Rüpel-Radler auf Zebrastreifen: Alles falsch

Tipp zur Morgenlektüre: Andrea Reidl vom Velophil-Blog hat sich ebenfalls an der ACE-Studie abgearbeitet: “Rüpel-Radler”: ACE verbreitet falsche Info zur Zebrastreifen-Nutzung

Als Ergebnis einer neuen Studie beschreibt der Auto Club Europa (ACE) Fahrradfahrer als “Zebrastreifen-Muffel” und “Rüpel-Radler”, weil sie angeblich die Regeln nicht beachteten. Dieses Fazit ist erstaunlich und teilweise falsch.

Zeitungsberichte werden immer dreister!

Erinnert sich noch jemand an diesen Beitrag, mit dem dieses Weblog vor über zwei Jahren Fahrt aufnahm? Die Kollegen drüben vom BILDblog streckten damals den Radverkehrspolitik-Server im Handumdrehen nieder, nachdem der Beitrag in der Sechs-vor-neun-Reihe erwähnt wurde. BILD war schon immer für eine Story gut — jede Wahrheit braucht jemanden, der sie ausspricht, sagt man nicht so, das war damals allerdings nicht BILD.

Pünktlich zum 11. November titelt BILD: Rüpel-Radler werden immer dreister!

Zebrastreifen werden mehr und mehr zum Brennpunkt für Verkehrsvergehen in Deutschland!

BILD beklagt:

  • Im Schnitt missachtet jeder zweite Radfahrer (57 Prozent) das Haltegebot an Zebrastreifen, wenn dort Fußgänger unterwegs sind.

Es finden sich leider keine genaueren Informationen, ab wann für die von der BILD zitierten Untersuchung der Schutz des Fußgängerüberweges als verletzt betrachtet wird. Bei ähnlichen, allerdings nie ernsthaft publizierten Untersuchungen galt es allerdings schon als ordnungswidriges Verhalten, mit halbwegs angemessener Geschwindigkeit vor oder hinter einem Fußgänger den Fußgängerüberweg zu queren, was aufgrund der genügsameren Breite eines Fahrrades gegenüber eines Kraftfahrzeug auch deutlich besser und gefahrloser funktioniert.

Das senkrechte Queren eines Fußgängerüberweges, auf dem sich gerade Fußgänger befinden, ist nach strenger Auslegung der Straßenverkehrs-Ordnung nicht einmal verboten — § 26 Abs. 1 StVO sagt:

An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den zu Fuß Gehenden sowie Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.

Ein Radfahrer kann einem Fußgänger das Überqueren des Fußgängerüberweges ermöglichen und trotzdem vor oder hinter ihm den Fußgängerüberweg überfahren. Das von Bild zitierte Haltgebot existiert noch nicht einmal, denn § 26 Abs. 1 StVO verlangt nur in einem mit Semikolon abgetrennter Nebensatz des letzten Satzes Fußgängern das Überqueren zu ermöglichen — und dem Anspruch ist hoffentlich genüge getan, sofern man den Fußgänger nicht über den Haufen radelt, behindert oder gefährdet. Für Fußgänger ist es natürlich angenehmer, wenn jegliche wartepflichtige Verkehrsteilnehmer sie ganz in Ruhe queren lassen: Dann muss man sich keine Gedanken machen, ob da gerade ein Kampfradler naht und im Zentimeterabstand vor den Zehenspitzen entlangdüst oder ob der Kraftfahrzeugfürer seine Flugbahn tatsächlich so genau berechnet hat, dass es noch irgendwie gerade so passt.

Es steht zwar leider außer Frage, dass manche Radfahrer ihre Probleme mit den Rechten eines Fußgängers am Fußgängerüberweg haben, allerdings dürfte frei nach empirischen Beobachtungen die Angabe von 57 Prozent zu hoch angesetzt sein. Meistens klappt das Zusammenspiel von Radfahrern und Fußgängern trotz jeglicher Untersuchungen und Zeitungsberichte noch besser als zwischen Fußgängern und Kraftfahrern.

Dem zweiten Punkt fehlt nur noch der Griff zum Wegwerfen:

  • Zwei Drittel (68 %) der Radfahrer steigen beim Queren von Zebrastreifen nicht wie vorgeschrieben ab, sondern fahren verbotenerweise zur anderen Straßenseite und bedrängen dabei Fußgänger.

