So wird das nichts mit der Kampfradelei

Vorsicht! Stern TV versucht sich am Thema der Kampfradler: Kampfradeln für mehr Gleichberechtigung

Zugeparkte Radwege, unmögliche Verkehrsführung, drängelnde Autofahrer – Radler fühlen sich auf deutschen Straßen benachteiligt. Jetzt sollen sie für Fehlverhalten noch mehr büßen. stern TV diskutiert.

Eigentlich war alles cool, solange Marco Laufenberg im Bild herumradelte. Okay, das Bildmaterial, das war nicht so cool, aber der Beitrag an sich, der war bis zu dieser Stelle in Ordnung, sogar der Passus mit den benutzungspflichtigen Radweg überstand ohne Blessuren seine Sendezeit, herrje, sogar die dazugehörigen Verwaltungsvorschriften wurden zitiert.

Dann musste Marco wohl nach Hause oder es war Feierabend oder es ist sonstwas passiert, aber offenbar wurde der zweite Teil des Beitrages von einem anderen Team produziert. Ab Minute 5:18, als — schwusch! — der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers das Bild betritt, ab Minute 5:18 wurde plötzlich alles anders. Dabei könne er die Radfahrer in seiner Stadt teilweise verstehen, schließlich sei er selbst auch Radfahrer, aber er argumentiert erst einmal locker am Thema vorbei: Ja, Radfahren in Köln, das sei schon manchmal lästig, aber auch als Autofahrer komme man nicht so einfach durch die Stadt.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, sicher und nach Möglichkeit innerhalb der Verkehrsregeln durch die Stadt zu fahren. Ob man dann mal einen Umweg fahren muss oder an einer Ampel mehr als der Kraftverkehr festhängt, ist dabei erst mal zweitrangig. Nur dieses ständige Gehupe, radelt man zur Sicherung der eigenen Gesundheit nicht mitten in der Door-Zone oder auf einem buckeligen Radweg, diese ständige Aggression, die sich angesichts eines Fahrbahnradlers im Cockpit aufstaut, die ist unter anderem das Problem. Und sicherlich ist, ganz klar, gar keine Frage, auch ein Problem, von rechts abbiegenden Kraftfahrzeugen gefährdet zu werden.

Und gleich danach folgt der übliche Kram, den wir eigentlich schon hinter uns wähnten: Stern TV rezitiert den aktuellen Bußgeldkatalog und behauptet, die Nichtbenutzung eines vorhandenen Radweges koste nun zwanzig statt fünfzehn Euro. Schade, denn keine fünf Minuten vorher hatte der Sprecher im Off noch gewusst, was es mit § 2 Abs. 4 StVO auf sich hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass die Fahrbahnradelei neben einem so genannten anderen Radweg ungefähr eine der bisherigen fünf Beitragsminuten ausmachte.

So. Nächste Szene. Da radeln welche gegen die Fahrtrichtung, werden kontrolliert und bestraft. Stern TV bemängelt das fehlende Unrechtsbewusstsein, was angesichts der Szenen dieser Kontrolle nicht unbedingt verkehrt ist. Daraus aber wiederum zu versuchen, eine Parabel auf die Gesamtheit der Radfahrer zu schlagen schlägt fehl: Auch Kraftfahrer neigen nicht gerade dazu, auf Knien rutschend ihre Strafe zu bezahlen, sondern zitieren ebenso sinnvolle Ausreden („Nachts ist doch eh keiner unterwegs“, „Tempolimits sind nur Abzocke“). Hätte man sich etwas Zeit nehmen können, hätte sich Stern TV ansehen können, warum denn hier so auffällig stark der Geisterradlerei gefrönt wird — womöglich steckt ja auch eine vollkommen missratene Radverkehrsinfrastruktur dahinter, die das Geisterradeln zwar nicht rechtfertigt, aber wenigstens die Reaktionen der ertappten Radlinge erklärt.

Und dann kommt Bernhard Stoevesandt. Es ist momentan noch nicht so ganz klar, ob es noch schlimmer hätte kommen können. Seine Ansichten mögen teilweise berechtigt und nachvollziehbar sein, indem er sich aber als Kampfradler in der Öffentlichkeit echauffiert, erweist er dem Radverkehr vermutlich einen Bärendienst, denn mit seinem Auftreten und seiner Argumentation schürt er hinter der Windschutzscheibe bedingungslose Aggressionen, die sogar bis in dieses Weblog schwappen.

