Fahrradhelm-Pflicht: Jeder weiß es besser

Die Lübecker Nachrichten berichten über den Fall der in Glücksburg an einer grob verkehrswidrig geöffneten Autotür verunglückten Radfahrerin, die im Zuge des so genannten Fahrradhelm-Urtiels des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes traurige Berühmtheit erlangte: Nach Unfall ohne Helm: Weniger Schadenersatz für Radfahrerin

Sabine Lühr-Tanck war mit dem Rad ohne Helm unterwegs — und stürzte unverschuldet. Jetzt soll sie weniger Schadenersatz erhalten. Der Bundesgerichtshof entscheidet.

Helm-Urteile: Celle widerspricht Schleswig

Man darf es wohl getrost als Paukenschlag bezeichnen, was da gerade durchs Netz rollt. Das Oberlandesgericht Celle entschied vor einigen Tagen: Keine allgemeine Helmtragepflicht für Fahrradfahrer

Kollidiert ein Radfahrer im öffentlichen Straßenverkehr mit einem anderen, sich verkehrswidrig verhaltenden Verkehrsteilnehmer und erleidet er infolge des Sturzes unfallbedingte Kopfverletzungen, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, muss er sich gleichwohl nur in Ausnahmefällen – nämlich wenn er sich als sportlich ambitionierter Fahrer auch außerhalb von Rennsportveranstaltungen besonderen Risiken aussetzt oder infolge seiner persönlichen Disposition, beispielsweise aufgrund von Unerfahrenheit im Umgang mit dem Rad oder den Gefahren des Straßenverkehrs ein gesteigertes Gefährdungspotential besteht – ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms anrechnen lassen (in Abweichung von: OLG Schleswig, Urteil v. 5. Juni 2013 – 7 U 11/12).

In diesem Fall hatte ein Radfahrer im Sommer 2009 eine Radfahrerin überholen wollen, die aber plötzlich nach links in eine Grundstückseinfahrt abbiegen wollte. Beide Verkehrsteilnehmer kollidierten, der Radfahrer erlitt bei dem Zusammenstoß unter anderem schwere Kopfverletzungen. Der Radfahrer stellte daraufhin eine ganze Reihe zivilrechtlicher Ansprüche, die weit über die Behandlungskosten seiner Verletzungen hinausgehen, unter anderem spielen dort noch Arbeiten an einem Bungalow und eine stornierte Urlaubsreise eine Rolle, die er aufgrund des Unfalls nicht durchführen oder antreten konnte.

Das zunächst in erster Instanz zuständige Landgericht hatte dem klagenden Radfahrer eine Mitschuld von 50 Prozent attestiert, da beide Parteien am Unfall und dessen Auswirkungen gleichermaßen beteiligt gewesen wären. Den Umstand, dass er aber trotz seiner recht sportlichen Fahrweise bei einer Geschwindigkeit von 25 bis 30 Kilometern pro Stunde keinen Sturzhelm trug, vergütete das Landgericht mit zusätzlichen 20 Prozent. Die Argumentation gleicht der aus dem bekannten Schleswiger Urteil vom letzten Sommer: Der Helm hätte die Kopfverletzungen nicht verhindert, wohl aber deutlich gemindert, angesichts der sportlichen Fahrweise läge hier eine Sorgfaltspflichtverletzung vor.

Das Urteil des Landgerichts gefiel dem Kläger nicht und er legte Berufung beim Oberlandesgericht Celle ein. Das wiederum ordnete dem fehlenden Helm einen wesentlich geringeren Stellenwert zu und urteile, die beklagte Radfahrerin hafte vollumfänglich für den entstandenen Schaden.

Das Urteil des Oberlandesgerichts ist unter anderem so interessant, weil es sich explizit am Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts abarbeitet und ihm konkret widerspricht, was die im letzten Sommer entstandene Diskussion über eine so genannte „Helmpflicht durch die Hintertür“ noch einmal befeuern dürfte. Umso spannender wird das für den 17. Juni 2014 angesetzte Urteil des Bundesgerichtshofes, das eine gewisse Klarheit und Einheitlichkeit in die Rechtsprechung bringen soll.

Eine ausführliche Besprechung des Urteils des Oberlandesgerichts Celle folgt in den nächsten Tagen.

Fahrradhelm-Urteil: Unverständig oder Unverständlich?

Guido Kleinhubbert berichtet in der morgigen Ausgabe des SPIEGELs auf Seite 42 über das Revisionsverfahren des Fahrradhelm-Urteils vor dem Bundesgerichtshof.

Der Artikel beginnt ganz harmlos mit der Fahrradfahrt zur Arbeit, die an einer grob verkehrswidrig geöffneten Fahrertür eines BMWs ein jähes Ende fand. Ein paar Absätze später versucht Kleinhubbert zu beschreiben, wie die Argumentation des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts funktioniert. Er stellt zunächst fest, dass eine Helmtragequote von vielleicht gerade mal zehn Prozent zunächst einmal kein Indiz dafür wäre, dass ein verständiger Mensch sich beim Radfahren mit einem Helm schütze, wie es das Gericht in seinem Urteil behauptete.

