Bayerische Städte vom Fahrrad überrollt

Der Fahrradboom stellt die Kommunen bundesweit vor Probleme: reichte früher ein schmaler Streifen, der mit weißer Farbe dem Gehweg abgetrotzt wurde, sind nunmehr bei Radverkehrsanteilen zwischen zehn bis gar vierzig Prozent sogar großzügige Radverkehrsanlagen permanent überlastet: Radeln in der City boomt – nicht immer kann die Infrastruktur da Schritt halten

Alkohol an bayerischen Tankstellen: Eine Komödie in drei Akten

Bayern und Alkohol werden für Ewigkeiten unzertrennlich sein mit Günther Becksteins berühmter Feststellung, mit zwei Maß Bier noch fahrtüchtig zu sein. Insofern: Wo, wenn nicht in Bayern, hätte dieses Schauspiel über Alkohol an Tankstellen denn spielen können?

Zuerst hieß es im August: Alkohol nur für Autofahrer

Wenn der Kühlschrank leer ist und der Supermarkt zu hat, konnte man sich in Bayern nach 20 Uhr bisher an Tankstellen mit Snacks und Getränken versorgen. Doch nun ist der nächtliche Verkauf im Freistaat untersagt. Nur noch Autofahrer dürfen sich mit „kleineren Mengen“ eindecken, Fußgänger und Fahrräder werden abgewiesen. Der Unmut bei Kunden und Pächtern ist groß.

Die Regelungen, die seit Juni 2012 galten, sind aber noch komplizierter, denn Lebens- und Genussmittel dürfen nur noch an „Reisende“ verkauft werden und „Reisende“ sind per Definition nur „Kraftfahrer und Mitfahrer eines Kraftfahrzeugs“ — die bekommen alles vom Knäckebrot bis zum Wodka, Fußgängern und Radfahrern darf hingegen noch nicht einmal ein halber Liter Coca-Cola verkauft werden. Der Verkäufer hinter dem Tresen hat nachts mit einem Blick durch die Scheibe festzustellen, mit welchem Verkehrsmittel sich der Interessent genähert hat und gegebenenfalls nachzufragen — ansonsten können Bußgelder in Höhe von 500 Euro verhängt werden.

Dann galt plötzlich: Wer nach 22 Uhr kommt, bleibt trocken

Bayerns Tankstellen verpflichten sich freiwillig, nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr zu verkaufen – weder an Autofahrer, noch an Fußgänger. Für andere Waren gibt es keine Beschränkungen.

Nach 22 Uhr gab’s seit Oktober gar keinen Alkohol mehr — dafür sollten Fußgänger und Radfahrer ebenfalls als „Reisende“ erfasst werden.

Dann aber setzte sich zum zweiten Mal die Erkenntnis durch, dass das so durchdacht alles gar nicht war, es müsse eine „bayerisch-vernünftige Lösung“ her: Koalition kippt Tankstellen-Kompromiss

Eigentlich war das Problem schon gelöst: Fußgänger sollten wieder an bayerischen Tankstellen einkaufen dürfen, dafür sollten diese nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr anbieten. Doch dazu kommt es erst einmal nicht. Der Koalitionsausschuss ordnet eine Neuaufnahme der Verhandlungen an.

Und bis zum Ende dieser neu aufgenommenen Verhandlungen gibt’s Lebens- und Genussmittel sonntags und nachts erst einmal nur für Kraftfahrer. Bayerisch-vernünftig.

Bayern will unnötige Autofahrten vermeiden

Innenminister Herrmann: „Vielzahl unnötiger Autofahrten“

„Wir müssen versuchen, die Menschen gerade für die kurzen Strecken mehr aufs Fahrrad zu bringen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen ist eine Aufgabe der Zukunft“, sagte Herrmann am Donnerstag in einem Vortrag beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Bayern e.V. (ADFC). Er lehne nicht andere Verkehrsmittel ab, „aber es gibt eine Vielzahl von unnötigen Autofahrten.“