Das hat BILD schon vor zwei Jahren nicht kapiert: Das Absteigen am Fußgängerüberweg ist für Radfahrer nicht vorgeschrieben. Solange keine anderen Ordnungswidrigkeiten entgegenstehen, beispielsweise Gehwegradelei oder Verkehrsverbote, dürfen Radfahrer auf Fußgängerüberwegen hin- und herradeln bis die Reifen verschlissen sind. § 26 Abs. 1 StVO sieht allerdings vor, dass Kraftfahrzeuge Fahrzeuge nur für Fußgänger anhalten das Überqueren ermöglichen müssen, Radfahrer genießen diesen Schutz nicht. Das ist, auch wenn das am Stammtisch häufig missverstanden wird, allerdings noch kein Freibrief, plötzlich querende Radfahrer einfach über den Haufen zu fahren. Interessanter wäre es zu erfahren, wie viele Radfahrer denn tatsächlich zuvor ordnungswidrig auf dem Gehweg oder auf der falschen Straßenseite unterwegs waren.

ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner: „Die Verkehrsmoral gerät unter die Räder. Weg-hier-jetzt-komm-ich, das ist das Motto aggressiver Rüpel-Radler.“

Die Weg-hier-jetzt-komm-ich-Mentalität kann man als Radfahrer allerdings gleich an den nächststärkeren Verkehrsteilnehmer weitergeben: Einige Kraftfahrer sind auch nicht gerade zimperlich, den aufgrund des größeren Fahrzeuges erwarteten Mehrwert auf der Straße mit Gewalt durchzusetzen. Beide Male treten allerdings zum Glück nur ein paar Prozent der Verkehrsgruppe als Kampfradler oder -kraftfahrzeugführer auf, insofern ist Hillgärtners Zitat eigentlich gar nicht so verkehrt, beschränkt er sich doch auf ebenjene paar Prozent. Nein, das soll wirklich nicht der Versuch sein, so genannte Kampfradler von jeglicher Schuld reinzuwaschen, nein, aber es ist eigentlich nicht angemessen, nun ausgerechnet die Radfahrer als Reinkarnation des Bösen darzustellen.

BILD offenbart seinen Versuch der unangemessenen Schuldzuweisung im restlichen Teil des Artikels, in dem der Leser mit relativ lose zusammengestellten Zahlen eingedeckt wird. Dass es sich hier um eine Unfallstatistik handelt, in der längst nicht nur von Radfahrern verursachte Unfälle einfließen, sondern auch der deutlich größere Anteil der von Kraftfahrern angerichteten Schäden, fällt manchem Leser offenbar erst auf dem zweiten Blick auf.

Für noch mehr Stimmungsmache sei der Blick in die Kommentare drüben bei BILD empfohlen. Dort geht’s wie jedes Mal beim Reizbegriff des Kampfradlers heiß her.

SOLCHE BILD-Berichte müssen endlich verschwinden

Hetze gegen Radfahrer lässt sich in ein paar Minuten am Redaktionscomputer zusammenklicken, da ist nicht mal eine nennenswerte Qualifikation nötig: SOLCHE Rüpel-Radler müssen bald mehr zahlen!

Die Drohung ist ernstzunehmen:

BILD.de zeigt Alltagsfälle von „Radeln brutal“

(…)

Sie fahren gerne Fahrrad? Aber hoffentlich nicht SO!
Verkehrsrüpel sind in allen deutschen Städten ein Problem. BILD.DE zeigt echte Alltagsfälle von „Radeln brutal“!

Es scheint allerdings unerwartete Komplikationen gegeben zu haben, die versprochenen Alltagsfälle vorzustellen. Gefunden hat die Redaktion nur drei Fotos: Das erste zeigt einen „OHNE-LICHT-FAHRER“, okay, den kann man anhalten. Der zweite Radfahrer fährt sogar auf dem Radweg, auf dessen Benutzung BILD traditionell viel Wert legt, und lässt ansonsten nicht viele Anhaltspunkte für Bußgelder offen, zumindest geht aus dem Foto nicht hervor, warum er nun mit seinem Leihrad vom der Ordnungsmacht angehalten wird. Das dritte Foto ist durchaus spektakulär und zeigt einen „Rad-Rüpel“ in Richtung Asphalt fliegend, nachdem er offenbar von einem Polizeibeamten beim Versuch, eine Polizeisperre zu durchbrechen, vom Rad gerissen wurde — sicherlich rüpelhaft, aber keineswegs alltäglich.

So richtig geklappt hat es mit der Hetze dieses Mal nicht: Es bleibt beim misslungenen Versuch.

