SPIEGEL ONLINE bläst zur Radfahrer-Hatz

SPIEGEL ONLINE macht wieder gegen Radfahrer mobil: Rad-Rambos blasen zur Auto-Hatz

(…) Auto- und Fahrradfahrer stehen sich bisweilen unversöhnlich gegenüber, keiner gibt nach. Mittlerweile findet der Kleinkrieg aber auch im Internet statt. In den Web-Foren geht es manchmal so derb und hemmungslos zu wie am Stammtisch. Um – vermeintliche – Fehler ihrer Kontrahenten abzustrafen, überbieten sich Chatter mit fiesen Tipps.

Aufkleber auf die Windschutzscheibe pappen, Spiegel abtreten, den Wagen anspucken oder ein Schlag mit der flachen Hand aufs Fahrzeugdach – das sind auf Seiten der Radfahrer die gängigsten Kampfmethoden, die im Web genannt werden. Radrennfahrer schlagen auch den Wurf mit Energieriegeln oder Trinkflaschen vor, „um drängelnde Autofahrer abzuwehren“.(…)

Auch wenn es die Überschrift nicht hergibt und das Aufmacherfoto einen offenbar korrekt fahrenden Radfahrer zeigt, dem die Vorfahrt von einem abbiegenden Kraftfahrwagen genommen wurde— auch in den bekannten Auto-Foren gibt es entsprechende Diskussionen (Verlinkungen eingefügt):

(…) Aber auch die Autofahrer haben ihre Methoden: In Internetforen erklären sie, wie sie mit Hilfe von Nadeln die Beifahrerdüse der Scheibenwaschanlage so einstellen, dass sie statt der Scheibe die neben dem Auto fahrenden Radfahrer treffen. Anonym vor dem Rechner verliert mancher Schreiber jede Hemmung. Den Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem Auto kommentiert ein User im Freaksearch Forum: „Haste nachgetreten? Finalen Rettungsschuss angesetzt? Zwei Warnschüsse in den Rücken? Radfahrer muss man ausrotten, wo immer und wann immer man sie trifft.“

Allein die Tatsache, dass Radfahrer auf der Straße fahren, bringt einige Autofahrer in Rage. „Ich hupe Radfahrer immer an, wenn sie so ein Verhalten an den Tag legen“, schreibt ein Mitglied im Forum Gutefrage.net. Und ein Chatter anwortet: „Das mach ich auch. Wenn sie sich erschrecken ist es besonders lustig :).“

Natürlich kursieren auch harmlosere Tipps, etwa möglichst dicht an den Straßenrand zu fahren, wenn man an einer roten Ampel halten muss, damit Radfahrer sich nicht „nach vorn mogeln“ können (obwohl sie es der Straßenverkehrsordnung nach dürfen). Oder den Abstand zum Vordermann in der Ampelschlange so gering zu halten, dass auch dort kein Radler durchkommt. (…)

Leider konnte sich SPIEGEL ONLINE nicht dagegen erwehren, der schon tausende Male geführten Radfahrer-Autofahrer-Diskussion ein neues Forum einzurichten — mal sehen, wie lange es bis zur Eskalation dauert. Die Forderung einer sinnlosen Kennzeichnungspflicht taucht immerhin schon auf Seite 3 auf.

Man möchte schon fast vermuten, dass das eigentliche Problem im Straßenverkehr nicht die Verkehrsteilnehmer, sondern die hetzerische Berichterstattung ist.

3 Gedanken zu „SPIEGEL ONLINE bläst zur Radfahrer-Hatz“

    1. Ich wüsste ja wirklich zu gerne, wie viele der Autofahrer, die mich regelmäßig anhupen, von solchen Presseerzeugnissen dazu motiviert werden. Aus Autofahrersicht bin ich natürlich ein totaler Regelbrecher, weil ich zwischen Wohnung und Uni den benutzungspflichtigen Geh- und Radweg verschmähe — eigentlich aber nicht aus Spaß, sondern weil ich binnen 600 Metern drei Mal zwischen Gehweg und Fahrbahn wechseln müsste. Das Gefährdungspotenzial muss auf dieser Strecke wirklich ungleich verteilt sein, wenn man eine so wirre Beschilderung aufstellt. Und wenn man dann an einer Baustelle nicht den Radweg benutzt, weil der nämlich dreißig Meter später endet, ist man trotzdem der böse Rowdy-Radler.

      Ich möchte wirklich wissen, warum SPIEGEL ONLINE ständig solchen Stuss verbreitet.

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