Gut. Stoevesandt hat Recht wenn er bemängelt, dass die Fahrradinfrastruktur stellenweise so mangelhaft ist, dass es kaum noch möglich ist, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Das wurde hier auch schon häufig genug diskutiert: Wenn ein Gehweg nur hin und wieder mal mit Zeichen 240 ausgezeichnet ist, dann ist man als Radfahrer, salopp gesagt, am Arsch. Radelt man nach der nächsten Kreuzung auf dem Gehweg weiter, obwohl just an dieser Stelle kein Zeichen 240 aufgestellt wurde, verhält man sich ordnungswidrig, verbleibt man die gesamte Zeit auf der Fahrbahn, verhält man sich ebenfalls ordnungswidrig und zieht sich zusätzlich den Hass der Kraftfahrer zu. Wechselt man artig und ständig zwischen Gehweg und Fahrbahn, wie es dieses Zeichen gerade anzeigt, gefährdet man sich über Gebühr und macht sich nebenbei zum Affen. Und der ganze Rest, der ist auch nicht gerade besser. Da sollen einseitige Beidrichtungs-Radwege befahren werden, die innerorts nicht nur saugefährlich und gemäß der Verwaltungsvorschriften bleiben zu lassen sind, und die sind dann auch noch so eng, also die Radwege, nicht die Verwaltungsvorschriften, dass schon ein einzelnes Fahrrad nicht einmal komplett rauf passt. Und dann soll sich der Radverkehr zum Geradeausfahren über zwei Ampeln schlängeln und zum Linksabbiegen über vier und so langsam wird klar: Das macht niemand auf Dauer gerne, zumindest nicht, wenn er nicht nur aus Spaß am Pedalieren im Sattel sitzt.

Stoevesandt meint, die Idee des Radfahrens sei schnell von A nach B zu kommen. Das ist sicher nicht verkehrt. Und ja, gar keine Frage, allzu großen Unsinn an Radverkehrsanlagen darf man auch getrost mal links rechts liegen lassen. Stoevesandt beachtet aber auch keine roten Ampeln, wenn er sie nicht für sinnvoll hält. Und damit ist leider nicht bloß das beliebte Beispiel der roten Ampel um fünf nach zwei Uhr morgens gemeint, an der weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist, nein, Stoevesandt bahnt sich tatsächlich auch seinen Weg mitten durch den abbiegenden Querverkehr. Da stellt sich ja fast die Frage, welche Lichtzeichenanlagen er denn wohl außer den grünen noch für sinnvoll hält. Im Kreisverkehr drehe er gleich mehrere Runden und behindere die Kraftfahrer beim Ein- und Ausfahren, wobei da natürlich wieder die Frage ist, wie genau er das mit der Behinderung denn wohl anstellt abgesehen davon, dass er nunmal im Kreisverkehr zirkuliert. Und nebenbei erwähnt ist auch die Verkehrsführung mit diesem Schutzstreifen innerhalb des Kreisverkehres höchst problematisch.

Und nun hatten wir doch ganz zu Beginn des Beitrages erklärt, was es mit § 2 Abs. 4 StVO und den Radwegen und den so genannten anderen Radwegen auf sich hat, aber jetzt wird Stoevesandt vorgehalten, statt des Radweges „die Straße“ zu benutzen, obwohl das in Ermangelung der blauen Beschilderung vollkommen legitim ist. Und dann sagt Stoevesandt auch was ziemlich wahres: Die Menschen sollen sich bewusst werden, dass sie Regeln übertreten. Und darüber nachdenken. Und es dann vielleicht auch bleiben lassen. Hinge er diese gesamte Argumentation nicht gerade an den roten Ampeln auf, könnte man hier glatt applaudieren. Ja, Hand aufs Herz, sollen die Radfahrer halt fünfzig Meter auf der linken Seite pedalieren, wenn sie denn nur wissen, was sie da tun und drauf achten, nicht vom nächstbesten abbiegenden Fahrzeug über den Haufen gefahren zu werden. Und wenn sie der Meinung sind, unbedingt auf dem Gehweg radeln zu müssen, dann bitte doch mit angepasster Geschwindigkeit und ohne den Einsatz der Klingel. Und wenn’s durch die Fußgängerzone gehen muss, herrje, dann wenigstens bitte mit absolutem Vorrang für die Fußgänger. Persönlich halte ich diese Regelverstöße zwar noch immer für unanständig und nicht empfehlenswert, aber wenn schon Regelverstoß, dann wenigstens mit Hirn.

So ein Glück, dass die Sendezeit dann vorbei war. Wer weiß, was in weiteren Minuten passiert wäre.