Der Fahrradfahrer-Troll-Reflex

Von den Artikeln der BILD kann man halten was man will, von Pedelecs sowieso und so genannte Klickstrecken sind zur Informationsgewinnung ohnehin eher schwer zu genießen. Interessant ist aber der übliche Reflex einiger Mitglieder der autofahrenden Fraktion, bei deren Kommentaren man eigentlich Bingo spielen müsste. Heute dauerte es bei der BILD allerdings sogar ein paar Stunden bis zu den ersten Weisheiten:

Der Gestzgeber ist aufgefordert endlich zu handeln. Helmpflicht, Versicherung, Kennzeichen und Bußgelder wie für Kraftfahrer für alle Radfahrer!!!

Über die Helmpflicht wurde hier schon hinreichend diskutiert und über Kennzeichen sowieso. Die Bußgelder könnten sicherlich eine Anpassung vertragen, das Radfahren auf Gehwegen oder linken Radwegen ist offenbar noch immer finanziell attraktiv, doch wird nunmal von der Gefährdung eines Verkehrsverstoßes ausgehend das Bußgeld belegt. Darum kostet die Missachtung einer roten Ampel mit dem Auto, das sehr viel höhere Schäden anrichten kann, doppelt so viel wie mit dem Fahrrad, das eigentlich nur für ein paar Dellen am gegnerischen Fahrzeug sorgt, wenngleich sich der Radfahrer mitunter in erhebliche Gefahr bringt. Die Eigengefährdung würdigt der Gesetzgeber jedoch so wenig, dass für Fußgänger das Überqueren einer roten Fußgängerampel nur lächerliche fünf Euro kostet. Aus ähnlichen Gründen übrigens kommt bei Fahrradunfällen die Privathaftpflichtversicherung auf — bei Kraftfahrzeugen hingegen ist allein die Betriebsgefahr so groß, dass eine zusätzliche Versicherung notwendig ist.

Gottseidank muss auf solche Kommentare überhaupt nicht mehr eingegangen werden, denn der Autor beendete seine Forderungen mit den drei Ausrufezeichen, dem international gültigen Kennzeichen für einen Forentroll — oder einen hinreichend frustrierten Autofahrer.

Was dürfen Autofahrer sich alles erlauben?

Radler gegen Autofahrer — der tägliche Kleinkrieg nervt beide Seiten. Fahrradfahrer fragen sich: Dürfen die sich eigentlich alles erlauben?

BILD versucht nach eigenen Angaben aufzuklären — und scheitert wie erwartet. Der Artikel macht freilich auch nicht den Eindruck eines Versuches, sich dem Thema Radverkehr auf eine recherchierte und wohlüberlegte Art zu nähern. Mutmaßlich war hier der berühmte Praktikant im Einsatz, der mit wenig Mühe und noch weniger Fachkenntnissen eine kurze Klickstrecke gebastelt hat. Schon die erste Information ist reichlich misslungen:

Wann darf ein Radfahrer überhaupt auf der Straße fahren?
Ist ein Radweg vorhanden, müssen Radfahrer ihn benutzen. Wer trotzdem auf der Straße fährt, riskiert 15 Euro Strafe. Wer andere dabei behindert, zahlt 20 Euro.

Die versuchte Abhandlung über die geltende Rechtslage disqualifiziert sich schon in Ermangelung von Fachbegriffen. Sofern ein Radfahrer nicht gerade durch einen Park oder einen Fluss fährt, benutzt er ohnehin die Straße, denn zu ihr gehört nicht nur die eigentliche Fahrbahn, die umgangssprachlich als ebenjene Straße bezeichnet wird, sondern auch Seitenstreifen und Sonderwege, also auch Rad- und Gehwege.

Abgesehen davon muss ein Radfahrer längst nicht jeden vorhandenen Radweg benutzen, sondern lediglich benutzungspflichtige Radwege, also jene, die mit Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 gekennzeichnet sind. Bei allen anderen Wegen handelt es sich lediglich um so genannte „Andere Radwege“, deren Benutzung im Allgemeinen nicht zu empfehlen ist. Die Probleme beginnen bereits mit deren Erkennbarkeit, denn ohne die blauen Verkehrsschilder muss ein solcher Radweg erst einmal gefunden werden. Bei den schwarzen Teerstreifen, die sich in vielen Städten zwischen Gehweg und Fahrbahn entlangschlängeln, handelt es sich freilich um leicht erkennbare Andere Radwege.