Dieser Argumentation folgte ich auch damals in einem längeren Artikel über die Urteilsbegründung der Schleswiger Richter: Wenn nur zehn Prozent einen Helm tragen, bezeichnet das Gericht neunzig Prozent der Radfahrer offenbar als unverständig und im Grunde genommen auch als verantwortungslos. So einfach ist es jedoch nicht, wie nämlich zahlreiche im Zuge des Urteils veröffentliche Umfragen bewiesen: Zwar fährt nur eine kleine Minderheit mit Kopfschutz, doch beinahe jeder Befragte gab zu Protokoll, dass ein Helm vor schweren Verletzungen schütze und er eigentlich beim Radfahren einen tragen sollte, aus verschiedenen Gründen aber den Griff zum Helm unterließ.

Soll heißen: Ein verständiger Mensch schützt sich durchaus mit einem Fahrradhelm. Und der hier im Blog bereits hinreichend beschriebenen Argumentation über den § 254 BGB kommt es eben zugute, dass ein Fahrradhelm in Deutschland als grundsätzlich anerkanntes Mittel zur Vermeidung schwerer Verletzungen beim Radfahren gilt — auch wenn ihn nur jeder zehnte Radfahrer aufsetzt.

Eine ganz besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club: Einerseits trommelt er aktiv gegen eine Helmpflicht, weil er in dem Zusammenhang einen Rückgang des Radverkehrsanteils befürchtet, andererseits wird er nicht müde zu betonen, Radfahrer sollten sich freiwillig mit einem Helm schützen. Das ist besonders interessant, weil er die verunglückte Radfahrerin in ihrem Verfahren vor dem Bundesgerichtshof unterstützt, aber gleichzeitig hintenrum die eigene Argumentation torpediert.

Leider stellt Kleinhubbert diesen Zusammenhang nicht heraus, sondern greift aus der argumentativen Wunschbox die Fußgänger- und Treppensteiger-Helme heraus, denen er dann glatt ein Viertel seines Artikels spendiert. Aber diese Vergleiche waren, sind und bleiben Unfug, nicht mehr als eine lustige Argumentation, die aber nicht einmal taugt, um das Unverständnis über das Urteil des OLG Schleswig darzustellen. Es mag in Deutschland zwar — noch? — unüblich sein, beim Radfahren einen Helm zu tragen, aber so gut wie jeder Verkehrsteilnehmer ist von dessen Schutz überzeugt.

Man wird im Fachhandel allerdings weder Autobahn-Helme finden noch wird sich jemand zum Lampenwechsel einen Helm aufsetzen: Das ist offenkundig unüblich und jede Umfrage zu diesem Thema wird bezeugen — und das ist eben der Unterschied zum Fahrradhelm — dass niemand bei diesen Tätigkeiten einen Helm für geboten hält. Dass ein Schutzhelm auch beim Autofahren und beim unaufmerksamen Herumwühlen auf dem Dachboden schützen kann, spielt in diesem Zusammenhang leider keine Rolle.

Und in diesem Sinne muss auch kein bei Glatteis gestrauchelter Fußgänger eine Kürzung seiner Forderungen fürchten, weil er keine Protektoren trug, und ein Autofahrer ohne Helm wird ebenfalls kaum in Regress genommen werden. Selbst der Skifahrer ohne Rückenprotektoren dürfte mit seinem angeknacksten Wirbel gute Chancen auf seine Ansprüche haben: Das Tragen von Rückenprotektoren auf der Piste ist eher unüblich. Seinen ungeschützten Kopf sollte er sich allerdings nicht verletzen, denn Skihelme waren schon vor Michael Schumachers Unfall weit verbreitet.

ADFC bringt Helmpflicht-Revision auf den Weg

Schon vor ein paar Tagen meldete der ADFC, dass er die angekündige Revisionsbegründung gegen Helm-Urteil eingereicht hat. Bei dem viel und besonders emotional diskutierten Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes vom Juni dieses Jahres wurde einer verunfallten Radfahrerin eine Mitschuld an ihren Verletzungen angezeigt, weil sie sich nicht wie ein verständiger Mensch mit einem Sturzhelm vor den Gefahren des Radfahrens geschützt hatte. Die Radfahrerin war zuvor über die unachtsam von einer Kraftfahrerin geöffnete Fahrertür gestoßen und anschließend mit dem Hinterkopf auf den Asphalt geprallt.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes wird dabei nicht nur für den gemeinen Alltagsradler äußerst interessant, sondern vor allem auch richtungsweisend für andere Gerichte sein. Zwar wird eine Bestätigung des Urteils des OLG Schleswig noch immer zu keiner gesetzlichen Helmpflicht führen, weil die nur über den normalen Weg der Gesetzgebung implementiert werden kann, aber für Radfahrer wird eine erhebliche Unsicherheit bleiben, bei Unfällen und den aufgrund des fehlenden Helmes nicht geminderten Verletzungen zusammen mit der eigenen Versicherung auf den Behandlungskosten sitzen zu bleiben.