25 Gedanken zu „So wird das nichts mit der Kampfradelei“

  1. Deutschland ist ein Autoland und jedem Kind wird die Autoverrücktheit eingeimpft. Was dabei rauskommt, sind engstirnige, aggressive Persönlichkeiten, die bei bloßer Erwähnung des Fahrrads bereits rot sehen und keinerlei Einfühlungsvermögen besitzen.
    Erfüllt SternTV mit dieser Anstachelung der intellektuellen Unterschicht eigentlich einen Straftatbestand? Wie wäre es mit Beihilfe zum Totschlag oder so.
    Mach bitte weiter mit diesem Blog, es ist bitter nötig.

  2. Der Auftritt von Stoevesandt zeigt exemplarisch einen Gutteil des Problems der öffentlichen Fahrrad-Diskussion: Gehört wird nur, wer durch „skandalöse“ Äußerungen auf sich aufmerksam macht. Jemand, der gegen Fahrradfahrer polarisiert, dem schlägt noch eingermaßen einfach mediales Interesse entgegen, aber eine „Fahrrad-Lobbyist“, der muss sich schon selbst zum Kampf-Radler erklären, um von der Presse eingeladen zu werden. Immerhin gehört der Abschnitt mit Laufenberg zu dem besten, was ich bisher im zum Thema Radverkehr in den deutschen Massenmedien gesehen oder gelesen habe (auch wenn Szenen wie das Berühren der Stoßstange des Autos nicht hätten sein müssen, Autofahrer steigen teilweis auch dann aus und bedrohen einen körperlich, wenn man sich nichts derartiges „zu Schulden kommen lässt“) .

    Anschließend driftet der Beitrag aber wieder in das typische Radfahrer-Bashing ab, der Polizist suggeriert – bei einem sehr fahrradfeindlich gestalteten Platz – einen Zusammenhang zwischen den Verstößen der Radfahrer (Fahren in falsche Richtung auf dem Radweg) und den Unfällen auf einer Kreuzung (der sehr wahrscheinlich nicht existiert), der Polizeipräsident bezeichnet sich selbst als Radfahrer (obwohl für ihn 6 km bereits eine nicht mehr mit dem Rad überbrückbare Distanz darstellen, siehe http://www.radfahren-in-koeln.de/2013/04/30/gestorben-wird-vor-dem-auto-teil-2/), erwähnt dafür mit keinem Wort, dass auch in Köln die Hautverursacher der Fahrradunfälle die Autofahrer sind.

    In der Summe bleibt beim (autofahrenden) Zuschauer vor allem hängen, dass manche (ergo: alle) Radfahrer absichtlich Regeln brechen, selbst wenn es dazu keinen Grund gibt. Den verhältnismäßig guten ersten Teil des Beitrags werden die meisten wohl schnell wieder vergessen.

    Ich fand die ursprüngliche „Wir-sind-Kampfradler“-Initiative gut, aber das war mehr etwas für einen einmaligen „Paukenschlag“, nach den ersten Medienberichten hätte man das wieder begraben müsse. Auf Dauer vergiftet dass das Verkehrsklima und schadet uns Radfahreren so mehr als es nutzt.

      1. Dann sieh‘ mal genau hin – im Video sieht es sehr schwer nach Berührung aus und der Autofahrer ist doch sicherlich nicht ausgerastet, weil er einen Fahrradfahrer gesehen hat.

        Generell kommt es mir durch eure Beiträge und Kommentare so vor, als würdet ihr euch in der selber verordneten Opferrolle extrem gefallen! Hier wird derart mit Vorurteilen gewerkelt, dass ich mich nicht wunder, dass ihr scheinbar Probleme mit der Kommunikation mit Autofahrern habt.

        Dass hier kritisiert wird, dass in dem Beitrag die „Gegenseite“ zu Wort kommt, ist sehr kurios für mich und widerspricht der Fairness! Ich empfand den Beitrag nicht als Anti-Radler-Ding.

        Man sollte sich aber doch nicht wundern, dass man Reaktionen bekommt, wenn man es derart drauf anlegt. Ich bin weder Auto- noch regelmäßiger Radfahrer, empfand die radelnden Protagonisten in dem Beitrag aber als sehr provokant. Wie man in den Wald hineinruft… Damit will ich in keinster Weise die anscheinend ausgesprochenen Drohungen gut heißen.
        Dennoch bitte ich mal zu Bedenken: Wer Hass sät…

        Ich habe den Eindruck, ihr wollt mit Vorurteilen Vorurteile bekämpfen – that’s like fucking for Virginity.

        1. der Autofahrer ist doch sicherlich nicht ausgerastet, weil er einen Fahrradfahrer gesehen hat.

