Sperrt die Elbchaussee für Radfahrer!

Die Elbchaussee ist eigentlich eine der reizvollen Straßen in Hamburg — wenn nicht die vielen Autos wären. Aus der blankeneser Hügellandschaft schlängelt sich die ELbchaussee an Hamburger Vorortvillen vorbei, streift mehrmals zart das Elbhochufer und weitet sich schließlich in eine überbreite Rennstrecke auf, die südlich des Altonaer Bahnhofs endet — wenn nicht die vielen Autos wären. Normalerweise haben Verkehrsteilnehmer auf der Elbchaussee keinen Blick für die Schönheiten der Strecke, weil der Ärger über den dichten Verkehr überwiegt. Morgens schiebt sich eine dichte Blechlawine in die Innenstadt, nachmittags zurück nach Blankenese. Die Strecke kommt zwar mit relativ wenigen lichtzeichengeregelten Kreuzungen aus, wird aber gefühlt alle fünfzig Meter von einem Fußgängerweg unterbrochen — und dann sind da noch diese vielen Radfahrer, die den Verkehr aufhalten!

Während der östliche Teil der Straße mit überbreiten Richtungsfahrbahnen daherkommt, auf der locker zwei Kraftfahrzeuge nebeneinander fahren und nebenbei noch einen Radfahrer überholen können, ist der westliche Teil von schlecht einsehbaren Kurven und mangelnden Überholmöglichkeiten gekennzeichnet. Dort einen Radfahrer mit vernünftigen Sicherheitsabstand zu überholen dürfte bei dem stetigen Gegenverkehr tatsächlich schwieriger werden, zumal die Strecke in westlicher Richtung ansteigt und die Waden so richtig fordert.

Klaus Schümann, Rad- und Autofahrer, der, wie man so schön sagt, beide Seiten kennt, erregt sich in einem Kommentar im Hamburger Klönschnack vom Juli 2013 über diese Situation. Sein Kommentar „Sperrt die Elbchaussee für Radfahrer!“ findet sich in wenig prominenter Platzierung unten links auf Seite 30.

Schümann beschreibt zunächst die Situation, die er vermutlich täglich selbst erleben muss: Schümann als Verleger des gleichnamigen Verlages, in dem auch ebenjener Hamburger Klönschnack erscheint, sitzt direkt neben dem Blankeneser Bahnhof, also zwar nicht direkt, aber in hinreichender Nähe an der Elbchaussee. Er schreibt:

Und da- mit sind wir beim Problem: Radfahrer gefährden die Verkehrssicherheit (für sich und andere) auf den teilweise viel zu schmalen Abschnitten.

Das ist nun allerdings eine etwas unglückliche Schlussfolgerung über die Situation auf der Elbchaussee. Wie auf allen anderen engen Straßen, Landstraßen ohne Radweg ausdrücklich eingeschlossen, entsteht die Gefährdung weder durch den Radfahrer noch durch das Zusammentreffen von Rad- und Kraftfahrern. Die Gefährdung entsteht erst, wenn der Kraftfahrer in einer Situation unbedingt überholen will, in der er beispielsweise die folgende Strecke nicht übersehen oder den Sicherheitsabstand nicht einhalten kann. Sicherlich steigt mit der Wartezeit hinter einem so genannten Pedalritter die Bereitschaft, ein gefährliches Überholmanöer anzugehen, aber die eigentliche Ursache ist dabei noch immer der Kraftfahrer, der ein solches Manöver nunmal ausführt, und nicht der Radfahrer, der diese Straße auch befahren darf.

Ausdrücklich bezieht sich Schümann auf die Rennradfahrer, die für die Cyclassics trainierend den Linienbussen des HVV das Überholen erschweren. Im normalen Verkehrsaufkommen auf der Elbchaussee fallen Rennradfahrer allerdings am wenigsten auf: Wenn sie nicht gerade eine der beiden Steigungen auf der Strecke erklimmen, dürften wenigstens die hinreichend trainierten Rennradfahrer im dichten Verkehr keinen nennenswerten Einfluss auf die Flüssigkeit des Verkehrs ausüben. „60.000 Autofahrer sind täglich auf der Elbchaussee unterwegs“, schreibt Schümann, „und erfahren durch die Radfahrer teilweise absurde Stau- und Stress-Situationen.“ Das klingt schon beinahe so, als wäre die Situation auf der Elbchaussee ausschließlich von den paar Radfahrern auf der Fahrbahn verursacht. Viel problematischer dürften hingegen die erwähnten 60.000 Kraftfahrzeuge sein, die sich jeden Tag die Straßen entlangschieben und sich selbst im Wege stehen. Fährt ein Kraftfahrer hinter einem Radling hinterher, ist natürlich der Frust groß, weil das so genannte rollende Verkehrshindernis nicht sofort überholt werden kann, an den übrigen vier Tagen der Woche hängt dieser Kraftfahrer dann allerdings hinter anderen Kraftfahrzeugen fest — und diesen Stau führt in der Regel kein Radfahrer an.

Schümann differenziert in seinem Kommentar zwischen Rennradfahrern und gemütlichen Radfahrern. Letzteren gesteht er die Nutzung der freigegebenen Gehwege zu, die für Rennradler nicht geeignet wären, weil da ja schon die gemütlichen Radfahrer unterwegs sind. Die freigegebenen Gehwege sind allerdings für niemanden geeignet, noch nicht einmal für Fußgänger: Abgesehen von einem mittleren Teilstück in der Nähe von Teufelsbrück kommen die freigegeben Gehwege in einem jämmerlichen Zustand mit wassergebundener Oberfläche daher, im westlichen Teilstück der Elbchaussee sind die Gehwege sogar so schmal, dass sich noch nicht einmal zwei Fußgänger problemlos begegnen können.

Schümanns Fazit:

Man sollte schlicht hinnehmen, dass die Prachtmeile des Westens für Autos und Räder nicht geschaffen ist – bevor das Kind in den Brunnen fällt. Oder für Autos gesperrt wird.

Ja, die ELbchaussee mag für Autos und Fahrräder nicht geschaffen sein. Witzig ist, dass Schümanns Forderung nach einer Sperrung für Radfahrer auch andersherum verstanden werden kann: Damit der Radverkehr in Ruhe fließen kann, müssen Kraftfahrzeuge leider draußen bleiben. Das wäre mal eine lustige Idee!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.