Der ADFC sollte sich im Interesse des eigenen Erfolges erst einmal auf eine groben Argumentationsstrategie im Umgang mit einer eventuellen Helmpflicht einigen. Indem man eine Helmpflicht ablehnt, das Tragen eines Helmes aber empfiehlt — und je nach Ortsverband bei ADFC-geführten Touren auch vorschreibt — verstärkt der Club nur den Eindruck, ein verständiger Mensch schütze sich beim Radfahren mit einem Sturzhelm. Und just über diese Brücke sind auch die Richter des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes im Endeffekt gegangen.

Die Sache mit dem verständigen Menschen lässt sich aber auch andersherum angreifen. Rupert Schubert schreibt beispielsweise in einem Aufsatz über ebenjenes Urteil in der Dezember-Ausgabe des Verkehrsdienstes:

Dass der BGH dieser Rechtsprechung folgt, ist wenig wahrscheinlich. Das OLG Schleswig hat seine Annahme über eine „immer größere Ver­breitung des Tragens eines Sturzhelms im täg­lichen Straßenbild“ weder belegt noch konkreti­siert. Letztlich sind diese Annahmen auch nicht belegbar. Sie werden von der Wirklichkeit viel­ mehr widerlegt.

Mit diesem Punkt wird wohl auch der ADFC argumentieren. Es bleibt also definitiv spannend.

ADFC: Helme empfehlen, aber nicht tragen wollen

Der stern hat letzte Woche ein Interview mit Wilhelm Hörmann, Verkehrsreferent beim ADFC, geführt: Immer schön breitmachen

Radfahrer haben keinen Airbag. Wilhelm Hörmann, Verkehrsreferent beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, erklärt, wieso sich Radfahrer auf den Straßen richtig breitmachen sollen.

So sehr viele Neuigkeiten stehen in dem Artikel gar nicht drin, interessant ist aber mittlerweile diese Aussage:

Also man muss sich nicht bedecken. Aber was sagen Sie: Sollte man einen Helm tragen?

Der ADFC empfiehlt natürlich, einen Helm zu tragen. Er schützt den Kopf. Bei Unfällen kann das lebensrettend sein. Aber was manchmal vergessen wird: Der Helm ist kein Allheilmittel. Und ein Helm verhindert keinen einzigen Unfall. (…)

Das ist durchaus eine problematische Aussage. Natürlich ist es jedem unbenommen, einen Helm zu tragen. Sicherlich gibt es auch hinreichend viele Unfallkonstellationen, in denen sich der Helm mildernd für die weiteren Verletzungen eines Radfahrers auswirkt — das Allheilmittel, da hat Hörmann recht, ist der Helm aber definitiv nicht.

Trotzdem sollte der ADFC vorsichtig sein, einerseits eine Helmpflicht abzulehnen und andererseits das Tragen von Fahrradhelmen zu empfehlen. Das im Sommer heiß diskutierte Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts gründet nämlich über den Umweg des § 254 BGB unter anderem darauf, dass „der normale Radfahrer“ einen Helm trägt und es demnach vernünftig und anerkannt wäre, sich beim Radfahren mit einem Helm zu schützen. Und wenn dann sogar der ADFC das Helmtragen empfiehlt, wie soll dann eigentlich noch die angekündigte Revision vor dem Bundesgerichtshof funktionieren? Ja, wir empfehlen das Tragen eines Fahrradhelmes, aber wir finden nicht, dass das Tragen eines Fahrradhelms vernünftig ist?

Darum hat man sich ja auf der Bundeshauptversammlung des Fahrrad-Clubs vor einigen Wochen auch gegen derartige Empfehlungen ausgesprochen — womöglich mit dem Risiko im Hinterkopf, mit derartiger Argumentation beim Bundesgerichtshof auf die ungeschützte Nase zu fallen.

Siehe auch:

Eitelkeit und Ignoranz: ARD Kontraste über Radfahren ohne Helm

So ein Glück, dass dieser Fernsehbeitrag nur ein paar Minuten dauerte. So ein Pech, dass die Kontraste-Redaktion talentiert genug ist, für einen tendenziösen Beitrag nur ein paar Minuten zu brauchen. Auch mit Sympathien für eine Helmpflicht lässt sich ein hinreichend neutraler Beitrag stricken, der „diese Radfahrer“ nicht mit behandschuhten Fingern und gerümpfter Nase anfasst. Stattdessen wurde etwas in den Äther geblasen, das Radfahrer als störende Minderheit behandelt und den unbehelmten Radfahrern mehr oder weniger direkt Schwachsinn unterstellt.

Den Reaktionen im Netz zu urteilen haben sich nicht nur die fahrradaffinen Radfahrer an den womöglich unbehelmten Kopf gegriffen. Sogar Zuschauer, die nach eigenem Bekunden eher hinter dem Steuerrad anzutreffen sind, monierten die Sachlichkeit des Beitrages — nicht zu unrecht: Würde „der Radfahrer“ gegen einen anderen Vertreter einer Minderheit ersetzt, beispielsweise „den Ausländer“ oder „den Arbeitslosen“, hätte die Kontraste-Redaktion spätestens morgen früh ein dickes Problem. So bleibt allerdings wieder einmal die Überzeugung, mit „diesen Radfahrern“ alles machen zu dürfen.