          Ich habe es ungelogen schon mehrfach erlebt, dass ein Kraftfahrer ausgerastet ist, nur weil ein Radfahrer die Fahrbahn benutzt hat oder sich sonstwie entgegen der Überzeugung des Kraftfahrers verhalten hat. Und bevor du fragst: Nein, der Kontrahent war nicht ich, ich war bloß Zeuge.

          Es reicht manchmal schon, einen nicht als benutzungspflichtigen Radweg nicht zu befahren, um sich durchs Beifahrerfenster entsprechende Belehrungen anzuhören. Und ist man kühn genug, auf einer Hauptstraße ohne Radwege auf der Fahrbahn zu radeln, darf man sich auch auf entsprechende Reaktionen gefasst machen.

          Man sollte sich aber doch nicht wundern, dass man Reaktionen bekommt, wenn man es derart drauf anlegt. Ich bin weder Auto- noch regelmäßiger Radfahrer, empfand die radelnden Protagonisten in dem Beitrag aber als sehr provokant. Wie man in den Wald hineinruft…

          Der zweite Protagonist macht ja auch kein Geheimnis daraus, provozieren zu wollen. Der erste Protagonist hält sich allerdings an die Verkehrsregeln und befährt eben innerhalb von § 2 Abs. 4 StVO nicht alles, was irgendwo nach Radweg aussieht, aber nicht zum Radfahren taugt. Und er hält etwas mehr Sicherheitsabstand wenn es gilt, bauliche Mängel der Infrastruktur zu kompensieren.

          Wenn sowas schon als Provokation gilt, scheint mir das Problem aber eher hinter dem Steuer zu sitzen und nicht auf dem Rad.

          Dennoch bitte ich mal zu Bedenken: Wer Hass sät…

          Nochmal die Frage, wie du denn den Radverkehr definierst. Wenn ich mit der Prämisse aufs Rad steige, als vollwertiger Verkehrsteilnehmer von A nach B fahren zu wollen, dann werde ich in diesem Land eben Probleme bekommen. Möchte ich aber nur nebenbei ans Ziel kommen und primär dem Kraftverkehr nicht zur Last fallen, dann werde ich natürlich auch nicht angegangen. Dann muss ich aber auch hier und da ordnungswidrig auf dem Gehweg weiterrollen, damit sich in bestimmten Straßen ohne Radweg niemand aufregt, dann muss ich ständig auf meine Vorfahrt verzichten, auf meinen Vorrang sowieso und entgegen freigegebener Einbahnstraßen darf ich auch nicht radeln, weil sich da jeder zweite Kraftfahrer aufregt.

          Ich persönlich steige aber nicht jeden Tag aufs Rad, um dem Kraftverkehr zu gefallen. Ich will sicher ans Ziel kommen, einigermaßen komfortabel und hinreichend schnell. Und wer mich kennt, kann sicherlich berichten, dass ich es ganz und gar nicht darauf anlege, mich mit jedem Kraftfahrer anzulegen. Nur bleibt das bei meiner Kilometerleistung wohl nicht aus — falls du nur hin und wieder Rad fährst und dann vielleicht auch nur kurze Strecken, dann wirst du natürlich keine Probleme bekommen.

          1. nur kurz dazu:

            es ist Pflichgt JEDES Verkehrsteilnehmers, auf die anderen Verkehrsteilnehmern Acht zu geben – egal ob auf Drahtesel oder in ner Karre…

            Im Endeffekt handeln hier immer Menschen, die natürlich Fehler machen. Dabei ist es aber doch vollkommen egal, welches Verkehrsmittel derjenige benutzt (vom Verletzungsrisiko mal abgesehen).

            Mich erschrickt dieser radikale Autofahrer-Hass, der auf mich wirkt, als würde hier extrem schwarz-weiß gemalt und mit Vorurteilen jongliert werden.

            1. Wenn das Rad dein Hauptverkehrsmittel ist (also nicht nur einmal im monat die Radtour durch das naechste Naherholungsgebiet angesagt ist), und sich das ganze zu einer Jahresfahrleistung > 10kkm aufadiert, passieren so Aktionen wie mit dem silbernen Audi im Film zu sehen im Mittel 1-10 mal im Monat.
              Im Normalfall passieren sie ohne Not des KFZ-Lenkers (freie restliche Strasse..) und haben nur einen Zweck: drangsalieren. Mutwillig gefaehrdet zu werden macht durchaus keinen Spass, und ja, man sieht es der Blechdose nicht immer von aussen an, was der Steuerer sich da grade denkt (oder auch nicht) weswegen das Schlimmste anzunehmen eine wichtige Ueberlebensstrategie ist und natuerlich polarisiert.

