OLG Hamm zur Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegeunfall

Das OLG Hamm befasste sich im September letzten Jahres mit einem Unfall zwischen einem rechtsabbiegenden Lastkraftwagen und einem an den Unfallverletzungen verstorbenen Radfahrer: Beschluss vom 9. September 2013 · Az. 3 Ws 134/13

Zu den Sorgfaltspflichten eines Lkw-Fahrers beim Rechtsabbiegen in Kreuzungsbereichen mit Fußgänger- und Radfahrerfurten

Das Oberlandesgericht kommt zum Schluss, dass die Kollision vermeidbar gewesen wäre, hätte der Lastkraftwagenfahrer sein Fahrzeug mit Schrittgeschwindigkeit um die Kurve bewegt. Die von einem Sachverständigen festgestellte Geschwindigkeit von 15 bis 21 Kilometern pro Stunde sei angesichts der mangelhaften Sichtverhältnisse aus der Zugmaschine heraus zu schnell. Die Hinterbliebenen des verunglückten Radfahrers waren gegen die Einstellung des Strafverfahrens vorgegangen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld muss das Verfahren nun fortführen.

Osnabrück: 20-Jähriger vom rechtsabbiegenden Lastkraftwagen getötet

In Osnabrück wurde gestern am frühen Nachmittag ein 20-jähriger Radfahrer von einem abbiegenden Lastkraftwagen erfasst und starb kurz darauf im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen: 20-jähriger Radfahrer stirbt in Osnabrück nach Unfall mit Lkw

Am Dienstagnachmittag ist ein 20-jähriger Radfahrer in Osnabrück von einem Lkw überrollt und tödlich verletzt worden. Der 42-jährige Lkw-Fahrer erlitt einen schweren Schock. Er befindet sich in stationärer Behandlung.

Besonders bitter: Die Kreuzung gilt seit einigen Jahren als Unfallschwerpunkt, an dem sich in den letzten Jahren mindestens ein weiterer Todesfall, mehrere Unfälle mit verletzen Radfahrern und unzählige Gefahrensituationen ereignet hatten. Daraufhin wurde neben einem Signalgeber der Lichtzeichenanlage ein Spiegel installiert, der Lastkraftwagen und anderen Verkehrsteilnehmern Einblick in ihren toten Winkel ermöglichen sollte — in diesem Fall offenbar vergebens. In den letzten zehn Jahren starben laut der Osnabrücker Zeitung acht Radfahrer im Osnabrücker Straßenverkehr, sieben davon kamen im Zusammenhang mit abbiegenden Lastkraftwagen ums Leben.

London: Lastkraftwagen bald nur noch mit Unterfahrschutz

Rechtsabbiegende Lastkraftwagen sind für Radfahrer immer eine unangenehme Sache. Je nach baulichen Gegebenheiten der Kreuzung oder Einmündung und je nach Konfiguration der Spiegel und des eigentlichen Lastkraftwagens zieht das Fahrzeug einen erheblichen toten Winkel neben sich her, in dem Radfahrer gefährdet sind.

Nach dem tödlichen Unfall in der Hamburger Innenstadt vor einem Monat fordere unter anderem Katharina Reiche, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, ein entsprechendes Warnsystem vorzuschreiben: Nach Unfalltod einer Radfahrerin: Forderung nach Warnsystem für Lkw

Einen Tag nach dem Unfalltod einer 18 Jahre alten Radfahrerin in Hamburg hat die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katharina Reiche (CDU), ein elektronisches Warnsystem für Lastwagen gefordert. «Das Warnsystem muss verpflichtend zumindest für alle neu zugelassenen LKW sein – sobald es zuverlässig einsetzbar ist», erklärte Reiche am Freitag.

Man kann sich vorstellen, wie viel Zeit die Entwicklung eines „zuverlässig einsetzbaren“ Warnsystemes in Anspruch nehmen wird — und wie lange es angesichts der Nutzungsdauer eines normalen Lastkraftwagen dauern wird, bis ein nennenswerter Teil des umherfahrenden Güterverkehrs mit einem solchen System ausgestattet ist. Abgesehen davon sind außerhalb Deutschlands zugelassene Lastkraftwagen von dieser Vorschrift wahrscheinlich nicht betroffen, stellen aber im Transitland Deutschland einen wesentlichen Teil des Lastkraftwagenverkehrs, der sich zwar häufig nur auf den kreuzungsfreien Fernstraßen bewegt, aber hin und wieder eben auch innerorts unterwegs ist.

In London geht man hingegen einen Schritt weiter: Ab Ende des Jahres dürfen nur noch Lastkraftwagen den Bereich der City of London befahren, die mit speziellen Schutzflächen an den Seiten ausgestattet sind. Diese Schutzflächen sollen verhindern, dass Radfahrer bei Abbiegevorgängen unter die Räder geraten: London to ban lorries which have no protection for cyclists and pedestrians

Officials to introduce requirement for trucks to fit side guards and better mirrors, with hefty charge for non-compliance

Da dieser Ansatz allein noch keine Unfälle verhindert, sondern allenfalls deren Folgen mindert, sollen Lastkraftwagen außerdem mit zusätzlichen Spiegeln ausgestattet werden, die einen besseren Blick auf das Geschehen ermöglichen. Zur Einhaltung der Regel werden spezielle Kontrollen durchgeführt, die unter anderem auf das Videomaterial von Verkehrsüberwachungskameras zurückgreifen. Auf den Straßen der britischen Hauptstadt kamen im vergangenen Jahr 14 Radfahrer ums Leben.