Abenteuer Leben und das Hin und Her im Straßenverkehr

Kabel1 hat für Abenteuer Leben die Fahrradstaffel der Hamburger Polizei bei ihrer Arbeit begleitet: Sendung vom 3. Dezember 2013

Naja.

Was soll man schon schreiben? Ärgerlich genug, dass im gesamten elfminütigen Beitrag nicht zwischen „Strafe“ und „Bußgeld“ differenziert wird. Das mag zwar erst einmal nach Erbsenzählerei klingen, aber das Radfahren auf der linken Straßenseite ist — sofern nicht kraft Beschilderung erlaubt — erst einmal nur eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat. Gleich zu Beginn werden die Hauptunfallursachen für Fahrradunfälle aufgezählt: Radfahren auf der falschen Straßenseite, okay, Missachtung roter Lichtzeichen, na gut, sowie die beiden Klassiker mit defekten Bremsen und kaputter Beleuchtung. Bei den beiden letzten fragt man sich hingegen schon, ob das tatsächlich zu den Hauptunfallursachen gehören mag, die Unfallstatistik sieht das nämlich anders und setzt da beispielsweise mit unachtsamen Kraftfahrern an, die mit der Konzentration abseits des Straßengeschehens beschäftigt sind und mal eben so einen Radfahrer mitnehmen.

Das wird im hinteren Teil des Fahrrad-Beitrages noch etwas seltsamer. Es geht wieder um rote Ampeln, deren Missachtung die Fahrradstaffel medienwirksam ahndet. Einer der Beamten erklärt einem Radfahrer, das Rotlicht wäre zu seiner eigenen Sicherheit zu beachten, er wüsste ja gar nicht, wie viele Radfahrer beim Abbiegen umgefahren werden. Der letzte Teil des Satzes mag zwar zutreffend sein, allerdings dürfte sich der weitaus größere Teil der Abbiege-Unfälle bei grünem Licht zugetragen haben — es heißt schließlich nicht umsonst mehr oder weniger ernstgemeint „Sicher fahre ich nur bei Rot“, denn dann hat man als umsichtiger Radfahrer wenigstens die konfliktträchtigen Verkehrsströme im Blick und muss nicht befürchten, dass von hinten links einer Schulterblickverweigerer angesaust kommt.

Und dann werden Plötzlich die Kraftfahrer als Hauptunfallverursacher dieser Abbiegeunfälle bezeichnet — mit immerhin soliden 93 Prozent. Garniert wird der Beitrag an dieser Stelle mit dem lustigen Versuch der Unfallforschung der Versicherer: Ein Kraftfahrzeug wird auf einen Fahrrad-Dummy losgelassen und einmal trägt die Versuchsperson einen Helm, einmal nicht. Bei der Kollision mit dem helmbewehrten Dummy rutscht der Plastikmensch beinahe schon locker-flockig über die Motorhaube, ohne dass der Helm überhaupt Kontakt mit Windschutzscheibe oder Boden verzeichnen muss, während sich der umbehelmte Dummy hoch in die Luft schraubt, um dann kopfüber auf den Asphalt zu stürzen. Dass der Versuchsaufbau nicht optimal war, stellt man da schon als Laie fest.

Gleichzeitig beteuert die Polizei weiterhin, wie gefährlich das Ignorieren der roten Lichtzeichen wäre und wie viele Unfälle es deswegen mit abbiegenden Kraftfahrzeugen gäbe. Leider stellt in diesem Augenblick niemand die Frage, warum denn angesichts der Sorge um die Sicherheit der Radfahrer nicht problematische Schulterblickverweigerer in ihren Kraftfahrzeugen Hops genommen werden, die bei Grünlicht querende Radfahrer beim Abbiegen umfahren.

Allerdings passt das auch zum Gesamtkonzept der Sendung, das eher einem Bußgeldkatalog in bewegten Bildern gleicht. Bei solchen Sendungen hat man immer das Gefühl, den Verkehrsteilnehmern ginge es tatsächlich bloß um die zu erwarteten Bußgelder im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung anstatt echter Sicherheit.

Siehe auch:

  • Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern

    Als so genannte „schwache Verkehrsteilnehmer“ sind Fußgänger und Radfahrer im innerstädtischen Verkehr besonders gefährdet. 2012 verunglückten in Deutschland innerorts insgesamt 97.941 Fußgänger und Radfahrer, 636 davon tödlich. Die hohe Anzahl verletzter und getöteter Fußgänger und Radfahrer hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zum Anlass genommen, Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern und Radfahrern am Beispiel der Stadt Berlin genauer zu analysieren.