Fahrradhelm: Lebenswichtig auch beim Eislaufen

Pünktlich zum Weihnachtsfest gibt’s Fahrradhelme für Kissinger Erstklässler

Das Gesunde Städtenetzwerk Bad Kissingen hat sich zum Ziel gesetzt, Lebensumfeld und Lebensbedingungen der Bad Kissinger Bürger gesünder zu gestalten und die Stadt nachhaltig zu einem Ort der Gesundheit für alle Bürger zu entwickeln. Auf diesem Weg spiele die Sicherheit und die Gesundheit der jüngsten Kissinger eine wichtige Rolle.

Es soll hier nicht schon wieder eine Fahrradhelm-Diskussion entfacht werden, die gab es in der Vergangenheit schon häufig genug. Bei Kindern hingegen, deren Unfälle eher selten im Zusammenhang mit dem Kraftfahrzeugverkehr stattfinden, sondern die eher selbst vom Rad kippen, mag ein Fahrradhelm noch eine gewisse Schutzwirkung entfalten. Dann verteilt man eben in einer Grundschule neue Fahrradhelme — Warum denn nicht?

Spannend wäre natürlich wieder einmal zu erfahren, ob der Fahrradhelm wohl wieder als Allheilmittel gegen Unfälle im Straßenverkehr verkauft wurde. Im Artikel fällt hingegen auf, dass den Kindern ofenbar ein seltsames Verständnis des Fahrradhelmes nahegelegt wurde. Der Verwendungszweck beschränkt sich fortan nicht mehr nur auf das Radfahren, es wird auch das Tragen auf dem Weihnachtsmarkt empfohlen:

Zur Verdeutlichung hatte der Vorsitzende der Lebenshilfe Bad Kissingen, Wolfgang Rompf, den Kindern vorgespielt, er fahre mit Fahrradhelm auf dem Drahtesel. Allerdings tausche er den Helm auf dem Bad Kissinger Weihnachtsmarkt gegen eine Weihnachtsmütze, was die Kinder als falsch erkannten.

Allerdings ist der Satz ohnehin recht missverständlich — man bekommt gar nicht so richtig raus, was da eigentlich passiert ist. Bleibt zu hoffen, dass die Kinder das besser verstanden haben und nicht mit Fahrradhelm auf dem Weihnachtsmarkt herumrennen — das wäre nämlich dann doch etwas zu viel des Guten.

Dann heißt es:

Wie wichtig Helme für die Gesundheit von Kindern sind, unterstrich auch der Schulleiter der Saaletalschule, Norbert Paul, bei der Adventsfeier seiner Schützlinge. Nicht nur beim Fahrradfahren seien die Schüler Gefahren ausgesetzt. Gerade Stürze während des Schlittschuhlaufens könnten fatale Folgen haben. „Der Sehnerv der Kinder kann abreißen, wenn sie nach hinten fallen und mit dem Kopf auf dem Eis aufschlagen“, beschrieb Paul ein mögliches Szenario.

Nun wird’s ja leider wieder haarig. Zweifelsohne besteht beim Eislaufen eine gewisse Verletzungsgefahr, gerade aufgrund der Glätte, die ja irgendwo auch den Witz der ganze Sache darstellt. Da kann man sich verletzen, natürlich auch am Kopf, soweit, so gut.

Da es in dem Artikel primär um Fahrradhelme ging, kann der Leser natürlich vermuten, Fahrradhelme wären auch beim Eislaufen obligatorisch. Das sieht beispielsweise der ESV Eisenstadt anders:

Kopfbedeckung

(…) Von Helmen wird ebensfalls abgeraten, da diese zusätzlich den natürlichen Gleichgewichtssinn stören. (…)

In einer Pressemitteilung von Große schützen Kleine werden ausdrücklich Skihelme empfohlen: Fahrradhelme böten keine hinreichende Sicherheit bei Stürzen auf dem Hinterkopf. Das dürfte angesichts der Konstruktion handelsüblicher Fahrradhelme nicht verkehrt sein, die sind schließlich auf andere Aufprallrichtungen ausgelegt.

Dass nun gerade ein Riss im Sehnerv die gefährlichste Unfallfolge beim Eislaufen ist, darf durchaus bezweifelt werden: Ansonsten müsste theoretisch auch das Fußballspielen aufgrund dieser Gefahr unterbleiben. Eine Befragung des Internets brachte das Ergebnis, dass ein Reißen des Sehnerves gar nicht so häufig auftritt wie man es angesichts des Artikels erwarten sollte. Es wäre angenehmer, die Empfehlungen zum Fahrradhelm mit nüchterner Risikoabwägung abzugeben, anstatt gleich wieder die unwahrscheinlicheren, aber beeindruckenderen Horrorszenarien abzugeben — ansonsten muss man sich wohl wirklich langsam an Fahrradhelme bei stinknormalen Schulausflügen gewöhnen.