Immerhin lässt der Rundfunk Berlin-Brandenburg auch kein Zweifel daran, dass ihm an Neutralität nie gelegen war: Umstrittener Freiheitswahn: Radfahrerlobby gegen Helmpflicht

Für Unfallforscher und Ärzte steht seit Jahren fest: Viele schwere Unfälle von Radfahrern wären glimpflicher ausgegangen, hätte der Radler einen Helm getragen. Trotzdem wehrt sich der Lobbyverband ADFC gegen eine Helmpflicht. Kaum ein Politiker hält dagegen, Bundesverkehrsminister Ramsauer setzt auf Freiwilligkeit, der grüne Verkehrsminister Hermann will erstmal eine neue Studie abwarten.

Moment, denkt sich der aufmerksame Radfahrer, da stimmt doch etwas nicht? Stimmt, bis kurz vor der Sendung lautete der Titel noch etwas anders — Spuren davon finden sich noch auf Kontraste-Seite auf facebook, da wird angekündigt:

Ein erster Blick auf unsere Themen morgen Abend: Absurder Freiheitswahn: Radfahrerlobby gegen Helmpflicht // Tatenlose Gewerkschaften: Leiharbeiter als Streikbrecher // Überwachungsskandal: Was darf der Bundesnachrichtendienst? „Kontraste“, am Donnerstag um 21:45 Uhr im Ersten!

Offenbar fiel auch der Redaktion noch auf, die Sache etwas überdreht zu haben und jemand wurde beauftragt, sämtliche Titel auf der eigenen Webseite zu ändern. Nun ist der Freiheitswahn nicht mehr absurd, sondern nur noch umstritten. Das ist, das muss man dem Magazin zugestehen, durchaus keine verkehrte Beschreibung des Sachverhaltes, wenngleich es objektivere Synonyme für den Freiheitswahn gegeben hätte.

Man muss den Beitrag zum Glück nicht anschauen, es gibt auch eine Textfassung — unbedingt besser ist die allerdings nicht.

Das fängt schon mit der Einleitung an. Zugeparkte Schutzstreifen werden da gezeigt, Radfahrer im Seitenspiegel, ein paar Unfälle, aufgelockert mit den Unfallursachen: Vom Auto übersehen, vom Lastkraftwagen überrollt. Das klingt ja bislang so, als müsse primär etwas an der Infrastruktur geändert werden. Heute soll es aber um Fahrradhelme gehen und damit kein falscher Eindruck entsteht, ergänzt der Sprecher: „Aber sie stürzen auch allein oder kollidieren mit anderen Radfahrern.“

Die Dramaturgiekurve verlangt nun nach der Befragung eines Menschen im weißen Kittel, der von der überragenden und nicht anzweifelbaren Wirksamkeit des Fahrradhelmes berichtet. Kontraste fand dafür für diese Rolle Dr. Uli Schmucker aus dem Unfallkrankenhaus Berlin:

Der Fahrradhelm schützt definitiv den Kopf, da gibt es eigentlich keine Diskussion, das ist wissenschaftlich bewiesen, das ist die klinische Erfahrung, die Unfallchirurgen tagtäglich machen.

Ob dieser Worte schreit jeder helmkritische Radfahrer sofort aus, aber genommen sagt Dr. Schmucker ja nichts falsches: Ein Helm schützt. Und da gibt es auch hinreichend viele wissenschaftliche Untersuchungen zu. Und es lässt sich auch nicht in Abrede stellen, dass Unfallchirurgen diese Erfahrung tattäglich machen. Und in der Begründung des Urteils des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes legt ein Sachverständiger dar, dass ein Fahrradhelm just jene aufgetretenen Verletzungen wenigstens gemindert hätte.

Interessanter ist, was Dr. Schmucker nicht sagt. Zum Beispiel, dass ein Helm keineswegs in jeder denkbaren Situation schützt — zum Beispiel dürften die Krafteinwirkungen auf das Gehirn bei den Unfällen, mit denen der Kontrase-Beitrag ausgeschmückt wurde, jenseits jeglicher Kompensationsfähigkeit eines Fahrradhelmes gelegen haben. Wird ein Radfahrer von einem fünfzig Kilometer pro Stunde fahrenden Kraftfahrzeug frontal erfasst, wehrt der Helm vielleicht einige Splitter ab, hält sich ansonsten aber aus dem Unfallgeschehen heraus. Gegen die Reifen von Lastkraftwagen, die gefühlt ständig durchs Bild rollen, kann nicht einmal ein stabiler Motorradhelm etwas ausrichten. Und wenn man mit dem Kopf gegen eine plötzlich geöffnete Autotür knallt, bleibt der Helm eventuell ebenfalls außen vor — darum ging es beim Schleswiger Urteil auch bloß um die Verletzungen, die beim anschließenden Aufprall auf den Boden entstanden sind. Es gibt zu der Wirksamkeit der Fahrradhelme auch eine ganze Reihe unterschiedlicher Studien, von denen allerdings nur die wenigsten von dieser hier so glorifizierend dargestellten Wirksamkeit ausgehen — insofern hätte sich Dr. Schmucker durchaus differenzierter äußern dürfen.

