Konrad Rothfuchs: „Das Auto macht die Stadt kaputt“

Lektüre zum Frühstück: SPIEGEL ONLINE spricht mit Konrad Rothfuchs, Verkehrsplaner aus Hamburg, über zukünftige Mobilität und die Stadt von morgen: Mobilität der Zukunft: „Das Auto macht die Stadt kaputt“

Das perfekte Auto für die Stadt gibt es nicht. Das sagt der Hamburger Verkehrsplaner Konrad Rothfuchs – und widerspricht damit dem Hersteller BMW, der sein Elektroauto i3 als urbane Revolution preist. Wie sieht dann Mobilität von morgen aus?

Elektroräder sind noch immer keine Todesmaschinen

Es wird einem tatsächlich schon ein bisschen bange, wenn gerade ältere Verkehrsteilnehmer, die aus verschiedenen Gründen das Fahrrad bislang gemieden haben, aufs Elektrorad steigen und plötzlich mit 25 Kilometern pro Stunde oder schneller durch die Gegend sausen, ohne diese Geschwindigkeiten gewohnt zu sein, ohne überhaupt ein vernünftiges Bremsmanöver jenseits der sonst üblichen 15 Kilometer pro Stunde bestanden zu haben.

Glücklicherweise schlägt sich das nicht so drastisch in der Unfallstatistiken nieder wie ein Artikel des Schweizer Tagesanzeigers suggeriert, schreibt Iwan Schenker: Todesfalle E-Bike

Hamburg will Umweltprobleme aussitzen

Hamburg, ehemals Umwelthauptstadt des Jahres, wird die Blechlawinen nicht so recht los. Obwohl die Grenzwerte zuverlässig und in Massen überschritten werden, tut sich die Politik weiterhin schwer, die Luftqualität zu steigern oder das wachsende Verkehrsaufkommen wenigstens ansatzweise zu bändigen. Obwohl ab 2015 unangenehme Bußgelder drohen, versucht Hamburg das Problem auszusitzen — die Hoffnung ist mutmaßlich, dass sich das Problem mit entsprechender Technik, dem elektrischen Antrieb oder umweltfreundlicheren Motoren irgendwann schon selbst lösen wird.

In der taz kommentiert Sven-Michael Veit: Wie der Autokanzler

Bezüglich der Umweltzone hat Olaf Scholz allerdings durchaus recht: es ist nicht unbedingt sinnvoll, eine Umweltzone in eine Innenstadt zu pflanzen, in deren Hafen weiterhin die dicken Kreuzfahrtschiffe in Ermangelung einer Landstromanbindung vor sich hin rußen.

Weniger Verbrennungsmotoren sorgen noch nicht für gute Luft

Umweltzonen und Elektromobile sollen gerne die Luftqualität in den Städten verbessern. Das Aussterben des Verbrennungsmotors wird allerdings noch nicht einmal die Hälfte der Abgase aus den Straßen treiben, denn die andere Hälfte wird von Abrieb oder Aufwirbelungen zurück. Insofern ist die Luftqualität an der Autobahn mitunter besser, weil dort seltener gebremst werden muss, schreibt Sascha Gorhau: Andere Mobilität statt anderer Motoren

Feinstaub verschlechtert die Luftqualität in Innenstädten. Doch Abgase von Fahrzeugen sind nicht hauptsächlich dafür verantwortlich. Eine Abkehr vom Verbrennungsmotor allein löst das Problem nicht, sondern verschiebt es nur.

Mit ein bisschen Arroganz den Berg hinauf

Nach den ersten Fahrversuchen in den Redaktionsfluren der Berliner Zeitung traut sich Stefan Strauß raus auf die Straße: Schnellstart mit Rückenwind

Leicht treten, schnell fahren – was für ein Luxus. Für unsere Serie Radfahren in Berlin haben wir ein E-Bike getestet. Eine Woche lang ist Redakteur Stefan Strauß mit dem Elektrorad durch die Stadt gespurtet. Begeistert von seinem neuen Gefährt war er aber nur am Anfang.

