Delmenhorst: Ampel-Spiegel-Experiment erfolglos beendet

Im Kampf gegen den so genannten Toten Winkel gelten konvexe Spiegel an den Ampeln als eine Möglichkeit, tödliche Unfälle zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und Radfahrern zu verhindern. Die Idee klingt erstmal gut, doch bleibt die Frage, ob so etwas auch im Automobilland Deutschland funktioniert.

Die banalste Feststellung zuerst: In so einem Spiegel kann man nur etwas sehen, wenn man auch hinguckt. Abgesehen von Lastkraftwagen-Fahrern, deren Sicht an der roten Ampel in den fraglichen Bereich eingeschränkt ist, bringen es auch Personenkraftwagen-Fahrer immer wieder fertig, ohne Schulterblick abzubiegen, obschon der tote Winkel bei normalen Kraftfahrzeugen sehr viel kleiner und besser zu handhaben ist. Und man muss nicht nur hingucken, sondern das gesehene auch noch verarbeiten und wahrnehmen: Es gibt schließlich auch Verkehrsteilnehmer, die ein Hindernis sehen, aber trotzdem dagegen oder wenigstens darüber fahren, weil das Gehirn gerade mit etwas anderem beschäftigt war als mit der Mustererkennung in den vom Auge gelieferten Bildern.

Außerdem zeigt auch ein konvexer Spiegel nur einen bestimmten Bereich an, der aufgrund der vom eigentlichen Signalgeber beschränkten Größe des Spiegels auch nur in einem bestimmten Bereich vor der Kreuzung sinnvoll zu erkennen ist. Fährt man hingegen bei grünem Licht auf die Kreuzung zu und biegt ohne anzuhalten ab, dürfte auch der Ampel-Spiegel relativ wenig bringen, weil der bezüglich des toten Winkels interessante Bereich nur einen kurzen Moment lang zu sehen ist, bevor der Spiegel aufgrund des Blickwinkels wieder irrelevante Sachen reflektiert — und damit nicht genug: In diesem kurzen Moment muss sich auch der Radfahrer im fraglichen Bereich befinden.

Das eigentliche Problem dieser Spiegel ist aber etwas anderes: Bei bestimmten Temperaturen beschlagen sie und nach Vandalismus-Attacken sind die Spiegel blind oder wenigstens so weit verstellt, dass sie den fraglichen Toten Winkel nicht mehr anzeigen: Nach Testphase: Spiegel müssen weichen

Seit April dieses Jahres hat die Stadt Delmenhorst sogenannte Ampelspiegel getestet, mit denen Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer einen besseren Blick in den toten Winkel haben sollen. Doch die Idee, die Radfahrer auf diese Weise zu schützen, wurde jetzt beerdigt. Die Spiegel werden Anfang kommenden Jahres abmontiert.