Es kommen zu Wort: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der auf freiwilliges Helmtragen setzt, und ein paar Radlinge, aufgegabelt auf der Straße, von denen die üblichen Argumente zu Protokoll gegeben werden: Doof, hässlich, die Frisur. Übrigens sind das nur die Argumente gegen einen Fahrradhelm, die naturgemäß immer ein bisschen blöd daherkommen. Die Argumente gegen eine Helmpflicht, um die es hier eigentlich geht, lauten etwas anders und gründen vor allem auch auf mehr Substanz, aber danach hat der Redakteur offenbar nicht gefragt. Während noch ein paar Horror-Crashtest-Szenarien eingespielt werden, staunt der Sprecher: „Schockierende Unfallbilder mit Crashtest-Dummys, Aufklärungskampagnen, Appelle an die Vernunft: Dies alles hilft offensichtlich nicht gegen Eitelkeit und Ignoranz.“

Ein bisschen Ignoranz muss sich allerdings auch die Kontraste-Redaktion vorhalten lassen. Einen derartig Pro-Helmpflicht gefärbten Beitrag mit lauter Unfallbildern zu spicken, bei denen ein Helm ohnehin nur eine Nebenrolle gespielt hätte, ist nun auch nicht gerade von Vernunft geprägt. Stattdessen versuchen die Berlin-Brandenburger durchaus geschickt, das Fahrradfahren wieder in die gefährliche Ecke zu rücken, aus der es in den letzten Jahren mit Mühe entkommen ist.

Ausdrücklich gelobt wird Klaus-Peter Hesse aus der Hamburger Bürgerschaft für sein, naja, kompromissloses Eintreten für eine Helmpflicht. Der CDU-Mann sieht die Politik in der Pflicht, endlich einzuschreiten. Hätte die Kontraste-Redaktion auch nur ein entferntes Interesse an einem ausgewogenen Beitrag gehabt, käme spätestens jetzt die Frage: Was kann man denn noch so gegen die Gefahren unternehmen, die es ja nunmal beim Radfahren gibt? Womöglich hätte die Redaktion den Blick über die Bundesgrenzen nach Norden und Westen gewagt und mal geforscht, wie denn da das sichere Radfahren funktioniert, wo nur wenige Radfahrer einen Helm tragen und noch weniger über die Gefährlichkeit des Radfahrens philosophieren. Ein valides, wenn auch immer noch diskutables Ergebnis eines solchen Besuches hätte sein können: Oh, die haben eine tolle Radverkehrsinfrastruktur, da funktioniert das Miteinander auf der Straße, die brauchen keine Helme, in Deutschland gibt es das nicht, es wird auch niemals eine solche Infrastruktur geben, also muss eine Helmpflicht her.

Der Beitrag macht kurz einen Abstecher nach Schleswig, um über das so genannte Fahrradhelm-Urteil zu sprechen, und besucht anschließend den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, den der Sprecher schon beinahe in Anführungszeichen setzt:

Ihr Lobbyverband, der ADFC, will gemeinsam mit der Anwältin bis zum Bundesgerichtshof gehen, um das Urteil der Richter zu kippen. Seine Sprecherin kommt demonstrativ ohne Helm zum Interview, denn ihr Club ist strikt gegen eine gesetzliche Helmpflicht.

Es ist nun wirklich nicht verwunderlich, dass der nicht getragene Helm erwähnt wird. Wenn der Beitrag sich nunmal um den Helm dreht, dann macht man auf den Umstand eben aufmerksam. Bettina Cibulski darf dann berichten, was die Kontraste-Redaktion zuvor nicht herausgefunden hat: Zum Beispiel, dass ein Fahrradhelm eben nur ein Teilaspekt der Sicherheit im Straßenverkehr ist, viel wichtiger aber erst einmal eine vernünftige Verkehrsführung und eine bessere Akzeptanz wäre.

Kontraste gesteht zwar ein, dass die Aussage nicht ganz falsch wäre, zweifelt aber den Nutzen einer besseren Radverkehrsinfrastruktur an und schaut: Ausgerechnet nach Münster. In Münster mögen zwar viele Radfahrer unterwegs sein, eine Glanzleistung dürfte die dortige Radverkehrsinfrastruktur allerdings nicht gerade darstellen. So schwurbelt dann auch die Argumentation im Beitrag lustig hin und her: Erst wird behauptet, eine bessere Infrastruktur bringe keine Verbesserung in die Unfallstatistik, dann geht’s wieder um die rabiaten Autofahrer, die gar nicht so rabiat wären, um dann wieder festzustellen, dass viele Radfahrer auch bei Alleinunfällen verunglücken.

