird es in absehbarer Zeit allerdings nicht werden, denn die Automobillobby sperrt sich gegen strengere Lärmschutzrichtlinien. Kraftfahrzeuge für Normalverdiener dürfen zwar leiser werden, aber teuere Sportwagen müssen auch künftig kräftig röhren — dazu werden sogar spezielle Vorrichtungen in den Auspuff eingebaut, die ab bestimmten Geschwindigkeiten das Betriebsgeräusch manipulieren, allerdings nach oben anstatt nach unten. Und der Berichterstatter der Europäischen Union schlägt gar Grenzwerte vor, die ihm die Porsche AG in die Excel-Tabelle geschrieben hat, berichtet frontal21: An der Schmerzgrenze – Autolobby gegen besseren Lärmschutz

Prinzipiell ist die Argumentation reichlich verlogen: einerseits soll das Auto Leidenschaften wecken, also nicht nur optisch gefällig aussehen, sondern auch einen akustisch kraftvollen Auftritt beweisen, andererseits legen auch und vor allem die Fahrer teurerer Sportwagen Wert auf ihre Ruhe außerhalb des Lärmes der Großstadt. Die Emissionen des Auspuffes, also Lärm und Schadstoffe, sollen bitteschön jene absorbieren, die es leider nicht zu einem teuren Sportwagen und einem Haus im Grünen gebracht haben.

Umstrittene Feinstaubbelastung des Radfahrers

Eines der ältesten Argumente gegen das Radfahren ist die Feinstaubbelastung in den Städten. Die Argumentationslinie ist ganz einfach: der Autofahrer produziert ganz, ganz viele Abgase, die er aber in seinem abgeschotteten Vehikel nicht einatmen braucht, die hingegen der Radfahrer an der Ampel direkt aus dem Auspuff inhaliert, also ist Autofahren gesünder als Radfahren, Punkt, Basta, Ende der Diskussion. So einfach war das manchmal. Entsprechende Artikel dienten als Argumentationsgrundlage.

Nun stuft die Weltgesundheitsorganisation in den Dieselabgasen enthaltene Bestandteile plötzlich als krebserregend ein und Jens Lubbadeh holt auf SPIEGEL ONLINE passend dazu eine neue Studie hervor: Stadt, Rad, Ruß

Abgase, Feinstaub, Dieselruß – in deutschen Städten herrscht oft dicke Luft. Die WHO stuft Dieselabgase neuerdings als krebserregend ein. Wie ungesund Radfahren im Vergleich zu Autofahren ist, haben Wissenschaftler untersucht. Ihr Urteil ist eindeutig.

So richtig eindeutig ist da aber nichts, denn im Prinzip klingen die beiden anderen Artikel ähnlich plausibel. Allenfalls irritiert hier noch die präzise Berechnung der verkürzten Lebenszeit von etwa 19,2 Stunden, die mutmaßlich bei einem normalen Menschen von vielerlei anderen Faktoren überlagert werden dürfte. Autofahrer sitzen zwar im geschützten Auto, saugen aber ebenfalls mit der Belüftung den Dreck ihrer motorisierten Artgenossen ein, während Radfahrer immerhin den Vorteil hätten, aufgrund der Luftverwirbelungen einer deutlich geringeren Belastung ausgesetzt zu sein.

Eigentlich gilt wohl: man kann sich darüber Gedanken machen oder es bleiben lassen — und weiterhin Fahrrad fahren. Das Leben endet zwangsläufig mit dem Tode, da kommt es auf 40 oder 0,8 Tage auch nicht mehr an.