Leider ist längst nicht jeder Anderer Radweg so leicht zu erkennen, besonders wenn sich Rad- und Gehweg nur durch die Art oder Farbe der Pflasterung unterscheiden, wobei es nicht nur zwischen verschiedenen Städten, sondern bereits von Straße zu Straße variierende Farben und Muster gibt. Mancherorts wird sogar nur eine schmale Fuge oder ein dünner weißer Strich eingesetzt, um einen Anderen Radweg abzugrenzen. Solche Anderen Radwege werden zum Problem, sobald es zu einem Unfall, im schlimmeren Falle sogar zu einer Kollision mit einem Fußgänger kommt, die gerade bei schlecht erkennbaren Radwegen wahrscheinlicher werden — in solchen Fällen wurde schon so mancher Radfahrer belehrt, dass jene Fläche, die er jahrelang für einen Radweg hielt, in Wirklichkeit nur ein Gehweg ist, den er gar nicht hätte befahren dürfen.

Das größte Problem der Radwege soll dabei nicht unerwähnt bleiben: es gibt kaum einen Radweg, der wirklich den Anforderungen entspricht und angenehm zu befahren ist. Fußgänger, Mülltonnen, Verkehrsschilder, öffnende Autotüren, parkende Fahrzeuge blockieren den Radweg, er wird von Baumwurzeln aufgebrochen, an jeder Einfahrt abgesenkt, mit unebenen Gullideckeln verziert, im Winter nicht geräumt, im Herbst nicht vom Laub gereinigt und im Frühjahr nicht von Schlaglöchern befreit und im Sommer, ja, im Sommer sind dort die sonntäglichen Geisterradler unterwegs. Ein benutzungspflichtiger Radweg wird in solchen Fällen unbenutzbar, so dass Radfahrer die Fahrbahn nutzen dürfen. Übrigens darf ein benutzungspflichtiger Radweg auch verlassen werden, wenn nicht ersichtlich ist, dass er zum eigentlichen Ziel führt, wenn er nicht straßenbegleitend geführt wird oder Radfahrer an Kreuzungen direktes Linksabbiegen praktizieren wollen.

Im Zweifelsfall und abseits der blauen Fahrradschilder sollten Radfahrer auf jeden Fall die Fahrbahn benutzen. Autofahrer haben dafür in der Regel wenig Verständnis — und es ist davon auszugehen, dass das Miteinander zwischen Zwei- und Vierradführern nach solchen Artikeln für ein paar Wochen ganz besonders gestört wird, wenn Kraftfahrzeugführer von solchem Unsinn ermutigt mit Hupe und Scheibenwaschanlage zur Selbstjustiz greifen.

Abzuraten ist übrigens in jedem Fall von so genannten freigegebenen Gehwegen. Auf solchen Wegen dürfen Fahrradfahrer nur mit Schrittgeschwindigkeit bewegt fahren und haben im Falle eines Unfalls beinahe immer das Nachsehen. Es gibt in der Regel keinen vernünftigen Grund, als Radfahrer solche Wege zu nutzen.

Der nächste Unfug wartet nur drei Mausklicks entfernt:

Haben Radfahrer Vorrechte am Zebrastreifen?
Nicht wenn sie über den Zebrastriefen radeln. Sie müssen absteigen.

Auch das Thema Fußgängerüberwege und Radfahrer ist in zwei Sätzen längst nicht zu bewältigen. Richtig ist: Radfahrer haben keinen Vorrang am Fußgängerüberweg. Falsch ist: Radfahrer müssen absteigen. Tatsächlich dürfen Radfahrer den Zebrastreifen benutzen, um die Fahrbahn zu überqueren, sie haben dabei bloß keinen Vorrang. Sie können sich beim Warten auch an einem Laternenpfahl oder am Pfahl des Zeichen 350 festhalten — wenn sie nämlich absteigen, hat das einen ganz anderen Effekt, dann werden sie zum Fußgänger und bekommen im Handumdrehen den zuvor verwehrten Vorrang. Das bringt allerdings sogar der ADAC gerne durcheinander.

Nun gibt es in der Praxis nur wenig Fälle, in denen Radfahrer überhaupt in die Verlegenheit kommen, einen Fußgängerüberweg zu benutzen, sofern nicht vorher verbotswidrig der Gehweg befahren wurde oder entgegen der Vorschriften ein Radweg längs über den Fußgängerüberweg geführt wird. Solche Fälle bedürfen einer separaten Untersuchung.

Sofern der Radverkehr nicht ohnehin auf der Fahrbahn geführt wird, sollte parallel zum Fußgängerüberweg eine Radfahrerfurt eingerichtet werden. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Hier haben Radfahrer in jeder Situation Vorrang, denn der Radweg wird auf der Seite der Sparkasse straßenbegleitend zu einer Vorfahrtstraße geführt, das rote Auto muss also jegliche Radfahrer durchlassen. Sofern das graue Auto jetzt nach rechts in die Straße abbiegen würde, müsste es ebenfalls Radfahrer passieren lassen, denn beim Abbiegen muss in einer solchen Situation ohnehin Vorrang gewährt werden. Radfahrer bekommen also keinen Vorrang aufgrund eines Fußgängerüberweges, verlieren ihn jedoch auch nicht. Aufgrund der verkürzten Darstellung der BILD wären in nächster Zeit beinahe häufigere Unfälle an solchen Punkten zu erwarten.