Bei aller Verachtung gegen Radfahrer lässt sich aber nun wirklich nicht unterstellen, die wären einfach zu doof, um nicht vom Sattel zu purzeln: Bei den Alleinunfällen ist zwar kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt, aber meistens eine schlechte Infrastruktur ursächlich. Statt nach Münster hätte man ja nach Kopenhagen fahren können: Dort werden Fahrbahn und Radweg an den Kreuzungen nicht mit zentimeterhohen Kanten getrennt, die optisch hübsch anzusehen, im Regen aber teilweise brandgefährlich sind, es gibt nicht alle paar Meter Pfosten auf den Radwegen, um parkende Kraftfahrzeuge abzuwehren, weil nämlich kaum jemand auf die Idee kommt, dort einen Radweg zuzuparken, und außerdem werden Radwege dort mitunter als Prachtboulevard angelegt und nicht als handtuchbreiter Teerstreifen zwischen das gegossen, was nach dem Bau der extrabreiten Fahrbahn zum Gehweg hin noch übrig bleibt.

Das unterschlägt Kontraste allerdings lieber — und wirft dem ADFC vor, nicht für eine Helmpflicht zu werben, sondern „bemerkenswerte Szenarien“ zu entwerfen. Und diese Argumentationslinie des Beitrages ist langsam wirklich unfassbar frech: Der ADFC lehnt eine Helmpflicht ab, empfiehlt aber explizit das freiwillige Tragen eines Fahrradhelmes — das hat Kontraste nur nicht so richtig mitbekommen. Vermutlich ist der ADFC sogar nicht ganz unschuldig am Schleswiger Fahrradhelm-Urteil, das er nun zu bekämpfen versucht, weil er mit seinen Fahrradhelm-Empfehlungen womöglich dazu beigetragen hat, dass der Helm heutzutage als sinnvolle Schutzausrüstung für Radfahrer gilt.

Und das, was Kontraste als „bemerkenswertes Szenario“ bezeichnet, ist wenigstens wissenschaftlich belegt, anders als etwa die oben gar nicht weiter in Frage gestellte Wirksamkeit des Fahrradhelmes. Mit der Einführung einer Helmpflicht verschwanden in vielen Ländern ganz wesentlich die Radfahrer aus dem alltäglichen Straßenbild. Das will Kontraste allerdings nicht wahrhaben und zieht stattdessen Parallelen zur Gurtpflicht, die zwar ein in solchen Diskussionen gern verwendeter Kunstgriff sind, mit dem eigentlichen Thema allerdings nicht so viel zu tun haben. Das fängt damit an, dass die Wirksamkeit eines Sicherheitsgurtes wissenschaftlich erwiesen ist und er nicht mit den vielen Nachteilen ausgestattet ist, mit denen sich ein Fahrradhelm herumschlagen muss. Den Gurt muss man nicht nach dem Anschließen des Fahrrades überall mitschleppen, er trägt nicht auf, man kann ihn nicht vergessen und vor allem: Es gibt für Autofahrer unter diesem Aspekt keine bessere Alternative.

Der Radverkehr steht in Deutschland auf ausgesprochen wackeligen Beinen, ein Großteil der Verkehrsteilnehmer radelt auch im so genannten Fahrrad-Boom nur an zwei oder drei Sonntagen im Sommer und auch nur wenn es nicht zu heiß und nicht zu kalt und nicht zu windig und nicht zu bewölkt ist: Als Alternative steht in der Regel noch das Auto vor der Tür. Bei der Gurtpflicht gab es dieses Problem nicht, weil die Leute keinesfalls daran dachten, aus Protest gegen den Gurt aufs Rad oder in öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Vor vernichtender Kritik sind noch nicht einmal die erklärten Fahrradhelm-Freunde Christian Carius und Winfried Hermann sicher. Carius wird plötzlich als Vertreter des freiwilligen Helmtragens zitiert, Hermann möchte vor der Einführung einer Helmpflicht erst einmal deren Auswirkungen untersuchen. Offenbar hatte die Kontraste-Redaktion hier arge Mühe, den beiden Politikern nicht einen animierten Weichei-Stempel auf die Stirn zu drücken. Überhaupt wirft diese Stelle Fragen auf: Wollte man die beiden Politiker nun als Wendehälse inszenieren, die ihr Fähnlein im Sturm der Entrüstung gedreht haben? Inwiefern ist es denn sogar für einen Befürworter der Helmpflicht verkehrt, erst einmal deren Auswirkungen zu untersuchen?

Der Beitrag schließt mit den zynischen Worten:

So bleibt dem Fahrradfahrer auch weiterhin die Freiheit, sich seinen Schädel kaputt schlagen zu lassen — Hauptsache, die Frisur sitzt.

Da fällt einem auch einfach nichts mehr zu ein. Kein Wunder, dass dieser so genannte Krieg auf der Straße immer weiter befeuert wird, wenn Radfahrer nicht einmal mehr als Menschen wahrgenommen werden, sondern sorgfältig in der dritten Person verpackt wie idiotische Rowdys dargestellt werden. Bloß gut, dass die Kontraste-Redaktion trotz ihres Talentes, knappe neun Minuten mit einem derartigen Unsinn zu füllen, so weit über die Stränge geschlagen ist, dass noch nicht einmal eingefleischte Fahrrad-Hasser auf diese Propaganda anspringen wollen. Dieses niedrige Niveau ist nicht einmal mehr peinlich, das ist nur noch skandalös.

