Der Unsinn des Führerscheins mit 16 Jahren

In den ländlicheren Gegenden hat man es als Jugendlicher mitunter schwer: der nächste Ort ist mehrere Kilometer weit entfernt, eine Busverbindung gibt es mit Glück zwei Mal, mit sehr viel Glück sogar vier Mal täglich und bei aller Liebe zum Fahrrad stößt der Drahtesel dort tatsächlich bald an seine praktischen Grenzen. Nun wird die Absenkung des Alters für die Führerscheinprüfung auf 16 Jahre diskutiert — prinzipiell überlegenswert, vor allem, weil die Idee dieses Mal nicht von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer stammt, ganz im Gegenteil: der ist sogar dagegen. Dafür gibt es durchaus gute Gründe, denn so soll etwa die maximale Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde für jugendliche Fahrer beschränkt werden.

Das ist natürlich einigermaßen witzlos, weil die Sanktionierung schwierig ist. Direkt an der Messstelle kann ein Blitzer überhaupt nicht erkennen, ob der Fahrer 80 oder 100 Kilometer pro Stunde oder gar noch schneller fahren darf, nicht einmal die Beamten mit ihren Lasermessgeräten können aus mehreren hundert Meter Entfernung das Alter der Fahrer bestimmen. Insofern ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich niemand daran hält. Diejenigen, die sich daran halten, werden allerdings die volle Härte der LKW- und der Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Fraktion zu spüren bekommen: auf der Landstraße werden sie von so genannten kultivierten Schnellfahrern zum Gasgeben motiviert, auf der Autobahn von Lastkraftwagen bedrängt und gefährdet, die gerne ihre 89 Kilometer pro Stunde fahren wollen. Schon heute ist das Fahren mit einem auf 80 Kilometer pro Stunde beschränkten Anhänger kein echtes Vergnügen, im jugendlichen Alter dürften solche Ereignisse noch prägender sein. Insofern stellt sich natürlich auch die Frage, ob gerade jene Altersklasse, die überproportional an Unfällen beteiligt ist, noch weiter vergrößert werden sollte: Ramsauer nennt Führerschein mit 16 Unfug

Die Union will den ländlichen Raum fördern und Jugendliche schon mit 16 Jahren hinters Steuer lassen. Oder doch nicht? Nachdem Staatssekretär Bleser die Maßnahme befürwortet hatte, stellt sich nun Verkehrsminister Ramsauer gegen das Vorhaben.