„Radfahren in Frankfurt generell verbieten!“

Die Frankfurter Rundschau berichtet über Falträder und die Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr: Faltrad zu Sonderkonditionen

Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln sind meistens ein Ärgernis: Sperrig und im schlimmsten Fall sogar ein Sicherheitsrisiko. Das Faltrad soll dieses Problem lösen. ADFC und RMV wollen die platzsparende Alternative fördern, denn das Faltrad kann als Handgepäck mitreisen.

In dem lustigen Kasten in der Mitte kommen — leider? — auch einige Leser zu Wort, die dem Rad nicht besonders freundlich eingestellt sind. Das mag freilich auch anderen Erfahrungen liegen, die offenkundig ja alles andere als positiv waren, das Radfahren in Frankfurt allerdings komplett zu verbieten, um damit die Radfahrer als Reinkarnation des Leibhaftigen aus der Stadt zu vertreiben, das dürfte dann doch etwas zuviel des Guten sein.

Der Ortsbeirat will die blauen Lollies zurück

Radverkehrsinfrastruktur ist kein Wunschkonzert: Man bekommt eher selten, was man gerne möchte. Das gilt sowohl für Kraftfahrer („Hauptsache runter von der Fahrbahn und beim Abbiegen nicht im Weg“) als auch für Radfahrer („Irgendwas sicheres und möglichst bequemes“). Daran muss sich auch die Politik erst gewöhnen: Die kann zwar tolle Sachen beschließen, darunter sicherlich auch die Einrichtung neuer Radwege, hat aber auf die konkrete Beschilderung der Wege nur sehr wenig Mitspracherecht, denn da parlieren vor allem die Verwaltungsvorschriften. Soll heißen: An einen Sonderweg, an dem die Verwaltungsvorschriften aus unterschiedlichen Gründen keine Benutzungspflicht erlauben, kann auch die Politik keine Schilder schrauben.

Den Verwaltungsvorschriften fielen in der Thudichumstraße in Frankfurt-Rödelsheim unlängst einige blaue Schilder zum Opfer, die nun gar für ganz großes Chaos sorgen. So mancher Radfahrer fragt sich: Wo darf ich fahren?

In Rödelheim herrscht bei Radfahrern Verwirrung über die Radwegbenutzungspflicht, seit in einigen Straßen die blauen Ragwegschilder demontiert worden sind.

Die Verwirrung mag aus Sicht eines Alltagsradlers erst einmal lächerlich scheinen, ist aber gar nicht mal so ganz unberechtigt: Dem normalen Verkehrsteilnehmer dürften die blauen Zeichen 237, 240 und 241 im Straßenbild überhaupt nicht auffallen, geschweige denn dass er sich einen Reim auf deren Bedeutung machen kann. Radfahrer gehören auf Radwege, wozu wurden die denn sonst gebaut? Verschiedenen Verkehrszählungen zufolge beradeln zwischen 95 und 98 Prozent der Radfahrer weiterhin einen Radweg, nachdem der seine Schilder verloren hat — gleichzeitig neigen allerdings verhältnismäßig viele Kraftfahrer dazu, ihr angestammtes Revier gegen die vermeintlichen zwei bis fünf Prozent der Radfahrer zu verteidigen und die vermeintlichen Eindringlinge mit Belehrungen oder Tätlichkeiten zurück auf den angeblich sicheren Radweg zu befördern.

In der Thudichumstraße verschwanden die Schilder, weil die Straßenverkehrsbehörde offenbar keine Gefahrenlage auf der Fahrbahn erkennen konnte. Andererseits sollen die relativ schmalen Rad- und Gehwege am Straßenrand gerne von so genannten Kampfparkern genutzt worden sein, was sich auf Dauer schlecht mit einer Radwegbenutzungspflicht verträgt.

Der Ortsbeirat will die Schilder aber gerne wieder anschrauben. Die Begründung klingt allerdings ein wenig autozentriert:

Doch der Ortsbeirat 7 möchte die Radwege-Schilder im Hausener Weg und in der Thudichumstraße wieder aufstellen lassen. Die derzeitige Situation gefährde Rad- und Autofahrer, heißt es in einem mit den Stimmen von CDU, „Republikaner“ und einem SPD-Ortsbeirat verabschiedeten Antrag. Denn die Straße sei zu schmal und eigne sich nicht zum Überholen.

Zu deutsch: Weil die Kraftfahrer sich nicht mit den Verkehrsregeln arrangieren wollen, sollen die Radfahrer zurück auf dem Radweg.

Das dürften die Verwaltungsvorschriften, die in dieser Hinsicht ein deutlich größeres Mitspracherecht haben, allerdings ganz anders sehen.

