GAL: Busbeschleunigung ist Autobeschleunigung

Mit der Busbeschleunigung im Hamburger Bereich wird niemand so richtig glücklich, weder die Autofahrer noch die Busfahrer oder wenigstens die Fahrgäste. Als problematisch gilt in Hamburg, dass exklusive Busspuren für alle Kraftfahrzeuge freigegeben werden sollen: Bürgerschaft beschließt Busbeschleunigung – GAL kritisiert die Pläne

Wie die Busbeschleunigung den Verkehr ausbremst

Das war wohl nichts: Mit der Busbeschleunigung an lichtzeichengeregelten Kreuzungen sollte die Fahrtzeit mit dem öffentlichen Nahverkehr um ganze zwanzig Prozent reduziert werden. Tatsächlich verkürzt sich die Fahrzeit aber nur um acht Prozent, der motorisierte Individualverkehr hingegen braucht ganze vierzig Prozent länger und das ganze geht natürlich zu Lasten der Fußgänger und Radfahrer; das hat zumindest eine Untersuchung ergeben: Busbeschleunigung: Experte bezweifelt Senatskonzept

Das Ergebnis ist aus Hamburger Sicht ernüchternd: Auch wenn öffentliche Verkehrsmittel konsequent Vorrecht erhalten, kann die Fahrzeit durchschnittlich nur um rund acht Prozent verkürzt werden. Ziel des Senates sind eigentlich bis zu 20 Prozent. (…) Friedrich weist zudem darauf hin, dass der Autoverkehr um bis zu 40 Prozent langsamer vorankommt, wenn Busse an Ampeln klar im Vorteil sind. Und auch Radfahrer und Fußgänger müssten laut einer Untersuchung in sechs Großstädten teilweise „inakzeptabel lange Wartezeiten“ in Kauf nehmen.

Ob die Busbeschleunigung unter diesen Voraussetzungen noch sinnvoll ist, mag jeder selbst beurteilen. Immerhin hatte Wolf Wegener mit seinen Thesen gar nicht so sehr unrecht.

Relativ peinlich auch für Hamburgs Nachbarstadt Wedel: dort wurden in den letzten Wochen die Lichtzeichenanlagen entsprechend umgerüstet. Obwohl die Busbeschleunigung dort noch gar nicht in Betrieb ist, haben die geänderten Ampelphasen bereits jetzt Auswirkungen auf Radfahrer, denn die Lichtzeichenanlagen schalten nur noch nach Bedarf, wenn sich ein Kraftfahrzeug auf der Induktionsschleife bemerkbar macht — und keine der Schleifen reagiert auf Radfahrer. In den späten Abendstunden können allenfalls ganz geduldige und regeltreue Radfahrer der freundlichen Bitte widerstehen, doch gerne bei Rot über die Kreuzung zu fahren.