            2. Wenn du hier überall Hass siehst und einen normal auf der Fahrbahn fahrenden Radfahrer als provokant ansiehst, liegt das wohl an dir. So wie Marco fährt jeder, der ein Moped bewegt, und das findet auch keiner provozierend.

              Ich fahre auch so, nur nicht in Köln, sondern in Dortmund. Autofahrer, die sich provoziert fühlen, sind extrem selten. Ich halte mich an alle Verkehrsregeln ausser die Radwegbenutzungspflicht, ich fahre vorausschauend und für andere klar berechenbar.

              Für Aggressionen gibt es keinen rationalen Grund. Ob ich Radwege benutze oder nicht und aus welchem Grund ich das nicht tue, hat keinen zu interessieren. Wer wissen möchte, warum ich das mache, kann mich an der Ampel ansprechen. Alles darüber hinaus gehende ist Selbstjustiz und Gefährdung im Strassenverkehr.

          2. Malte Hübner schrieb: „Möchte ich aber nur nebenbei ans Ziel kommen und primär dem Kraftverkehr nicht zur Last fallen, dann werde ich natürlich auch nicht angegangen. Dann muss ich aber auch hier und da ordnungswidrig auf dem Gehweg weiterrollen, damit sich in bestimmten Straßen ohne Radweg niemand aufregt, dann muss ich ständig auf meine Vorfahrt verzichten, auf meinen Vorrang sowieso und entgegen freigegebener Einbahnstraßen darf ich auch nicht radeln, weil sich da jeder zweite Kraftfahrer aufregt.“

            Das ist eine extrem seltsame und für mich, beobachte ich solche Leute, oder begegne ich ihnen gar als Fußgänger, auch über alle Maßen „aufregende“ Auffassung. Und wollte ich mit solchen vollen Hosen oder mit dieser duckmäuserischen Attitüde wie Du auf die Straße (per Rad, auf der Fahrbahn), dann käme ich keinen Meter vernünftig voran, da könnte ich gleich das Rad daheim lassen.

        2. Im Video sieht man bzgl. „Berührung oder nicht“ überhaupt nichts. Zudem ich den begleiteten Fahrradfahrer aufgrund seiner Blogeinträge nicht für so blöd halte, vor laufender Kamera in Begleitung eine Fernsehteams dem Autofahrer gegen das Auto zu fahren.

          Dass ich das Auftreten von Stoevesandt sowie seine absichtlichen Regelverstöße nicht gutheiße sollte aus meinem Beitrag aurreichend hervorgehen.

          Wenn du hier die Polizei mit „Gegenseite“ bezeichnest, zeigt das deutlich ein Teil des Problems. Es sollte im Verkehr überhaupt keine „Gegenseite“ geben. Ich habe auch nicht kritisiert, dass die Polizei sich äußert, sondern „wie“ sie das tut. In meinen Augen hat die Polizei in Sachen Verkehr in erster Linie für Sicherheit zu sorgen, dabei größtmögliche Neutralität zu wahren und keine Partei für eine bestimmte Gruppe Verkehrsteilnehmer zu ergreifen. Dazu gehört auch, sich der einschlägigen Statistiken bewusst zu sein, und nicht durch suggestive Aussagen Gegenteiliges zu verbreiten. Der vielfach beschworene „Kampf“ auf der Straße (auf den die Bezeichnung „Kampfradler“ nunmal hinausläuft) wurde übrigens nicht von Fahrradfahrern propagiert, und ich kenne (mal abgesehen vielleicht von eben jenem Stoevesandt) auch keinen Fahrradfahrer (und persönlich auch keinen Autofahrer), der einen solchen Kampf will. Im Endeffekt sind sowohl Fahrradfahrer wie auch Autofahrer Opfer einer Verkehrspolitik, die mehr auf Gegeneinander denn auf Miteinander setzt.

  3. Dass erschreckende ist ja, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der Autofahrer bei Diskussionen Argumente anführen, die bei einer MPU zum Durchfallen führen würden. Charakterliche Mängel genauso wie körperliche zum Beispiel mit der Aussage zu Tempo 120 auf Autobahnen, dass sie dabei nicht wach bleiben könnten. Zudem Unkenntnis der Verkehrsregeln. Ach, der Frust muss wirklich groß sein, um sich derart aufzuführen.