Immerhin dessen ist sich auch Kontraste sicher:

So kann man das sehen, muss man aber nicht.

Im dazugehörigen Blog geht es derweil heiß her.

Kaum jemand radelt mit Helm

Angesichts des Fahrradhelm-Urteils des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes hat sich DIE ZEIT einmal angesehen, wie es denn um die Einstellung der Deutschen Radfahrer zum Schutzhelm bestellt ist. Ergebnis: Deutsche Radfahrer sind Helmmuffel

Nur 13 Prozent der Radler tragen immer Kopfschutz. Dies ergab eine ZEIT-ONLINE-Umfrage. Bei der Helmpflicht zeigen sich die Deutschen unentschieden.

So ganz ungefähr jeder fünfte Radfahrer radelt demnach mit dem Helm, nicht ganz die Hälfte der Befragten halten trotzdem eine Fahrradhelm-Pflicht für sinnvoll. Und trotz dieser interessanten Kombination halten die Befragten negative Auswirkungen einer Helmpflicht auf den Radverkehrsanteil für unwahrscheinlich.

Schade, dass nicht gefragt wurde, ob womöglich eine bessere Infrastruktur besser zur Vermeidung von Verletzungen taugte als ein Helm, der das Malheur allenfalls mindern, aber nicht verhindern kann.

Winfried Hermann will jetzt die Helmpflicht

Der Baden-Württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann findet Fahrradhelme nicht nur chic, sondern als Schutzmaßnahme beim Radfahren unabdingbar: Verkehrsminister will Helmpflicht für Radfahrer

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat seiner Forderung nach einer Helmpflicht für Fahrradfahrer Nachdruck verliehen.

Schade, dass die Meldung im FOCUS nicht besonders ergiebig ist: Es wäre interessant zu erfahren, ob der Verkehrsminister seit seinem damaligen Interview noch neue Erkenntnisse gewonnen hat.

HUK-Coburg reagiert auf Fahrradhelm-Urteil

Die HUK-Coburg will in ihren Versicherungen künftig das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Landesgerichtes berücksichtigen: HUK kürzt Zahlungen für Fahrradunfälle ohne Helm

Weil sie keinen Helm getragen hat, soll eine verunglückte Fahrradfahrerin für einen Teil ihrer Unfallschäden selbst aufkommen, entschied ein Gericht. Jetzt zieht der erste Versicherer nach – und behält sich vor, in so einem Fall weniger zu bezahlen.

Wenn die Versicherung jetzt pauschal zwanzig Prozent weniger im Schadensfalle anbietet, werden derartige zivilrechtlichen Ansprüche nach einem Unfall künftig wohl noch häufiger vor Gericht verhandelt; schließlich ging es in Schleswig auch um eine Einzelfallentscheidung, der ein Verletzungsmuster zugrunde lag, das von einem Fahrradhelm mutmaßlich hätte gemindert werden können — sozusagen ein Glücksfall für die Versicherung. Prinzipiell macht die HUK-Coburg dabei allerdings nichts verkehrt: Eine Versicherung ist nunmal kein Wohltätigkeitsverein und ist natürlich angehalten, im Interesse ihrer Kunden in solchen Fällen möglichst wenig auszuzahlen.

AXA, R+V-Versicherungen und Ergo halten sich mit einer Meinung noch zurück, unter anderem in Ermangelung einer Helmpflicht in Deutschland: Die Ergo wolle keine Helmpflicht durch die Hintertür einführen.

Noch mehr Meinungen zum Fahrradhelm-Urteil

  • Aus dem Velophil-Blog: Falsches Signal: Mitschuld beim Radfahren ohne Helm

    Erst kürzlich hat sich Verkehrsminister Peter Ramsauer ausdrücklich gegen die Helmpflicht für Radfahrer ausgesprochen. Jetzt versucht das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein sie mit einem Urteil durch die Hintertür einzuführen. Radfahrer tragen bei Unfällen eine Mitschuld, wenn sie ohne Helm unterwegs waren, der ihre Kopfverletzungen gemindert hätte, urteilte am Montag das OLG. Das ist ein falsches Signal an die Rad- und Autofahrer in Deutschland.

  • Noch mal Velophil: Helm, ja bitte, aber nicht immer!

    Ich bin Helmträgerin, meistens – und ich bin gegen die Helmpflicht. Für mich ist das kein Widerspruch. Es gibt Situationen, in denen ich selbstverständlich einen Helm überstreife, aber es gibt ebenso viele Fahrrad-Momente, in denen ich nie auf die Idee käme, einen Helm zu tragen.

  • Die ZEIT schreibt: Richter geben Radlern ohne Helm Unfall-Mitschuld

    Eine Radfahrerin verletzte sich bei einem Unfall am Kopf. Mit Helm wären die Schäden geringer gewesen, urteilte ein Oberlandesgericht – und kürzte das Schmerzensgeld.

