Fahrradfreundlichkeit: Hamburg auf Platz 13

Hamburger zählen nicht nur zu den glücklichsten Menschen Deutschlands, Hamburger Radfahrer verkehren offenbar in einer relativ fahrradfreundlichen Stadt — das behauptet zumindest copenhagenize.eu. Deren Ranking der fahrradfreundlichsten Städte, bei dem Radverkehrsanteil und -akzeptanz, Sicherheit, Infrastruktur und Planung berücksichtigt wurden, gibt ein ganz überraschendes Ergebnis ab:

  1. Amsterdam (54)
  2. Kopenhagen (52)
  3. Barcelona (45)
  4. Tokyo (41)
  5. Berlin (41)
  6. München (40)
  7. Paris (39)
  8. Montreal (38)
  9. Dublin (37)
  10. Budapest (36)
  11. Portland (36)
  12. Guadalajara (36)
  13. Hamburg (36)
  14. Stockholm (33)
  15. Helsinki (31)
  16. London (31)
  17. San Francisco (30)
  18. Rio de Janeiro (30)
  19. Wien (30)
  20. New York (29)

Dass Amsterdam und Kopenhagen die ersten beiden Plätze einnehmen, ist kaum verwunderlich, herrschen dort doch veloparadisische Zustände. Wie sich aber die folgenden Städte um ihre Platzierung verdient gemacht haben, bleibt leider im Dunkeln. Tokio kommt offenbar ganz ohne Radverkehrsinfrastruktur aus und ist für jeden Radfahrer ein abenteuerliches Erlebnis, Berlin hat zwar einige nette Routen, genießt aber unter Radfahrern nun wirklich keinen guten Ruf, was man wohl auch von München behaupten kann. Warum nun aber gerade Hamburg vor Stockholm, Helsinki und San Francisco auf dem 13 Platz residiert, ist nun vollkommen unklar.

Die teilnehmenden deutschen Städte sind vom Prädikat der Fahrradfreundlichkeit ausreichend weit entfernt, so dass man einigermaßen skeptisch auf das Ranking blicken darf. Deutschland ist und bleibt eine Autonation, in der Fahrräder als Spielzeug angesehen werden und sich die Radverkehrsanlagen nicht sehr viel geben. Insofern ist die Liste immerhin repräsentativ, weil Hamburg ganze sieben Plätze hinter München und Berlin liegt, die beide nicht gerade ein Musterbeispiel einer Fahrradstadt sind, aber laut den dortigen Radfahrern wenigstens den Versuch einer Radverkehrspolitik unternehmen.

In Hamburg versucht man momentan wenigstens mit Schutzstreifen auf der Fahrbahn den Radverkehr zu fördern. Nach der Elbchaussee soll nun auch die Reeperbahn einen solchen Streifen bekommen, wobei allerdings nicht klar wird, ob tatsächlich Schutzstreifen oder um Radfahrstreifen geplant sind. Es bleibt zu hoffen, dass man sich nicht nur darauf beschränkt, in Straßen mit fehlenden Radwegen zum Pinsel zu greifen, sondern vor allem die abertausenden Zeichen 240 abmontiert, die Hamburger Radfahrer abseits der Hauptverkehrsstraßen zum Befahren der meistens engen und unübersichtlichen Sonderwege zwingt. Auf der Fahrbahn darf ein Radfahrer nämlich auch ohne Schutzstreifen rollen, an vielen anderen Straßen wird er auch fast 14 Jahre nach Ende der generellen Radwegbenutzungspflicht auf gefährliche und stellenweise kaum zumutbare Radverkehrsanlagen gezwungen.