So schnell ist der Lappen gar nicht weg

Das Nachrichtenportal von T-Online beschreibt düstere Zukunftsaussichten für deutsche Kraftfahrer: So schnell ist der Führerschein künftig weg

Eine der gravierendsten Änderungen ist für Autofahrer 2014 das neue Punktesystem in Flensburg. Es tritt zum 1. Mai in Kraft und bietet auch einige Erleichterungen. Doch schwerere Verstöße fallen stärker ins Gewicht. Wer gerne mal aufs Gaspedal drückt, kann nun weitaus schneller als bislang den Führerschein verlieren. Wir zeigen Ihnen, wie der Gesetzgeber Vergehen nach dem alten und dem neuen Recht ahndet.

Naja, so schnell ist der normale Kraftfahrer seine Pappe dann wohl doch nicht los. Jedenfalls nicht dann, wenn er sich nicht gerade wie die berühmte Axt im Straßenverkehr Walde aufführt:

Bei Tempoverstößen ist schnell der Lappen weg

Das betrifft vor allem auch Temposünder, wie der Autoclub Mobil in Deutschland mit einem Beispiel zeigt: Ein Vielfahrer wurde im letzten Jahr einmal mit dem Handy und in diesem Jahr zweimal damit am Steuer erwischt. Er hat zudem einmal eine Vorfahrt missachtet und ist mit 40 km/h innerorts und 50km/h außerorts zu viel geblitzt worden. Nach dem noch gültigen Punktekatalog würde er für all diese Vergehen 12 Punkte kassieren.

Scharfe Kritik vom Autoclub

Er bekommt damit lediglich eine Ermahnung, darf seinen Führerschein locker behalten. Bewertet man die Vergehen jedoch mit dem neuen System, so kommt er auf einen Kontostand von 8 Punkten und weg ist der Schein.

Zwölf Punkte in etwas mehr als einem Jahr waren auch vor der Reform bereits ein ordentliches Pensum. Wer das schafft, wird vermutlich ohnehin nicht lange Freude am Fahren genießen dürfen, sondern seinen Schein dann eben nach spätestens anderthalb Jahren schreddern können; nach 18 Punkten ist schließlich bislang Schluss mit lustig. In diesem Beispiel, bei dem der Autoclub Mobil glaubt, normale Verkehrsteilnehmer einigermaßen abzubilden, ist der Schein dann eben sechs Monate früher futsch.

Das ist im Grunde genommen vielleicht gar nicht mal das schlechteste, was den übrigen Verkehrsteilnehmern passieren kann. Dass man sich mal mit der Vorfahrt vertut, Schwamm drüber, das passiert halt mal. Es sollte zwar nach Möglichkeit nicht passieren, aber realistisch betrachtet passiert das dem einen oder anderen auch mal versehentlich. In diesem Beispiel wurde der Verstoß sogar verfolgt, was für den Kraftfahrer schon ein außerordentliches Pech darstellt, denn normalerweise machen sich weder die übrigen Verkehrsteilnehmer noch das Auge des Gesetzes die Mühe, solche Verstöße zu ahnden, sofern die Sache nicht gerade in einem Unfall resultierte. Nach dem neuen System hätte der Vielfahrer damit erstmal einen einzigen Punkt auf dem Konto, kann sich also locker acht Unaufmerksamkeiten im Straßenverkehr erlauben, die dann auch noch verfolgt werden müssen, bevor die Pappe gelocht wird.

Die übrigen Verstöße spielen allerdings teilweise in einer ganz anderen Liga. Wer als Vielfahrer drei Mal mit dem Handy am Steuer erwischt wird, telefoniert wahrscheinlich noch sehr viel häufiger unbemerkt während der Fahrt. Dem lässt sich übrigens mit einer Freisprecheinrichtung entgegenwirken, die es für wenig Geld sogar an Tankstellen zu kaufen gibt. Eine Geschwindigkeitsübertretung von vierzig Kilometern pro Stunde innerorts ist aber nun wirklich nichts, was denn gerade mal eben so aus Versehen passiert. Das deutet schon langsam auf Vorsatz hin und auch dort stellt sich die Frage, wie groß wohl die Dunkelziffer der begangenen Geschwindigkeitsübertretungen ist. Fünfzig zuviel außerorts, naja, da kann man sich noch Beispiele konstruieren, wo das versehentlich passiert ist, etwa mit Tempo 200 entlanggerauscht, das Schild zu spät erkannt oder zu langsam gebremst oder was auch immer; besser wird die Geschwindigkeitsübertregung dadurch allerdings auch nicht. Und mal ganz abgesehen davon geht der Betroffene dank der so genannten Zwei-mal-26-Regelung vermutlich ohnehin schon eine ganze Weile zu Fuß, ohne seine Fahrerlaubnis zu verlieren.

Sofern man sich einigermaßen an die Verkehrsregeln hält, wird man auch künftig ganz gut durch den Straßenverkehr rollen können. Ob die Reform nun sinnvoll ist, das sei mal dahingestellt: Sie ist eines der wenigen realisierten Vorhaben des ehemaligen Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.