Das Durcheinander bei der Helmpflicht für Elektroräder

Im Zusammenhang mit dem Bundesverkehrsministerium fiel hier schon häufiger der treffende Satz: „Nichts genaues weiß man nicht.“ Man scheiterte kläglich an der 46. Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung, die eigentlich interessante Idee der Wechselkennzeichen wurde von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf eine unbrauchbare Lächerlichkeit zurechtgestutzt und ganz aktuell tat sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vor allem mit seinen anstachelnden Äußerungen zu den so genannten Kampfradlern hervor, anstatt das Klima auf der Straße angesichts der erkannten Probleme zu verbessern oder es denn wenigstens zu versuchen.

Insofern ist es eigentlich kaum der Rede wert, dass das Bundesverkehrsministerium von einer bereits bestehenden Helmpflicht für schnellere elektrisch angetriebene Fahrräder ausgeht: Für schnelle Elektrofahrräder besteht bereits Helmpflicht

Überraschende Wende im Streit um eine Helmpflicht für Radfahrer: Auf leistungsstarken Elektrofahrrädern – sogenannten S-Pedelecs oder E-Bikes – besteht nach Angaben der Bundesregierung bereits jetzt eine Schutzhelmpflicht. Ein üblicher Fahrradhelm genügt laut einer Klarstellung hat das Verkehrsministerium nicht.

Der Witz ist natürlich, dass es mit der Wirksamkeit der Fahrradhelme so eine Sache ist. Man mag darüber streiten, inwiefern nun ein normaler Fahrradhelm bei einem Unfall schützt, interessanterweise ist man sich darüber einig, dass für Geschwindigkeiten jenseits von 25 Kilometern pro Stunde kein wirksamer Fahrradhelm existiert. Das bedeutet, drastisch ausgedrückt, ein tödlicher Unfall jenseits der 45 Kilometer pro Stunde verläuft auch mit Helm höchstwahrscheinlich tödlich, zumal ab einer bestimmten Geschwindigkeit bei bestimmten Unfallhergängen Kopfverletzungen schon beinahe das kleinere Übel sind.

Nun verlangt die Straßenverkehrs-Ordnung in § 21a Abs. 2 StVO einen so genannten „geeigneten Schutzhelm“. Darunter mag man sich alles oder nichts vorstellen, aber ein Fahrradhelm, dessen Fertigkeiten jenseits der 25 Kilometer pro Stunde angezweifelt werden, gehört sicherlich nicht dazu. Ein Schutzhelm für Mofa- oder Motorradfahrer mag zwar einen besseren Schutz bieten, beendet allerdings jede Fahrt nach einigen Kilometern wegen Hitzestau: im Gegensatz zu einem Mofa oder gar Motorrad, bei dem man ohne Probleme ins Schwitzen gerät, ist man auch auf einem elektrisch unterstützen Fahrrad noch kräftig am Strampeln, wobei die Hitze nicht mehr über den Kopf abgeführt werden kann. Weil aber nicht weiter definiert ist, was denn nun ein „geeigneter Schutzhelm“ genau sein soll, könnte man auf die Idee kommen, dass solche Helme aufgrund ebenjenes Problems auch nicht geeignet sind. Elementar ist daher die Frage, wie denn Fahrräder mit elektrischer Unterstützung einzuordnen sind.

Sofern denn eine Helmpflicht für schnelle Elektroräder besteht, gibt es noch keine „geeigneten Schutzhelm“, somit kann § 21a Abs. 2 StVO nicht nachgekommen werden — prinzipiell dürften solche Räder dann nicht bewegt werden, da droht nicht nur ein Bußgeld, es könnte sogar die Weiterfahrt untersagt werden. Vermutlich hat das Bundesverkehrsministerium so weit dann doch nicht mehr gedacht: Diskussion um Helmpflicht für S-Pedelecs

Gibt es eine Helmpflicht für sogenannte S-Pedelecs? Besitzer und Kaufinteressenten sind nach Medienberichten verunsichert.

Es ist eigentlich schon ein kleiner Skandal, den das Bundesverkehrsministerium dort immer wieder vor sich herschiebt. Dass man außerstande ist, eine momentan gültige Straßenverkehrs-Ordnung zu benennen und stattdessen seit über zwei Jahren diese durchaus wichtige Frage zwischen dem Bundesverkehrsministerium und dem Bundesjustizministerium hin und her schiebt und dadurch durchaus für Chaos in den Behörden in im Straßenverkehr sorgt, das lässt sich beinahe noch als politische Posse in einer Bananenrepublik einordnen. Die Sache mit den Kampfradlern hingegen war schon lästiger und definitiv kaum noch als Ausrutscher einzuordnen, denn anstatt wenigstens den ersten Medienberichten und der damit einhergehenden verallgemeindernden Hetze gegen Radfahrer mit klaren Aussagen entgegenzutreten, zogen weitere Institutionen nach und veröffentlichten inhaltlich wertvolle Pressemitteilungen, mit der sich das Klima im Straßenverkehr spürbar verschlechterte.