  4. Eine kleine Anmerkung noch zu der Szene in ca. Minute 8, in der ein Radfahrer hinter Bernhard Stoevesandt scheinbar eine rote Fußgängerampel überquert: In der Fahrtrichtung des Radfahrers ist es eine kombinierte Fußgänger-/Fahrradfahrerampel (wie man anhand der Markierungen auf der Fahrbahn auch ahnen könnte), und da die Ampel wenig später grün wird, könnte die Ampel für den Radfahrer durchaus bereits grün gewesen sein, denn nicht alle Fußgänger-/Radfahrerampel sind hier auf beiden Straßenseiten parallel geschaltet. Ich weiß nicht sicher, ob es an dieser Stelle auch so ist, da ich selbst selten dort lang muss (worüber ich auch ganz froh bin, denn schon ohne die Baustelle, die im Hintergrund zu sehen ist, macht das dort nicht sehr viel Spaß), aber die Leute von SternTV haben sich offensichtlich auch nicht bemüht, das festzustellen. Hauptsache, man kann einen Regelverstoß zeigen.

  5. Lieber Malte,

    der Beitrag bei Stern TV war überhaupt nicht gehen Fahrradfahrer ausgerichtet.Als Blogger solltest Du eigentlich wissen, wie Journalismus funktioniert – die Gegenseite kommt auch zu Wort und die Redakteure berichten objektiv über ein Thema und wollen es von allen Seiten beleuchten. Genau so ist es hier geschehen. Dein Artikel hingegen hört sich am wie der Tagebucheintrag eines wütenden kleinen Jungen. Warum freust Du dich nicht,dass eine Sendung mit einer so großen Reichweite wie SternTV dem Thema eine Plattform gibt?

    Beste Grüße

    1. Genau so ist es hier geschehen.

      Nein, das ist hier nicht geschehen. Die zweite Hälfte des Beitrages warf alles über den Haufen, was Marco Laufenberg in den ersten fünf Minuten aufgebaut hatte. Sofern da von Objektivität die Rede sein mag, versteckt sie sich hinter den handwerklichen Fehlern: Warum erst erklärt wird, wie das mit der Radwegbenutzungspflicht funktioniert, aber anschließend zwei Mal suggeriert wird, es müsse auch egalwelcher Radweg befahren werden, ist mir nicht ganz klar.

      Dein Artikel hingegen hört sich am wie der Tagebucheintrag eines wütenden kleinen Jungen.

      Mag sein. Ich bin auch wütend, mein Artikel darf das auch gerne transportieren.

      Warum freust Du dich nicht,dass eine Sendung mit einer so großen Reichweite wie SternTV dem Thema eine Plattform gibt?

      Weil dieses ganze Fahrrad-Thema relativ komplex und für einen zehnminütigen Beitrag kaum zu fassen ist. Es bringt nichts, blöde Beispiele in den Raum zu werfen oder für die Kampfradler im Kreisverkehr Sendezeit einzuräumen, wenn dadurch bloß der so genannte Krieg auf der Straße geschürt wird. Bei solchen Reportagen besteht immer die Gefahr, dass sowas schiefgeht und ich nicht bloß Morddrohungen aus dem Posteingang angeln muss, sondern womöglich auch in den nächsten Tagen im Straßenverkehr als Kampfradler bezeichnet und massiv gefährdet werde. Ich kann kaum noch mitzählen, wie oft mir und den mir bekannten Radfahrern seit dem 1. April erklärt wurde, wie teuer nun die Nichtbenutzung eines Radweges wäre.

      Man müsste sich endlich einmal Zeit nehmen und ganz sachlich erklären, was Radfahrer dürfen, dass eben nicht jeder Fahrbahnradler ein Provokateur ist, dass man beim Rechtsabbiegen nachsieht, ob auf dem Radweg jemand fährt und wie groß der Sicherheitsabstand beim Überholen sein sollte. Aber das macht ja keiner, das will ja auch keiner wissen. Auch das ist eine Funktionsweise des Journalismus’.

      1. Lieber Malte,

        du hast NULL Plan von Journalismus, um das Mal auf den Punkt zu bringen! Journalismus ist nicht der Erfüllungsgehilfe von Lobbyismus!

        Ich nehme mir das einfach mal als studierter Journalist raus, das hier so klar zu formulieren.

        Grüße,
        Kristof

        1. Empfindest du das, was da bei Stern TV passiert ist, wirklich als Journalismus? Ist es denn Journalismus, einen Beitrag so schlecht aufzubereiten, dass einige der Zuschauer überschnappen und Morddrohungen verschicken?

          1. Auf jeden Fall ist das Journalismus, weil es das Problem aus mehren Sichtweisen beleuchtet – Reaktionen gibt es immer – das ist doch auch logisch. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung und einige unserer Spezies bekommen ihre Gefühlsausbrüche weniger in vernünftige Bahnen gelenkt.

            Bei dir drückt sich das durch den unbegründeten Hass auf Autofahrer und SternTV aus.

