Radfahren: Düsseldorf ist eine Katastrophe

DIE WELT berichtet über die Düsseldorfer Radverkehrsinfrastruktur: „Fahrradroute ist eine Katastrophe“

„Fahrradfahrer-Hölle“, „Flickenteppich“ und „Katastrophe“: Radfahrer, die Grünen und der ADFC kritisieren das schlechte Radwegnetz in Düsseldorf. Doch die Stadt sieht kein akuten Handlungsbedarf.

Die Kritik an der Düsseldorfer Radverkehrspolitik ist allerdings nicht neu, schon im letzten Jahr wurden die Kürzungen beim Radweg-Etat bemängelt: Protest gegen massive Kürzungen bei Radweg-Etat

Acht Seiten gelbe Ampel

In Düsseldorf zeigen die Signalgeber der Fußgängerampeln bekanntlich auch gelbes Licht. Das ist eigentlich nicht ganz so schwer zu erklären — das Düsseldorfer Amt für Verkehrsmanagement schafft es dennoch, ganze acht Seiten mit dem Thema zu füllen: Gelbzeit — Die Sicherheits-Phase an Düsseldorfer Fußgängerampeln

Fahrradfeindliches Düsseldorf

In Düsseldorf gibt es offenbar mehrere Stellen, an denen auf der Fahrbahn radeln darf — und zwar mitten auf der Hauptstraße. Das klingt für den engagierten Radfahrer erst einmal nach einer vernünftigen Strecke zum Radfahren, wenngleich die Lust im stockenden Feierabendverkehr natürlich erheblich leidet und sich auch nicht jeder Radfahrer mit dem Fahrbahnradeln auf der Hauptstraße anfreunden kann. Dann tönt der Nachrichtensprecher aber ganz erstaunt, dass es sich auf dem Gehweg auch nicht besser radelt, denn dort gerät man nicht nur mit den Fußgängern, sondern spätestens an der nächsten Kreuzung auch noch mit dem nächstbesten Kraftfahrzeugführer. Eine besondere Herausforderung ist aber nicht nur in Düsseldorf das Geradeausfahren an einer Kreuzung, bei der es an einer Seite keine Querungsfurt gibt, so dass der Radverkehr an mindestens drei Ampeln warten muss, um sich von Verkehrsinsel zu Verkehrsinsel zu hangeln.

Das führt dazu, dass es sogar einen Stadtplan vom ADFC braucht, auf dem günstige und gefährliche Radverkehrsanlagen eingezeichnet sind. Auf der Karte ist dann auch zu erkennen, dass von einem durchgängigen Wegenetz noch lange nicht die Rede sein kann, wenngleich man sich natürlich schon darüber freut, geeignete Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren zu dürfen. Geplant ist auch die inzwischen beinahe obligatorische Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, die an der Fahrradfreundlichkeit aber nichts ändern wird, ganz im Gegenteil: erfahrungsgemäß bleiben 97 bis 99 Prozent der Radfahrer weiterhin freiwillig auf dem Radweg, so schlecht der auch gebaut sein mag, während die restlichen drei Prozent auf der Fahrbahn von den Autofahrern bedrängt werden, weil es doch auf einen perfekt ausgebauten Radweg gebe.

Die Stadt sieht sich aber schon heute als fahrradfreundlich und bezeichnet ihre Radverkehrsinfrastruktur allen ernstes als „sehr gut“. Mutige Worte soweit, denn schon ein vorsichtiger Blick auf die Infrastruktur lässt erahnen, dass sich dort allenfalls jene Radfahrer wohlfühlen, die um jeden Preis die Fahrbahn meiden und stattdessen auch noch den allerschlechtesten Radweg für eine gelungene Infrastruktur halten.

Die Düsseldorfer Lokalzeit hat sich an dem Thema versucht: Fahrradfeindliches Düsseldorf?

Wie zufälliges Konfetti seien kurze Teilstücke und Radspuren über das ganze Stadtgebiet verteilt – so urteilt der ADFC über die Radwege in Düsseldorf. Doch ist das alleine ein Beleg für die Fahrrad-Feindlichkeit Düsseldorfs? Die Stadt sieht das anders.