Auch wenn der Radverkehr nur einen sehr kleinen Teil des politischen Alltages ausmacht, lässt sich schon hier die Überforderung der Politiker erkennen. Vor dem Internet hat man Angst, weil man es nicht einmal ansatzweise versteht und offenbar auch nicht Willens ist, sich wenigstens Grundlagenwissen zu Gemüte zu führen, und versucht diese angebliche Bedrohung mit absurden Forderungen einzudämmen. Der letzte große Schritt in der Radverkehrspolitik war mutmaßlich die Aufhebung der allgemeinen Radwegbenutzungspflicht vor knapp 15 Jahren, als die jahrzehntelange Fehlplanung der Separation offensichtlich wurde und sich die Gefährdung, die mit der Benutzungspflicht auch unzumutbarer Radwege einhergeht, nicht mehr ignorieren ließ. Seitdem lassen großartige Erfolge allerdings auf sich warten. Auch weiterhin tun sich die Behörden mitunter außerordentlich schwer, die Radwegbenutzungspflicht an den skurillsten Radwegen aufzuheben, noch immer werden Radwege gebaut, deren Breite noch nicht einmal an die Mindestvorgaben aus den Vorschriften reichen, noch immer wird der Radverkehr mit unzureichenden Radverkehrsanlagen mehr gefährdet als geschützt.

Angesichts des Booms im Radverkehr in den letzten Monaten hat man in der Politik hingegen keine andere Sorge als eine Fahrradhelmpflicht zu diskutieren. Einen Blick in unsere nördlichen oder westlichen Nachbarländer, wie man dort mit Radverkehrsanteilen jenseits der zwanzig oder dreißig Prozent umgeht und das Fahrrad als umweltfreundliches und schnelles Fortbewegungsmittel etabliert, wagt man nicht. Stattdessen wird der steigende Radverkehrsanteil eingedämmt, indem regelmäßig gegen so genannte Kampfradler durch die Medien getrieben werden.

Das ist alles relativ peinlich.

Genf setzt Elektroautos vor die Tür

Elektroautos auf dem leisen Rückzug

Was ist los mit den Elektroautos? Ein Rückfall in die Anfangstage der Bastler und Tüftler? Auf dem Genfer Salon spielen sie jedenfalls nur noch eine Nebenrolle. Und gleichzeitig muss General Motors beim Elektro-Vorzeigewagen Volt mangels Nachfrage eine Produktionspause einlegen.

Elektromobilität: Nur so sauber wie das Kraftwerk

Schon wieder Elektroautos: SPIEGEL ONLINE untersucht dieses Mal, was schon vor der Fahrt bei einem Elektrokraftfahrzeug zu beachten ist. Insbesondere wird darauf eingegangen, welche Rolle Energie aus fossilen Energieträgern spielt: Alles sauber oder was?

Elektromobilität gilt als Rettung fürs Klima – schließlich entsteht während der Fahrt kein Kohlendioxid. Doch sind Elektroautos auch noch so umweltfreundlich, wenn man keinen Ökostrom tankt? Und was kostet das automobile grüne Gewissen? Ein Faktencheck.

Österreich: Auto nutzen, statt es besitzen

Eine Ende Februar veröffentlichte VCÖ-Studie belegt einen Mobilitätswandel in österreichischen Städten. Dort werden immer mehr Wege zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anstatt mit dem Auto zurückgelegt. Für die Zukunft erkennt die Studie drei Trends:

  1. Die städtische Mobilität wird elektrisch, vom Öffentlichen Verkehr, über E-Fahrräder, E-Mopeds, E-Autos bis zu E-Kleintransportern
  2. Zu Fuß gehen wird eine Renaissance erleben
  3. Auto nutzen, statt es besitzen — Carsharing wird von der Ausnahme zur Normalität