            Vielleicht erwartest du von Journalismus etwas, was er gar nicht zwangsläufig liefern muss. Es wird ja ein Problem dargestellt und damit darauf aufmerksam gemacht. Die eine Patentlösung gibt es da, glaube ich, nicht wirklich – zumindest kann das -da stimme ich dir vollkommen zu- ein einzelner Beitrag nicht liefern. Er kann aber das Problem benennen und darauf aufmerksam machen, damit einen Diskurs anregen.

            Auch das wieder: nur eine Meinung, meine Meinung 🙂

            Liebe Grüße,
            Kristof

            1. Vielleicht solltest du nicht gleich jedem, der fremdgefährdendes Verhalten von Autofahrern und einseitiges Rumreiten auf Fehlern von Radfahrern kritisiert, Hass unterstellen.

            2. Auf jeden Fall ist das Journalismus, weil es das Problem aus mehren Sichtweisen beleuchtet – Reaktionen gibt es immer – das ist doch auch logisch. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung und einige unserer Spezies bekommen ihre Gefühlsausbrüche weniger in vernünftige Bahnen gelenkt.

              Bei dir drückt sich das durch den unbegründeten Hass auf Autofahrer und SternTV aus.

              Eigentlich will ich mir diesen Hass gegen Autofahrer nicht ständig andichten lassen. Ich hasse längst nicht pauschal alle Autofahrer und ich hasse nicht mal alle Autos. Fahrradfahrer hasse ich übrigens viel eher, wenigstens jene, die mit ihrem blöden Gehampel das Ansehen des Radverkehrs in Verruf bringen. Im Lager der Autofahrer hasse ich nur jene, die mich aus irgendwelchen niederen Motiven gefährden — und das sei mir doch bitte gegönnt.

              Vielleicht erwartest du von Journalismus etwas, was er gar nicht zwangsläufig liefern muss. Es wird ja ein Problem dargestellt und damit darauf aufmerksam gemacht. Die eine Patentlösung gibt es da, glaube ich, nicht wirklich – zumindest kann das -da stimme ich dir vollkommen zu- ein einzelner Beitrag nicht liefern. Er kann aber das Problem benennen und darauf aufmerksam machen, damit einen Diskurs anregen.

              Okay, ich habe da etwas ganz anderes im Hinterkopf: Ein Teil der Beiträge in diesem Blog besteht aus Besprechungen oder Korrekturen irgendwelcher Sendungen, in denen Blödsinn verbreitet wird. Und ich weiß nicht, ob meine empirische Empfindung einer wissenschaftlichen Untersuchung standhalten könnte, aber ich und die radbegeisterten Leute, mit denen ich mich umgebe, die haben schon das Gefühl, dass nach manchen Sendungen oder Falschinformationen die Stimmung draußen auf der Straße deutlich schlechter wird. Bestens Beispiel und aktuell noch obendrein dürfte da diese Falschinformation sein, die von der Deutschen Presseagentur in Zusammenarbeit mit jeder besseren Tageszeitung und der tagesschau in die Köpfe geblasen wurde: Das Ignorieren eines Radweges koste nun 20 Euro. Diese Information wurde mir seit dem 1. April bestimmt zehn Mal durchs Beifahrerfenster unterbreitet. Und ich kenne ein paar Radfahrer, die nun über jeden Zweifel erhaben ganz sicherlich nicht in die Kategorie der Kampfradler fallen, die sich solche Belehrungen ebenfalls anhören mussten.

              Herrje, hinter gutem Journalismus steckt ein sauberes Handwerk. Wenn ein Bericht über Migranten im Vorabendprogramm wegen Unsauberkeiten schiefgeht und am nächsten Tag drei Asylantenunterkünfte brennen, dann ist das Geschrei groß und Köpfe rollen. Wenn Falschinformationen in der tagesschau und jeder Tageszeitung, die sich von der Deutschen Presseagentur füttern lässt, dafür sorgen, dass Radfahrer wenigstens in den folgenden vier Wochen teilweise massiv bedroht werden oder ich nach einem Stern-TV-Beitrag plötzlich Morddrohungen bekomme, dann werde ich gefragt, ob ich Autofahrer hasse oder Vorurteile pflege oder nicht irgendwo selbst schuld wäre. Das ist schon ein bisschen komisch.

          2. naja, wer nicht sofort weggezappt hat, und sich „The Mietmaul vs. Schlagerfutzi“ angeschaut hat, weiss das RTL in „Opfersuche fuer Lynchmobs“ eine seiner Einnamequellen gefunden hat.

