Schupelius: Fahrräder runter von der Fahrbahn!

Gunnar Schupelius gehört zu den Menschen, denen man nicht einmal zuhören möchte, nachdem man sie um ihre Meinung gebeten hat. Gunnar Schupelius schreibt, warum, das weiß man nicht so genau, aber er schreibt bei der B.Z. eine Kolumne mit dem Titel „ungerechter Zorn“, der den ganzen Sachverhalt erstaunlich ehrlich klassifiziert. Dummerweise kennt sich Schupelius auch mit Fahrrädern aus, das ist insofern dumm, weil er deshalb darüber schreibt und nun ist er der Meinung: Fahrradständer bitte nicht auf der Straße

Und darunter steht geschrieben:

Gunnar Schupelius meint: Fahrradständer? Ja, aber nicht auf der Straße, wo Autos parken müssen!

Die Argumentation ist schon hinreichend bekannt, normalerweise lautet sie etwas abgeändert: „Fahrradfahrer? Ja, aber nicht auf der Fahrbahn, wo Autos fahren müssen!“ Schupelius ist mit seinen Bemerkungen allerdings reichlich spät, denn schon seit vielen Jahren werden Fahrradständer in Berlin, unter anderem Leihradsysteme, auf die Fahrbahn oder wenigstens auf den Seitenstreifen gebaut. Das lässt sich längst nicht nur gegenüber des Hotel Bogota beobachten, sondern auch in vielen anderen Berliner Straßen. Sogar ganz objektiv und ohne jegliche ideologische Färbung lässt sich dabei erkennen, dass unter anderem befeuert von Leihradsystemen dort, wo bislang ein oder zwei Autos parkten, aus denen insgesamt zwei oder drei Personen stiegen, mittlerweile deutlich mehr Verkehrsteilnehmer ihr Fahrzeug abstellen können, weil ein Fahrrad nunmal deutlich weniger Platz beansprucht als ein Kraftfahrzeug. Und gerade bei Leihradsystemen vervielfacht sich dieser Wert wenigstens in der Theorie, weil gleich danach jemand anderes mit dem Bike weiterfahren könnte und wiederum sofort ein neuer Stellplatz für den nächsten Radfahrer bereitsteht.

Trotzdem lässt sich natürlich darüber diskutieren, ob Radfahrer ihre Drahtesel nicht auf dem Gehweg abstellen sollen, wobei dann wiederum von der Fußgängerseite argumentiert wird, dass für Fahrräder dort gar kein Platz sei. Auch wenn Schupelius bei dem beispielhaft beschriebenen Fahrradständer nun ausgerechnet einen Radweg gefunden haben mag, der Breit genug für eine wie auch immer geartete Aufstellung der Fahrräder ist. Wie gut das klappt lässt sich in Hamburg beobachten — oder eben nicht, denn auch dort bleibt auch auf breiten Gehwegen nach Aufstellung der Leihradsysteme recht wenig Platz für Fußgänger, die insbesondere bei „Gegenverkehr“ nicht selten auf die Fahrbahn ausweichen müssen.

Kraftfahrer leiden zunächst nicht an dieser Problematik, denn abgesehen von wenigen Ausnahmen wird die Fahrbahn für die Aufstellung eines solchen Fahrradständers nicht weiter verengt, es entfallen lediglich einige Parkplätze. Man könnte mit genügend Lust und Zeit sicherlich auch entsprechende Rechnungen aufstellen, dass unterproportional wenig Parkfläche für Fahrräder umgewidmet wird verglichen mit dem rapiden Anstieg des Radverkehrsansteiles.

Man könnte auch weiterhin sachlich über dieses Thema diskutieren, aber dann würde Schupelius seinem Anspruch aus dem Titel nicht gerecht. Vermutlich muss man wissen, dass Schupelius ein erklärter Gegner des unmotorisierten Individualverkehres ist.

Dann erledigt sich das Thema schon ganz von alleine.