Sicher fahre ich nur bei Rot

Roland Brühe schreibt über ein Plakat: Rote Ampeln und Präventionsplakat: Ein motivhermeneutischer Versuch

Die Stadt Köln klärt auf. Mittels einer präventiven Plakataktion weist sie darauf hin, dass Ampeln schützen, wenn wir sie denn beachten. Dazu sehen wir ein Auge, in dessen Pupille das Rotlicht einer kombinierten Fußgänger- und Fahrradfahrerampel erscheint. Das Plakat trägt den Titel “Einen Augenblick Respekt”. In der Fußzeile wird darum gebeten: “Helfen Sie mit, die Zahl der Unfälle zu verringern.” Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erregt, weshalb ich mich einmal motivhermeneutisch damit beschäftigen möchte.

Für ein einfaches Plakat sicherlich eine sehr interessante Betrachtung — unbedingt lesenswert. Allerdings fallen, wie schon in den Kommentaren erwähnt, einige Probleme beim Plakat auf.

Die Aussage „Ampeln schützen, wenn wir sie beachten“ trifft leider den falschen Adressaten. Aufgrund des abgebildeten kombinierten Radfahrer- und Fußgänger-Signalgebers wird sich dieses Plakat nunmal an Radfahrer und Fußgänger wenden, denn schließlich sind es die Radfahrer, die angeblich immerzu vorsätzlich über rote Ampeln stürzten. Mit einem Blick in die einschlägigen Statistiken wird allerdings schnell klar, dass sich die meisten Radfahrer und Fußgänger bei einer grünen Ampel anfahren lassen. Das liegt natürlich einerseits daran, dass entgegen der gemeinen Kraftfahrer-Meinung in Wirklichkeit nur sehr viel wenige Radfahrer über Rot direkt in den Querverkehr sausen, andererseits „schützt“ eine Lichtzeichenanlage in der Praxis nicht.

Während der Fahrzeugverkehr auf der Fahrbahn bei grünem Licht relativ unaufmerksam die Kreuzung überqueren kann, weil feindlicher Querverkehr dann doch eher selten ist oder sich sogar akustisch und mit Blaulicht ankündigt, ist eine grüne Ampel für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer deutlich gefährlicher. Die grüne Fußgänger- oder Fahrradampel schützt zwar vor dem Querverkehr, aber der ist gar nicht das Problem, denn die Gefahr naht von hinten links: Die dortigen Fahrzeuge bekommen in der Regel gleichzeitig grünes Licht und biegen bekanntlich eher ungerne mit Schulterblick ab. So mancher Radfahrer, der noch im Verkehrsunterricht das Märchen vom sicheren Überqueren der Straße bei grüner Ampel geglaubt hat, taucht nun plötzlich im Polizeibericht auf mit der unschönen Begründung, er habe sich im toten Winkel des Autofahrers aufgehalten.

Deutlich ungefährlicher, auch wenn in der Praxis wohl kaum empfehlenswert, scheint da das Überqueren einer Straße bei roter Ampel zu sein. Von vorne und hinten droht keine Gefahr, tote Winkel spielen sowieso keine Rolle mehr, der Radfahrer braucht sich bloß mit recht viel Verstand an die Sichtlinie herantasten, ob denn von links oder rechts jemand im Anmarsch ist. Das ist schließlich in etwa auch die Wirkungsweise der so genannten Fahrradampeln: der Radverkehr wird auf die Kreuzung in den Sichtbereich der Kraftfahrer geschickt, so lange jene noch keinen Radfahrer auf die Hörner nehmen können.

Vielleicht hätte das Plakat lieber eine Vollscheibe, also einen Signalgeber für den Fahrbahnverkehr zeigen sollen. Hätte der etwas mehr Respekt vor roten und grünen Ampeln, wäre das Überqueren einer Kreuzung vermutlich noch deutlich sicherer.

Eine Helmpflicht macht noch keine Sicherheit

Holger Dambeck schreibt auf SPIEGEL ONLINE einen recht lesenswerten Artikel über den Unsinn einer Fahrradhelmpflicht: Warum eine Helmpflicht Radlern wenig hilft

Muss man die Radfahrer zu mehr Sicherheit zwingen? Verkehrsminister Ramsauer erwägt eine Helmpflicht. Der Zwang zur Haube soll Leben retten. Doch um die Radler wirksam zu schützen, wären andere Maßnahmen viel sinnvoller.

Es ist schon interessant, dass die wirklichen „Fahrradländer“, so man sie denn so bezeichnen möchte, ohne jegliche Ideen einer Helmpflicht auskommen — darüber wird bloß in jenen Parlamenten diskutiert, in denen man sowieso nicht weiß, wie mit diesen Zweiradfahrern auf der Straße umgegangen werden soll. Mag sein, dass ein Fahrradhelm irgendwo sinnvoll ist, eine generelle Helmpflicht ist es auf keinen Fall: Sie lässt das Fahrradfahren gefährlicher erscheinen und verhindert noch lange keinen einzigen Unfall — Unfälle vermeidet eine sinnvolle Radverkehrsstrategie mit sinnvollen Radverkehrsanlagen.