  • Rechtsanwalt Thomas Kümmerle schreibt: Helmpflicht für Radler durch die Hintertür?

    Das Schleswig-Holsteinische OLG entschied am gestrigen Tag, dass ein Radfahrer, der im öffentlichen Straßenverkehr mit einem anderen – sich verkehrswidrig verhaltenden – Verkehrsteilnehmer (Kfz; Radfahrer usw.) kollidiert und infolge des unfallbedingten Sturzes Kopfverletzungen erleidet, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, sich grundsätzlich ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms anrechnen lassen müsse. Schon rauscht es durch den Blätterwald, dass damit quasi die Helmpflicht für Radler eingeführt sei.

  • Frank Patalong meint: Radeln auf eigene Gefahr

    Was für ein Aufreger: Ein Gericht in Schleswig-Holstein gab einer Radfahrerin eine Teilschuld an einem Unfall, weil sie keinen Helm trug. Das Urteil ist zwar umstritten, aber nicht ungewöhnlich. Das Eingehen von Risiken wird oft bestraft – auch wenn man dabei kein Recht bricht.

  • Ebenfalls bei SPIEGEL ONLINE: Fahrrad-Club wehrt sich gegen Helm-Urteil

    Der Streit um das Fahrradhelm-Urteil geht weiter. Ein Gericht hatte entschieden, dass Radfahrer ohne Helm eine Mitschuld tragen, wenn sie sich bei einem Unfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer am Kopf verletzen. Gegen diese Rechtsprechung will die Radler-Lobby nun vorgehen.

  • Michael Kleine-Möllhoff schreibt im ADFC-Blog über eine Helmpflicht durch Gerichte?

    Unabhängig von einer grundsätzlichen Diskussion zur Wirksamkeit von Fahrradhelmen ist dieses Urteil bemerkenswert. Durch dieses Urteil wird eine Helmpflicht durch die Hintertür der Rechtsprechung eingeführt. Wer nicht auf seinem Schaden sitzenbleiben will, sollte also immer mit Helm Rad fahren.

  • Ekkart Kleinod meint: Helmpflicht durch die Hintertür – Gedanken zu Fehlurteil und Fahrradhelmen

    Fast jeder hat diese Woche von dem Urteil gehört, dass einer Radfahrerin eine 20%ige Mitschuld an ihrem Unfall gab, weil sie keinen Helm trug. Viele Medien haben berichtet, darunter seriöse wie die Rad-Spannerei und semiseriöse wie das ehemalige Nachrichtenmagazin oder die FAZ.

  • Urteil nicht haltbar: VSF g.e.V. kritisiert OLG scharf
  • Wolfgang A. Leidigkeit schreibt im Versicherungsjournal: Fahrradunfall mit fatalen Folgen

    Erleidet ein Fahrradfahrer, der ohne Helm unterwegs ist, bei einer Kollision mit einem sich verkehrswidrig verhaltenden Verkehrsteilnehmer eine Kopfverletzung, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, so muss er sich grundsätzlich ein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Helms anrechnen lassen. Das hat der 7. Zivilsenat des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts mit Urteil vom 5. Juni 2013 entschieden (Az.: 7 U 11/12).

  • Pressemitteilung des ADFC: Mitverschulden ohne Fahrradhelm: ADFC kritisiert Urteil

    Der ADFC kritisiert ein Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts. Dieses hatte entschieden, dass Radfahrer ohne Helm beim Zusammenstoß mit einem Auto eine Mitschuld tragen, wenn der Helm bei einem Sturz Kopfverletzungen verhindert oder gemindert hätte. Dies gelte auch dann, wenn der Unfallgegner den Unfall allein verursacht hat (Urteil vom 5. Juni 2013; Az. 7 U 11/12).

  • Der VCD meint: Selber-Schuld: Helm-Urteil gibt falsches Signal an Verkehrsteilnehmer

    Unfallvermeidung muss im Vordergrund stehen

  • Gernot Kramper befürchtet: Ohne Helm zum Freiwild erklärt

    Eine achtlos geöffnete Autotür fegt eine Frau vom Rad. Für die Folgen sei sie zum Teil selber schuld, weil sie ohne Helm fuhr, urteilt das Oberlandesgericht Schleswig. So werden Opfer zu Tätern.

  • Aus dem Tagesspiegel: Ohne Kopfschutz wird es oft tödlich

    Helmpflicht oder nicht? Die Diskussion weckt große Emotionen bei Auto- und bei Radfahrern, wie auch an den Kommentaren auf unserer Seite abzulesen ist. Eine gesetzliche Vorschrift wäre fraglos ein großer Eingriff für Radfahrer. Andererseits ist die Schutzwirkung unbestreitbar hoch.

  • Marlene Weiss meint: Helm auf, aber freiwillig

    89 Prozent der deutschen Radler fahren ohne Helm. Das ist ihr gutes Recht. Ob eine Helmpflicht für ein höheres Maß an Verkehrssicherheit sorgt, ist zweifelhaft. Klar ist jedoch: Mehr Sicherheit kann es nur gemeinsam mit den Autofahrern geben.