Radfahren im Park: Auf der Suche nach Verkehrsregeln

Die Frankfurter Rundschau war eine ganze Weile damit beschäftigt, in Erfahrung zu bringen, ob Radfahrer in einem Park radeln dürfen oder nicht: Wie auf der Fahrrad-Autobahn

In Frankfurter Parks kommen sich Radfahrer und Fußgänger ins Gehege. Die Stadt duldet das Radfahren in den Grünanlagen. Rasende Radler müssen mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt macht Kontrollen.

Man hätte das alles relativ einfach haben können, indem man einfach einen Blick auf die Beschilderung wirft. Falls man sich damit überfordert sieht, liegt die Telefonnummer des Ordnungsamtes sicherlich irgendwo in der Redaktion herum.

Die Frankfurter Rundschau aber fragt ausgerechnet bei jenen nach, die vermutlich am wenigsten Ahnung haben: Bei den Parkbesuchern. Neun von zwölf Absätzen lang dümpelt der Artikel im Park umher und fragt Fußgänger nach den Verkehrsregeln, die sich aber gar nicht so ganz sicher sind und sich mit Vermutungen und Meinungen aufhalten. Die eigentlichen Problemverursacher bekommt die Rundschau aber nicht zu fassen, weil der Redakteur mit Radfahrern und Joggern, die mit ihrem Tempo Unruhe in den Park bringen, nicht mithalten kann. Das ist schon ein bisschen witzig.

Erst am Ende der Volksbefragung wird aufgelöst: Das Radfahren ist prinzipiell nicht gestattet, an den Eingängen zum Park ist Zeichen 239 aufgestellt, dass die Wege für Fußgänger reserviert. Damit ist die Sache beinahe klar, aber:

„Radfahren in Parks ist nicht grundsätzlich verboten, sagt auch Ralph Rohr, Sprecher des Ordungsamts. Radfahrer müssten Rücksicht nehmen und nicht schneller fahren, als es der Situation angemessen ist. Wenn Radler rasen und Fußgänger gefährden, müssten sie mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt kontrolliere auch in Parks, vor allem, wenn es Beschwerden gebe.

Dass Radfahren im Park geduldet wird geht aus der Beschilderung nun aber nicht hervor, weil das entsprechende Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ offenbar nicht angeschraubt wurde. Dann braucht man sich über Gehweg- und Parkradler aber nicht zu wundern: Wenn das Radfahren in diesem eigentlich den Fußgängern vorbehaltenen Park gestattet ist, kann es ja schließlich auf den genauso beschilderten Gehwegen nicht verboten sein. Und wenn die Schilder so gammelig daherkommen, wie das abgebildete Exemplar, verwundert ohnehin nichts mehr.

Schade, dass die Stadt Frankfurt hier trotz der eindeutigen Beschilderung auf eindeutige Regelungen verzichtet. Mit dieser weichen Auslegung, bei denen auch nur der Extremfall der überhöhten Geschwindigkeit geahndet wird, tut sie weder Fußgängern noch Radfahrern einen Gefallen.

Frankfurts mühsamer Weg zur Fahrradstadt

Der Begriff „Fahrradstadt“ ist so langsam schon negativ behaftet, klingt er doch allzu sehr nach gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Trotzdem will auch Frankfurt unbedingt eine Fahrradstadt werden. Jana Brenner war für die ZEIT in Frankfurt unterwegs: Der mühsame Weg zur Fahrradstadt

Eine Großstadt fahrradfreundlich zu machen, ist eine kleinteilige Arbeit. Denn es fallen immer neue Baustellen an. Eine Radtour durch Frankfurt am Main.

„Die Stadt hat für eine ungefährdete Nutzung des Gehwegs durch Fußgänger zu sorgen“

Ein neues Kapitel in der Geschichte der Kampfradler: Star-Anwalt verklagt Römer wegen Untätigkeit

So eine Überschrift verlangt natürlich nach einer knackigen Einleitung. Wie wäre es da mit ein paar hilflosen Personen, die von bösartigen Kampfradlern bedroht werden?

Blinde, die von Rad-Rambos verängstigt über den Bürgersteig getrieben werden, Kinder die auf Schulwegen von Drahtesel-Rüpeln fast umgefahren werden, Senioren, die von Bike-Rowdys aggressiv vom Trottoir geklingelt werden.

Die Problematik mit den Gehwegradlern wurde hier schon häufig genug besprochen, insofern soll dieses Mal der letzte Absatz genügen:

Hensel verweist auf Kopenhagen, wo es zehnmal mehr Radfahrer gibt, aber nicht solche Probleme: „Ich habe den Eindruck, dass Radfahren in dieser Stadt mehr und mehr als Kampfsport verstanden wird.“

Das mag auch daran liegen, dass das Fahrrad in Kopenhagen als ernsthaftes Verkehrsmittel gilt und nicht wie bislang in Deutschland allenfalls drittklassige Berücksichtigung findet.