Interessant sind auf jeden Fall noch die zum Artikel gehörigen Kommentare, bei denen man nicht genau weiß, ob sie den Durchschnitt der BILD-Leser oder den Durchschnitt der deutschen Autofahrer widerspiegeln. Dort wird, bestärkt durch die Falschinformationen im Artikel, so kräftig über Radfahrer hergezogen, dass ein Anstieg der Unfallzahlen in den nächsten Wochen tatsächlich unvermeidbar erscheint. Gerade der Radfahrer auf der Fahrbahn, der dort gerne als „fettleibiger Jan Ullrich“ dargestellt wird, scheint das größte Feindbild der deutschen Autofahrer zu sein, dem es mit Hupe und Scheibenwaschanlage zu begegnen gilt. Andere Autofahrer stellen fest, dass eine Unbenutzbarkeit eines Radweges ohnehin nicht gegeben sei und Radfahrer sowieso auf Radwegen viel besser aufgehoben seien. Außerdem sei es eine Frechheit, dass Radwege nicht benutzt werden, wenn doch zuvor mit Milliardensummen und viel Arbeit extra ein solcher Weg hergerichtet wurde — und wozu habe man den schließlich gebaut, wenn nicht für die Sicherheit?

Wenn ich so einen „Jan Ullrich“ für Arme sehe .. die benehmen sich so als ob es keinerlei Gesetze / Regeln für sie gäbe.
ich plädiere für eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder und drastische Strafen

Ob eine Kennzeichenpflicht, die ständig von Autofahrern gefordert wird, tatsächlich etwas bringt darf wohl bezweifelt werden. Kraftfahrzeuge fahren schon seit Jahrzehnten mit Kennzeichen, vom Drängeln auf der Autobahn oder dem Gasgeben bei gelber Ampel hält das offenbar nur wenige ab. Allerdings könnte man auch für solche Vergehen die Bußgeldsätze etwas anziehen: 35 Euro für eine innerörtliche Geschwindigkeitsüberschreitung von zwanzig Kilometern pro Stunde sind ja beinahe lächerlich.

Ich finde es schlimm dass sich viele Fahrradfahrer das Recht nehmen zu fahren wo sie wollen.Bei uns wurden für viele Millionen Radwege gebaut,doch werden sie einfach ignoriert da manchmal ein kleiner Umweg gefahren werden muß.

Gut gemeint ist nunmal das Gegenteil von gut gemacht. In den seltensten Fällen genügt ein Radweg den baulichen Mindestvorgaben und stellt tatsächlich eher eine Gängelung als eine Erleichterung des Radverkehrs dar. Und so lange selbst benutzungspflichtige Radwege verlassen werden dürfen ist das vollkommen legitim. Der „kleine Umweg“ tritt besonders häufig bei großen Kreuzungen in Großstädten auf, wenn zum Linksabbiegen mehrere einzelne Ampeln überquert werden müssen. Da liegt es natürlich nahe, sich zum schnellen Linksabbiegen auf der Fahrbahn einzuordnen.

Fußgängerüberwege sind Fußgängerüberwege geblieben – Radfahrer haben dort abzusteigen!!!

Der Unfug wird weder durch Ausrufezeichen noch durch Wiederholungen wahr.

ein kontrollierender Polizist ist kein Rechtsanwalt und muss nicht alle „aktuellen Urteile“ kennen. Er hat die StVO zur Verfügung und steht es eineindeutig: vorhandener Radweg – Nutzungszwang!!!

Der Autor dieses Beitrages hatte offenbar keine Straßenverkehrsordnung zur Verfügung.

Andererseits ist es wahrlich müßig, sich mit solchen Leuten zu unterhalten. Im Endeffekt läuft es wie im Straßenverkehr, wenn ein Autofahrer an der roten Ampel genüsslich das Fenster herunterlässt und mit ekligem Unterton fragt: „Schon mal was von Radwegen gehört?“ und man erklären möchte, dass das, was der Autofahrer als Radweg identifizierte, bloß ein breiter Gehweg ist — der Gesprächspartner ob der grünen Ampel aber längst das Gaspedal getreten hat und über alle Berge ist. Somit bleibt nur etwas Frust — und mit dem können Radfahrer offenbar sehr viel besser umgehen als Autofahrer.