        2. Lieber Kristof,

          ich bin kein studierter Journalist, sehe aber deutlich, daß Malte gar nicht erwartet hat, daß hier Lobbyarbeit für „uns“ betrieben wird, denn wenn er schreibt:

          Man müsste sich endlich einmal Zeit nehmen und ganz sachlich erklären, was Radfahrer dürfen, dass eben nicht jeder Fahrbahnradler ein Provokateur ist, dass man beim Rechtsabbiegen nachsieht, ob auf dem Radweg jemand fährt und wie groß der Sicherheitsabstand beim Überholen sein sollte.

          dann fordert er schlicht, aufzuklären, was die Grundlagen sind, durch Gesetze und Rechtsprechung definiert, was aber eben kaum jemand weiß (weswegen es diesen und auch meinen Blog vermutlich überhaupt gibt). Das IST in meinen Augen Journalismus und keine Lobbyarbeit und kann von den Journalisten ja auch problemlos recherchiert werden, wie im ersten Teil des Beitrags -wie Malte ja auch schreibt- eben auch geschehen. Wir haben ja sogar nen Stunt hingelegt und nen potentiellen Radwegeunfall nachgestellt. Lobbyarbeit wäre in meinen Augen, etwas zu fordern, was über den definierten Soll-Zustand hinaus geht, hier wird lediglich gefordert, daß Menschen sich an die Regeln halten. Das ist eigentlich schon schlimm genug.

          Ich habe letzte Woche einen Polizisten (in zivil, aber sich sofort als „Polizist“ ausgebend) nach ner Drängel-Überholaktion mal gefragt, „was ist denn der Sicherheitsabstand beim Überholen eines Radfahrers?“ Schweigen. Dothebart war dabei. Der müßte das jeden Tag in der Zeitung lesen, im Radio hören und im Fernsehen sehen, damit er es kapiert. Und nicht erst, wenn er einen touchiert – wie heute übrigens in Köln passiert. Auf nem „Schutzstreifen“.

          lg,

          Marco

        3. Lieber Kristof,

          ich bin kein studierter Journalist, sehe aber deutlich, daß Malte gar nicht erwartet hat, daß hier Lobbyarbeit für „uns“ betrieben wird, denn wenn er schreibt:

          „Man müsste sich endlich einmal Zeit nehmen und ganz sachlich erklären, was Radfahrer dürfen, dass eben nicht jeder Fahrbahnradler ein Provokateur ist, dass man beim Rechtsabbiegen nachsieht, ob auf dem Radweg jemand fährt und wie groß der Sicherheitsabstand beim Überholen sein sollte.“

          dann fordert er schlicht, aufzuklären, was die Grundlagen sind, durch Gesetze und Rechtsprechung definiert, was aber eben kaum jemand weiß (weswegen es diesen und auch meinen Blog vermutlich überhaupt gibt). Das IST in meinen Augen Journalismus und keine Lobbyarbeit und kann von den Journalisten ja auch problemlos recherchiert werden, wie im ersten Teil des Beitrags -wie Malte ja auch schreibt- eben auch geschehen. Wir haben ja sogar nen Stunt hingelegt und nen potentiellen Radwegeunfall nachgestellt. Lobbyarbeit wäre in meinen Augen, etwas zu fordern, was über den definierten Soll-Zustand hinaus geht, hier wird lediglich gefordert, daß Menschen sich an die Regeln halten. Das ist eigentlich schon schlimm genug.

          Ich habe letzte Woche einen Polizisten (in zivil, aber sich sofort als „Polizist“ ausgebend) nach ner Drängel-Überholaktion mal gefragt, „was ist denn der Sicherheitsabstand beim Überholen eines Radfahrers?“ Schweigen. Dothebart war dabei. Der müßte das jeden Tag in der Zeitung lesen, im Radio hören und im Fernsehen sehen, damit er es kapiert. Und nicht erst, wenn er einen touchiert – wie heute übrigens in Köln passiert. Auf nem „Schutzstreifen“.

          lg,

          Marco

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  7. Aha, gezielte Des- und Falschinformation ist also (guter) Journalismus.
    Na schönen Dank auch, dann verdanken „wir Radfahrer“ den Krieg auf den Straßen, der jedesmal nach solchen Sendungen nochmal verschlimmert aufflammt, also nicht bloß dem Ramsauer.

    Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten ist gut, ist sogar verdammt gut. Nur … dann sollte es auch so stattfinden. Und was bitte ist der „andere“ Blickwinkel? Autofahrer die sich einen Scheissdreck um zentralste und elementarste Verkehrsregeln scheren, sind stellvertretend für welchen Blickwinkel da?

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